ALTAR OF PLAGUES: Mammal

ALTAR OF PLAGUES bisher bestes Werk: Ein kolossales, tiefes Album zwischen WOLVES IN THE THRONE ROOM und ISIS

Reich ist er gedeckt, der Altar in diesen Tagen. Und er war schon immer recht gedeckt, und so wird es auch immer bleiben, solange dieser Planet bevölkert ist. Denn wo der Mensch existiert, und in welcher Form auch immer handelt, geschieht Unrecht. Nicht der Teufel ist böse, sondern einzig der Mensch, er ist die Plage. Dabei ist es egal, in welchem Teil der Welt wir uns befinden, der Tod ist allgegenwärtig, um die Menschen von ihrer Natur zu erlösen. ALTAR OF PLAGUES haben den Tod an ihrer Seite, umarmen und küssen ihn, verabscheuen ihn, lehnen ihn ab. Mammal, das nur ein Jahr nach der mächtigen EP Tides und zwei Jahre nach dem beeindruckenden Debütalbum White Tomb erscheint, zeigt sich als fatalistisches Black Metal-Album, das aber viel, viel mehr ist, als pure Raserei. Sicher, ein Großteil des epischen Albums besteht aus hypnotischen Blast Beats und sägenden Riffs, die in einen rituellen Strudel reißen. Dazwischen lassen ALTAR OF PLAGUES Ruhe einkehren, sei es durch Ambient oder fast Post-Rockige Exkurse in Richtung ISIS zu Zeiten von Oceanic und Panopticon. Auf finsteren, boshaften Sludge wie auf White Tomb und Sol verzichten die Iren dieses Mal, vielleicht auch, weil diese Momente auf den letzten Alben ein wenig wie Fremdkörper wirkten.

Das, was die Band um Songschreiber James O`Ceallaigh auf Mammal verbindet, ist wie ein wunderbarer Fluss, einerseits drakonisch grausam, andererseits schön und elegisch, eine bittersüße Melancholie und ein boshafter Zorn. Der Weltschmerz überwiegt bei ALTAR OF PLAGUES ganz klar, die Traurigkeit ist in jedem Ton heraus zu hören, vermeidet aber dabei konsequent jegliches Abrutschen in kitischige Regionen. Mammal beginnt furios mit Neptune Is Dead, das alles verbindet, was diese Band ausmacht – ein wahnsinnig gutes Stück. Danach nimmt die Geschwindigkeit zugunsten der Atmosphäre ein wenig ab, vor allem When The Sun Drowns In The Ocean, das größtenteils ruhig und leise, mit weiblichem Gastgesang ist, wirkt ungeheuer irisch, aber nicht so archaisch wie von PRIMORDIAL, dafür umso zeitloser. Das Ende von Mammal wird dann geprägt durch All Life Converges To Some Center, die Konklusion einer metaphysischen, introvertierten Betrachtung, die in einem grandiosen, bewegendem Finale gipfelt.

So ist Mammal dieses Mal die Konsequenz aus dem, was schon lange in ALTAR OF PLAGUES schlummerte. Es ist ein einziger Rausch, der in der Mitte etwas seinen Griff lockert und nur da ein wenig an Faszination verliert. WOLVES IN THE THRONE ROOM mögen die Referenzband in diesem Bereich sein, aber ALTAR OF PLAGUES sind die einzigen, die diese Musik auf den Geist der Zivilisation ummünzen. Auch trotz der deutlichen stilistischen Ähnlichkeiten von beiden Bands,  wirken die drei Iren nicht wie ein Abklatsch, sie zeigen diese Musik aus einem neuen Blickwinkel, gehen so tief unter die Haut, dass sie sich fast von ihrem Vorbild emanzipieren. Spielerisch ist Mammal hervorragend, gerade James O`Ceallaighs Gitarren sind von hohem Ideenreichtum gezeichnet, das Schlagzeug unterstreicht dies auf schöne Art und Weise. Das Geschrei von Dave Condon ist etwas in den Hintergrund gemischt, unterstreicht die Musik, statt sie zu dominieren und passt so perfekt zu den vier langen, schön ineinander übergehenden Songs.

Mammal ist also mehr als nur eine Überbrückung zum kommenden Album von WOLVES IN THE THRONE ROOM. Es hat einen eigenen Charakter, besticht durch großartiges Songwriting, eine komplexe Tiefe, in der man sich nur zu gerne immer wieder verliert. Egal ob in den rasenden Black Metal-Momenten oder in den ruhigen, am Post Rock kratzenden Stellen, ALTAR OF PLAGUES beherrschen jede Facette ihrer Musik bravourös und haben mit Mammal zweifelsfrei ihr bisher bestes Album parat. Für Freunde von – oh je, ein neues Genre-Unwort ist im Anmarsch – Post Black Metal ist dieses kolossale Werk eine klare Kaufempfehlung.

Veröffentlichungstermin: 20. Mai 2011

Spielzeit: 51:58 Min.

Line-Up:

James O`Ceallaigh – Guitar, Vocals, Keyboards
Dave Condon – Bass, Vocals
Johnny King – Drums

Label: Candlelight Records

Homepage: http://www.altarofplagues.com

Tracklist:

1. Neptune Is Dead
2. Feather And Bone
3. When The Sun Drowns In The Ocean
4. All Life Converges To Some Center