THE CROWN, Mannheim – MS Connexion, 13.12.2018

Stell dir vor, deine Lieblingsband kommt nach zweieinhalb Jahren endlich wieder auf Tour – und kaum jemand geht hin. Wie sich das anfühlt, konnte man in Mannheim erfahren. Ganz großzügig gezählt kam man auf rund 80 Leute, die sich in der viel zu großen Kolbenhalle des MS Connexion in Mannheim ziemlich verloren. Ein Blick auf die vielen, vielen alten THE CROWN-Shirts, etliche davon von den Touren 2000 und 2003, machte aber deutlich, dass es im Publikum trotzdem genug Fans der Band gab, was wieder Hoffnung auf einen gelungenen Konzertabend machte. Insgesamt standen mit THE CROWN, SVART CROWN, BLEEDING GODS, TEMNEIN und BLEEDING UTOPIA fünf Bands auf dem Billing – wir waren dank längerer Anfahrt an einem Donnerstag erst zum Set von BLEEDING GODS in Mannheim.

BLEEDING GODS

Viel Corpsepaint und wenig dahinter: BLEEDING GODS

Bei BLEEDING GODS dürften sich nur die Jungs um die halbblinden Spiegel in den Backstage-Umkleiden scharen – denn im Gegensatz zu Basserin Yessica Otten trägt der Rest der Band aufwändiges Corpsepaint. Der aufwändige Look konnte aber nicht lange darüber hinwegtäuschen, dass größte Teil der Band seltsam müde und kraftlos wirkte – und die theatralischen Intros, Outros- und andere Zwischensequenzen des Keyboarder zur Erholung nutzte. Zur Stimmung trugen sie nämlich nicht bei, eher im Gegenteil, es blieben auch direkt vor der Bühne alle ziemlich ruhig und verhalten.

Aktivposten auf der Bühne war – neben der Bassistin – Keyboarder David Gutierrez Rojas, der nicht nur eine ähnliche Lockenmähne wie TYPO O NEGATIVEs Josh Silver hat, sondern sich auch ganz ähnlich bewegt. Eine gute Dreiviertelstunde gab’s soliden Death-Thrash-Metal mit für meinen Geschmack viel zu viel Black Metal-Keyboard-Drama – mit war es einfach ein bisschen zu viel Gepose und Effekthascherei der Niederländer.

SVART CROWN

Voller Einsatz unter erschwerten Bedingungen: SVART CROWN

SVART CROWN machten ihre Sache schon besser:  einfach weniger Theater und dafür mehr Action und Hingabe auf der Bühne. Das aktuelle Album „Abreaction“ ist nicht gerade livetauglich, der Extreme Metal der Franzosen ist schon ziemlich sperrig. SVART CROWN haben aber einen guten Weg gefunden, damit umzugehen: Sie spielen einfach ohne Pause, ohne Rücksicht auf Verluste und mit beeindruckender Konsequenz durch – und die Verzerrer sind bis 11 aufgerissen. Das bläst einfach jeden weg. Die vollkommen selbstversunkenen Musiker auf der Bühne lassen ohne Rücksicht auf Bandscheiben und Nackenwirbel ihre Gitarren und Bass erst am Boden schleifen und reißen die Instrumente dann urplötzlich hoch. Sie versinken im eigenen Lärm – und zogen einige Leute im Publikum dann auch mit sich. Meine Hochachtung dafür! Wer mag schon in einer fast leeren Halle vor Leuten spielen, die so gut wie alle nur auf die nächste Band warten? SVART CROWN haben das Maximum rausgeholt und wurden dafür auch mit hochverdientem Applaus belohnt.

THE CROWN

Die „Royal Five“ von THE CROWN: Gitarrist Marko Tervonen, Bassist Magnus Olsfeld, Sänger Johan Lindstrand, Gitarrist Robin Sörqvist und Drummer Henrik Axelsson

Irgendwie war‘s schon schräg, dass sich die Leute mit den alten Bandshirts in der Umbaupause ganz brav und erwartungsvoll vor der Absperrung zum Fotograben versammelten. Wäre nicht nötig gewesen, wer wollte, fand den ganzen Abend über ganz gemütlich einen Platz direkt vor der Bühne. Dass eigentlich nix los war im vergaß man vorne dann auch sofort – THE CROWN ignorierten das schwarze Loch in der Halle einfach und legten sich ins Zeug, als wären sie Headliner bei einem ausverkauften Festival. Das verdient Respekt – und den zollten die THE CROWN-Maniacs der Band vom ersten Song an. Wo bei den Vorbands noch freundliche Zurückhaltung, höflicher Anstandsapplaus und maximal wohlwollendes Nicken das Bild bestimmte, flogen bei THE CROWN sehr schnell die Mähnen und reckten sich Fäuste gegen das Hallendach.

Waren ständig in Bewegung: THE CROWN-Gitarrist Marko Tervonen und Bassist Magnus Olsfeld

Über ein Drittel der Setlist stammte vom aktuellen Album „Cobra Speed Venom“ – das ist vergleichsweise viel. Vor zweieinhalb Jahren gab’s beim Konzert in Winterthur gerade mal drei Songs vom damals aktuellen Album „Death Is Not Dead“. Allerdings kann „Cobra Speed Venom“, das im März 2018 veröffentlicht wurde, mit THE CROWN-Klassikeralben wie „Hell is Here“, „Deathrace King“ oder „Possessed 13“  mithalten, während auf „Death Is Not Dead“ erstmals der ein oder andere schwächere Song zu hören war.

Sei‘ s drum, schon nach dem Opener-Duo „Destroyed By Madness“ und „Iron Crown“ folgte mit „Blitzkrieg Witchcraft“ das erste Highlight – gefeiert von der ersten Reihe, die eine fast schon erstaunliche Textsicherheit besaß und so ziemlich jeden Song lauthals mitschrie. Bassist Magnus Olsfeld entledigte sich dann schnell seiner Lederjacke und präentierte wie immer seinen exquisiten Musik-Geschmack mit seinem Bandshirt – diesmal war es ein ANTI CIMEX-Leibchen.

Teuflisch gut: THE CROWN-Sänger Johann Lindstrand hatte das coolste Shirt des Abends: „Ich bin Satanswerk“ stand drauf.

THE CROWN-Sänger Johan Lindstrand taute spätestens bei “Rebel Angel” so richtig auf, kommunizierte mit Worten und Blicken mit dem Publikum und schien richtig zufrieden mit der kleinen, aber enthusiastischen Fan-Crowd vor der Bühne. „Danke Mannheim, dass ihr heute hergekommen seid“ – diesen Satz gab’s gleich mehrfach zu hören. Er war auch ernst gemeint. Überhaupt, der Schwede war in Plauderlaune und ließ sich tatsächlich zu längeren Ansagen hinreißen. „Black Lightning“ kündigte er als „guten, alten, klassischen Heavy Metal“ an – und der Song war auch DIE Überraschung auf der Setlist. Er zeigt, was THE CROWN einfach besser machen als viele andere Bands: Sie bedienen sich rotzfrech im großen und bunten Arsenal der Rockmusik, klauen hier ein SLAYER-Riff da einen MORBID ANGEL-Blastbeat, hier ein cheesy Hardrock-Hook, da eine klischeestrotzende Heavy Metal-Twin-Guitar, verschweißen die Einzelteile untrennbar und streichen alle schwarz an.

THE CROWN werden offenbar von Jahr zu Jahr fitter!

 

„Hell Is Here“ wird im nächsten Jahr ganze 20 Jahre alt – und dennoch ist ein Song wie „At The End“ kein bisschen angestaubt. Ein musikalischer Jungbrunnen, der schlagartig ein paar Jahre, ach was, Jahrzehnte vergessen macht. Davon scheint übrigens auch die Band zu profitieren: Wo andere Bands im Alter ein wenig ruhiger werden und der Zeiger der Waage auch gerne mal weiter nach rechts ausschlägt, wirken THE CROWN auf jeder Tour fitter und schlanker.

THE CROWN freuten sich sichtlich über die treuen Fans in den ersten Reihen

Mit „Crowned In Terror“ und “Total Satan” gab’s zwei Songs vom „Crowned In Terror“ Album, wobei ja „Total Satan“ wie auch „Deathexplosion“ zum Standardrepertoire von THE CROWN gehört. Überraschend fand ich hingegen, dass „1999 – Revolution 666“, eigentlich immer die letzte Nummer, diesmal nicht auf der Setlist stand. Fiel mir aber ehrlich gesagt erst nach dem Konzert auf, denn die vielen neuen Songs vom aktuellen Album „Cobra Speed Venom“ haben halt auch das Zeug zum Klassiker – einem Klassiker wie „Angels Die“ oder „In Bitterness And Sorrow“ vom zweiten Album „Eternal Death„, das 1997 noch unter dem Bandnamen CROWN OF THORNES erscheinen ist und nach dem einige Fans immer und immer wieder verlangten. Vielleicht erhören THE CROWN diese Bitten ja beim nächsten Konzert, ich freu mich jetzt schon drauf!

THE CROWN Setlist 13. Dezember 2018, Mannheim MS Connexion

Destroyed By Madness
Iron Crown
Blitzkrieg Witchcraft
At The End
In The Name Of Death
Rebel Angel
We Avenge!
Cobra Speed Venom
Crowned In Terror
Black Lightning
Face of Destruction Deep Hit Of Death
Deathexplosion
World War Machine
Total Satan
Zombified

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...