JAHRESPOLL 2004: Fierce

JAHRESPOLL 2004: Fierce
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BALZAC: Came out of the Grave
Keine Ahnung, wie oft ich diese Platte angehört habe und nach dem ersten Höreindruck müsste man ja meinen, dass einem die ewigen ohoohs recht schnell zu viel werden. Von wegen. Came out of the Grave ist einer meiner Dauerbrenner des Jahres, der es immer wieder in den CD-Player schafft. Und mit ein bisschen Glück fällt der zu befürchtende Horror-Punk-Boom auch gar nicht so schlimm aus, wie man zunächst befürchtet hätte…

INTO ETERNITY: Buried in Oblivion
Was für ein Kracher, dieses Album – angesichts der derzeitigen Trends hätten INTO ETERNITY ja eigentlich durchstarten müssen ohne Ende. Die Kombination aus harten Riffs, Gegrunzshoute und einprägsamen cleanen Gesangslinien könnte zeitgemäßer doch nicht sein – aber vielleicht ist diese Band ja doch noch ein Stück zu eigenwillig, um der großen Masse zu gefallen. Dennoch: bei vielen Leuten hat Buried in Oblivion eingeschlagen wie eine Bombe und das zu Recht. Hier reiht sich Hit an Hit und ich glaube es ist kein Zufall, dass sich Jeff Waters als INTO ETERNITY-Fan geoutet hat und ich beim Reinzappen in das neue ANNIHILATOR-Video laut kuul, INTO ETERNITY aufschrie – da hat sich das Idol doch von seinen Fans beeinflussen lassen, oder etwa nicht? Schade nur, dass es innerhalb der Band kurz nach der Veröffentlichung zu einigen Veränderungen kam. Ich kann jedenfalls noch nicht so recht dran glauben, dass das ohne Folgen bleibt….

MIRROR OF DECEPTION: Foregone
Ja, im Sound von MIRROR OF DECEPTION hat sich einiges getan und dennoch ist sich die Band auf ganzer Linie treu geblieben – es ist eben doch möglich. Zwar mussten sich viele Fans zunächst erstmal an die Veränderungen gewöhnen, mit ein klein wenig Abstand fällt es aber leicht, festzustellen, dass auch Foregone ein ganz besonderes Album geworden ist, das mit nichs anderem ernsthaft vergleichbar ist. Die folkigen Einflüsse geben der Musik eine ganz besondere Aura, so dass das Einlegen der CD immer wieder etwas besonderes ist, als hätte man einen verloren geglaubten Schatz wieder entdeckt. Mal schauen, wie das Gefühl erst in ein paar Jahren ist…

MY DYING BRIDE: Songs of Darkness, Words of Light
Dieses Album hat mich zu Anfang des Jahres wieder einmal ganz in seinen düsteren Bann gezogen – wie schaffen es die Engländer nur über Jahre hinweg derart gleich bleibende Qualität abzuliefern und sich trotz des relativ engen Soundkorsetts nie ernsthaft zu wiederholen. Auch Songs of Darkness, Words of Light ist ein in sich geschlossenes Album, das seinen eigenen Stellenwert in der Banddiskografie einnimmt. Nichts für Suizidgefährdete!

ROOT: Madness of the Graves
Ein faszinierendes Album, in dessen Geschichte man sich aber erst einlassen sollte. Genauso wie bei MY DYING BRIDE und auch SACRED STEEL hat man ein Album eingespielt, dass sich ganz an den Bandwurzeln orientiert und dennoch wieder den Zeitpunkt des Entstehens eindeutig dokumentiert. KING DIAMOND-Fans sollten an ROOT einfach nicht vorbeischauen – die Tschechen sind auf ihre Weise einmalig.

PYRAMAZE: Melancholy Beast
…da fällt mir doch grad mal auf, wie wenig wirklich melodischer Stoff und wie viel düsteres Zeug in meiner diesjährigen Top Ten auftaucht. PYRAMAZE aus Dänemark haben für mich jedenfalls das beste Power-Metal-Album mit einem verstärkten Drang nach viel Melodie abgeliefert, das mir in diesem Jahr unter die Finger gekommen ist und auch hier macht es wieder einmal die richtige Mischung – die junge Band kombiniert die Einzelzutaten einfach genau richtig und haben dabei auch noch das richtige Gespür für gutes Songwriting. Die Bandkonstellation ansich mag zwar etwas seltsam anmuten, das ändert aber nichts daran, dass PYRAMAZE geschlossener als so manch andere Band wirkt. Melancholy Beast macht einfach ganz viel Spaß.

SACRED
SACRED STEEL: Iron Blessings

SACRED STEEL: Iron Blessings
Ohne groß drumherumzulabern: SACRED STEEL sind für mich derzeit die Nummer 1 aus deutschen Landen und diese Band hat wirklich inzwischen ausreichend echte (!) Metal-Klassiker geschrieben. Iron Blessings ergänzt diese Liste um einige weitere Objekte und weiß von vorne bis hinten zu überzeugen. Hat jemand behauptet, im traditionellen Metal wäre schon alles geschrieben worden? SACRED STEEL beweisen, dass es da noch genug zu sagen gibt und das mit jedem Album.

TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS: Hartes Land
Ich mag die finnischen Alben von TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS, aber so richtige Gänsehaut kommt meistens eben doch erst mit den deutschen Texten auf. TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS gehören für mich zu den ganz wichtigen Bands, die unsere Szene am Leben erhalten. Davon bräuchten wir noch viel mehr!

STEEL PROPHET: Beware
Bei den ersten Hördurchläufen hätte ich nicht gedacht, dass dieses Album zu einem meiner meistgehörten des Jahres werden würde. Es fällt auch schwer, wirklich darzustellen, was mir an Beware so gut gefällt. Ich denke in erster Linie ist es die Kompromisslosigkeit, mit der die Band zu Werke geht – es gibt kein Schielen nach links oder rechts, es gibt einfach nur das eigene Schaffen und dabei hat man trotz der Besetzungswechsel das Gespür für gute Songs nicht verloren. Beware gehört für mich dementsprechend eher zu den heimlichen Siegern des Jahres.

JOHNNY CASH: Unearthed
Was soll ich dazu groß schreiben? Diese Hinterlassenschaft muss einfach in die Jahres-Top-Ten, denn zum einen soll JOHNNY CASH nicht unerwähnt bleiben, zum anderen handelt es sich bei Unearthed um eine qualitativ wirklich hochwertige Veröffentlichung. Ganz im Stile der letzten Alben wurde noch nicht veröffentlichtes Material zusammengetragen und in einer edlen Leinen-Box veröffentlicht. Ein Juwel in jeder CD-Sammlung.

Ganz knapp an der Top 10 vorbeigerauscht sind außerdem noch Thy Kingdoom Come (DOOMSHINE) und The Inner Circle (EVERGREY).

Folgende Alben hätten es sicher auch in die Top 10 geschafft, wenn ich nur die Zeit gefunden hätte, mich mit den Alben mal intensiv zu befassen:
CRADLE OF FILTH – Nymphetamine,
PAIN OF SALVATION – Be &
DISILLUSION – Back to Times of Splendor


DOOMSWORD – Bang Your Head Clubshow
Oh Mann, DOOMSWORD sind einfach geil! Eine weiter Band, die für mich den Geist des Heavy Metal am Leben erhält, wie kaum eine andere. DOOMSWORD zu hören ist pures Adrenalin, DOOMSWORD live zu sehen ist wahrhaft wie eine Schlacht. Bei diesem Auftritt war nun fast komplett die gesamte FIURACH-Mannschaft auf der Bühne und was da abgegangen ist, ist in Worte kaum zu fassen. Der Tribute an Quorthon zu Beginn erschaffte echte Gänsehaut und danach war kollektives Ausrasten angesagt. Wahnsinns-Band!

SACRED STEEL, DOOMSHINE, LUNA FIELD, 30. Oktober in der Karlskaserne in Ludwigsburg
Die Band inmitten ihrer treuesten Fans. Ich habe schon lange kein Konzert mehr gesehen, das dermaßen Spaß gemacht hat, egal ob mittendrin oder mehr als Zuschauer. Hier war purer Metal geboten, die Band strahlte eine unglaubliche Spielfreude aus und das Publkum war nicht mehr zu halten. Schon nach kurzer Zeit war die Bühne voll vom tobenden Mob und das Chaos regierte – eigentlich kaum die richtigen Bedingungen für einen DVD-Mitschnitt, dass die Band da aber in keiner Weise eingriff, sondern das einfing, was bei einem derartigen SACRED STEEL-Gig abgeht, spricht nur für die Echtheit. Man darf wirklich gespannt sein, wie diese Stimmung auf dem heimischen Bildschirm rüber kommt.


So die richtige Niete gab es für mich dieses Jahr wieder nicht – man wählt inzwischen ja schon ganz bewusst aus. Richtig enttäuschend fiel dann aber doch der HALLOWS EVE-Gig beim dritten KEEP IT TRUE-Festival aus. Ich bin nicht der Die-Hard-Fan dieser Band und darüber bin ich ganz froh – andere hat es richtig schwer getroffen, wie sich diese Band mit jeder Minute mehr demontierte. Schade.


DOOM SHALL RISE II
Es sind die Special Interest Festivals, die für mich immer interessanter werden und die Möglichkeit, auch mal außergewöhnliche Bands in einem Festivalpackage erleben zu können ist es, was die größere Anziehung ausstrahlt. Das DOOM SHALL RISE ist eines der größten Liebhaberfestivals in unseren Breitengraden und das schöne Wetter trug seinen Teil dazu bei, ein fein entspanntes und schönes Festival erleben zu dürfen. Während die Großevents immer langweiliger werden, gehören Veranstaltungen wie das Doom Shall Rise ganz klar zu den echten Gewinnern. Weiter so.

DOOM
Die DOOM SHALL RISE Location

KEEP IT TRUE II & III
Auch wenn einige der Rahmenbedingungen meiner Meinung nach günstiger gestaltet sein könnten, gehört das KEEP IT TRUE genauso wie das Doom Shall Rise zu den wirklich interessanten Festivals des Jahres. Das KEEP IT TRUE ist einfach das Festival, das einem dieses gewisse Nostalgie-Gefühl gibt, ohne dass man dabei das Gefühl hat, dass man dabei so gut es geht gemolken wird. Die Entscheidung das Festival zwei Mal im Jahr stattfinden zu lassen halte ich nach wie vor nicht wirklich für ideal – ich hoffe nur, dass die Veranstalter dennoch weiterhin das Flair halten können und bei den Schwachpunkten endlich zulegen.

PROG POWER EUROPE
Dieses Jahr belass ich es bei den Randgruppenfestivals – das Bang Your Head, das ich bislang noch immer in meiner Liste aufgeführt hatte, war dieses Jahr einfach nicht ganz überzeugend – und dazu gehört eben auch das ProgPower Europe. Auch hier sind Idealisten am Werk, die dem Publikum mehr bieten, als nur eine Zusammenstellung einiger mehr oder weniger bekannter Bands. Schön, dass sich das niederländische Organisatorenteam die Freude trotz des erneut nicht erreichten Break-Even-Points nicht verderben hat lassen und das Festival fortführt. Auf dem richtigen Weg ist man auf jeden Fall.


…war wieder mal keine echte dabei…


Die Gewinner des Jahres 2004 sind für mich alle Bands, die nach wie vor ihren ganz eigenen Weg gehen und sich durch nichts beirren lassen. Auch dieses Jahr sind wieder einige für mich sehr wichtige Acts weggefallen, umso erfreulicher, dass es viele Musiker gibt, die sich durch keine äußeren Umstände verbiegen lassen.


Die Verlierer des Jahres 2004 ergeben sich automatisch aus den Gewinnern – dem Großteil der Metal-Szene kann man als Motivation für ihr Tun eigentlich nur noch Geltungssucht unterstellen. Na gut….vielen sicher auch einfach den Spaß am Musizieren. Aber wie sieht es mit dem künstlerischen Anspruch aus? Wer hat wirklich was zu sagen? Sollten sich diese Frage nicht viel mehr Leute stellen: Braucht die Welt meine Musik?

TIMO
TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS

TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS: Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus
Vollgepackt mit dem unterschiedlichsten Filmmaterial ist diese DVD ein Musterbeispiel für eine gelungene DVD-Veröffentlichung. Leider komplett in Finnisch

GREEN CARNATION: Alive and well…in Krakow – einfach, weil es sie gibt.


CANDLEMASS
…allerdings auch mit gemischten Gefühlen. Nachdem mich der Split einfach traurig gestimmt hat, freut es mich, dass es mit der lebenden Legende weiter geht. Ob das Feeling innerhalb der Band wirklich stimmt, wage ich hingegen zu bezweifeln. Hoffentlich sagen wir nicht alle in zwei Jahren hätten sie es einfach nur bei den phänomänalen Reunion-Shows belassen.


PYRAMAZE
Die junge Band erschien für mich völlig unerwartet und hat mich mit ihrer Frische und ganz eigenen Sound wirklich beeindruckt


ELLIPSIS
Eine Band, die noch viel zu wenig Beachtung findet ist ganz klar die Düsterproggies ELLIPSIS, die mit From Beyond Thematics ein echtes Underground-Juwel geschaffen hat und einer DER Qualitätsmerkmale derzeit vollends erfüllt: eigene Identität, eigener Sound, klare Vision. Unbedingt mal anhören!


Gerrit P. Mutz und Jörg M. Knittel von SACRED STEEL haben mir das so ziemlich interessanteste Gespräch des vergangenen Jahres geliefert, MIRROR OF DECEPTION das lockerste, und NOTRE DAME das spaßigste/durchgeknallteste. Richtig schön war aber auch das Interview mit STEEL PROPHET und nach dem mit WOLF hatte ich noch Stunden später ein breites Grinsen im Gesicht.


Quorthon
Quorthon

Die größte Enttäuschung steht außer Konkurrenz: am 07. Juni 2004 ist einer der für mich wichtigsten Metal-Musiker tot in seiner Wohnung aufgefunden worden – Quorthon von BATHORY. In seiner Musik wird er ewig weiter leben.

Ansonsten war das Jahr 2004 wohl das Jahr, in dem ich von der Metal-Szene gelangweilt war, wie noch nie zuvor. Mag sein, dass es in erster Linie ein subjektives Empfinden ist und sich im Grunde gar nichts geändert hat, dennoch habe ich die Szene so ideenlos wie noch nie empfunden. Ja gut, der Metal findet wieder mehr Beachtung – was ich auch wenn es viele Nörgler gibt, wirklich ne schöne Sache finde – Qualität und Individualität scheint dabei aber keine Rolle zu spielen. Ein Beispiel: früher habe ich Metal-Videos geradezu in mich aufgesogen und vor allem über die Clips kleinerer Acts habe ich mich tierisch gefreut. Heut hab ich nicht mal groß Lust in die Metal-Videoshows reinzuzappen – sieht doch eh alles gleich aus und klingen tuts eh wie schon tausendmal davor gehört. Der Metalcore zeigt, dass Trends inzwischen noch schneller kommen und durch eine Veröffentlichungsflut zunichte gemacht werden und wirklich herausragende Bands muss man in der Masse an Veröffentlichungen mit der Lupe suchen. Um daraus aber etwas Positives zu ziehen: ich zumindest nehm mir für das neue Jahr vor, noch mehr darzustellen, bei welchen Acts es sich wirklich lohnt reinzuhören und diesen auch in Form von Interviewsein entsprechendes Forum zu bieten.

Fierce
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