GRENDEL’S SYSTER: Myrtle Wreath / Myrtenkranz

GRENDEL’S SYSTER: Myrtle Wreath / Myrtenkranz

Ich liebe Folk, ich liebe schrulligen, epischen Metal, ich liebe GRENDEL’S SYSTER. Was soll auch bitte anderes dabei rauskommen, wenn man mir eine CD schickt, mit sieben Liedern, jeweils in deutsch und in englisch, die im Grunde nichts anderes sind als Volkslieder mit E-Gitarren? (Gut, nur sechs von ihnen – das letzte ist ein herrlich episches A-Capella-Stück.) Sängerin Caro hat eine kraftvolle Stimme, der man den Gesangsunterricht deutlich anhört, sie fühlt jede Zeile, die sie singt, und die Melodien sind lieblich, episch, melancholisch. Das Ganze profitiert sehr vom glasklaren, auf den Gesang abgestimmten Klang, und die Gitarren tun ebenfalls nur das Beste für Caros herrliche Stimme. Die CD kommt in einem wunderschönen Digipak, und alle Lieder liegen sowohl in einer englischen als auch in einer deutschen Fassung vor, so dass es sich de facto um eine EP in zwei Versionen handelt. Als deutscher Muttersprachler empfinde ich die englischen Versionen als unnötig, aber für andere Hörer*innen mag das anders wirken. Also alles richtig gemacht?

Der „Myrtenkranz“ ist wunderschön, aber leider zu dünn geknüpft.

Nicht unbedingt. Je häufiger ich die Lieder höre, desto mehr bedauere ich es, dass die Lieder zu simpel wirken; lieber hätte ich es, wenn das Volksliedhafte öfter in etwas Größeres eingebettet wäre, man sich kompositorisch mehr trauen würde, so wie in „Entoptische Petroglyphen“, in dem das epische Potential der Band beinahe voll ausgespielt wird. Beinahe deshalb, weil die Band ein großes Manko mit sich herumschleppt: Es fehlt an Grundierung, an Bass. Ohne klingen die eigentlich wunderschönen Lieder irgendwie zu dünn, wirken nur halb fertig auf mich. Klar, andere mögen das anders sehen (ich bin ja auch der einzige Rezensent weit und breit, den das Fehlen eines Basses bei DAWN RAY’D stört), aber bei mir kann man mit basslosem Heavy Metal einfach nicht 100%ig überzeugen. Schade – aber reinhören müsst ihr unbedingt!

Veröffentlichung im Eigenvertrieb am 1.10.2019 (CD & digital) bzw. Anfang 2020 (Vinyl auf Hoove Child Records)

Die Band auf Bandcamp

GRENDEL’S SYSTER „Myrtle Wreath / Myrtenkranz“ Tracklist

1. Agnicayana (Intro)
2. Vishnu’s Third Stride
3. Little Wildling Bird
4. Entopic Petroglyphs
5. Winnowing the Chaff
6. Count and Nun
7. Indra’s Jewelled Net
8. Cairns
9. Agnicayana (Intro)
10. Vishnus dritter Schritt
11. Wildvögelein
12. Entopische Petroglyphen
13. Worfelschwung
14. Graf und Nonne
15. Indras Juwelennetz
16. Steinmännlein

Andreas Holz
Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.