AT VANCE: Chained

AT VANCE: Chained

Machmal fällt es einem als Rezensent einfach nicht leicht, einen kreativen Einleitungssatz für eine CD-Kritik zu finden und oft ist es ähnlich beschwerlich, diesen Makel ausreichend zu begründen. Auch beim nunmehr sechsten AT VANCE-Album Chained entstehen bei mir solche Probleme, was eigentlich zutiefst bedauerlich ist, handelt es sich bei diesem Album doch keineswegs um eine nicht erwähnenswerte oder gar schlechte CD. Im Gegenteil, die Mannen um Flitzefinger und Mastermind Olaf Lenk stehen seit jeher für konstante Qualität und konnten besonders mit ihren letzten beiden Alben Only Human und The Evil in You so richtig punkten, auch wenn der ganz große Durchbruch immer noch auf sich warten gelassen hat. Man könnte dies vielleicht auf den Weggang von Kultsänger Oliver Hartmann zurückführen, der das Tourleben nicht sonderlich mochte und sich lieber seiner Solo-Karriere und anderen Projekten widmen wollte, doch stellte sich dessen Nachfolger Mats Leven auf dem letzten Output als so herausragend heraus, das man diesen Verdacht eigentlich schnell beiseite legen kann.

Doch woran mag es denn nun liegen, dass AT VANCE kurz vor dem Release von Chained fast schon in Vergessenheit geraten waren, vom wirklichen Durchbruch also noch extrem weit entfernt zu sein scheinen? Klasse Songs finden sich jedenfalls auch auf Chained, was schon der pfeilschnelle Opener Rise From the Fall auf das eindrucksvollste bestätigen kann und auch Sänger Leven klingt eigentlich so gereift wie nie zuvor, man höre nur mal eine unter die Haut gehende Halbballade wie Two Hearts oder den kongenialen Titelsong. Ähnlich wie auf allen Vorgängerscheiben wechseln sich Uptempo-Stücke mit Midtempo-Songs ab – leider huldigt Gitarrist Lenk jedoch weniger seinen klassischen Vorlieben als zuvor, auf Chained lebt er diese lediglich in den beiden Instrumentals Invention #13 und Vivaldi Winter voll und ganz aus, die beide deutlich herausstechen und den Gesamtkontext des Albums ein wenig auflockern können. Alles im grünen Bereich, könnte man also meinen und ich versichere jedem Fan des Vorgängeralbums, dass er auch mit Chained keine größeren Schwierigkeiten bekommen dürfte – abgesehen von den zurückgeschraubten Klassik-Elementen hat sich schließlich auch nicht all zu viel im Vergleich zu The Evil in You verändert!

Ein durchaus bitterer Beigeschmack entsteht jedoch durch das immer noch so offensichtliche Fehlen von Eigenständigkeit, was vielleicht bereits die abgedroschene Antwort auf die oben erwähnte Frage nach dem mangelnden allgemeinen Interesse an AT VANCE darstellen könnte. Prinzipiell könnte man darüber hinwegsehen, schließlich ist Olaf Lenk einer der begnadetsten deutschen Gitarristen und weiß seine filigranen Fähigkeiten auch gekonnt in seine Songs einzuspannen. Es fällt aber auf, dass gerade die Hits von Chained, wie der erwähnte Titelsong und das stark an EDGUY erinnernde Heaven am wenigsten Eigenständigkeit vorweisen können. Ich würde der Combo jedenfalls ans Herz legen, sich wieder verstärkt an Brechern wie Tell Me und Run for Your Life zu orientieren, denn dieses Liedgut bietet eine interessante Mischung aus filigranen Highspeed-Riffs und den so charakteristischen, klassisch angehauchten Leads. Auch wenn ich Chained für ein gutes Album halte und die CD mit Sicherheit noch einige Monate in meiner Anlage rotieren lassen werde, habe ich den Verdacht, dass auch dieser Output nichts an der bisher stark unterbewerteten Rolle AT VANCEs ändern wird, schließlich haben nicht einmal Monumentalwerke wie Only Human zu einem erhöhten Popularitätsgrad der Band beitragen können!

Veröffentlichungstermin: 11.04.2005

Spielzeit: 44:36 Min.

Line-Up:
Mats Leven – vocals

Olaf Lenk – guitars, keyboards

John ABC Smith – bass

Mark Cross – drums
Label: AFM Records

Homepage: http://www.at-vance.com

Tracklist:
01. Rise From The Fall

02. Heaven

03. Tell me

04. Chained

05. Now Or Never

06. Two Hearts

07. Invention #13

08. Run/Leave

09. Live For The Sacred

10. Vivaldi Winter

11. Run For Your Life