DEATHSPELL OMEGA: Drought [EP]

DEATHSPELL OMEGA: Drought [EP]

Es ist die pure Hypnose. Ein Gefühl, als würde sich in der Brust ein Vakuum bilden, ein Universum, eine Welt zwischen den Atemzügen. Parallelität als Meditation. DEATHSPELL OMEGA schaffen es durch eiskalte, schwerst zu begreifende Musik ein ums andere Mal, dass sich der Hörer so fühlt, als wäre er alles und alles andere wäre nichts. Ein symphonisches Chaos, scheinbar unberechenbar prasselt es auf den Hörer mit aller Wucht ein, eine Gewalt, die von Epen ergänzt wird, dass etwas Allumfassendes geboten wird. Von purer Schönheit, bis hin zu barbarischer Grausamkeit. Nur stellt sich die Frage, was hier eigentlich betörend (die Brutalität?) und was hässlich (die Epik?) ist.

Die EP Drought, die mit lediglich einundzwanzig Minuten Spielzeit genauso zupackt, genauso wild und doch kontrolliert über den Hörer hinweg fegt, wie das letzte Album Paracletus, ist schlicht visionär. Ob das noch Black Metal ist, oder doch endlich die freie Kunstform ist, die diese Szene schon ewig propagiert, ist egal. Ob Puristen das aushalten können ist ebenso fraglich, wie dass Neo-Black Metal-Hörer wirklich daran gefallen finden werden, wenn sich ihr Horizont noch nicht weiter als bis zu ALCEST erstreckt. DEATHSPELL OMEGA, das unwirklichste Phantom der Black Metal-Szene beginnt zunächst so, dass man meinen möchte, EARTH hätten an ihrer Heaviness gearbeitet. Nachdem sich Salowe Vision monströs steigert, wird mit Fiery Serpents ein Mahlstrom entfesselt, der zwar kompakt ist, aber unglaublich komplex wirkt. Flirrende, bösartige Riffs, so verschroben, dass IHSAHN hier genau hinhören sollte, in einer Dichte, die durch das vertrackt blastende Schlagzeug undurchdringlich wirkt. Der bösartige, beschwörende Gesang und der wunderbare Basssound ergänzen das Bild, vervollständigen diese unorthodoxe Symphonie.

Kompakt und fokussiert ist Drought dennoch, nicht allein wegen der geringen Spielzeit und den recht kurzen Songs. Diese sechs Stücke fegen, nachdem sie uns einigermaßen in Sicherheit wiegen, über uns hinweg, fordern zum wiederholten Hören auf, weil es nahezu unbegreiflich ist, was da vor sich geht, weil immer wieder neue Facetten, Töne, Welten zum Vorschein kommen, die alle bisherigen Eindrücke entweder vertiefen oder komplett umwerfen können. Das kann natürlich vielen zu steril und zu kalt sein, aber das ist wohl das einzige in dieser Zeit, was den Black Metal zu seiner ursprünglichen Unnahbarkeit verhelfen könnte, wo die alteingesessenen Bands höchstens noch die Zeugen Jehovas erschrecken können. Während große Teile von Drought, wie Scorpion & Drought und Abrasive Swirling Murk, sich selbst in ihrer hochintelligenten Raserei selbst zu vergessen scheinen, tauchen immer wieder kleine Momente zwischen dem Chaos auf, die wie Schlüssel in diese Musik wirken.

Eine Weiterentwicklung zu Paracletus ist Drought nicht, auch wenn es zunächst so wirken könnte. Viel mehr wird auf einige Merkmale von DEATHSPELL OMEGA abgezielt, die nun ausgebaut werden – die technische, chaotische, sowie die schon epische Komponente. Solche Übersongs wie Abscission oder A Chore For The Lost hat Drought nicht parat, aber dennoch genügend magische Momente, um für einen Geisteszustand zu sorgen, von dem man sagt, man könne ihn nur durch Drogen erreichen. DEATHSPELL OMEGA beweisen abermals, dass sie eine der wichtigsten Black Metal-Bands überhaupt sind, und dass sie ihrer Konkurrenz immer noch meilenweit voraus sind. Drought ist das vermutlich Aufregendste, was es dieses Jahr in diesem Genre gibt.

Veröffentlichungstermin: 22. Juni 2012

Spielzeit: 21:00 Min.
Label: Norma Evangelium Diaboli / Season Of Mist

Tracklist:
1. Salowe Vision
2. Fiery Serpents
3. Scorpions & Drought
4. Sand
5. Abrasive Swirling Murk
6. The Crackled Book Of Light