CARPATHIAN DREAM: A Story About Those Who Tell [Eigenproduktion]

Ambitionierter Düsterrock mit alternativer Schlagseite einer jungen und talentierten Band aus Niedersachsen.

Nach ihrer zweiten Demo „Frozen Tears“ aus dem Jahr 2001 legen CARPATHIAN DREAM ihr erstes Full-Length-Album vor. „A Story About Those Who Tell“ erscheint zwar noch ohne Label-Logo, doch abgesehen vom fehlenden kleinen Bildchen sieht man der Scheibe die Eigenproduktion nicht an. Neben der professionellen Aufmachung zeugt auch der sehr selbstbewusste Begleittext davon: Die meinen es ernst. Die wollen was werden. Nun gut, das ist schon mal viel wert.

Songwriterisch sowie spieltechnisch ist auch fast alles schon im grünen Bereich. In den sieben Jahren Bandgeschichte haben die (wahrscheinlich seit der Mittelstufe aktiven) Jungs hörbar eine Menge gelernt und einige Trademarks entwickelt, die ihrer Mischung aus Gothic Metal, Alternative und Rock sehr zugute kommen. Weit voran liegt dabei ihr Spiel mit den Gegensätzen auf vielen Ebenen. Als Kontrast zur rohen, ungeschliffenen Stimme von Christian Wessel ist Christine Gramatke dazugekommen, die mit ihrem oft zarten und zurückhaltenden Gesang eine interessante Komponente hinzufügen kann.

Auch die Arrangements sind oft nach einem ähnlichen Muster gestrickt: Nahezu jeder Song wird durch das Wechselspiel zwischen melodischen Instrumentalstrecken und harten, aggressiven Einlagen beherrscht. Immer glückt das Rezept allerdings nicht. Gerade wenn sich Sängerin Christine mit harter Instrumentierung messen muss, gewinnen die Gitarren und stehlen ihrer Stimme Gehör und Wirkung. Dafür verschafft sie sich in den ruhigen Momenten ein Aufhorchen und ganz besonders, wenn sie alleine ans Mikro darf („Retreat“). Sicher führt auch diese Inkonsistenz dazu, dass die Musiker professioneller klingen und mehr Eindruck hinterlassen, je mehr sie die Songs fließen lassen und nicht mit Gewalt Härte zu erzeugen versuchen. Speziell bei „Human Being“ und „Rest forever“ wird deutlich, dass CARPATHIAN DREAM durch ihre melodischen Einfälle aus der Masse des Undergrounds herausstechen, sich mit den härteren Parts allerdings selbst entwerten. Hier verschätzt man sich nicht nur in der Dosis, sondern zerbricht mit unpassenden, numetallischen Gesangseffekten auf Christian Wessels Stimme die Atmosphäre der Vorgängerstücke.

Wem die Platte bei den ersten Durchläufen nicht zusagt, möge gnädig sein mit seinem (vorschnellen) Urteil. Die Produktion ist leider alles andere als ideal, was ich einer wahrscheinlich größtenteils selbst finanzierten Undergroundband nicht ankreiden möchte.

Trotz (oder gerade wegen?) dieser kleinen Kinderkrankheiten mag ich das Album. Besser gesagt, ich mag die Band und bin überzeugt davon, dass sie im Laufe der Zeit ihren Weg finden. Drei der wichtigsten Elemente überhaupt (neben dem bereits zuerkannten: Talent) spürt man nämlich sehr deutlich heraus: Herzblut, Echtheit und Enthusiasmus.

Veröffentlichungstermin: 31.07.2004

Spielzeit: 49:09 Min.

Line-Up:
Christian Wessel, Vocals,

Christine Gramatke, Vocals

Jens Schwanbeck, Lead-guitar & Programming

Marc Fortmann, Rhythm-Guitar

Oliver Grimm, Drums

Stefan Thiele, Bass

Label: Eigenproduktion, Vertrieb: Starfish Music

Homepage: http://www.carpathiandream.de

Email: marc@carpathiandream.de

Tracklist:
1. From a Laugh and a Tear

2. Bleed With Me

3. Fading Away

4. Still Hungry

5. Broken Earth

6. Human Being