ALTAR OF PLAGUES: Teethed Glory & Injury

So wird Black Metal-Geschichte geschrieben: ALTAR OF PLAGUES verlassen sicheres Terrain und zeigen die Zähne.

Das richtige Atmen ist etwas, das ich momentan noch lerne, ebenso die richtige Körperhaltung, Bewegung und wie der Körper aus sich selbst heraus die richtige Kraft schöpfen kann. Die Atmung verändert sich, wenn wir ALTAR OF PLAGUES auf ihrem neuesten Album hören, und die Körperhaltung, nun die wird schon mit dem Artwork von Teethed Glory & Injury entsprechend thematisiert. Mills lässt uns tief Luft holen, lehrt uns richtig, tief und langsam zu atmen, bevor ALTAR OF PLAGUES´ drittes Album so richtig losgeht. Und all das sagt auch etwas Besonderes aus. Wo Mammal noch vergleichsweise nah an WOLVES IN THE THRONE ROOM war, ist nun eine Postmoderne entstanden, die einen Übergang porträtiert – weg von beinahe folkloristisch-ausuferndem Black Metal, hin zu einer konsequent und radikal weiterentwickelten Form des Genres.

ALTAR OF PLAGUES haben, bevor sie in einer Sackgasse festzusitzen und als ewige Kopisten zu gelten drohten, das einzig Richtige gemacht: Sie haben sich um hundertachtzig Grad gedreht und sich selbst neu definiert. Während die Musik auf Teethed Glory & Injury nun deutlich anders ist, bleibt das Gefühl zurück, das es beim Hören von ALTAR OF PLAGUES schon immer gab. Die Songs gehen tief, das Album ist ambivalent, ist manchmal wunderschön, friedlich, von tiefer Ruhe und Liebe durchzogen. Die andere Hälfte von Teethed Glory & Injury zeigt eine hässliche Fratze, das genaue Gegenteil der einen Seite. LoFi-Riffs mit hohem spielerischem Wert, teils voller Dissonanz, teils nahe an dissonanten GORGUTS-Momenten, dann wieder an GODFLESH und natürlich MAYHEM. Diese wilde, chaotisch-komplexe Seite führt Teethed Glory & Injury an, im richtigen Moment finden ALTAR OF PLAGUES aber stets ihre Mitte und nehmen einen tiefen Luftzug, um Ruhe zu finden.

Und somit ist Teethed Glory & Injury auch ein Album, das einen Eindruck des tiefen Friedens hinterlässt, nachdem es geendet hat. Die Kontraste sind ungeheuer wichtig, so dass jeder Gesichtspunkt besser wirkt. God Alone, Burnt Year und Found Oval And Final zeigen die grimmige, unnahbare Seite einer Band, die ganz anders tickt, als der Rest des Genres. Und trotzdem finden wir hier, in diesem wilden, brutalen Chaos unter der ganzen Dissonanz, unter allen Schichten, etwas Schönes. Wenn aber die zurückhaltend großen Momente in A Body Shrouded, Twelve Was Ruin und dem unvergleichlichem Ende Reflection Pulse Remain erklingen, gibt es Gänsehaut am ganzen Körper. Weil auch hier eine zweite Ebene wartet – neben allem Schönen ist eine gemeine Doppelbödigkeit zu spüren. Und eigentlich muss es nicht extra erwähnt werden: Von den üblichen Klischees der Black Metal-Szene halten sich ALTAR OF PLAGUES selbstredend fern.

Teethed Glory & Injury könnte dennoch nach einem relativ normalen Post Black Metal-Album klingen, würden James Kelly und seine Mitstreiter nicht peinlich genau darauf achten, ihre Vorstellung der Instrumentierung und Produktion umzusetzen. Besonders der Sound trägt sein Übriges zu diesem Album bei: Die Gitarren sind in die Mitte gemischt, wirken vergleichsweise leise, beinahe dünn, die krachenden Synthesizer dominieren dort, wo sie eingesetzt werden, das Schlagzeug poltert kalt aus dem Hintergrund heraus, der Bass wummert beinahe punkig, das Geschrei wirkt ganz intuitiv. Dieser Rahmen ist es, der ALTAR OF PLAGUES die Möglichkeit gibt, dem verwässerten Genre des Post Black Metal eine gewisse Wildheit zu verleihen und gleichzeitig die tiefe, beinahe intellektuelle Seite nicht zu vernachlässigen. Die irische Band verlässt sicheres Terrain, ist dabei relevant, mutig und selbstbewusst wie nie zuvor. Für einige Hörer mag Teethed Glory & Injury eine große Herausforderung bedeuten, aber ALTAR OF PLAGUES sind immer noch die Gleichen geblieben. Das bedeutet nichts anderes, als dass ihr Drittwerk eine Offenbarung apokalyptischen Ausmaßes ist: Bedrohlich, mahnend, aber hoffnungsvoll. So wird Black Metal-Geschichte geschrieben.

Veröffentlichungstermin: 10. Mai 2013

Spielzeit: 49:26 Min.

Line-Up:
John Kelly
Dave Condon
Johnny King

Label: Candlelight Records

Homepage: http://www.altarofplagues.com
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/altarofplagues

Tracklist:
1. Mills
2. God Alone
3. A Body Shrouded
4. Burnt Year
5. Twelve Was Ruin
6. A Remedy And A Fever
7. Scald Scar Of Water
8. Found Oval And Final
9. Reflection Pulse Remain