CREDIC: Patchwork of Realities [Eigenproduktion]

Melodic-Death-Metal-Mogelpackung

Vorsicht, Mogelpackung! Patchwork of Realities ist gewissermaßen das Pendant zur Windhoek-Bombe. Viel Wind um eine Attrappe, die nur auf den ersten Blick für Zündstoff sorgt. Und die Metal-Medien machen mit bei dem Spiel um die größtmögliche Aufregung. Professionell aufgemachtes Package, Anklänge an die seligen Göteborg-Zeiten, reichlich DARK TRANQUILLITY, ein wenig AMON AMARTH. Und dann noch Rezensentenfreude darüber, dass aus Stuttgart nicht nur basisdemokratiehungriger Protest kommt, sondern auch solch eine – vermeintlich fette – Eigenproduktion. Aber bald fällt dann doch auf, dass der Sound doch nicht so fett ist, wie er zuerst wirkte. Die Gitarren zehren von karger Software-Zerre, die Computerdrums klingen mehr-so-geht-so und sind zudem mitunter nicht sehr mitreißend und wenig nachvollziehbar programmiert. Eklatanter sind die Mängel auf den Gebieten Songwriting (ausufernde, ziellose Songs) und Töne überhaupt: Was dem Hörer hier manchmal als (zweistimmige) Gitarrenlinie(n) verkauft wird, ist kein Fall von unkonventioneller Tonalität und erfrischender Disharmonie, sondern einfach: krumm und schief und ein Ärgernis für die Ohren. CREDIC haben ihre starken Momente, und sie haben seit ihrem Demo Fortschritte gemacht. Ganz deutlich wird das beim Gesang: grabestiefe Growls (The Deeper), sogar rockige Hooklines à la SENTENCED (Superstructure). Superbe Leistung des Mannes am Mikrophon. Der Rest des Patchworks jedoch: Stagnation, Plastik – kein Grund zur Aufregung.