IMPERIUM DEKADENZ: Into Sorrow Evermore

Mit “Into Sorrow Evermore” stoßen IMPERIUM DEKADENZ auf Gold: Nach fast zwei Dekaden im Geschäft sollte nun endgültig der Sprung in die obere Riege des Atmospheric Black Metal drin sein.

Wir haben es oft genug miterlebt: Immer wieder müssen talentierte Künstler:innen lange auf den entscheidenden Durchbruch warten. Das liegt nicht immer nur an reinem Talent, sondern bisweilen auch am Timing oder gar einer einzigen herausragenden Performance, wie wir Fall von Christoph Waltz‘ Hans Landa („Inglourious Basterds“) oder Bryan Cranstons Walter White („Breaking Bad“) gesehen haben. Dass IMPERIUM DEKADENZ ihrerseits nun schon seit fast zwei Dekaden ihrer Passion nachgehen, ohne je in die oberste Riege vorgestoßen zu sein, versetzt uns folglich ins Grübeln.

Denn wie Schauspieler Cranston vor seinem Welterfolg ist das Duo aus dem Schwarzwald kein unbeschriebenes Blatt – nach sechs Studioalben müssen wir uns somit ehrlicherweise fragen: Ist es Talent oder Timing? Zumindest Ersteres können wir spätestens im Jahr 2023 besten Gewissens ausschließen. Mit ihrem siebten Anlauf schaffen IMPERIUM DEKADENZ in jeder Hinsicht einen Qualitätssprung, der zwischen ihnen und dem Spitzenfeld nicht mehr viel Platz lässt: „Into Sorrow Evermore“ haucht dem atmosphärischen Black Metal nicht nur Leben, sondern Menschlichkeit ein.

IMPERIUM DEKADENZ ziehen uns in einen Strudel aus Emotionen

Natürlich dominieren Blastbeats, eisige Gitarren und einschneidende Screams das Fundament der acht Songs. Gleichzeitig jedoch zeichnen die beiden Musiker eine aufrichtige Szenerie von Verletzlichkeit und Melancholie. Was anfangs gegensätzlich erscheinen mag, prägt nicht nur den Sound des Albums in entscheidender Weise. Auch wir selbst finden uns alsbald in diesem Strudel aus Emotionen wieder, wenn der eröffnende Titeltrack irgendwie Resignation und Zuversicht gleichzeitig aus uns sprechen lässt.

Das Geheimnis für dieses Paradoxon liegt wohl auch im Kontrast zwischen vergleichsweise roher und doch offen gehaltener Produktion sowie den eingeflochtenen Melodien, die zwischen Schwermut und Aufbruch pendeln. Dass Sänger Horaz – von ein paar gesprochenen Passagen abgesehen – komplett auf klare Gesangszeilen verzichtet, wirkt sich keineswegs negativ auf das Gesamtbild aus, da IMPERIUM DEKADENZ durch kluge Melodieführung („Truth Under Stars“) und doomige Einflüsse („Aurora“) nichtsdestotrotz ein breitgefächertes Repertoire zur Schau stellen.

Qualitativ sind IMPERIUM DEKADENZ mit “Into The Sorrow Evermore” auf Gold gestoßen

Die nachdenkliche, doch beruhigende Piano-Begleitung im entrückten „Aurora“ lädt in der Folge zum Dahinschwelgen ein, während uns der fast schon beschwingte Grundcharakter von „Forests In Gale“ nebst seinen schnelleren Ausbrüchen umgehend zurück in die Realität holt. Hin und wieder scheinen aber auch die traditionellen Einflüsse der Band hindurch: In „Awakened Beyond Dreams“ blitzt im Haupt-Riff vielleicht sogar ein wenig DISSECTION auf, während im schleppenden „November Monument“ unter der bedrückenden Wall of Sound ein Hauch Doom zum Vorschein kommt.

Warum IMPERIUM DEKADENZ also trotz dieser Vielfalt und konstant hohen Qualität selbst im nun 20. Bandjahr vielerorts noch unter dem Radar fliegen, ist gar nicht so einfach zu erklären. Vielleicht fehlte bislang tatsächlich nur das richtige Timing – das richtige Werk zum richtigen Zeitpunkt. Garantien hierfür gibt es leider nie, doch stehen die Zeichen für „Into Sorrow Evermore“ immerhin ausgesprochen gut. Und wer weiß, womöglich sind die Süddeutschen mit dem siebten Versuch tatsächlich endlich auf Gold gestoßen: ähnlich wie Bryan Cranston mit seiner Paraderolle als Walter White oder Christoph Waltz als charismatischer Bösewicht Hans Landa. Die Antwort kann, natürlich, nur die Zeit geben – bis dahin sortieren wir allerdings schon mal die Jahresbestenliste neu.

Veröffentlichungstermin: 20.01.2023

Spielzeit: 51:03

Line-Up

Vespasian – Guitars, Bass, Drums, Keyboards
Horaz – Guitars, Keyboards, Vocals

Label: Napalm Records

Homepage: https://www.imperium-dekadenz.de/
Facebook: https://www.facebook.com/ImperiumDekadenz/

IMPERIUM DEKADENZ “Into Sorrow Evermore” Tracklist

1. Into Sorrow Evermore
2. Truth Under Stars
3. Aurora
4. Elysian Fields
5. Forests In Gale (Lyric-Video bei YouTube)
6. Awakened Beyond Dreams
7. November Monument (Video bei YouTube)
8. Memories … A Raging River (Video bei YouTube)