FLESHGOD APOCALYPSE: Labyrinth

FLESHGOD APOCALYPSE: Labyrinth

Mit dem Labyrinth des Minotauren haben FLESHGOD APOCALYPSE ein schönes und verblüffend passendes Sinnbild gewählt. „Labyrinth“ versetzt uns für 54 Minuten in einen Irrgarten, aus dessen Wirrungen es kein Entrinnen zu geben scheint. Uns auf den Fersen ist aber keine gehörnte Bestie wie in der griechischen Mythologie, sondern ein ganz anderes Ungetüm: Francesco Paoli nennt sich das Monstrum, das uns unablässig im Nacken sitzt. Sein Blastbeat ist unser ständiger Begleiter, hetzt uns durch das Labyrinth ohne Unterlass. Nach kurzer Zeit verdrängt die Orientierungslosigkeit unseren anfänglichen Adrenalinschub, Panik macht sich breit. Welche Abzweigung wir am Ende des Ganges nehmen sollen, scheint einerlei – es sieht ja doch alles gleich aus.

Im Prinzip beherbergt „Labyrinth“ ein hochinteressantes Soundgemisch

Womit sich die Metapher schließt. Denn FLESHGOD APOCALYPSE kennen nur einen Ansatz, den sie stur und hartnäckig verfolgen. Die Pegel sind voll aufgedreht, die Sekunden ohne Doublebass oder Blasts können wir gefühlt an fünf Fingern abzählen. Und als sei der so untermauerte Tech-Death-Metal noch nicht herausfordernd genug, buttern die Italiener ein ganzes Symphonie-Arrangement oben drauf.

Wie schon auf „Agony“ resultiert das in einem prinzipiell hochinteressanten Soundgemisch, das seine Aggressivität durch Epik und Dramatik in einem Bombastfeuerwerk zur Explosion bringt. Verheißungsvolle Chöre in „Minotaur (The Wrath Of Poseidon)“ erheben die Theatralik zum Götzen, das verspielte Piano sorgt für die wenigen Akzente und dem engagierten Soprangesang in „Kingborn“ und vor allem „Epilogue“ gelingt ein lebhafter Kontrast zu den bellenden Growls Tommaso Riccardis.

Auch „Labyrinth“ ist hoffnungslos überproduziert

Der Haken, der „Agony“ zusetzte, bleibt jedoch unverändert derselbe: „Labyrinth“ ist so hoffnungslos aufgeblasen und überladen, dass nach einer Viertelstunde die Ohren zu bluten beginnen – Francesco Paoli ist nicht der einzige im Gefüge, der lieber unter dem Banner EARDRUM APOCALYPSE firmiert hätte. Der Beginn von „Elegy“ klingt aufgrund der grausamen Überproduktion gar so, als hätten wir versehentlich Death-Metal-Album und Filmsoundtrack gleichzeitig abgespielt. Dynamik weist „Labyrinth“ so wenig auf wie einen Spannungsbogen. Bedauerlich, da durchaus kompetente Herren die Instrumente bedienen und das zugrunde liegende Konzept verdammt neugierig macht.

Nur ist das alles Schall und Rauch, wenn es keine unerwarteten Wendungen gibt und darüber hinaus jede Ecke des Irrgartens aussieht wie die vorherigen fünf. Im Gedächtnis will sich mit Ausnahme der opulent inszenierten Gitarren- und Piano-Soli in „Under Black Sails“ kaum ein Part festsetzen, auch nicht, wenn mal hysterischer Power-Metal-Gesang aus dem Hintergrund zur Unterstützung eilt („Towards The Sun“).

FLESHGOD APOCALYPSE prügeln uns die Trommelfelle aus den Gehörgängen

Es scheppert und kracht, davon mitbekommen werden nach einer Weile allerdings nur noch die geduldigsten Naturen – wir selbst sehen den Metal vor lauter Doublebass und Symphonic-Bombast nicht mehr. Da verkommt es auch zur Nebensache, dass die gelungenen Trackübergänge fließend geschehen und sich „Labyrinth“ so im Grunde als ein langes, ausuferndes Stück präsentiert. Wahrnehmen können wir das, wie gesagt, nicht mehr. Das Werk rauscht geradezu an uns vorbei, überrollt uns mit seinem akustischen Overkill. Als der Titelsong nach gut 50 Minuten instrumental und fast schon bedächtig ein Requiem anstimmt, ist die Show für uns bereits vorbei. Die Bestie im Labyrinth hat uns zu diesem Zeitpunkt schon längst die Trommelfelle aus dem Gehörgang geprügelt.

Veröffentlichungstermin: 16.08.2013

Spielzeit: 54:25 Min.

Line-Up:
Tommaso Riccardi – Vocals, Guitar
Cristiano Trionfera – Guitar, Vocals
Paolo Rossi – Bass, Clean Vocals
Francesco Ferrini – Keyboard, Piano
Francesco Paoli – Drums, Guitar, Vocals

Produziert von Stefano Morabtio (Mix und Mastering)
Label: Nuclear Blast

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/fleshgodapocalypse

FLESHGOD APOCALYPSE „Labyrinth“ Tracklist

01. Kingborn
02. Minotaur (The Wrath Of Poseidon) (Lyric-Video bei YouTube)
03. Elegy
04. Towards The Sun
05. Warpledge
06. Pathfinder (Video bei YouTube)
07. The Fall Of Asterion
08. Prologue
09. Epilogue (Video bei YouTube)
10. Under Black Sails
11. Labyrinth

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.