DUNKELSCHÖN: Zauberwort

DUNKELSCHÖN: Zauberwort

Zauberwörter gibt es viele. Davon funktioniert in der heutigen Welt aber bestenfalls das mit dem doppelten ‚t‘. Ein Glück also, dass DUNKELSCHÖN spirituell in den romantischen Zeiten der Vergangenheit unterwegs sind. Dort treffen sie auf große Geister wie Joseph von Eichendorff und Rainer Maria Rilke, deren lyrische Werke sie in „Spielmann“, dem Titeltrack und „Es War“ zu einem musikalischen Unterbau verhelfen. Dass dies mittels Flöten, Drehleier, Harfe und anderen Exoten wie der Nyckelharpa geschieht, ist wenig überraschend, denn die mittelalterliche Folkschiene ist seit jeher ein vertrautes Korsett für Mystik, gepaart mit romantischer Lyrik.

Was DUNKELSCHÖN jedoch auszeichnet, sind nicht etwa die eingestreuten Traditionals à la „Tri Martolod“ oder die schmissigen Eigenkompositionen wie „Golden“ oder das balladeske „Mutter“. Aufhorchen lässt stattdessen der allgemeine Ansatz der sieben Spielleute, die zwar um E-Gitarre und Schlagzeuge nicht ganz umhin kommen, dafür aber beiden Instrumenten einzig die Aufgabe eines zweckmäßigen Rhythmusgebers im Hintergrund in den Schoß legen.

Bei den streicherlastigen Arrangements zeigen sich DUNKELSCHÖN von ihrer besten Seite

Das Resultat kann man als eindimensional abtun, übersieht dann allerdings das Cello, das vor allem in „Spielmann“ die Rolle des kräftigen Taktgebers hervorragend ausfüllt. Gerade bei den streicherlastigen Arrangements zeigen sich DUNKELSCHÖN folglich von ihrer besten Seite. Dann übermalen die verspielten Kompositionen die nüchterne und vor allem untenrum schwachbrüstige Produktion, die generell einen Tick druckvoller hätte sein dürfen. Andere Defizite, wie die angesprochenen kreativen Mängel im Bereich der E-Gitarre, können so nicht kaschiert werden. Gerade in „Im Namen der Rose“ langweilen die stumpfen Stakkatorhythmen aus dem Hintergrund innerhalb kürzester Zeit.

DUNKELSCHÖN verfolgen trotz allem einen interessanten Ansatz und bestechen damit so manches Mal nicht nur dank des im Genre wenig etablierten Damengesangs. Zwischen den Lichtblicken breiten sich derzeit aber noch zu viele schattige Flecken aus, um das eigene Herz vollständig für den akustikbetonten Folk-Rock zu erwärmen. Das ändert bei aller Romantik leider auch kein einfaches Zauberwort.

Veröffentlichungstermin: 19.08.2011

Spielzeit: 37:09 Min.

Line-Up:
Vanessa Istvan – Gesang, Flöten
Michael Kaiser – Gesang, Nyckelharpa, Drehleier, Harfe, E-Gitarre
Nicolas  Stolzmann – Gitarren, Bouzouki
Monika Klüpfel – Cello
Christian Wittkopf – Davul, Percussions
Bernie Horn – Bass
André Straub – Drums

Produziert von Albrecht Lionet
Label: Screaming Banshee / Alive!

Homepage: http://www.dunkelschoen-musik.de

DUNKELSCHÖN „Zauberwort“ Tracklist

01. Zauberwort
02. Golden
03. Spielmann
04. Flügelschlag
05. Im Namen Der Rose
06. Tri Martolod
07. Spielmann (lyrisch)
08. Mutter
09. La Nuit
10. Es War

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.