GINGERPIG: Ways Of The Gingerpig

Die guten alten 70er. Oh ja. Und wie ich daran denken muss, wie ich früher Vadderns Plattenregal durchgekramt hab, wenn ich die Scheibe von GINGERPIG höre.

Mann, Mann, Mann. Waren das Zeiten. Ich als kleiner Zwerg vor der Stereoanlage von Papa. Damals, als ich mir meinen Anschiss abgeholt hab, weil ich eine der kostbaren Nadeln bei dem Experiment Was kommt denn dabei raus, wenn ich den Plattenspieler ohne Platte ausprobiere geschrottet hatte. Irgendwann hab ich aber erkannt, dass es besser für mich und für meine Ohren ist, doch eine dieser komischen schwarzen Scheibchen draufzulegen, die in seltsam bunten Papphüllen lagen. Warum ich grad das erzähle? Weil mir genau das beim Hören von Ways Of The Gingerpig von GINGERPIG in den Sinn gekommen ist, wegen seinem unglaublichen 70er Charme, wie der Bands die ich damals im Plattenschrank meiner Eltern entdeckt hab.

Denn was Boudewijn Bonebakker da mit GINGERPIG auf die Beine gestellt hat, ist so astreiner, gerader 70er-Hammond-Rock, dass einem eigentlich die Freudentränen kommen müssen. Schon der Hammond-Einsatz bei Indefinite Muddle Of Conspiracies verströmt soviel Wärme und lässt die Erinnerungen an früher, die ersten Kontakte mit Bands wie LED ZEPPELIN oder DEEP PURPLE wachwerden, spätestens dann, wenn das Schlagzeug munter vor sich losgrooved. Und wer spätestens beim zweiten Stück Pipedreams nicht mit seinem Wischmob singend durch die Wohnung fegt, der hat wohl einiges verpasst im Leben, denn so groß, mitreissend und schön ist diese gleichzeitig so unkitschige Ballade. Dies Platte bringt wirklich alles mit. Die schönen Apreggios, die warmen Gitarren, Hammonds, die Melodik, die Solis, der Gesang, es fühlt sich alles so echt, aber gleichzeitig nicht altbacken an, nein, es macht einfach nur Spaß. Egal ob ich über den fast 10 Minüter mit seinem schönen, ruhigen Jam-Part in der Mitte spreche, dem treibend groovenden March Of The Gingerpig, dem schon fast bluesigen Digging With Bare Hands oder den anderen Tracks des Albums.

Da mag man eigentlich gar nicht glauben, dass Bonebakker früher zusammen mit GOREFEST die Deathmetaller zu wildesten Propellerfahrten angetrieben hat, wenn man ihn jetzt auf Bühnen von Festivals wie dem Roadburn mit GINGERPIG stehen sieht, wo er mit letzterer Band wirklich mehr als gut aufgehoben gewesen sein dürfte. Wer also eine schöne Zeitreise in die 70er unternehmen möchte, der dürfte bei GINGERPIG richtig liegen. Ich werde jetzt jedenfalls weiter singend zu Pipedream durch die Wohnung schwofen.. oh ja, oh ja….

Veröffentlichungstermin: 06.05.2011

Spielzeit: 44:43 Min.

Line-Up:
Jarno van Es: Keys
Sytse Roelevink: Bass
Maarten Poiters: Drums
Boudewijn Bonebakker: Guitar & Voice

Produziert von Gingerpig
Label: Suburban Records

Homepage: http://www.gingerpigrock.com
MySpace-Seite: http://www.myspace.com/gingerpigrock

Tracklist:
1. Indefinite Muddle Of Conspiracies
2. Pipedream
3. March Of The Gingerpig
4. Dimlighted Heart
5. Digging With Bare Hands
6. Undefined Call
7. Joe Cool (The Fool)
8. Blind To Reason