ILL NINO: Confession

ILL NINO: Confession

Der moderne Metal geht viele Wege. Manche führen in seichte Gewässer und man braucht unbedingt ´nen DJ und zwei Sänger. Andere führen zu totalen Ego-Trips und man braucht rote Mützen. Manche hingegen führen zu sehr emotionaler und packender, harter Musik. Und eben diesen Weg beschreiten ILL NINO.

Es ist nicht einfach die Vielschichtigkeit dieser Platte zu beschreiben. Es gibt die, eigentlich als Klischee anmutende Stop-and-Go Strategie beim Songwriting, die Stakkato-Riffs, die Mit-Hüpf-Rhythmen, den tiefen, angeslappten Bass, es gibt Latin-Versatzstücke und Percussions, und trotzdem klingt diese Band nicht wie alle anderen. Das Ganze ist eben mehr als die Summe der einzelnen Teile.

Die Steigerung gegenüber dem schon sehr guten Erstling Revolution Revolucion ist immens. Die zwei neuen Bandmitglieder,an den Percussions (Danny Couto) und der Gitarre (Ahrue Luster-Ex-MACHINE HEAD), haben der Band offenbar den nötigen Energieschub und die Tightness gebracht, die auf dem Debut noch vermisst wurden.

Lieder wie das treibende „Two (Vaya con dios)“, das fantastische und beste Stück der Platte „Lifeless…Life“, oder auch das ruhige, packende „Have you ever felt“, sind einfach echt gute, eindringliche Songs, die so eben nicht von LINKIN PARK , P.O.D. und Konsorten kommen können. Und die Frage, „Have you ever felt the same?“, die in letzterem Song gestellt wird, kann man hier guten Gewissens mit JA beantworten. Emotionen werden direkt in Töne verpackt. Ist es nicht das, worum es eigentlich geht?

Vielleicht ist es auch nicht ganz richtig diese Bands überhaupt zu vergleichen, denn ILL NINO haben einen komplett anderen Zugang zur Musik. Hier werden nicht härtere Versatzstücke mit Melodien zusammengeschustert und dann ein nettes Video gedreht, irgendwer wird´s schon kaufen, hier werden SONGS GESCHRIEBEN. Man hört in jeder Sekunde, daß hier Musiker am Werk sind und keine Selbstdarsteller. Und dazu noch sehr gute Musiker. Einfallsreiche Arrangements sind an der Tagesordnung, genauso wie nachvollziehbare Melodiebögen und fette Riffs.

Der Latin-Anteil, der auf dem Debut noch sehr im Vordergrund stand, tritt zugunsten der Songs etwas zurück, was dem Ganzen eine größere Homogenität verleiht. Am deutlichsten zu hören ist er wohl bei der kleinen aber feinen Flamenco-Einlage in „This time´s for real“ oder der Rhythmik in „Numb“. Dennoch wird das Ganze nicht als Gimmick (nach dem Motto: „Guck mal, wir können was ganz toll Exotisches auf der Gitarre!“)eingesetzt, sondern als ein Stilmittel von vielen, um den Songs mehr Tiefe und Intensität zu verleihen.

Diese Platte ist ein kompakter Block von brillianter, zeitgemäßer Musik.

Und zu beichten haben die Jungs eigentlich nix, an der Musik haben sie sich jedenfalls nicht versündigt. Im Gegenteil, wer es intensiv mag und die ein oder andere Melodie nicht verachtet, findet hier Erlösung. Auch ohne 25 „Gesegnest seist du Maria…“.

Ein bißchen ILL NINO zum Hören und zum Sehen gibt es unter www.roadrunnerrecords.de. (Wer´s braucht kriegt sogar ´n Handy-Logo…)

Spielzeit: 44.08 min. Min.

Line-Up:
Christan Machado – Voc.

Dave Chavarri – Dr.

Ahrue Luster – Guit.

Jardel Paisante – Guit.

Laz Pina – Bs.

Danny Couto – Perc.

Produziert von Bob Marlette (Co-produced von Dave Chavarri und Christian Machado)
Label: Roadrunner

Homepage: http://www.illnino.com/

Tracklist:
1. Te amo…I hate you

2. How can I Live

3. Two (Vaya con dios)

4. Unframed

5. Cleansing

6. This time´s for real

7. Lifeless…Life

8. Numb

9. Have you ever felt?

10. When it cuts

11. Letting go

12. All the right words

13. Re-Birth