CHARON: Tearstrained

CHARON: Tearstrained

Charon bedienen sich mehr oder weniger absichtlich aller Klischees, die uns über finnische Musiker im Kopf rumspuken: Ihre Musik ist melancholisch, traurig, die Texte spiegeln natürlich eigene Erfahrungen wieder, die aus dem dunkelsten Innern kommen – bestimmt trinken sie auch gerne mal den ein oder anderen Vodka 😉 Das ist aber alles nicht weiter schlimm – im Gegenteil. Man kann auf einen Zug ausspringen und sich ein Plätzchen neben den neuen Sentenced oder meinetwegen auch Him suchen, oder man macht zwar auch alles ähnlich wie diese Band und schafft es dennoch, ein eigenes Gesicht zu bewahren.

Tearstrained ist ein richtig schönes Album geworden. Ruhig und sehr traurig, ohne ständig auf die Tränendrüse zu drücken. Neu erfinden kann man diese Musik nicht, aber man kann sie leidenschaftlich vortragen. Die Songs sind eingängig, und haben trotz ihrer Einfachheit das gewisse Etwas, das dazu verleitet, die Augen zu schließen und zu träumen. Sänger Juhe-Pekka legt genau das Timbre in seine Stimme, das berührt, ohne aufgesetzt zu wirken. Charon bauen aber nicht ausschließlich auf ihren Frontman, ab und zu wird er von einer weiblichen Stimme unterstützt, die sich ganz dezent im Hintergrund entfaltet. Die Gitarristen sorgen für den nötigen Druck, von eingängigen Melodien, zarten gezupften Klängen bis zu relativ druckvollem Riffing werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft – aber immer mit dem richtigen Feeling. Die Stärke von Charon ist es, unwiderstehliche Melodien zu schaffen, die immer in Moll gespielt zu sein scheinen, die immer ein wenig melancholisch sind und eine angenehme Schwere verbreiten. Leider kommt das Cello, das die Finnen mit in manche Songe eingebaut haben, etwas zu kurz – aus dieser Idee hätte man mehr machen könne. Der wehmütige Klang des Saiteninstrument bei der Ballade The drift passt einfach zu gut zu der Atmosphäre des Albums. Neben diesem sehr ruhigem Song finden sich 10 sehr unterschiedliche Tracks auf Tearstrained, denen eines gemeinsam ist: grandiose Hooklines, die einfach schmerzhaft-schön sind – wenngleich manchmal die Parallelen zu Sentenceds Crimson recht deutlich sind.

Eigentlich kann man es mit wenigen Worten ausdrücken: Charon? Finn´isch gut! Und vergesst Him!

Tracklist:

Worthless

Sorrowbringer

4 seasons rush

Christina bleeds

Deepest scar

The drift

Sin

Holy

Your Christ

As we die

The stone

Spielzeit: 44:17

Line-Up:

Juha-Pekka Leppäluoto – Gesang

Teemu Hautamäki – Bass

Jasse Hast –Gitarre

Antti Karihtala – Schlagzeug

Pasi Sipilä – Gitarre

Label: Diehard Germany

Veröffentlichungstermin: 01.06.2000

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...