CROWN OF THORNS: Eternal Death

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Wie wertlos Stilbezeichnungen sind, zeigt sich an diesem Album. Ich meine, welchem Stil soll man dieses Album zuordnen? Death Metal? Nö, dazu ist es zu melodiös und zu thrash-metal-lastig. Thrash Metal? Nö, dazu sind die Song zu deathmetal-lastig. Erstaunlicherweise scheint es auch Leute zu geben, die dieses Album als Black Metal bezeichnen, was in meinen Augen und Ohren allerdings weniger zutreffend ist. Melodischer Death Metal? Das kommt vielleicht am ehesten hin, doch letztendlich sind solche Einordnungen ohnehin immer nur Hilfestellungen – es sei denn, eine Band verlässt sich ausschließlich auf bekannte Trademarks. Und diesen Vorwurf kann man CROWN OF THORNS, heute THE CROWN, auf keinen Fall machen.

1997 erschien das zweite Album der schwedisch-finnischen Band und mit „Eternal Death“ hatten die Jungs die Messlatte gleich so richtig hoch angelegt; die Steigerung im Vergleich zum Vorgängeralbum „The Burning“ ist immens.

„Angels Die“ ist bis heute einer der besten Tracks, den es von THE CROWN jemals zu hören gab. Viereinhalb Minuten geballte Aggression, eine Melodie, die sich gnadenlos in den Gehörgang fräst und dort für sehr, sehr lange Zeit ihre Spur hinterlässt, perfekte Gitarrenläufe und ein Songaufbau, der keine einzige Sekunde Zeit zum Atemholen lässt. Schon damals hatte die Band ein Gespür für eigenständige, absolut mitreißende Songs, die komprimiert auf eine recht kurze Spielzeit von akustischen Gitarrenparts, bedingungslosem High-Speed-Geballere, präzisesten Drumtakes und extrem rohen Vocals alles umfassten. Sänger Johan „Lava For Lunch“ Lindstrand krönt das intensiv-atmosphärische Aggressionskunstwerk mit Vocals, die eine der beeindruckensten Hasstiraden ist, der man je lauschen konnte. „Angels Die“ wird nicht zuletzt auch durch die zahllosen Ideen der beiden Gitarristen zu einem unsterblichen Klassiker. Von ähnlichem Kaliber ist „The Serpent Garden“, dessen traumhafte Gitarrenarbeit das Herz eines jeden Extrem Metal Liebhabers höher schlagen lässt – im Songwriting der Band verstecken sich so viel Feinheiten, dass dieses Album auch nach x Durchläufen nicht langweilig wird, und die – im Gegensatz zum Debüt – geschickt miteinander verschmolzen werden. Ungebändigte Power, Aggressivität und mitreißenden Gitarrenduellen kombiniert mit wahren Eruptionen an Einfällen, verschmolzen zu glühenden Songs machen dieses Album zu einem Klassiker.

Eine Ausnahme ist der altmodische, Blastbeat-dominierte Song „(Kill) The Priest“, über dessen doch reichlich plakativen und unreifen Text man sicherlich geteilter Meinung sein kann. Zieht man in Betracht, dass der Song ursprünglich von 1991 stammt, kann das Urteil etwas milder ausfallen: Jede Band hat eben einmal klein angefangen. Statt songwriterischer Finesse stellt die Band hier eher unbändige Wut unter Beweis – allerdings in beeindruckender Intensität.

Mit dem Schlußtrack „Death Of God“ gelingt THE CROWN die Meisterleistung, ein zehnminütiges (!!!) Stück zu schreiben, das durch seinen geschickten Aufbau eine unglaubliche Dynamik erhält. Es fällt nicht auf, wie lange der Track ist – im Gegenteil, nach den letzten Tönen denkt man sich: „Wie schon vorbei? – Gleich noch mal anhören!“ Und genau das sollte man regelmäßig mit dem gesamten Album machen.

CROWN OF THORNES “Eternal Death” Tracklist

Angels Die
Beautiful Evil Soul
In Bitterness And Sorrow
The Black Heart
World Within
The Serpent Garden
Kill (The Priest)
Misery Speaks
Hunger
Death Of God

Besetzung:

Marko Tervonen – Gitarre
Johan Lindstrand – Vocals
Marcus Sunesson – Gitarre
Magnus Olsfelt – Bass
Janne Saarenpää – Schlagzeug

Spielzeit: 52:26

VÖ: 1997

Label: Black Sun Records

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...