ADORNED BROOD: Erdenkraft

ADORNED BROOD tendieren anno 2002 zum Mainstream-Folk-Metal und haben leider ihre rohe Ursprünglichkeit verloren. Dennoch einige nette Songs auf dem Album.

Geht man nach dem Infomaterial zum nunmehr vierten ADORNED BROOD-Album, bedeutet dieses eine „Offenbarung“, da es sich, anders als der Vorgänger „Asgard“, deutlich von den Black Metal-Wurzeln der Band abhebe. Black Metal als Gegenteil einer musikalischen Offenbarung? Faszinierend, diese Logik, aber leider auch unsinnig und falsch.

Zwar stimmt die Feststellung, daß ADORNED BROOD anno 2002 extrem melodisch sind und immer mehr zum Mainstream hin tendieren, was daran aber eine „Offenbarung“ sein soll, ist mir schleierhaft – oder soll hier der offenbarte kommerzielle Wink hin zu den Freunden von SUBWAY TO SALLY gemeint sein? Dies liegt nahe, denn „Erdenkraft“ ist zu verstehen als Mischung aus „Asgard“ und eben jener Band, mit einer deutlichen Betonung auf letzterem. In der Musik dominieren nun langsame Tempi, Riffs, die allgemein als „mächtig“ gelten, und natürlich klarer Gesang, sowohl weiblich als auch männlich, wobei beide immer noch kaum Ausdruck besitzen. Das „Hochzeit“-Album von SUBWAY TO SALLY kommt dem Hörer immer wieder in den Sinn, besonders bei Liedern wie „Lebenslied“ oder „Göttersehnsucht“. Mit „Der Fluch“ befindet sich sogar ein leider recht erbärmlicher Versuch der Band, einen reinrassigen STS-Song zu schreiben, auf diesem Album, zu allem Überfluß noch eingesungen von Eric Hecht – was beide Parteien sich dabei gedacht haben, ist mir schleierhaft. Zwar mag man sich zunächst freuen, Erics Stimme mal wieder in einem Metal-Song zu hören, aber ADORNED BROOD besitzen leider nicht die Fähigkeiten, einen dem gerecht werdenden Folk Metal-Song zu schreiben, da nutzten auch die bei STS geklauten Elemente nichts.

Was haben wir also unterm Strich? Melodische Songs, die immer Ohrwurmqualitäten besitzen, mit der deutlichen Betonung auf Mainstream-Metal. Genauso „mainstream“ sind dann auch die Texte, die den üblichen Heidenkitsch behandeln, wenn auch nicht ganz so pathetisch wie bei vergleichbaren Bands. Zu Gute halten muß man ADORNED BROOD aber, daß sie durchaus ihren eigenen Stil haben, daß die Musik niemandem weh tut und manchmal sogar Freude bringt, wie bei dem wunderschönen Opener „Welcome Our Friends“. Die auf „Asgard“ noch verhandene rauhe Ursprünglichkeit indes, die in brillanten Songs wie „Mighty Swords“ oder „Pride Was My Desire“ zum Ausdruck kam, fehlt völlig auf dem neuen Werk. Symptomatisch dafür steht auch noch die Tatsache, daß Frosts Kreischgesang, sofern er denn mal zum Einsatz kommt, an Aggressivität und Energie verloren hat – genau wie die gesamte Band eben.

VÖ: 22.03.2002

Spielzeit: 40:00 Min.

Line-Up:
Andreas Samek – Gitarren

Frost – Gesang, Bass

Ingeborg Anna Seide – Gesang, Flöte

Tim Baumgärtel – Drums, Klavier

Benjamin – Rhythmus-Gitarre (nicht auf dem Album vertreten)

Label: Moonstorm Records

Homepage: http://www.adornedbrood.de

Tracklist:
1. Welcome Our Friends

2. Totenmarsch

3. Lebenslied

4. Old Great Master

5. Erdenkraft

6. Der Fluch

8. Göttersehnsucht

9. Enchantment

10. Liar

11. Jenseits des Horizonts