FIREBIRD: No. 3

FIREBIRD: No. 3

Bill Steer ist eine Legende im Bereich der extremen Musik. Von NAPALM DEATH wechselte er Ende der Achtziger zu CARCASS und spielte sich somit nicht nur in die Herzen der Grindcore und Goregrind-Fans auf dem Erdenrund, er gilt quasi als Mitbegründer dieser Genres. Und selbst, wenn es ruhiger um den Engländer wurde, er ist immer noch fleißig dabei, mit seiner neuen Truppe FIREBIRD. Deren mittlerweile drittes Album lässt die Grind-Hardliner immer noch verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen.

Doch Mr. Steer lebt mit dieser Band seine Seventies Rock-Wurzeln aus und entpuppt sich noch dazu als begnadeter Rock-Gitarrist und singt auch noch wie Jack Bruce vor 20 Jahren. Er hat erdige Rock-Songs, die an die psychedelischen Phasen von DEEP PURPLE erinnern, auf das neue Album gezaubert, agiert sehr kreativ und zeigt keine Schwächen. Der Opener Cross the Line geht so richtig schön ins Ohr mit viel Groove, tollen Gitarren, eine tollen Produktion und viel Herz. Der Gesang klingt ein wenig schüchtern aber das gibt sehr viel Reiz. Auch Station, das ein wenig dezenter vor sich hin rockt macht mächtig was her und wenn bei Hard Hearted die Mundharmonika einsetzt, ist alles zu spät. End of the Day rockt auch schön mit fetten Wah Wah-Riffs und die gute, alte Hammond-Orgel fehlt selbstverständlich auch nicht.

So war mein Eindruck nach den ersten sechs Songs, doch danach flaut das Album leider stark ab. Das Level der ersten Songs können FIREBIRD leider nicht halten und so zieht sich Long Gone einfach bis ins unendliche, wird gegen Ende aber doch noch interessanter. Bill Steer zeigt in den ersten Songs sein ganzes Potential und scheitert an seinen eigenen Kompositionen. Zu langatmig und unspektakulär wirkt der zweite Teil des Albums. Schade auch, das CATHEDRAL-Basser Leo Smee nicht mehr mit von der Partie ist, denn der neue Mann, Roger Nilsson, kann diesem zu keiner Sekunde das Wasser reichen. Das Abschließende Friend hingegen ist ein Gänsehautsong, der wieder voll und ganz überzeugen kann.

Aber dennoch ist das Album ziemlich gelungen, was selbst ich als Zweifler von FIREBIRD zugeben muss. Auf jeden Fall bieten FIREBIRD weit mehr Tiefe, als der erste Durchlauf vermuten lässt. Eine erdige Produktion, überraschenderweise aus dem eher todesbleiernen Berno Studio, die sich perfekt zum Material gesellt und wie eine remasterte Scheibe aus den Siebzigern klingt macht noch mehr wett. Rockfans sollten mal reinhören – gerade zum Autofahren im Sommer ist dieses Teil perfekt – und Die-Hard CARCASS-Fans dürfen sich weiterhin angewidert abwenden.

VÖ: 2. Juni 2003

Spielzeit: 47:22 Min.

Line-Up:
Bill Steer – Vocals, Guitars, Harmonica

George „Jolle“ Atlagic – Drums

Roger Nilsson – Bass

Produziert von Berno Paulsson & Bill Steer
Label: Steamhammer

Homepage: http://www.firebirdhome.com

Email: info@firebirdhome.com

Tracklist:
1. Cross the Line

2. Tumbling Down

3. Stones Believer

4. Station

5. Hard Hearted

6. End of the Day

7. Long Gone

8. Off the Leash

9. Dream Ride

10. Friend