AMANDA SOMERVILLE: Windows

Wer glaubt, Pop wäre nur platte Radiomusik, der hat die Rechnung ohne AMANDA SOMERVILLE gemacht.

AMANDA SOMERVILLE kennen fast alle als Sängerin, die bei allerlei Bands und Projekten mit starker Stimme beeindruckt. Bei AVANTASIA, EPICA, KAMELOT, der Rockoper AINA: Days Of Raising Doom, HDK und vielem mehr ist die in Deutschland lebende Amerikanerin zu hören. Dazu kommen viele dezentere Beiträge als Backing Sängerin bei allerlei Melodic-Rock und Symphonic-Metal-Alben. Das AMANDA SOMERVILLE sich persönlich aber nicht als Metal-Diva sieht, das zeigt sie auf ihrem zweiten Soloalbum Windows, auf dem die Sängerin komplett andere Töne anschlägt.

Entstanden ist ein sehr persönliches und abwechslungsreiches Album. Mit dem dynamischen, fordernden Mayday wird man noch rockig begrüßt, hier muss ich immer wieder etwas an die Holländerin ANOUK denken. Es gibt absolut kitschfreie Ausflüge Richtung Pop, mit eingängigen Melodien, die man sofort mitsingt. Dass Frau SOMERVILLE weiß, wie man mit der Stimme arbeitet – sie ist auch als Gesangscoach aktiv – zeigt sie beim einschmeichelnden Point Of Safe Return. Da macht es schon Spaß, nur der ausgefeilten Gesangsarbeit zuzuhören. Mit seiner Mitsumm-Melodie hat es der Song bis in einen Werbespot einer Kosmetikserie geschafft. Das kuschelige Moth wäre eins dieser Lieder, dass man im Autoradio hört, und es dann stundenlang im Kopf hat. Hier und da werden auch mal die Krallen etwas ausgefahren, sprich die Gitarren dürfen auch mal lauter rocken. Das AMANDA SOMERVILLE aus dieser Ecke kommt, zeigt sie auch mit Out, dass so zu jeder Gothic-Metal-Band passen würde. AMANDA zeigt bei Get Me deutlich ihre Verehrung für TORI AMOS, lockt mit My Song For You in einen Chromverzierten In-Tanztempel, lässt mit Latina-Klängen die Sonne scheinen, entführt uns in eine verrauchte 50er-Jahre Jazzbar und auf eine Pariser Varieteebühne. Sehr melancholisch wird es noch mal mit All That I Am, dass dem Zuhörer den Wunsch verspüren lässt, diese Frau persönlich zu kennen. Mit dem sentimentalen Titelsong vertieft sich dies, statt mit einem farblosen Pop-Rock-Album zugeleiert zu werden, spricht AMANDA SOMERVILLE den Zuhörer auf ihrem Soloalbum fast persönlich an. Man fühlt sich der Sängerin nahe, die mit ihren abwechslungsreichen Songs viele Facetten ihrer Persönlichkeit zeigt, ohne zuviel preiszugeben. Unterstützt wird sie dabei von Musikern, die sich dezent im Hintergrund halten, aber einen klasse Job machen.

Wer glaubt, Pop wäre nur platte Radiomusik, der hat die Rechnung ohne AMANDA SOMERVILLE gemacht. Zumal man Windows nicht einfach mit diesem Pop-Stempel abhaken kann, es wird gerockt und ein buntes musikalischen Programm geboten. Keine Ahnung, wie oft das Album von AMANDA SOMERVILLE schon gelaufen ist, von Abnutzungsspuren ist nichts zu erkennen. Wer die Künstlerin aus dem Metalbereich bereits kennt, der sollte echt mal neugierig reinhören und sich überraschen lassen. Wer sowieso gern mal anspruchsvolle Musik abseits des Heavy-Zirkus hört, der kann blind zugreifen.

Veröffentlichungstermin: 08.05.2009

Spielzeit: 50:48 Min.

Line-Up:
Amanda Somerville – Vocals, Keyboards
Sascha Paeth – Guitars
Simon Oberer – Bass
Robert Hunecke – Drums
Michael Rodenberg – Keyboards

Produziert von Amanda Somerville, Sascha Peath und Michael Rodenberg
Label: HYA!/SOAL

Homepage: http://www.music.amandasomerville.com

MySpace: http://www.myspace.com/amandasomervillemusic

Tracklist:
1. Mayday
2. Point Of Safe Return
3. Moth
4. My Song For You
5. Get Me
6. Inner Whore
7. Out
8. Carnival
9. Clean
10. Sometimes
11. All That I Am
12. Windows