CATTLE DECAPITATION: Karma.Bloody.Karma

"Karma.Bloody.Karma" schleimt sich nicht beim Hörer ein. Es reduziert dich… auf das Stück Dreck, das du bist. Lass alle Hoffnung fahren…

Irgendwelche Rollenspiel-Fans unter euch? Irgendjemand mal Dungeons & Dragons gespielt, oder wenigstens daran angelehnte PC-Spiele, wie Baldurs Gate? Dann wird euch der Zauberspruch negativer Energieschlag bekannt sein. Feuerball und Blitz – da ist ja sonnenklar, was mit dem Heldenkörper passiert, aber wie fühlt es sich bitte an, von einem negativen Energieschlag getroffen zu werden? Meine Damen und Herren, die Antwort heißt: Karma.Bloody.Karma. Brutaler, effizienter, düsterer und zermürbender stelle ich mir die Folgen für das virtuelle Opfer auch nicht vor. Genug davon, schließlich haben CATTLE DECAPITATION mit Rollenspielen nix am Hut. Die Scheibe ist abstrakt, aber authentisch. Der Menschenhass, die Wut und die Negativität sind echt. Wäre Karma.Bloody.Karma tatsächlich der Soundtrack zu einer Rollenspiel-Sitzung, die Würfel würden schlecht fallen für die Spieler. Anders kann das gar nicht sein. CATTLE DECAPITATION sind mit ihrem neuen Release ein ganzes Stück chaotischer geworden. Weniger Gore, mehr echter Pessimismuss. Massenkompatibilität, nur weil man auf Metal Blade ist? Eingängigere Songs, nur weil man viel live spielt? Fehlanzeige. Die Amis knüppeln sich die letzten Reserven aus dem Körper. Zwischen knallendem, heftigem Death Metal, disharmonischen Grindpassagen und fiesesten Black Metal-Attacken ist kein Platz für Mainstream. Noisige, zermürbende Chaosparts, wahnsinniges, ekstatisches Gitarrengemarter und vernichtend dumpfe, düstere Doom-Anfälle machen die Erschließung neuer Fans vermutlich undenkbar schwer – und das ist gut so. Sänger Travis klingt etwas gezügelter, weniger gurgelnd und die Overdubs wurden größtenteils gestrichen oder dezenter eingesetzt. Will heißen, es wurde nicht durchgehend Grunzen und Kreischen übereinander aufgenommen.
CATTLE DECAPITATION schrecken auf ihrem fünften Album vor nichts zurück. Wenn neben dem oben beschriebenen Grundkonzept auf einmal schneidende Stakkato-Parts auftauchen oder melodiöse, Heavy Metal-Gitarrenleads die herrschende Düsternis wenigsten für kurze Zeit verdrängen, sollte man alle Hoffnung fahren lassen. Die Jungs um Travis haben das offensichtlich schon getan und Karma.Bloody.Karma bietet dir an, diese Erfahrung zu teilen. Es ist ein Albtraum. Es ist, wie wenn der Spielleiter sagt, dass deine Spielerfigur soeben getötet wurde und dann durch die Tür mit dem Drachenposter ein echter Troll hereingestürmt kommt. Karma.Bloody.Karma ist so endgültig, dass du zu dem Zeitpunkt weder Zeit noch Mut hast, dein LARP-Gummischwert von der Wand zu reißen und zu schwingen. Karma.Bloody.Karma schleimt sich nicht beim Hörer ein. Es reduziert dich… auf das Stück Dreck, das du bist. Lass alle Hoffnung fahren…

Veröffentlichungstermin: 30. 06. 2006

Spielzeit: 40:46 Min.

Line-Up:
Travis Ryan – vocals
Josh Elmore – guitar
Troy Oftedal – bass
Kevin Bernier – rythm guitar
J.R. Daniels – Drums

Produziert von Billy Anderson
Label: Metal Blade Records

Homepage: http://www.cattledecapitation.com

Tracklist:
01. Intro
02. Unintelligent Design
03. Success Is…(Hanging By the Neck)
04. One Thousand Times Decapitation
05. The Carcass Derrick
06. Total Gore
07. Bereavement
08. Suspended In Coprolite
09. Alone At The Landfill
10. Karma.Bloody.Karma.
11. The New Dawn
12. Of Human Pride & Flatulence