HEAVY METAL THINGS: Episode 1 – Metal from The Eighties [V.A.]

Hach, waren das schöne Zeiten, als man für sich selbst und seine Freunde Mix-Tapes zusammengeschnitten hat, um die Highlights der neuen Platten vereint hören oder teilen zu können. Der Sohn vom Vermieter war etwas älter und hatte schon mehr Platten, hat mich als kleinen Bubi mit seinen Mix-Tapes gut erzogen. Später die Nachbarn aus England, wir hatten eine britische Garnison in der Stadt, da waren Tapes mit der heranwachsenden NWOBHM gesichert. Dann schaut man auf die heutige Streamingkultur, sicher praktisch, aber so lieb- und leidenschaftslos. Das sehen anscheinend Golden Core ähnlich und präsentieren uns aus ihrem Archiv eine Zusammenstellung, die wie ein Tape aus der guten alten Zeit anmutet. Sinnvoll kommt HEAVY METAL THINGS auf Vinyl, für die Zielgruppe alternder Metalheads mit gepflegter Plattensammlung, aber auch für den Metal-Nachwuchs, der fleißig Plattenbörsen durchwühlt nach den alten Schätzen.

HEAVY METAL THINGS “Episode 1 – Metal from The Eighties” ist ein Mix-Tape auf Vinyl

So einen Mix mit MANILLA ROAD zu eröffnen wundert nicht, war Labelkopf Neudi dort doch seit 2011 selbst am Trommeln. Hier gibt es mit „Necropolis“ vom 1983er Album „Crystal Logic“ einen echten Hit, der sich sofort wieder im Ohr festsetzt. CUTTY SARK rocken beschwörend „Die Tonight“, die Bonner Band war unverdient eher in der zweiten Liga unterwegs. Bei WILDFIRE glüht die Luftgitarre, „Violator“ verbreitet gute NWOBHM-Laune. Sänger Paul Day war immerhin erster Sänger bei IRON MAIDEN, später bei MORE und THE SWEET.

MALLEUS lädt zum Schmunzeln ein, klingt „White Noise“ doch wie ein nörgeliger Hybrid aus TROUBLE´s Version des BEATLES-Songs „Come Together“, gespielt von der ersten SAINT VITUS-Besetzung. Auch eine Band aus der zweiten Reihe, die es anscheinend heute wieder gibt. SAINTS’ ANGER landen auch heute noch immer mal auf meinem Player, ihr einziges Album „Danger Metal“ hab ich geliebt. Da freut man sich, dass hier „Crashing On Steel“ aus den Boxen knallt. HELLBREATH waren raue Gesellen, unpolierte IRON MAIDEN-Fans mit Punk-Attitüde, bei „Riding Free“ kramt man automatisch nach dem Nietenarmband.

HEAVY METAL THINGS vereint 80er Metalsongs von deutschen, britischen und US-Bands

Gepflegter startet die zweite Seite, GRIFFIN laden mit unheilvollem Auftakt zur fetzigen San Francisco „Heavy Metal Attack“. Auch die Mansfield Okkult-Metaller WITCHFYNDE werden hier sehr oft gezupft, wenn ich bei W unterwegs bin. „Stab In The Back“ lässt einen fröhlich durch die Bude hüpfend mitsingen und erinnert an die unterhaltsame Show beim HEADBANGERS OPEN AIR 2018. Die Berliner SUDDEN DEATH rumpeln in räudiger MOTÖRHEAD-Manier nach vorn. Das einzige (?) Album „All Or Nothing“ von 1987 kenne ich nicht. Aber das war und ist ja der Sinn dieser Mix-Sammlungen, man entdeckte da halt viel Neues, hier neues Altes.

Die deutsch-italienische Band SPHINX mit ihrem Keyboardsound und den deutlichen URIAH HEEP-trifft-MANFRED MANN-Vibes sticht etwas heraus aus dem metallischen Gesamtprogramm. Der Titelsong vom 85er Album „Burning Lights“ macht aber natürlich Spaß, wie das ganze Album. Bei „Master Of Time“ geht dann nochmal die Metalfaust gen Himmel, die Niederländer DARK WIZARD waren 1985 auch doomigen Grooves nicht abgeneigt.

“Episode 1 – Metal from The Eighties” zeigt, was für starke Bands es damals gab

HEAVY METAL THINGS trifft tatsächlich den Zeitgeist der 80er, so oder ähnlich sahen auch die Mix-Tapes Mitte der 80er aus. Erkennbar zusammengestellt von Oldschool-Freaks, halt typisch Golden Core. Gelungen der Mix aus deutschen, britischen und US-Bands, auch aus der zweiten Reihe ohne die üblichen Hits. Natürlich denkt man auch an entsprechende NWOBHM Sampler-Serien wie „Metal For Muthas“. Hier auf HEAVY METAL THINGS fühlt man sich zurückversetzt auf eine spannende Zeit unserer Musik. Die bei der entsprechenden Generation Erinnerungen weckt und in der nie wirklich vollständigen Plattensammlung kramen lässt. Und jungen Metalheads wieder einmal zeigt, was für starke Bands es damals gab, die auch heute teils noch oder wieder aktiv sind. Das Album kommt mit einem Essay über den 80s Metal und vielen Fotos. Der Titel „Episode 1 – Metal from The Eighties“ deutet es an, da kommt sicher noch das ein oder andere „Mix-Tape“.

Veröffentlicht am 02.09.2022

Spielzeit: 39:19 Min.

Label: Golden Core / ZYX

Die Tracklist von „Heavy Metal Things“:

Side A
1. Manilla Road – Necropolis (1983)
2. Cutty Sark – Die Tonight (1984)
3. Wildfire – Violator (1983)
4. Malleus – White Noise (demo version) (1984)
5. Saints´ Anger – Crashing On Steel (1985)
6. Hellbreath – Riding Free (1988)

Side B
1. Griffin – Heavy Metal Attack (1984)
2. Witchfynde – Stab In The Back (1984)
3. Sudden Death – Killer (1987)
4. Sphinx – Burning Lights (1981)
5. Dark Wizard – Master Of Time (1985)