GOJIRA: The Link

GOJIRA: The Link

Experimentelle Musik ist für mich lebensnotwendig. Wenn ich viele zurückgebliebene Sachen höre, muss ich das ausgleichen. Sei es mit wunderbaren Post-Core-Sachen, sei es mit total psychotischem Grindcore oder… die meditative Musik der GORGUTS. Ja, für mich sind die kanadischen Death Metal-Übergötter einfach entspannend. Lege Dich hin, schließe die Augen und übe Konzentration. Genau so geht es mir mit den Franzosen GOJIRA, die diese Essenz sehr schön auf ihren eigenen Stil übertragen.

GOJIRA sind anspruchsvoll, intelligent und originell. Letzteres drückt sich jedoch nicht in der Erfindung eines komplett neuen Stils aus, sondern setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen: Megatiefe und triolische Riffs im Stil von MORBID ANGEL und das Vertrackte von GORGUTS zusammen mit einem Young+Lad>STRAPPING YOUNG LAD ergibt ein beachtliches Ergebnis. Auch wenn die Band doomige Klänge, wie in Inward Movement erklingen lässt, so merkt man, dass die Musiker in den verschiedensten Metalregionen Erfahrung gesammelt haben. Doch damit gibt sich das Quartett noch lange nicht zufrieden: Es ist schön, dass GOJIRA die verschiedensten, nichtmetallischen Einflüsse haben: Der Polkateil in Death of Me (übrigens superb ins schwermetallische umgesetzt), Connected als wunderbares, indianisches Zwischenstück und das Maultrommelsolo (!) in Rememberance zeugen von dem Mut und der Kreativität einer Band, die mit Sicherheit mal wieder von niemandem verstanden wird und sich irgendwann frustriert auflöst. Leider.

Lieber so, als sich irgendwelche Klischees aufdrängen zu lassen. Stattdessen zeigen vier Musiker, was sie drauf haben und wie sie es schaffen, dies emotional umsetzen. Gerade Drummer Mario klingt so unglaublich locker, dass es einem schwerfällt anzunehmen, er habe irgendwo Probleme beim Einspielen des hochtechnischen Materials gehabt. Alles fließt auch bei den Gitarristen und dem Basser, der leider auf zu wenigen Stellen zeigt, was er alles kann. GOJIRA sind wunderbar, so wie sie sind. Voller Magie, Härte, Komplexität und Schönheit. Glaubt mir, das passt zusammen, ihr müsst euch nur lange genug damit beschäftigen und vielleicht schon die eine oder andere ähnlich verdrehte Scheibe im Schrank stehen haben. Doch perfekt ist das französische Wunderkind noch nicht, am Gesang, der etwas eindimensional geraten ist, gibt es noch etwas zu verbessern. Dafür ist ihnen ein Album voller kreativer und emotionaler Musik gelungen, dass keineswegs überhört werden darf!

VÖ: 24. September 2003

Spielzeit: 47:03 Min.

Line-Up:
Joe Duplantier – Vocals, Guitars

Christian Andreu – Guitars

Jean-Michel Labadie – Bass

Mario Duplantier – Drums

Produziert von Gabriel Editions
Label: Next Music / Boycott Rec.

Homepage: http://www.gojira-music.com

Tracklist:
1. The Link

2. Death of Me

3. Connected

4. Rememberance

5. Torii

6. Indians

7. Embrace the World

8. Inward Movement

9. Over the Flows

10. Wisdom Comes

11. Dawn

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle