IN FLAMES: Soundtrack to Your Escape

Klasse – was sonst?

Dass ihr neues Album ein Großangriff werden würde, war klar. Dass diese Band eine noch größere Produktion auffahren werden würde war klar, doch dass die Schweden sich extra für die Aufnahmen eine Villa in Dänemark mieteten und sich dort sechs Wochen mit ihrem Produzenten Daniel Bergstrand einschlossen lässt selbst den utopischsten Metalhead ungläubig mit dem Kopf schütteln. Wird viel Lärm um nichts gemacht oder half die Isolation IN FLAMES wirklich, hervorragende Songs wie auf Reroute to Remain aufzunehmen?

Fakt ist, dass das eh schon sehr gute Vorgängeralbum beim Hörgenuss von Soundtrack to Your Escape nicht mehr als einen stilistischen Wegbereiter darstellt. Allzusehr unterscheiden sich die beiden Alben nicht voneinander, Soundtrack to Your Escape ist genauso modern und elektronikverliebt wie sein Vorgänger, vielleicht eine Spur härter, doch etwas hebt die Scheibe deutlich ab: Die Songs sind komplexer, melodischer, eingängiger, emotionaler, einfach besser. Die Herren Strömblad und Gelotte haben sich mächtig ins Zeug gelegt, die besten Melodien seit Jahren geschrieben, den Startschuss für fesselnde Death Metal-Songs gegeben.

Auf Soundtrack to Your Escape ist nichts auf Hit getrimmt, dafür ist das Material viel zu eigensinnig. Stattdessen leben sich die Musiker aus, scheren sich einen feuchten Kehricht um ihren Heldenstatus und machen, was sie wollen. Ehrlichgesagt, die Änderungen und Selbstverwirklichungstrips halten sich in Grenzen, doch die Melodieführungen sind ungewöhnlich. Aber dennoch, die Songs an sich haben alle große Hitqualitäten. Den Anfang macht das triolisch geriffte F(r)iend bei dem man stellenweise gar an MORBID ANGEL denkt, bevor die Singleauskopplung The Quiet Place in melancholischere Gefilde voranschreitet. Dann haben wir noch das verrückt geriffte Touch of Red mit seinem Breitwandchorus, das nach The Jester Race klingende In Search for I und Superhero of the Computer Rage mit seiner punkigen Attitüde. Doch der Übersong der Scheibe ist Boarders and Shading, das mit seinen zweistimmigen Gitarrenläufen ganz einfach Weltklasse ist.

Nicht ganz Weltklasse, aber dennoch um einiges besser als zuvor ist Anders Fridens melodischer Gesang, der mehr Ausdruck in sich trägt und deutlich selbstbewusster als zuvor klingt. Ansonsten ist klar, dass Fans der Startruppe auf jeden Fall zugreifen müssen, und all denen die glauben, hier habe sich eine Band des Geldes wegen verraten soll gesagt sein: Diese Entwicklung macht über die Maßen Sinn. Soundtrack to Your Escape ist übrigens der perfekte Titel für eine Scheibe, die die triste Wirklichkeit für 45 Minuten vergessen lässt und den Hörer ungemein stärkt. Dass diese Scheibe Pflicht ist, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen, oder?

VÖ: 29. März 2004

Spielzeit: 46:56 Min.

Line-Up:
Anders Friden – Vocals

Jesper Strömblad – Guitars

Björn Gelotte – Guitars

Peter Iwers – Bass

Daniel Svensson – Drums

Produziert von Daniel Bergstrand
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.inflames.com

Tracklist:
1. F(r)iend

2. The Quiet Place

3. Dead Alone

4. Touch of Red

5. Like You Better Dead

6. My Sweet Shadow

7. Evil in a Closet

8. In Search for I

9. Borders and Shading

10. Superhero of the Computer Rage

11. Dial 595-Escape

12. Bottled