ARCTURUS: La Masquerade Infernale

Das Schaffen von ARCTURUS, Teil 2.

Die Reise sollte die Band dort hin führen, wo niemand es vermutet hätte. Entgültig weg vom Black Metal, zu dem man die Musik eh nie so richtig zählen konnte, hin zu einer Befreiung sondersgleichen. Eine Öffnung des Stils ARCTURUS´ ließ eine unglaublich komplexe Platte erstehen, die auch ein Konzept beinhaltet: ARCTURUS wollten beweisen, dass satanische Musik nicht nur Black Metal sein muss, sondern auch in anderen Stilrichtungen daheim sein kann.

So wurden Elektro, Klassik, Jazz, Trip Hop und Progressive-Einflüsse in die Musik übernommen, was ein beeindruckendes Ergebnis brachte: Kompromissloser Metal auf der einen Seite, verrückte Spielereien auf der Anderen. Das ganze gipfelt bereits im ersten Song Master of Diguise, der durch den Einsatz des Orchesters noch kranker und fieser wirkt als er so schon würde. Desweiteren passt Gastsänger Simens (DIMMU BORGIR) Stimme, die den Hintergrund dieses Songs ausschmückt, grandios dazu.

Dass dieses Album unberechenbar ist, findest man zwar schon bei dem Opener heraus, aber das zweite Stück, das grandiose Ad Astra (einer der besten Songs, den ich jemals gehört habe!) setzt dem ganzen die Krone auf. Er beginnt langsam, mit Streichern und einer Bassdrum, steigert sich dann aber immer weiter, die Instrumentierung nimmt zu und es bricht ein Finale aus, dass den Hörer atemlos zurücklässt. Erklärt mich für verrückt, aber dieser Song ist Sex, zuerst beginnt er sinnlich und steigert sich durch verstärkte Dynamik und Geschwindigkeit zu einen Ohrgasmus, den man immer wieder erleben will. Wahnsinn!

Das darauf folgende The Chaos Path, in dem wiederum Simen mitwirkt, diesmal jedoch als Lead-Sänger, wirft ein weiteres Mal die Erwartungen der Hörer über den Haufen. Simen schafft es dieses eher minimalistische Stück mit seinem Gesang wie ein Schauspiel wirken zu lassen, als wäre er gerade auf dem Weg in die Klapse. Nach diesem kranken Spiel erlebt der Hörer die nächste Steigerung (Lassen wir das Intermezzo La Masquerade Infernale mal außen vor): Alone, nach Edgar Alan Poe zeigt, dass die Band ihre (Black) Metal-Herkunft nicht vergessen hat und auch noch wütend drauf los prügeln kann, aber das mit Elektronik verfeinert und nur kurz, denn danach kommt beginnt das Lied wiederum ein Schauspiel darzustellen, diesmal von Garms Seite her. Hierbei wird sehr viel mit Dynamik gespielt, außerdem kann sich Garms Gesang, der auf diesem Album allerdings nicht hundertprozentig überzeugen kann, sich hierbei mächtig entfalten. Die dramatische Steigerung des Songs ist unglaublich spannend und endet mit einem profan anmutenden Break.

Danach kommt, nach Ad Astra mein persönlicher Favorit, The Throne of Tragedy, der besonders durch sein pradoxes Gesamtbild besticht: Beginnt dieses Stück noch schwarz wie Nacht mit Keyboard-Samples und verzerrtem Gesang, kommt wenig später eine außergewöhnliche melodische Gitarrenmelodie hinzu, die auf makabere Art und Weise fröhlich anmutet. Dazu kommen immer wieder Stimmungswechsel von Depression, Erhabenheit und permanente Dunkelheit und Kälte, mit irren Samples und Effekten auf den Vocals hinterlegt.

Theatralik wird auf diesem Meisterwerk eh groß geschrieben und diese gipfelt anschließend im Song Painting my Horror. Verspielt, verrückt und zwischen Aggression und Melancholie angesiedelt begeistert dieser Song speziell im Mittelteil, der ein Duett von Simen und Garm darstellt. Anschließend, und das muss unbedingt bemerkt werden, folgt der einzig richtig straighte Teil des Albums, ein schön fettes Riff rundet diesen Song ab.

Zu guter Letzt folgt das ruhig beginnende Of Nails and Sinners, das schön mit atmosphärischen Keyboards unterlegt ist und in einen Refrain mündet, der sowohl durch die angewandte Harmonik sperrig als auch sehr eingängig ist. Der Einsatz einer Hammond-Orgel wirkt unterstützend und abschließend gibt Drummer Hellhammer ein paar flotte Takte von sich, bevor das Album endet und den Hörer verwirrt hinterlässt. Nach ein wenig mehr Hördurchläufen jedoch gesellt sich das Album als treuer Freund in den Player des Hörers – keine Scheuklappen sind dabei Voraussetzung!

Schlussendlich bleibt zu sagen, dass sich der Aufwand für ARCTURUS definitiv gelohnt hat. Trotz interner Streitigkeiten (Hellhammer waren die Drum-Parts nicht metallisch genug) und Stiloffenheit gibt La Masquerade Infernale ein homogenes Gesamtbild ab. Die eingesetzten Streicher verdeutlichen das ambitionierte Denken der Band-Chefs Sverd und Garm. Philosophy of the Crazed – selten war ein Bandwahlspruch zutreffender als auf diesem Album.

Per aspera ad astra.

P.S. Betätigt man am Anfang der CD den Rückwartssuchlauf…

VÖ: Herbst 1997

45:16

Hugh Steven James Mingay – Limousine & Low Frequencies

G. Wolf – Statements, Samples, Loops & Buffoonery

Jan Axel Van Blomberg – Hellhammers

Knut M. Valle – Guitar Treatments

Steinar Sverd Johnsen – Synthetic Devices of Horror

Misanthropy Records / Music for Nations

Homepage: www.adastraenter.com

1. Master of Disguise

2. Ad Astra

3. The Chaos Path

4. La Masquerade Infernale

5. Alone

6. The Throne of Tragedy

7. Painting my Horror

8. Of Nails and Sinners