WARHEAD: 15th Anniversary-Konzert am 03. Oktober 2008 in der Lagerhalle, Osnabrück

15 Jahre WARHEAD – Die Osnabrücker Speed Metaller feiern zusammen mit einigen befreundeten Bands und zeigen, dass weiterhin mit ihnen zu rechnen ist.

Seit 15 Jahren machen WARHEAD nun schon die Metalszene unsicher. Zwar gab es bedingt durch den Ausstieg von Sänger und Gitarrist Björn Eilen im Jahre 2000 eine längere Pause, in der bei WARHEAD außer weiteren personellen Veränderungen nicht all zu viel passierte, doch 2007 meldeten sich die Osnabrücker mit runderneuertem Line-Up und dem vierten Album Captured zurück. Nachdem es weiter im Line-Up rappelte und Sänger Michael Mitch Müller die Band verließ, inzwischen aber wieder in den Schoß von Gründungsmitglied Peter Breitenbach zurück gekehrt ist, steht in diesem Jahr neben dem Jubiläum auch die Veröffentlichung des Live-Albums Hour Of Death – Live 2000, sowie die Aufzeichnung einer DVD an. Für letztere wurde dieses Konzert aufgenommen. Der Eintritt lag bei zehn Euro, für weitere sechs Euro konnte man das neue Live-Album gleich mitnehmen, was ich natürlich auch getan habe.

 

Guter Opener – PREDATOR

Durch die elendig schwierige Suche nach einem Parkplatz in der Nähe der Lagerhalle kamen wir leider erst so spät an, dass wir von PREDATOR, die heute den Abend eröffneten, nur noch die letzten drei Songs mitbekamen. Diese klangen allerdings nicht übel. Zu hören gab es knackigen Speed bis Power Metal mit melodischem Gesang und ebensolchen Soli. Der Gesang konnte größtenteils überzeugen und auch ansonsten war die Truppe technisch voll auf der Höhe. Ansonsten konnte Drummer Sebastian Hinz mit seiner dezenten Warnweste noch optische Akzente setzen. Schade, dass die Jungs vor geschätzten fünfzig Nasen spielen mussten, aber WARHEAD waren ja leider noch nie die großen Publikumsmagneten, was auch die folgenden Bands am eigenen Leib erfahren mussten, denn viel voller wurde es erst bei WARHEAD selbst.

 

MOURNING
Schrie sich die Seele aus dem Leib – Gerrit Mohr von MOURNING CARESS

Als nächstes standen die Melodic Deather MOURNING CARESS auf dem Programm, die als einzige der heute aufspielenden Bands nicht aus Osnabrück, sondern aus dem nicht ganz so fernen Münster stammen und dementsprechend auch vor ein paar Leuten weniger spielen mussten, als noch PREDATOR. Bei MOURNING CARESS ist auch Florian Albers aktiv, der ja auch mal bei WARHEAD als Live-Gitarrist auf der Beyond Recall-Tour aktiv war. Er sollte heute Abend auch noch einen Gastauftritt bei WARHEAD haben, doch erst mal war er jetzt mit MOURNING CARESS am Start, die mit ihrem melodischen Death Metal à la ältere IN FLAMES & Co. ordentlich punkten konnten. Vom aktuellen Album Inner Exile – welches für einen fairen Zehner gleich mal in meine Sammlung wanderte – konnten insbesondere …Of Fortune And Failure sowie Corroded By Fear überzeugen. Sänger Gerrit Mohr schrie sich die Seele aus dem Leib und machte seinen Job dabei ziemlich gut. Besonders mit den schönen Gitarrenharmonien konnte die Band, die – wenn ich mich recht entsinne – zu Zeiten Ihres Debütalbums im ROCK HARD noch als die deutsche Melo Death-Hoffnung gepriesen wurde, bei mir punkten. Leider war der Großteil des Publikums arg desinteressiert. Als der Sänger einen Song vom Imbalance-Album ankündigte und fragte, wer das Album denn habe, antworteten ganze vier Leute – immerhin zehn Prozent der Anwesenden. Trotzdem lieferten MOURNING CARESS einen klasse Auftritt ab und beim abschließenden Creating Hell durfte sogar der Kollege Ingo von metal.de mit ins Mikro grölen. Astreine Leistung. Die von MOURNING CARESS meine ich.

LAUT
Wüstenrock aus Deutschland – LAUT

Da sich die Nahrungssuche an einem Feiertag im beschaulichen Osnabrück als eher schwierig gestaltete (besonders wenn man an der Dönerbude direkt um die Ecke vorbei läuft), verpasste ich leider die ersten paar Songs von LAUT. Wüsten-Rock aus Deutschland? Aus welcher Wüste kommen die denn, der Servicewüste oder was? Na ja, Spaß beiseite, denn die Herren rockten eigentlich sogar recht amtlich. Bassist und Rhythmusgitarrist wirkten zwar auf der rechten Bühnenseite etwas zusammen gepfercht, legten aber einen ordentlichen Groove-Teppich. Stilistisch passten die Jungs zwar nicht so ganz zum Restprogramm, schlechter waren Sie aber auch nicht.

 

 

WARHEAD
Kann Björn Eilen leider nicht vollwertig ersetzen – WARHEAD-Sänger Michael Mitch Müller 

WARHEAD hatten es wirklich nicht leicht in den letzten Jahren. Erst stieg 2000 Sänger und Gitarrist Björn Eilen aus, dann folgten weitere Line-Up-Wechsel, so dass es bis 2007 dauerte, bis man mit Captured ein neues Album am Start hatte. Dann stieg kurz nach der Fertigstellung der Scheibe auch noch Sänger Michael Mitch Müller aus, kehrte aber reumütig in den Schoß der Band zurück. Im Jahre 2008 ist vom ursprünglichen WARHEAD-Line-Up nur noch Bandgründer Peter Breitenbach dabei. Und ich muss zugeben, dass ich mit Mitch am Mikro noch nicht wirklich warm geworden bin. Auf Captured war er meiner Meinung nach der große Schwachpunkt, denn ich kann mich mit seinem Dave Mustaine-ähnlichem Mecker-Gesang nicht so recht anfreunden. Trotzdem, oder gerade deswegen, war ich gespannt, wie sich WARHEAD live schlagen würden, schließlich hatte ich bisher noch kein Konzert der Band erlebt.

 

WARHEAD
Der große Aktivposten auf der Bühne – WARHEAD-Bassist Stefan Timm

Gegen elf Uhr tönte dann das Intro vom Band und mit Thanx Killing von der aktuellen Scheibe Captured ging es los, und was als erstes auffiel, war der viel zu leise Gesang, was sich aber rech schnell änderte. Es folgten zwei Songs vom großartigen Debüt Good Part For Each, wobei hier besonders Carrie White für verschärftes Nackenwrestling sorgte. WARHEAD spielten sich bei diesem Auftritt quer durch ihre Geschichte und bedachten alle vier Alben mit einigen Songs. Highlights bisher waren neben Carrie White vor allem Senseless sowie Deatheaters. Während Gitarrist Stefan Rolf sich eher zurück hielt und auch Frontmann Mitch Müller von einer Rampensau noch ein gutes Stück entfernt war, sorgte Bassist Stefan Timm für deutlich mehr Bewegung. Der Mann rockt auf jeden Fall. Bei Senseless und Piece Of Your Flesh vom Beyond Recall-Album kam dann Florian Albers als zweiter Gitarrist auf die Bühne. Dieser hatte ja – wie oben erwähnt – die Tour zu besagtem Album mitgespielt und ist somit auch auf dem aktuellen Live-Album Hour Of Death zu hören. Beim Titeltrack des aktuellen Albums kam dann ein Knabe namens Tim Bob auf die Bühne, der am Captured-Album mitgearbeitet hat, und malträtierte ebenfalls die zweite Gitarre. Nach Deatheater gab es weiter ohne Gnade auf die Fresse, so dass meine Nackenmuskulatur sich langsam aber sicher verabschiedete. Ja, es würde eines dieser Konzerte werden, die man noch am Folgetag spürt.

 

WARHEAD
Setlist WARHEAD: Thanx Killing, The Healing, Carrie White, Flashback Of A Poor Man, Scream, Senseless, A Piece Of Your Flesh, Captured, Deatheater, Warhead, Celebrate Your Loot, Let Me Die, Children Of The Grave, Lies!, K.Y.N., Perfect / Infect

Nach dem ebenfalls großartigen Let Me Die stellte Peter Breitenbach dem Publikum die Band vor, es folgte ein leider ziemlich mäßiges Cover von BLACK SABBATHs Children Of The Grave, was die Stimmung ein wenig abkühlte. Es rifft halt nur einer wie Tony Iommi und das ist der Meister höchstselbst. Aber egal, mit Lies! war man ganz schnell wieder auf Betriebstemperatur und dann kam mit dem obligatorischen Kill Your Neighbour auch schon der letzte Song. Aber WARHEAD hatten doch noch einen Pfeil im Köcher und machten den Sack mit Perfect Infect nach viel zu kurzen siebzig Minuten endgültig zu. Auch nach diesem Konzert bin ich noch nicht von Mitch am Mikro begeistert, zwischen ihm und seinem Vorgänger Björn Eilen liegen einfach Welten, ansonsten sind WARHEAD live aber einfach saustark und haben eigentlich genug starke Songs im Gepäck, um endlich auch mal auf dem einen oder anderen Festival abzuräumen.