BLACKFILM: Blackfilm [Re-Release]

Ein Schwebezustand zwischen dem Dies- und dem Jenseits, über einer kalten, schwarzen Großstadt.

Bist du schon einmal gestorben? In einer Zwischenwelt gewesen? In den kalten Ecken einer semirealen Stadt, zwischen Wolkenkratzern und Armutsvierteln gestrandet, das Herz macht leise klopf, klopf, dann nichts mehr. Perdition City wächst wieder an dein Bewusstsein heran, dieses Mal jedoch bedrohlicher, ohne die wärmenden Räume, in denen die Harmonie dich kurz in den Arm nimmt. BLACKFILM hat es parat, das Ende von jedem von uns, aber in der Fassung mit wenig Happy End, nur vereinzelten, trügerischen Lichtblitzen. Das meiste auf diesem Weg in die Unendlichkeit besteht aber aus Schwärze. So poetisch und sanft wie das, was BERSARIN QUARTETT Anfang des Jahres boten, so filmartig wie ULVER es vor zehn Jahren, oder auch zu Teachings In Silence erschufen, so elegant wie MASSIVE ATTACK zuletzt und so minimalistisch-experimentell wie PORTISHEAD auf Third agierten, ist dieses langsame Schreiten in die Welt nach dem Ende der Welt nicht, aber es liegt in der Schnittmenge von all dessen.

Etwas Licht und viel Dunkel bestimmt die Stunde, die dieses Album dauert und zeigt die einsame Welt von BLACKFILM aus London, der ganz alleine zeigt, wie elektronische Musik fernab von drogenbeeinflusstem Dub Step, kalkuliertem Trip Hop und Ambient ohne Daseinsberechtigung liegen kann. Blackfilm bietet immer wieder schwere Grooves würgt diese aber ebenso schnell wieder ab, wie sie gekommen sind, genauso wie die lichten Momenten in Untitled. Das wirkt so, als würde sich der Tod höchstpersönlich an dich heran schleichen und lässt dich seinen kalten Atem in deinem Nacken spüren. Atmosphärische Synthesizer, morbide Sounds, alles in kalter, intelligenter Präzision dargestellt, erzeugt eine unheimlich dichte Atmosphäre, die anfangs nur schwer zu durchdringen ist, aber sich doch lichtet wie der Nebel in dieser unwirklichen Stadt, am Morgen nachdem dein Körper nur mehr eine leere, durchsiebte Hülle am Straßenrand ist.

Seien es die teils langen Stücke, die den dicht instrumentierten, detaillierten Minimalismus bis an die Schmerzgrenze treiben, wie Come And See, Stalingrad, Midnight To 4 AM und der bleischwere Schlusspunkt Atlantikend, oder die etwas groovenderen und zugänglichen, aber keineswegs tanzbaren Nummern Interference, Sonar und Five Years – welches zusammen mit dem Ambient-Künstler DEEP INTO PERSPECTIVES entstanden ist -, BLACKFILM verwebt all das zu einer Grenzerfahrung des Bewusstseins, entfaltet einen Sog jenseits von dem, für was elektronische Musik, Ambient oder Trip Hop ansonsten steht. Ganz klar, mit Metal hat BLACKFILM nichts zu tun, gesampelte Instrumente wie Gitarren hin oder her. Das hier ist eine sagenhafte musikalische Bereicherung, ein wahnsinnig tiefes, intensives Werk, ein Sterben aller Synapsen und Nervenstränge, ein langsames Entweichen des Lebens aus der traurigen, verwelkenden Hülle, die uns schon jahrelang gefangen hält. Kein Album um seine Todessehnsucht auszuleben, oder in philosophische Starre zu verfallen, viel mehr ein Album um sich, den Geist und den Körper fallen zu lassen, in eine bodenlose Tiefe, geformt aus Klang und Atmosphäre. DENOVALI sorgen dafür, dass hier einem wahnsinnig gutem Album neue Beachtung geschenkt wird und dass BLACKFILM in den Hirnen vieler Grenzgänger herumspuken werden. Ein glasklarer Tipp für die dunkelsten Tage des Jahres.

Veröffentlichungstermin: 10. Dezember 2010

Spielzeit: 57:31 Min.

Line-Up:

BLACKFILM

Label: Denovali Records
MySpace: http://www.myspace.com/blackfilmmusic

Tracklist:

1. Come & See
2. Interference
3. Untitled
4. Stalingrad
5. Sonar
6. Five Years
7. Eastern
8. Midnight To 4 AM
9. Mahabharata
10. Atlantikend