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Arlette Huguenin Dumittan

4830 Beiträge
Arlette ist seit 1999 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, NECROPHOBIC, ASPHYX. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.

DIVISION KENT: Gravity [2CD] [ausgemustert]

Stilistisch haben sich die Zürcher DIVISION KENT seit "Monsterproof" nicht groß verändert. Loop-versetzter Elektropop mit elfenhaft-weltfremdem Frauengesang bietet "Gravity". Die zweite CD im Gespann wartet mit dazu passenden, wenig bewegenden Remixes auf. Traurigerweise ist das Cover von "This big hush" dank NICK CAVE-Atmosphäre und Gesang von Sven Friedrich (Ex- DREADFUL SHADOWS) das beste Stück der Platte, der eigenkomponierte Rest plätschert meist nur so dahin und bietet keine Überraschungen in der blubbernden, samtig-schönen Elektronikwelt. Fazit: Professionell gemachte Liftmusik für die After-After-After-Hour.

HORDE OF HEL: Blodskam [ausgemustert]

Ich, m, Antifeminist, aus Svartåsen/Lakatjärn in Västernorrlands Län, suche dringend Frau aus meiner Region, da ich mich nicht dorthin getraue, wo die Groupies der guten schwedischen Musiker wohnen. In meiner Freizeit schreibe ich Manifeste, mag Autos und Krieg, darf bei meinen MARDUK-Kumpels rumhängen, höre ABRUPTUM und habe mein geheimes ultraelitäres Black Metal-Projekt. Aus Angst vor Qualität setze ich auf "Blodskam" auf miesen, übersteuerten Sound, langweilige Midtempo-Riffs, Ambientgewaber und schraube den Höhenregler rauf. Ich fürchte mich vor Drumkits und Black Metal, darum benutze ich Trigger. Du solltest ideenreich und eigenständig sein, denn ich bin es nicht. Bitte bring eigene Black Metal-Riffs in die Beziehung mit, damit aus HORDE OF HEL mal was wird. Vi ses på Myspace!

STRIDSMENN: Stridsmenn [ausgemustert]

Ein umgekehrtes Norwegenflaggenkreuz, ein Windintro, ein Song, der "Nattestid" heißt. STRIDSMENN - die Fusion aus zwei Soloprojekten Arnjeirs (BORGARHOLT und AUSTKRIGAR) - erschlagen einen krass hart mit Innovation und Eigenständigkeit. Im Rauschewald wird meist unpräzis im 6/8-Defaultmodus getrommelt und die Norweger haben vermutlich eine alte Scheibe von IMMORTAL und eine von TAAKE zuhause, die als Ideenvorlage gelten sollen. 08/15 Schwarzmetallriffs, flaches Kreischen und Songs, die sich kaum voneinander unterscheiden. Da nützt auch akustisches Gezupfe nichts - "Stridsmenn" ist Langeweile in Reinkultur, trotz "Made in Norway"-Stempel. Hoffentlich hat Arnjeir nicht noch mehr Soloprojektleichen mit Fusionsgelüsten im Keller.

ALVERG: Elde [ausgemustert]

Trotz Herkunftsland Norwegen und einer kalt-rauen Produktion zündet das Debütalbum ALVERGs einfach nicht. Das titelgenannte Feuer fehlt hier einfach, wenn das Duo gesichtslosen Midtempo-Black Metal mit der einen oder anderen OCTINOMOS und BURZUM-Anleihe runternudelt. Ideenarmut greift um sich, dazu kommt ein eklatanter Mangel an Eigenständigkeit. Die Riffs 1000mal schon gehört, der Kreischgesang platt, die Songs nichtssagend. Spielerisch gehen ALVERG noch knapp in Ordnung, aber um "Elde" aus dem Gedächtnis zu löschen, genügt ein Regentropfen.

ZERSTÖRER: Declaration Of War [ausgemustert]

Auch wenn ZERSTÖRER einen Sänger haben, der Nekroschwanz heißt und ich das ein geiles Pseudonym finde: "Declaration Of War" ist schwarzmetallische Langeweile in Reinkultur. Wie schon etliche vorher mischen die Deutschen AETERNUS-Einflüsse mit etwas Death und Thrash Metal. "Total Frost" ist nur cool, weil es bei DARKTHRONEs "Graveyard Sluts" abkupfert. Ansonsten klischeehafte Songs, die man problemlos übereinanderlegen könnte, egal bei welchem Tempo. In Zukunft bitte etwas mehr klangliche Abwechslung (es gibt so viele schöne Tonarten), Ideen und besseres Drumming. Man sollte sich an mehr erinnern können als nur das Pseudonym Nekroschwanz und die Frage, was ein Kremator mit einem Nekroschwanz macht.

KROMLEK: neuer Drummer und Übersetzungssuche

KROMLEK haben mit Julian einen neuen Drummer an Bord. Sein Vorgänger Galt hat die bayrischen Pagan Metaller in Freundschaft verlassen, weil er in den USA studieren wird. Die Band arbeitet noch am kommenden Album "Finis Terra", welches mit althergebrachten Paganklischees brechen und polarisieren soll. In diesem Zusammenhang suchen KROMLEK Übersetzungen des Ausdrucks "Life will prevail...man will not" in möglichst viele Sprachen - Hebräisch, Russisch, Schwedisch, Hindi, Türkisch, Arabisch etc. Die Band ist um jegliche Übersetzungsunterstützung dankbar. Mehr Infos inklusive musikalischer Untermalung gibt es im KROMLEK-Videointerview auf YouTube.

IMMORTAL REMAINS: Everlasting Night [ausgemustert]

Trotz Gründung anno 2000, interessanter Themenwahl und der Stilbezeichnung "Dramatic Black Metal" langweilen die Deutschen IMMORTAL REMAINS auf ihrem vierten Album. Klar, "Everlasting Night" ist ordentlich produziert und mit spielerischen Ausfällen wird der Hörer ebenfalls nicht gequält. Aber braucht die Welt wirklich nochmal acht zahnlose Songs, die an ältere HECATE ENTHRONED und CRADLE OF FILTH-Zeiten erinnern, aber deren Qualität nicht erreichen? "Everlasting Night" fehlt es schlicht an Eigenständigkeit und Biss, und davon sind nicht nur die anachronistischen 08/15-Keyboardlines betroffen. Das nächste Mal statt melodischer Schwarzmetall-Ödnis also bitte etwas mehr Mut zu düsterer Dramatik. Und zwar mit Scharf.
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KATHAARSYS: Der Underground des Undergrounds

KATHAARSYS sind ohne Wenn und Aber der wohl spannendste Extrem Metal-Export aus Spanien. "Anonymous Ballad" bietet wiederum atemberaubend melancholischen Düstermetall, der irgendwo zwischen Black Metal-Rauheit, PRIMORDIAL-Epos und OPETH-Komplexität angesiedelt ist und mit Gefühl und Spielfertigkeit verzaubert. Sänger und Gitarrist José gewährt Einblicke hinter die spanischen Kulissen...