DENOVALI SWINGFEST-Special 2010: HEIRS

DENOVALI SWINGFEST-Special 2010: HEIRS

Den weitesten Anreiseweg haben auf dem SWINGFEST 2010 die Australier HEIRS, die sich im Herbst auf ihre zweite Europatournee begeben und zum Auftakt in Essen ihren instrumentalen Rock, der auf dissonanten Doom trifft, in atemberaubender Intensität zelebrieren. Außerdem folgt Ende September, und nur ein Jahr nach dem fantastischen Debütalbum Alchera, das neue monolithische Werk Fowl. Schlagzeuger Damian kommt in unserem Festival-Special zu Wort.

 

 

Was beschreibt eure Musik besser, und warum?
– Ein satanisches Ritual
– Das Great Barrier Reef
– Ein Roman von Haruki Murakami

Wissenschaftler haben vorausgesagt, dass 2030 die Temperatur des Meeres durch die globale Erwärmung derartig ansteigen wird, dass eine katastrophale, thermische Bleichung einsetzen wird, wodurch die Korallen im Great Barrier Reef verhungern werden. Das Riff wird langsam ein Wald aus morschen, weißen Zweigen. Die Musik von HEIRS ist wie das Ertrinken im Great Barrier Reef im Jahr 2030, umgeben von den geisterhaften Überbleibseln eines verseuchten Ökosystems.

Ist Musik für euch Meditation, Seelenreinigung, Auflehnung oder Zeitvertreib?

Zu viele Künstler überzeichnen ihre Musik als ein Mittel, um Großartigkeit anzuregen, gerade im instrumentalen Bereich. Es gibt keine emotionale Befreiung in unserer Musik, keine Katharsis – HEIRS ist nacktes Starren.

Das SWINGFEST bietet eine Menge großartiger Bands. Was werdet ihr tun, um einen herausragenden Auftritt zu liefern?

Eine der besten Sachen am SWINGFEST ist das Abwechslungsreichtum seiner Bands. Ich denke, dass wir schon allein wegen der einzigartigen Musik, die wir machen, herausstechen. Vielleicht mischen wir was in eure Drinks, damit ihr unser ganzes Set über kotzt. Ich bin mir sicher, das würde für eine Erfahrung sorgen, die ihr nie vergesst. Wir haben das schon mal gemacht.

Ihr tourt in Europa nach dem SWINGFEST noch knapp zwei weitere Monate. Werdet ihr in Essen eine normale Show spielen, oder das mit Feuerwerk und Pyros feiern?

Ich glaube nicht, dass Timo so begeistert davon wäre, wenn wir die Halle niederbrennen würden, also müssen wir wohl noch etwas an unserer Strategie arbeiten.

Dieses Mal seid ihr vergleichsweise kurz unterwegs, letztes Jahr waren es fast drei Monate hier in Europa. Wie könnt ihr so lange touren?

Wir kümmern uns nicht besonders um unsere mentale Gesundheit.

Was bringt ihr, außer guter Musik, noch so aus Australien mit?

Australien hat sehr strenge Gesetze im Bezug auf unsere Flora und Fauna. Wie auch immer, wir planen einige große Krokodile und so viele giftige Reptilien zu schmuggeln, wie in unserem Gepäck Platz ist. Wir können uns kein Übergewicht leisten, also werden wir unser Merchandise zu Hause lassen. Aber ich habe gehört, auf dem deutschen Schwarzmarkt sind solche Tiere gut bezahlt. Also müssen wir nochmal genau abwägen, bevor wir das Risiko eingehen.

Was ist das Tolle am SWINGFEST?

Es ist gut, dass man dadurch sieht, dass experimentelle Musik in allen Ecken dieser Erde lebendig ist. Dass man sich als Künstler nicht auf Mainstream-Populatität begrenzen muss, und dass es ein Publikum für die Musik gibt, die wir machen, wenn wir nach 15 Stunden im Flugzeug wieder einen Fuß auf die Erde setzen.

Vor welchen Leuten wollt ihr spielen?

Ich hoffe, die Leute in Essen mögen Leder so sehr wie ich.

Auf welche andere Band freut ihr euch am meisten?

Wir freuen uns sehr darauf, Tommy und den Rest von KODIAK wieder zu treffen. Wir haben auch viel über CELESTEs Liveshow gehört, als wir zuletzt in Europa waren. Ich persönlich kann es nicht erwarten, das THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE zu sehen. Und natürlich werden wir Timo und Thomas von DENOVALI wieder sehen.

Auf was – abgesehen von der Musik – freut ihr euch besonders?

Essen ist recht nahe an den Niederlanden…

Im September werdet ihr euer zweites Album Fowl veröffentlichen. Was dürfen wir außer dem Song Burrow, den man sich schon online anhören kann, erwarten? Wird es ein Alchera Pt. 2 oder versucht ihr etwas Neues?

Fowl ist sehr anders als Alchera, aber es gibt viele Gemeinsamkeiten, die beide Album zusammen halten. Das elektronische Element ist der größte Unterschied. Wir haben einen bewussten Schritt in Richtung Industrial gewagt. Außerdem haben wir unser neuestes Bandmitglied Miles Brown im Schlepptau, der Theremin und andere Instrumente spielt. Die neuen Songs haben immer noch den gleichen melodischen Sog, wie unser früheres Material ihn hatte, aber der Ansatz ist viel intensiver und ergreifender.

Foto: (c) Denovali Records