BEYOND THE BLACK: Hørizøns

BEYOND THE BLACK: Hørizøns

Wir sind jetzt mal so kitschig: Metal ist so ein Genre, das man nicht erzwingen kann. Metal muss man fühlen. Das hält selbstverständlich weder Managements noch verträumte Sängerinnen mit Sternchen in den Augen davon ab, es nicht doch zu versuchen. Metal als Massenphänomen ist nichts Neues, aber eben auch keine Sache für den Rundfunk. Dass es BEYOND THE BLACK trotzdem in diese Richtung zieht, überrascht nicht. Schließlich hatte Frontfrau Jennifer Haben in der Vergangenheit nicht nur bereits einmal ihre komplette Band ersetzt, die Dame war sogar zur Primetime im Fernsehen. Den Symphonic Metal mal eben auf dem Seitenstreifen zu entsorgen, ist da quasi die leichteste Übung.

„Style Over Substance“ ist dann auch das neue Motto, das sich nicht nur im hip geschriebenen Titel „Hørizøns“ niederschlägt, sondern auch im einfallslos-narzisstischen Frontcover. Schnell drei Fotos von Frau Haben übereinander geklatscht und mit dem Farbfilter gespielt – immerhin ist diese Ideenlosigkeit repräsentativ für alles, was sich in 55 Minuten Überlänge angesammelt hat.

„Hørizøns“ ist in erster Linie dazu da, um Frontfrau Jennifer Haben in Szene zu setzen

Die Produktion ist erwartungsgemäß schlapp und weichgespült, damit die glatt gebügelten Arrangements keinem Herzinfarkt erlegen. Das Schlagzeug spielt im Hintergrund brav seinen Beat, während wir uns bezüglich des gelangweilten Geschrammels der Gitarren davor hüten möchten, von Riffs zu sprechen. Der Titeltrack ist quasi die erste Dosis Ritalin zum Auftakt, weitere folgen im Minutentakt.

Es ist geradezu offensichtlich, dass „Hørizøns“ in erster Linie dazu da ist, Jennifer Haben in Szene zu setzen. Produktion, Songwriting und Pop-Attitüde sind allesamt auf die Stimme der Sängerin fixiert, die zwar eine gute Leistung abliefert, aber ihrer Performance zugleich kaum Profil verleihen kann. Lyrisch verhält es sich bei BEYOND THE BLACK nicht viel anders. Die üblichen Allerweltsthemen werden anhand der üblichen Phrasen und Parolen neu aufgekocht („You’re Not Alone“, „I Won’t Surrender“). Dazwischen gibt es mit „Out Of The Ashes“ selbstverständlich eine abgedroschene Ballade aus dem Baukasten, dank der wir endlich wissen, wie unser Schädelinneres aussieht, nachdem zuvor unsere Augen ob des Schlager-Refrains von „Some Kind Of Monster“ schon bis unter die Stirn gerollt waren.

BEYOND THE BLACK betreiben Malen nach Zahlen

Immerhin macht uns nichts unserer eigenen Sterblichkeit mehr bewusst als das lustlos vor sich hin eiernde „Human“. „We are born to die, we are human.“, lässt uns Jennifer Haben wissen und schickt damit direkt alle Philosophen dieser Welt in die Arbeitslosigkeit. Zugegeben, es gibt Schlimmeres – seelenloses Malen nach Zahlen in der Hoffnung auf mehr Airplay ist eines davon. BEYOND THE BLACK versuchen es trotzdem mit aller Macht und scheitern geradezu grandios. „Hørizøns“ ist Metal für Leute, die keinen Metal mögen.

Veröffentlichungstermin: 19.06.2020

Spielzeit: 55:40

Line-Up

Jennifer Haben – Vocals
Chris Hermsdörfer – Gitarre, Gesang
Tobias Lodes – Gitarre, Gesang
Stefan Herkenhoff – Bass
Kai Tschierschky – Drums

Label: Napalm Records

Homepage: http://www.beyondtheblack.de/
Facebook: https://www.facebook.com/beyondtheblackofficial/

BEYOND THE BLACK “Hørizøns” Tracklist

1. Horizons (Video bei YouTube)
2. Misery
3. Wounded Healer (feat. Elize Ryd) (Lyric-Video bei YouTube)
4. Some Kind Of Monster
5. Human (Video bei YouTube)
6. Golden Pariahs (Lyric-Video bei YouTube)
7. Marching On
8. You’re Not Alone
9. Out Of The Ashes
10. Paralyzed
11. Coming Home
12. I Won’t Surrender (Feat. Tina Guo)
13. Welcome To My Wasteland

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.