GROG: Odes To The Carnivorous

Wie wohl portugiesischer Grog schmeckt? Soviel kalte Tage haben die doch gar nicht…

150 ml heißes Wasser

1-2 Eßlöffel Zucker

4 cl Rum

So lautet das klassische Rezept für die Zubereitung von Grog. Frei nach dem Motto: Wasser kann, Zucker soll, Rum muss. Mit dem bekannten Heißgetränk verbindet die gleichnamigen Portugiesen allerdings wenig. Statt dessen servieren sie uns einen blutigen Fleischcocktail mit lecker Innereien, aufgedunsenen Gedärmen und noch ausgeweidet zuckenden Jungfrauen.

Morbid Angel kann, Autopsy soll, Carcass muss – das gilt für Grogs Zweitling „Odes To The Carnivorous“. Ein Titel, der so auch als Werbetext für eine EU-Subventionskampagne zur Förderung des durch BSE und MKs rückläufigen Fleischkonsums durchgehen könnte. Geboten wird straight gespielter Goregrind untermalt von einem netten Röchel-Keifduett; am ehesten in einen (Rum-) Topf zu stecken mit Kombos wie Impaled oder Exhumed, statt mit Groovemonstern wie Skinless oder Six Feet Under. Die Band präsentiert sich abwechslungsreich – weit entfernt von ausgelutschten Prügel-Doompart-Variationen, überrascht mit Tracks wie dem thrashigen „Terrified“ oder „Raped By A Virgin“ (Anspieltipp!) mit seinem Schuss Ministry und fast schon klassisch-melodiös ausgefallenem Lead. Nie geht dabei der rote (Teebeutel-) Faden verloren, die Lieder wirken zielgerichtet und in sich schlüssig. Man merkt Grog eben doch an, dass die meisten Bandmitglieder bereits seit 10 Jahren gemeinsam Musik machen. Auch die solide Eigenproduktion aus der Hand des Chef-Guitarrero Nune Loureiro weiß zu gefallen.

Textlich und in Sachen Artwork präsentiert man sich genregerecht. Ihr wisst schon: Die Jungs haben zu viele Splattermovies geguckt und müssen jetzt ihre Kindheitstraumata verarbeiten – oder so. Dazu die schon fast obligatorischen Samples, die fatal an Carcass „Necroticism …“ erinnern. Frontgrunzer Pedro Pedra (was ein Name! Könnte Fußballer sein: Benfica Lissabon oder FC Porto?) hat sich zudem die Mühe gemacht, uns mit kleine Prosageschichten zu den einzelnen Liedern zu beglücken, die ihr im Booklet nachlesen könnt: Was ihr schon immer über Frauenschändung, Nekrophilie und Psychosen wissen wolltet, aber bisher nicht zu fragen wagtet. Dann aber wieder in der Greetings-Liste die Freundin abbusseln – ihr habt echt einen an der Waffel, Jungs!

Trotz dem Spritzer Exotenbonus hinterlässt „Odes To the Carnivorous“ aufgrund der kurzen effektiven Spielzeit von nur 30 Minuten (der Rest besteht aus vollkommen überflüssigen Voice-Samples als Hidden Track) einen faden Beigeschmack. So bleibt von Grog nach dem Erkalten eine Tasse überdurchschnittlicher Goregrind, der nicht nur an kalten Tagen schmeckt, den aber trotzdem keiner wirklich braucht.

Spielzeit: 36:12 Min.

Line-Up:
Roland Barros – Schlagzeug

Pedro Pedras – Vocals

Ivo Martins – Gitarre

Simao Santos – Bass/ Backing Vocals

Nuno Loureiro – Gitarre

Eigenproduktion
Label: Shock Wave Records

Tracklist:
Ode To The Carnivorous (Prelude To Brutality)

Corpse Reanimation (The Mutants Revenge)

Fornicators Delirium

Dead Art Collector

Cult Of Blood

Terrified

Necrogeek (The Doctors Diary)

Realm Of the Soulless

Raped By A Virgin

Narcissistic Skinblade Reflection