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UP FROM THE GROUND 2005: Metalfranken geht in Runde Fünf [Festivalbericht]

UP FROM THE GROUND 2005: Metalfranken geht in Runde Fünf [Festivalbericht]

DAS FESTIVAL:

In die fünfte Runde ging dieses Jahr das UP FROM THE GROUND-Festival (zumindest als Open-Air-Veranstaltung) im fränkischen Gemünden am schönen Main. Und in einer Zeit, in der Metal wieder einigermaßen salonfähig geworden ist, das Printmag Hammer sich ohne rot zu werden wieder Metal Hammer nennt und Festivals wie das WACKEN OPEN AIR sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen und sogar im Fernsehen Anklang finden, da ist auch das relativ kleine UP FROM THE GROUND mitgewachsen. Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen steigt die Kurve des UP FROM THE GROUND zwar stetig, aber auch nicht zu steil. Von Mainstream war nämlich außer der Metal Hammer-Propaganda nichts zu spüren in Gemünden. Wenn das mal nicht gut so ist. Der Eintrittspreis war allerdings von 18 auf (noch immer günstige) 24 Euro geklettert. Dafür fanden sich diesmal mit geschätzten 4500 (laut Veranstalter) Besuchern eine ganze Ecke mehr Fans im schönen Gelände an den Steinwiesen ein und feierten ein entspanntes Festival ohne nennenswerte Zwischenfälle. Aus kleineren Fehlern vom Vorjahr hatte man mühelos gelernt und sich offensichtlich um Besserung bemüht. So bestand zum Beispiel die Security nicht mehr nur aus örtlichen Helfern, sondern war offenkundig professioneller, informierter und besser organisiert. Auf das Gelände durfte man dieses Jahr nur mit Parktickets fahren, eine gute Idee, wenn man die angebliche Überfüllung des Platzes im letzten Jahr bedachte. Da diese aber eben nur angeblich war, schätzte man die Zahl der möglichen Stellplätze offenbar gründlich falsch ein, steckte riesige Areale für Autos ab und schickte dafür Nur-Camper ohne Auto bis ans Ende der Welt – die riesige abgesteckte Park-Fläche war für Camper tabu, blieb aber bis zum Ende des Festivals gähnend leer – im Gegenzug stand halb Gemünden voller Autos.

Auf dem Gelände war alles beim Alten. Es gab wieder einmal die Umtausch-Chips, mit denen man statt Bargeld an den Bier- und Essensständen zahlen konnte. Und in der Tat waren die Wartezeiten überwiegend kurz, dafür riss die Diskussion um das angeblich scheußlich schmeckende Lohrer-Bier nicht ab. Da das aber Bier-Trinker unter sich ausmachen müssen, gibt`s von meiner Seite aus nur eine kleine Kritik an der Essensauswahl, die zum Beispiel für Vegetarier nur genau 1 Nudelgericht vorsah, nicht einmal eine Pommes war zu erstehen.
Aber kommen wir zum musikalischen Teil. 25 Bands sollten dieses Jahr spielen, wobei die Zahl an großen Acts meines Erachtens wieder gestiegen – beziehungsweise die an Undergroundacts gesunken – war. Bei großartigem Wetter nahm das fünfte UP FROM THE GROUND also seinen Lauf…

Freitag, 25. August 2005

ANTICHRIST:

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Allesamt im bandeigenen ANTICHRIST-Shirt präsentierten sich die Musiker auf der Bühne, etwas, das eigentlich nur ANTHRAX originell können und ungestraft dürfen. Aber wie dem auch sei, ANTICHRIST holzten als zweite Band auf dem UP FROM THE GROUND ihren Black Metal ins noch helle und warme Tageslicht. Nun gut, ein Mix aus Black-, Death- und Thrash Metal trifft die Sache wahrscheinlich besser. Wenn man sämtliche Mittelmäßigkeiten aus den genannten Stilrichtungen nimmt, in einen Topf wirft und vergisst zu würzen, dann dürfte etwas ähnliches wie die Musik von ANTICHRIST herauskommen. Den ganzen Gig lang versuchten die Mainzer ihre Kompositionen an den Mann zu bringen, was meiner Ansicht nach klar scheiterte. Zu viel Mittelmaß, nicht nur spielerisch, sondern auch einfach ideentechnisch. Die Fünf fuhren ihre Songs zwar routiniert runter und der Sound verdarb auch nicht viel. Aber letztendlich mangelte es einfach an guten Songs. Bis zum Ende des Gigs versuchte ich einen geeigneten Vergleich zur Musik von ANTICHRIST zu assoziieren. Ich glaube Gerümpel trifft es ganz gut.

FEARER:

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FEARER:
Kompromisslos routiniert: FEARER

Danach gaben sich FEARER die Ehre und bescherten dem noch etwas spärlich vorhandenem UP FROM THE GROUND-Publikum eine konservative Runde Old-School Death Metal. Die Emdener, die in naher Zukunft mit ihrem dritten Full-Length Album Backfire in den Startlöchern stehen werden, ließen demzufolge auch nichts anbrennen und knüppelten, was das Zeug hielt. Sämtliche Old-School-Fans konnten also beruhigt die Birne schütteln, nicht wenige allerdings waren von dem stumpfen Geballer der Ostfriesen wenig angetan und suchten lieber Zuflucht am Bierstand oder an den Merchandise-Ständen. Dabei gaben FEARER auf der Bühne alles, um das Publikum mitzureißen, was ja bekanntlich nicht immer einfach ist. In der mittäglichen Sonne von Gemünden rasselte die Band also gekonnt ein Todesprojektil nach dem anderen herunter, wirkte fachgemäß kompromisslos und hasserfüllt, manchmal aber fast schon zu routiniert. Letzten Endes ließen FEARER mich zufrieden, aber nicht verzückt zurück. Ein Auftritt, an den man sich ewig erinnern wird, ist etwas anderes, aber Spaß gemacht hat es trotzdem und man wartet gespannt auf Backfire, obgleich man weiß und hofft, dass sich im FEARER-Lager wenig ändern wird.

MY DARKEST HATE:

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MY
Unglaubliche Live-Energie: MY DARKEST HATE und Klampfer Jörg M. Knittel

MY DARKEST HATE sind für mich seit jeher eine leicht konsumierbare und vor allem extrem livetaugliche Death Metal-Band. Klar, einen Innovativitätspreis gewinnen die Mannen um SACRED STEEL-Gitarrero Jörg M. Knittel nie und nimmer, doch wer die Band beispielsweise auf dem letzten DONG OPEN-AIR gesehen hat, wird sich zweifelsohne noch an die unbändige Energie erinnern, welche das räudige Quintett auszulösen imstande ist. Auch auf dem UP FROM THE GROUND 2005 sollte sich daran nicht wirklich etwas ändern – der Sound ballerte jedenfalls von Anfang an derartig zerstörerisch aus den Boxen, dass im Grunde überhaupt nichts schief laufen konnte und das Publikum bangte sich auch recht schnell in die eingängigen Rhythmen der Band ein. Somit hatte Sänger Chris Simper eigentlich leichtes Spiel, denn die Leute vor der Bühne fraßen dem stimmlich wieder einmal in unglaublicher Verfassung befindlichen Brüllwürfel nur so aus der Hand, als dieser Live-Hämmer wie Voyeur, Mary oder das Stimmungshighlight Eye for an Eye performte. Zwar ist es ein wenig Schade, dass MY DARKEST HATE dieses Mal auf den Smasher I Will Follow verzichtet haben, aber dennoch kann man der Band ohne jeden Zweifel einen großartigen Auftritt zugestehen, bei dem sich die Musiker definitiv nicht nur durch die Widmung von Scars an die Veranstalter FINAL BREATH beim Publikum profilieren konnten! (Der Pohl)

END OF GREEN:

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END
Mehr als nur eine willkommene Abwechslung: END OF GREEN

Eine gesunde Mischung verschiedener Stilrichtungen tut im Prinzip jeder Musikveranstaltung gut. Ob es allerdings die richtige Entscheidung war, ausgerechnet die süddeutschen Düsterrocker END OF GREEN auf ein lupenreines Death Metal-Festival zu holen, wurde im Vorfeld von den meisten Besuchern doch gehörig angezweifelt. Würde die Band um Goldkehlchen Michael Huber tatsächlich im kochendheiß blubbernden Gemündener Todesblei-Sumpf untergehen oder sollte sie sich als willkommene Abwechslung zu den übrigen Knüppelbands erweisen?
END OF GREEN wirkten jedenfalls alles andere als unsicher, als sie ihren Gig eröffenten und gingen auch recht schnell in die Vollen: Mit dem eingängigen Weakness vom zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal eine Woche alten Dead End Dreaming-Album starteten die Stuttgarter einen denkwürdigen Auftritt, der alteingesessenen Deathern zwar übel aufgestoßen sein dürfte, der Band aber mit großer Sicherheit einige neue END OF GREEN-Jünger eingebracht hat. Hits wie Dead End Hero, Tragedy Insane oder Motor sind scheinbar stark genug, selbst die hartgesottenen Metaller weich zu klopfen und so kam die Band auch nicht darum, nach dem Gänsehaut-Rausschmeißer I Drink Myself to Sleep und schier unermüdlicher Sprechchöre noch eine Zugabe auszupacken, bevor sie das UFTG-Publikum überhaupt gehen lassen wollte. END OF GREEN stehen anno 2005 auf dem Sprungbrett nach ganz oben, das haben sie nun selbst den Death-Metallern eindrucksvoll beweisen können. (Der Pohl)

THE DUSKFALL:

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THE
Elan, Spielfreude und gute Laune: THE DUSKFALL

Nach den Exzessen gewisser Gestalten aus meinem Bekanntenkreis auf dem WITH FULL FORCE fiel mir am Merchandise-Stand sogleich das THE DUSKFALL -Shirt ins Auge, auf dem hinten in großen, roten Lettern prangt: Let`s get drunk and naked. THE DUSKFALL an sich wussten mir schon lange zu gefallen und waren somit die erste Band an diesem Tag, die mich wirklich mitreißen konnte. Die Schweden boten ihren Melodic Death Metal in gewohnter, sympathischer Manier dar und das wurde glücklicherweise vom Publikum gut aufgenommen. Bunt gemischt waren die Interessenten und man merkte, dass der gute alte Melodic Death auch (oder gerade) heute noch etwas bewirken kann. Energetisch und teilweise gewohnt thrashlastig gingen die Schweden zu Werke, erinnerten ein ums andere Mal an Zeiten, in denen IN FLAMES noch gut waren, und konnten mit dem gelungenen Auftritt ihr gerade erschienenes Album Lifetime Supply Of Guilt würdig promoten. Von den schnellen, präzisen Songs, bis hin zu den treibenden und rockenden Hymnen ließ der Gig nichts vermissen, versprühte Elan und Spielfreude und schuf gute Laune zum passend guten Wetter. Auch wenn sich niemand aus Band und Publikum wirklich dem Slogan Let`s get drunk and naked hingab, so verblieben THE DUSKFALL doch in erfreulicher Erinnerung. Jetzt kann man nur noch hoffen, dass die Schweden mit Lifetime Supply Of Guilt auch endlich verdiente Reaktionen ernten.

PRIMORDIAL:

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PRIMORDIAL:
Konnten die UFTG-Besucher leider nicht so recht mitreißen: PRIMORDIAL

PRIMORDIAL gehörten auf dem UP FROM THE GROUND 2005 zu den Bands, denen ich am meisten entgegengefiebert hatte. Das letzte Album The Gathering Wilderness hatte mich wieder einmal so richtig begeistern können und ich hatte mir die Band bis dato ohnehin noch nie auf einem Sommerfestival angesehen. Doch entgegen meiner Erwartungen sollte der Auftritt der Iren nicht der große Knüller werden, die Leute schienen kein größeres Interesse für die Band zu zeigen und so hatte der kunstblutverschmierte A. A. Nemtheanga auch seine Schwierigkeiten, die Leute wirklich anzuheizen. Schade eigentlich, doch das Problem liegt auf der Hand: Was auf CD tiefsinnig, vielschichtig und atmosphärisch wirkt, vermittelte auf dem Festivalgelände einen eher monotonen Charakter und was PRIMORDIAL auf ihren Platten zu einer unwiderstehlichen Ausnahmeband macht, ließ die Musiker an diesem sonnigen Nachmittag wie eine langweilige Durchschnittscombo aussehen. Trotz des schwachen Sounds, des hüftsteifen Stageactings und der aufgrund der zahllosen Midtempo-Stücke recht häufig erscheinenden Eintönigkeit, stachen immerhin die packenden Storm Before Calm, The Coffin Ships und The Gathering Wilderness positiv heraus und manchmal hatte man sogar den Eindruck, dass selbst die Leute in den hinteren Reihen ein wenig mitschunkelten. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Band hätte im Dunkeln gespielt und auf eine schaurige Lichtshow zurückgreifen können, doch Schwamm drüber: In der Halle und vor allem auf Konserve sind PRIMORDIAL nach wie vor eine Macht! (Der Pohl)

BELPHEGOR:

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BELPHEGOR:
Packende Atmosphäre… auch ohne Stagacting: BELPHEGOR

Hossa. Da hat wohl jemand Wut im Bauch. Was auch immer ich erwartet hatte, nachdem mein letzter BELPHEGOR-Gig eher ernüchternd ausfiel, es konnte nicht bestehen. Wäre die Sonne nicht um diese Zeit sowieso untergegangen, so wäre sie es spätestens bei diesem Gig. Die Österreicher hatten sich ganz offensichtlich in den Kopf gesetzt, jegliche Zweifel an der Tödlichkeit ihres Death/Black Metals gnadenlos hinwegzufegen. Zwar konnten BELPHEGOR der leichten Monotonie ihres Materials nicht entkommen, aber der fette Sound und die unglaubliche Geschwindigkeit des Sets machten das mehr als wett. Demzufolge gab es nicht nur Klischee, sondern auch Blastbeats, Hass und Technik vom Feinsten. Zudem beweisen die Ösis, dass sie zwar immer noch nicht viel Stageacting zu bieten haben, das ganze aber zu später Stunde mit der passenden Lightshow genug Atmosphäre schafft, um die perfekten Voraussetzungen für einen gelungenen Gig zu schaffen. So also ackerten sich BELPHEGOR durch ihre Songs und ballerten nicht nur obligatorische Songs, wie Fukk The Blood Of Christ oder Lucifer Incestus technisch einwandfrei herunter. Die verblüffende Schlagzeugarbeit sorgte diesmal dafür, dass BELPHEGOR die Qualität, die sie auf ihren Platten liefern live nicht nur erreichen, sondern fast sogar toppen konnten.

EKTOMORF:

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Gewinnen live immer noch ganze Blumenkübel:
EKTOMORF und Zoltan Farkas

Es war zu erwarten, dass der frühe Freitagabend klar den Ungarn EKTOMORF gehören würde, jedenfalls spiegelten die zahllosen Fanshirts der Besucher klar den aktuellen Hype um die SEPULTURA– und MACHINE HEAD-Fanatiker wider. Als Zoltan Farkas und Co. schließlich an der Reihe waren, stand man sich erwartungsgemäß auf den Füßen und schon nach den ersten Takten des Openers Set me Free gab es kein Halten im Publikum mehr: Als wäre es der letzte Gig auf dem gesamten Festival, bangten und moshten die Fans, was das Zeug hielt, sodass sich die unzähligen Crowdsurfer zeitweise ganz schön um das eigene Wohlergehen sorgen mussten. Die Musiker präsentierten sich in gewohnt guter bzw. dürftiger Verfassung: Wieder einmal waren die Ungarn körperlich wie rhythmisch topfit und Sänger Zoltan hat auch anno 2005 nach wie vor so seine Problemchen, gleichzeitiges Gitarrespielen, Singen und Hüpfen unter einen perfekt sitzenden Hut zu bringen. Doch wen interessiert das schon, wenn Live-Knaller wie Show Your Fist, You Get What You Give, Destroy oder das unschlagbare I Know Them aus der Brüllbox brezeln und die Leute trotz der äußerst monotonen Gitarrenriffs und offensichtlichen Rip-Offs wie Rückkopplungs-Fadeout und Zoltans Fuck You All-Shirt immer bei Laune halten können? Die Fans sicherlich nicht und so konnten sich diese wieder einmal zu keiner Sekunde über das musikalische Diebesgut beschweren, das live scheinbar nach wie vor ganze Blumenkübel gewinnen kann! (Der Pohl)

ENSIFERUM:

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ENSIFERUM:
Gute Stimmung war das perfekte Honarar für eine tolle Festivalsaison: ENSIFERUM

ENSIFERUM durfte ich diesen Festivalsommer nach ihren Auftritten beim ROCK HARD FESTIVAL und auf dem WACKEN OPEN AIR bereits zum dritten Mal live bestaunen und es wäre wohl eisklalt gelogen, wenn ich behaupten würde, dass sich nicht so langsam so etwas wie Übersättigung bei mir eingestellt hat. Ob man unter dieser Voraussetzung nun überhaupt noch objektiv an einen Gig herangehen kann, sei mal dahingestellt. ENSIFERUM lieferten jedenfalls einen soliden, phasenweise sogar überdurchschnittlichen Auftritt ab und besonders die Zuschauerreaktionen waren dieses Mal richtiggehend überschwänglich. Schon beim Intro Ferrum Aeternum konnte man die Fans inbrünstig singen und klatschen hören und als dann mit Iron der Startschuss für eine knappe Stunde hochklassigen Nordish Folk-Metals fiel, blieben eigentlich keine Wünsche mehr offen. Absolute Topstimmung, ein wunderbarer Bühnensound und mit Slayer of Light oder Swordchant die gewohnt schmackhafte Songkost machten nicht nur Spaß, sondern auch verdammt müde und als die Band schließlich mit dem eingängigen Token of Time ihren besten deutschen Festivalgig 2005 beendete, schienen alle Beteiligten absolut zufrieden gestellt. Ansonsten gibt es prinzipiell keine größeren Besonderheiten auszumachen. Petri Lindroos (wieder einmal mit kultigem Kuh-Hut!) war wieder einmal in sehr guter Verfassung und man konnte ihm dieses Mal seine Freude am euphorischen Publikum so richtig ansehen. Unterm Strich war der UFTG-Auftritt somit das fette Honorar für eine tolle Festivalsaison der Finnen, jetzt ist es an der Zeit für ein neues Studioalbum… (Der Pohl)

NAPALM DEATH:

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Keine Überraschungen für Stammpublikum: NAPALM DEATH

Was war die Konstante bei all den NAPALM DEATH -Gigs, die ich im letzten halben Jahr gesehen habe? Es gab da einige. Zum ersten eine wenig überraschende Setlist, zum anderen oft ein schlechter Sound. Keines von beiden konnte mir jemals den Spaß am Auftritt der Engländer nehmen, aber man muss erwähnen, dass auch dieser Gig mit den selben Schwächen zu kämpfen hatte. Die Songauswahl dürfte dabei das geringste Problem darstellen. Gewisse Songs will man einfach hören, auch wenn es das x-te Konzert in Folge ist. Mit dem Sound sah es da schon anders aus. Abermals dauerte der Soundcheck eine halbe Ewigkeit, abermals schienen Jahre zu vergehen, bis die Band die Bühne betrat und abermals war der Sound – gerade zu Beginn – eine Katastrophe. Bei den ersten Stücken war fast ausnahmslos nur Schlagzeug zu hören, bis sich nach drei oder vier Songs der Sound dahingehend besserte, dass man auch die anderen Instrumente heraushören konnte. Auch Barneys Gesang war zwischendurch einmal verschwunden. Nach drei oder vier Songs aber wurde es zunehmend besser – oder aber man gewöhnte sich einfach daran. NAPALM DEATH jedenfalls boten für Leute, die die letzten Konzerte der Band besucht haben, an diesem Abend keine Überraschung. Die Songauswahl war vorhersehbar, das neue Album The Code is Red… Long Live the Code mit vielen Stücken vertreten. So fanden abermals Silence is Deafening, Right You Are, Instruments of Persuasion, The Great and the Good, und der Titeltrack The Code is Red… Long Live the Code den Weg in die Setlist, aus den alten Tagen waren wie immer From Enslavement To Obliteration, Scum, Deceiver, Life, You Suffer vertreten. Die Pflichtstücke Suffer The Children, Continuing War On Stupidity und Breed To Breathe durften ebenso wenig fehlen, wie die Cover-Songs Blind Justice und Lowlife von Leaders Not Followers: Part 2.
NAPALM DEATH taten also das, was sie am besten können: einfach nur rocken. Außer dem Sound stimmte wie immer alles und auch mit diesem kleinen Wermutstropfen war es einfach herrlich dem Krach der Birminghamer zu lauschen. Dennoch war der Auftritt, den die Vier in Gemünden bestritten, für NAPALM DEATH-Verhältnisse eher durchschnittlich, aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass ich die Band in den letzten Monaten zu oft gesehen habe und sich in der Zeit zu wenig an der Performance gehändert hat. Und es ist ja irgendwie auch gut so. Wollen wir hoffen, dass sich – außer dem Sound – nie wieder etwas ändert.

Samstag, 26. August 2005

PATH OF GOLCONDA:

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PATH
Daumen hoch für einen der intensivsten Auftritte des gesamten Festivals: PATH OF GOLCONDA

Der Samstagmorgen begann für mich gleich mit meinen ganz persönlichen Festival-Headlinern namens PATH OF GOLCONDA, die mich Mitte letzten Jahres mit ihrer Demo-CD Destination: Downfall derartig aus den Socken gehauen hatten, dass ich wohl sogar allein wegen dieser Band zum UP FROM THE GROUND 2005 gedüst wäre. Glücklicherweise gab es zwar den Oberhausenern noch zahlreiche weitere Hochkaräter im Billing, dennoch mussten sich die Underdogs vor wirklich keinem der größeren Acts verstecken! Was nämlich um ca. 13.15 Uhr auf dem Festivalgelände entfacht wurde, glich einem hoch lodernden Freudenfeuer, das von der unglaublichen Bühnenenergie der Musiker und einem kraftvollen Soundgewand immer wieder angefacht wurde. Klar, mit den Songs war – abgesehen vom selbst mitgebrachten GOLCONDA-Fanclub – wohl kaum ein Besucher vertraut, doch trotzdem ließen sich die Leute vor der Bühne nicht lumpen, die Band wie Volkshelden abzufeiern, während diese sämtliche Songs ihres Destination: Downfall-Albums zum Besten gab. Mit dem eingängigen Uncreation, dem Groove-Monster Message in a Rifle (für mich nach wie vor einer der besten Songtitel 2004!) und dem Midtempo-Stampfer Petriachor (the Parting of Hearts) konnten PATH OF GOLCONDA schnell die Aufmerksamkeit der zu dieser Uhrzeit überraschend zahlreichen Besucher auf sich ziehen, während Sänger Manuel mit seiner für einen Mann seines Bekanntheitsgrads schier unglaublichen Aura auch die letzen Zweifler zu überzeugen versuchte – sowohl stimmlich als auch optisch müsste dieser Mann eigentlich zu den ganz großen im deutschen Musik-Business gehören! Krönung der für mich besten halben Stunde des gesamten Festivals (ja, auch vor Online-Redakteuren nimmt rein subjektive Euphorie nur ungern Halt!) war schlussendlich das Referenzwerk der Combo, A Cannibal Crusade, das ich wirklich jedem Death Metal-Fan nur ans stählernde Herz legen kann! Gratulation an eine der unterbewertetsten Bands im deutschen Underground! (Der Pohl)

DARK AGE:

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DARK
Passten nicht so recht ins Billing: DARK AGE

Die Hamburger DARK AGE passten eigentlich gar nicht so recht ins Billing. Eher melodisch orientiert, als in irgendeiner Weise extrem und eher auf Eingängigkeit als auf Heftigkeit bedacht, fahren die Jungs ihre ganz eigene Schiene zwischen melodischem Death und modernem Metal. Der Auftritt auf dem UP FROM THE GROUND trug dem in doppelter From Rechnung: Erstens war das Interesse an der Band vergleichsweise gering. Und zweitens fiel DARK AGE die Umsetzung ihres Materials in eine energetische Form relativ schwer. Immerhin versammelten sich einige Fans vor der Bühne, die die Band offensichtlich gut kannten und dementsprechend abfeierten. Ob DARK AGE allerdings in Gemünden neue Freunde finden konnten, das sei mal dahingestellt. Dennoch war die Show der Nordlichter keineswegs schlecht, nein, sogar gut. Die Band präsentierte sich motiviert und vor allem sympathisch. Der Fokus lag dabei auf den beiden neuesten Alben, The Silent Republic und Dark Age. Besonders die Hits Fix The Focus, Dare To Collapse (u.a.) von letzterem Album wurden von den Anwesenden frenetisch gefeiert.
Insgesamt konnte der Sound passend umgesetzt werden, auch wenn das bei dem keyboardlastigen Material von DARK AGE dazu führt, dass der Druck scheinbar öfters verloren geht. Ein wunder Punkt war noch Eikes cleaner Gesang. Ein Problem, was viele ähnliche Bands kennen werden: Live kann man an die Klasse des Studiogesangs nicht anknüpfen. Rückblickend kann man zum Gig der Hamburger eigentlich nur sagen: Standes- und erwartungsgemäß okay, aber nicht wie gehofft mitreißend oder erstklassig.

HATESPHERE:

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HATESPHERE:
Holten sogar einen Luftgitarristen auf die Bühne: HATESPHERE

Arbeitsmarkt? Bundestagswahl? Kirchhof? Wer interessiert sich schon für neue Steuersysteme, wenn man selbst als langzeitarbeitsloser Metalfan an Hartz IV seine helle Freude haben kann? Die Dänen um Brüllwürfel und BON JOVI-Gesichtsdouble (bin ich mit dieser Meinung eigentlich wirklich alleine?) Jacob Bredahl machten an diesem Samstagnachmittag jedenfalls so viel Spaß, dass die meisten Zeitzeugen für eine gewisse Zeit alle Sorgen über Bord werfen und sich dem meiner Auffassung nach energischsten Auftritt des gesamten Festivals hingeben konnten. Meine Güte, ich hatte ja schon auf Konserve meine helle Freude an Hassbrocken wie Deathtrip, Downward to Nothing und Only the Strongest gehabt, aber wie diese Songs an besagtem Nachmittag einschlagen würden, hätte ich mir in meinen metallischsten Träumen nicht ausmalen können. Besonders das vom ersten, selbstbetitelten Album stammende Bloodsoil walzte wirklich alles nieder, da konnte der Riesen-Moshpit in den ersten Reihen noch so energisch und unnachgiebig sein! Als Bredahl irgendwann mit Olli einen extrovertierten Luftgitarristen, der im Rhein-Main Gebiet schon seit nunmehr fast zwanzig Jahren absoluten Kultstatus genießt, auf die Bühne holte, war das begeisterte Publikum dann endgültig auf der Seite der Dänen. Alles in allem war es also ein äußerst energischer, musikalisch hochwertiger und nebenbei extrem amüsanter Auftritt, der den Besuchern wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ich für meinen Teil bin jedenfalls schon jetzt gespannt darauf, wie die Titel vom neuen Album The Sickness Within beim nächsten HATESPHERE-Konzert reinhauen werden… (Der Pohl)

HEAVEN SHALL BURN:

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HEAVEN
Starker Auftritt, aber zu lange Ansagen: HEAVEN SHALL BURN und Sänger Markus

Die Thüringer von HEAVEN SHALL BURN hatten erst kürzlich auf der zweiten Split mit CALIBAN von sich hören lassen – und das sehr eindringlich. Und auch für Leute, die schon unzählige Gigs der Jungs gesehen haben, dürften heute nicht enttäuscht gewesen sein. HEAVEN SHALL BURN präsentierten sich energiereich und motiviert, der Sound stimmte und die anwesenden Fans – gleich welcher Couleur – fieberten dementsprechend mit. Mit solider Setlist und eingespielter Band konnte somit auch auf dem UP FROM THE GROUND, wo sich ja im Allgemeinen nicht gerade die Zielgruppe von HEAVEN SHALL BURN tummelt, nichts schief gehen. Offensichtlich hat sich mittlerweile eine Einstellung breit gemacht, die gepflegt darauf scheißt, ob das Ganze nun Metalcore oder melodischer Death Metal ist, und einfach abfeiert, was gut ist. Womit wir wieder bei HEAVEN SHALL BURN wären, die an diesem Tag eine starke Show hinlegten, die zumindest mir extrem gut rein ging. Kernstück der Setlist stellten wieder einmal sämtliche Stücke des 2004er Hammers Antigone dar. Ob Voice Of The Voiceless, The Weapon They Fear oder Bleeding To Death, jedes der Stücke hat schon etliche Mal zuvor seine Live-Tauglichkeit bewiesen. Zur sehnlichen Verzückung meinerseits gab es als Krönung auch den neuen Song Unleash Enlightment, der eindringlich klar machte, dass mit HEAVEN SHALL BURN noch zu rechnen ist.
Einziger Kritikpunkt waren – auch nicht zum ersten Mal – die ausufernden Ansagen von Sänger Marcus. Es ist schön, wenn eine Band etwas mitzuteilen hat und die Momente zwischen den Liedern dazu nutzt. Aber statt der langen und oftmals wirklich uninteressanten Ansagen sollten HEAVEN SHALL BURN lieber einen Song mehr zocken.

FLESHCRAWL:

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FLESHCRAWL:
Einsatz erfolgreich: FLESHCRAWL

Als nächstes standen die Death Metaller FLESHCRAWL auf dem Programm. Die Fans gepflegter skandinavischer Todesklänge hatten sich schon vor der Bühne eingefunden, als die Formation schließlich in ihr Set startete. Mit einem Sound, der sich recht nah an der letzten Platte Made Of Flesh bewegte, fegte man die einschlägigen Hits der Band über die Festivalbühne. Dabei hatte Deutschlands schwedischste Band bei den Zuschauern in den vorderen Reihen offensichtlich von Anfang an einen Stein im Brett. Zwar pilgerten nicht wirklich Massen zur Bühne, aber diejenigen, die es taten, wussten warum und hatten sichtlich Spaß. Frontmann Sven schob sein Gewicht dabei unermüdlich über die Bühne und grunzte sich genüsslich durch die Setlist. Demons Of The Dead, Made Of Flesh, Flesh Bloody Flesh, Beneath A Dying Sun, Soulskinner, As Blood Rains From The Sky, die Songauswahl war zwar nicht überraschend, aber dafür umso besser. Letztendlich fragt man sich nur, warum die Band immer noch mit Glaubwürdigkeitsproblemen zu kämpfen hat. Warum nicht akzeptiert wird, wenn eine deutsche Band schwedisch klingt? Vielleicht hängt das mit der Tatsache zusammen, dass sich die Deutschen lieber den x-ten, seit Clandestine nur noch minderwertigen ENTOMBED-Release ins Haus holen. Aber das muss an anderer Stelle erörtert werden. Für FLESHCRAWL hieß es erst mal: Einsatz erfolgreich.

MNEMIC:

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MNEMIC:
Haben live nach wie vor ihre Schwierigkeiten: MNEMIC

MNEMIC sind eine der Bands, die mich auf CD überwiegend begeistern, dem hohen Qualitätsanspruch bei Live-Konzerten jedoch nicht gerecht werden können. Daran sollte sich auch auf dem UP FROM THE GROUND 2005 nichts, aber auch gar nichts ändern, wobei die Schuld nicht allein bei den Musikern, sondern in erster Linie beim phasenweise katastrophalen Bühnensound zu suchen ist. Selbst die Kenntnis darüber, dass Brecher wie Deathbox oder The Naked and the Dead eigentlich richtig gute Songs sind, und ein kurzer, sehr spaßiger Auftritt des bereits ordentlich betrunkenen HATESPHERE-Sängers Jacob Brehdal konnten mir an diesem Nachmittag nicht so recht weiterhelfen. Irgendwie störte der schrille, völlig aufgesetzt wirkende Sound der eingespielten Keyboards doch zu sehr und aus irgendeinem Grund wirkte auch der mittlerweile ausgestiegene Sänger Michael Bogballe weder sonderlich präzise noch angemessen motiviert. Dass ich mit dieser Meinung nicht allein war, zeigte sich am vergleichsweise schwachen allgemeinen Interesse. So wäre vor der Bühne fast schon genug Platz für eine Partie Boccia gewesen. Wie dem auch sei, über die Live-Qualitäten von MNEMIC streiten sich nach wie vor die Geister – trotzdem oder gerade deswegen bin sehr gespannt darauf, ob der neue Sänger Tony Jelencovich frischen Wind in die Performance der Dänen bringen wird… (Der Pohl)

ROTTING CHRIST:

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ROTTING
Stießen nur auf geringes Interesse: ROTTING CHRIST und Sänger Sakis

Ich weiß auch nicht, woran es letztendlich gelegen haben mag: Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass sich die Festivalbesucher durch den schwachen MNEMIC-Auftritt derartig einschüchtern lassen würden, aber als die Griechen ROTTING CHRIST am frühen Abend ihre Dreiviertelstunde melodischen Black-/Death-Metals eröffneten, war vor der Bühne immer noch nicht viel los. Und das war verdammt schade, schließlich boten Sakis und Co. eine ausgewogene Mischung aus brachialen Knüppelparts und größenteils atmosphärischen, geradezu rockigen Grooves, die rein musikalisch wohl zu dem hochwertigsten Material gehört, das an diesem Abend überhaupt vom Stapel gelassen wurde. Obwohl sich ROTTING CHRIST im Laufe ihrer Karriere musikalisch immer weiter gewandelt haben und auf ihren neueren Werken die härteren Momente immer mehr vermissen lassen, gingen beim Auftritt der mit Abstand ruhigsten Band des Festivalsamstags sowohl Klassiker wie Sign of Evil Existence als auch die neueren Stücke wie Sanctus Diavolos, My Sacred Path (Hammer!) oder In Domine Sathana Hand in Hand und ergänzten sich geradezu prima. Der Stampfer No Savior stellte sich nach einer Dreiviertelstunde als das absolute Highlight eines Auftritts heraus, der leider viel zu wenig allgemeines Interesse einsacken konnte und somit an vielen Besuchern spurlos vorbei ging. Scheinbar zog es der Großteil der Besucher vor, sich auf dem Zeltplatz mental auf die Headliner einzustellen… (Der Pohl)

MISERY INDEX:

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MISERY
Teilten energisch aus: MISERY INDEX

Für mich war von vorne herein eines klar: MISERY INDEX waren der Headliner dieses Festivals. Daran war und ist nichts zu rütteln. So derb, wie die letzten Veröffentlichungen… ach, was rede ich, ALLE Veröffentlichungen der Amis einschlugen, so fest kann man eigentlich gar nicht zuschlagen, ohne absolut wahnsinnig zu sein. Der DYING FETUS-Ableger hat sich nicht nur um diese Bezeichnung verdient gemacht, sondern noch eine ganze Schippe hauseigene Heftigkeit obenauf gelegt. Ergebnis waren zwei Split-CDs, das Mini Album Overthrow, das über Nuclear Blast folgende Full-Length Retaliate und die (natürlich völlig zu unrecht) etwas weniger beachtete Dissent-EP. In letzter Konsequenz donnerten die Amis auch noch über den großen Teich und walzten unter anderem beim PARTY.SAN 2004 wortwörtlich alles platt. Zutiefst befriedigt verließ ich seinerzeit Bad Berka und erst das UP FROM THE GROUND sollte wieder Erlösung bringen. Wie dem so ist, wird in solchen Fällen der (sonst recht genaue) Zeitplan mal nicht eingehalten, was mich tatsächlich dazu trieb, mich während der ersten Töne der Amis mit mir eigentlich untypischer Unverschämtheit durch die Warteschlange zu mogeln, um so schnell wie möglich zur Bühne zu kommen. Und – ja! – MISERY INDEX rockten Gemünden. Ultrabrutal begann ein Set am Rande des Wahnsinns. Verzückung! Wallung! Rausch! Pulling Out The Nails. Wahnsinn! Euphorie! The Great Depression. Chaos! Retaliate, Angst isst die Seele auf, History is Rotten, Exception To The Ruled, The Imperial Ambition. *
Ende.
Ja, richtig, auf einmal war alles vorbei. Der perfekte, gnadenlose Auftritt von MISERY INDEX – dahin. Der – soweit die Erinnerung – mit bestem Sound heruntergeholzte Gig – nach gerade mal 40 Minuten vorbei. Ungläubige Gesichter, offene Münder. Der Ekstase folgte Ernüchterung, bis ich mich schließlich aus rein pragmatischen Gesichtspunkten dazu entschied, die Tatsache zu akzeptieren und zufrieden zu sein. Schließlich hatte man gerade einen genialen Gig einer genialen Band durchlebt und nimmt vergnügt mit nach Hause, dass zur Zeit wohl niemand so energisch austeilt, wie MISERY INDEX.

* Alle Angaben aus der Erinnerung eines gelebten Konzertes und daher wie immer ohne Gewähr.

UNLEASHED:

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UNLEASHED:
UNLEASHED, wie man sie kennt und liebt: Nicht mehr und nicht weniger gab es auf dem UP FROM THE GROUND zu sehen

Ähnlich wie auch schon bei ENSIFERUM hatte der Verfasser dieser Zeilen bei den Schweden UNLEASHED so seine Schwierigkeiten, völlig unbehaftet an den Auftritt auf dem UP FROM THE GROUND-Festival heranzugehen: Seit dem WACKEN OPEN AIR 2002 sind UNLEASHED wieder ständig in Deutschland zu bestaunen gewesen und irgendwann ist einfach der Moment eingetreten, an dem man den Eindruck bekommt, nichts Neues mehr geboten zu bekommen. Leider trat dieses Gefühl ausgerechnet beim umjubelten Gig am besagten Samstagabend ein. Trotzdem sei gesagt, dass es der typischen UNLEASHED-Show an den gewohnten Highlights nicht mangelte und Sänger Johnny nicht die leisesten Schwierigkeiten zu haben schien, sein Publikum unter Kontrolle zu bekommen. Zu meiner Freude gab es dann mit The Longships are Coming sogar noch eine klitzekleine Überraschung, denn der Sworn Allegiance-Smasher fehlte leider auf den letzten Konzerten und konnte seine Klasse an diesem Abend wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen. Zwar ließen UNLEASHED ihren Übersong Metalheads nach wie vor grabestief in der Trickkiste versteckt und auch die Mitsingspielchen von Johnny konnten alteingesessene Fans nicht mehr vom Hocker reißen, doch trotzdem kann man der Band ihre majestätische Live-Aura und nahezu perfekte Eingespieltheit nicht absprechen. UNLEASHED sind auch 2005 eine absolute Live-Macht, auch wenn man sich doch einmal überlegen sollte, die ein oder andere Neuerung in das Set zu integrieren. (Der Pohl)

HYPOCRISY:

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HYPOCRISY:
Standesgemäß solide und professionell: HYPOCRISY und Peter Tägtgren

Zu später Stunde wurde es kalt auf dem Festivalgelände von Gemünden. Dazu passend eroberten HYPOCRISY die Bühne, um ihren Headliner-Slot zu verteidigen – bei der vorgelegten Leistung von MISERY INDEX knappe zwei Stunden zuvor keine leichte Aufgabe. Aber die Schweden sind ja nicht erst seit gestern im Geschäft, haben mit Horgh einen erstklassigen Drummer an Bord und konzentrieren sich ja angeblich mehr auf die Musik, als auf das Trinken. Tägtgren prahlte jedenfalls nicht mit seiner Nüchternheit, sondern legte sich in die Riemen und stellte mit seinen Kollegen einen guten Auftritt auf die Beine. Nicht mehr, nicht weniger, muss man dazu sagen.
Mit Fractured Millenium begann dann das Set, das sich gar nicht so vom letzten HYPOCRISY-Auftritt unterschied, wenn ich mich richtig erinnere. Der Sound stimmte und die Stimmung war um die Uhrzeit auch entsprechend gut, der Anklang in den Reihen der Fans dementsprechend groß. Im folgenden konzentrierten sich die Schweden auf einschlägige Live-Stücke. Stücke wie Fire In The Sky, vom 2000er Werk Into The Abyss, als sich die Band noch einmal richtig aufgebäumt hatte. Aber auch Älteres zogen die Jungs vom Stapel, zum Beispiel Inferior Devoties aus Osculum Obscenum-Zeiten. Schnelle Stücke blieben aber dennoch eher die Ausnahme. Abermals setzten HYPOCRISY auf ihre Aliens. Hymnen, vorwiegend sogar im unteren Geschwindigkeitsbereich. Je mehr sich das Set dem Ende zuneigte, desto langsamer und länger wurden die Songs – so kam es einem zumindest vor. Immer wieder sporadisch unterbrochen von schnelleren Stücken. Deathrow (No Regrets), Apocalypse, The Abyss, Adjusting The Sun, The Final Chapter und das unvermeidliche Roswell 47 – mit solchen Songs gelang es HYPOCRISY zu fesseln – aber nicht nur. Gerade wenn der Moshpit richtig lief, kamen gleich mehrere der zähen Stücke hintereinander und bremsten alles aus. Auf die wenigen harten und old-schooligen Stücke stürzten sich die Fans aber genauso begeistert, wie auf Hymnen, wie Roswell 47.
Die Band spielte jedenfalls standesgemäß solide auf, wirkte professionell und schien den Auftritt auch selbst zu genießen. Peter sang die Songs wie üblich freier als auf Platte und wechselte nach Belieben von Growls zu Screams, statt an der Album-Version festzuhalten.
Mit der Zugabe entfesselten dann noch einmal Born Dead, Buried Alive und das von Beginn an lautstark geforderte Eraser und dann war die Mission auch schon erfüllt. Sieger des Tages waren die Schweden sicher nicht, aber ein gutes Konzert war es allemal, was sie in Gemünden auf die Bretter stellten. Bezüglich der Setlist blieben allerdings einige Fragen offen. Nicht zuletzt, warum nicht ein Song, vom (damals noch) kommenden Album Virus zum Besten gegeben wurde.

RESÜMEE:

Abschließend kann man in Bezug auf das diesjährige UP FROM THE GROUND nur mit einem Lob verbleiben. Die Atmosphäre stimmte, die Bandauswahl war gut und auch über die Preise konnte man eigentlich nicht meckern. Dass diverse kleine Fehler passierten, ist verzeihlich, zumal ich sicher bin, dass die konstruktive Kritik auch diesmal ihre verdiente Aufmerksamkeit bekommt. Sehr schlecht war zum Beispiel die Leistung der Securities im (viel zu breiten) Fotograben, die sich nur selten aufraffen konnten, die relativ rar gesäten Stagediver aufzufangen. Nicht wenige landeten sehr unsanft im Graben – eine Aktion mit beträchtlichem Verletzungsrisiko. Wenn man sich umhörte, kam auch viel Unmut über die (angeblich verschlechterte) Toilettensituation auf, aber das ist ja ein bekannter Streitpunkt. Wenn man in den Krümeln sucht, dann findet man auch noch mehr Kleinigkeiten. Zum Beispiel, dass man nach dem Eintritt aufs Festivalgelände zuerst die lange Schlange an autogrammgeilen Fans durchbrechen musste, die den Metal Hammer-Stand belagerten. Oder dass die Securities nicht die Aufgabe hatten, die überaus nervigen, Helga-brüllenden Wilden zu entfernen, die massenweise das Gelände heimsuchten. Helga ist echt mal so was von out, Leute! Aber, schwamm drüber und Spaß beiseite. Sagen wir abschließend also nur:

Alles gute zum 5. Geburtstag nachträglich, liebes UP FROM THE GROUND. Bleib` im Großen und Ganzen wie du bist, wir sehen uns im nächsten Jahr!

Bericht: deviator, Der Pohl

Fotos und Layout: Der Pohl