SUMMER BREEZE 2007: Der Livebericht

SUMMER BREEZE 2007: Der Livebericht

Das Festival

Donnerstag, 16.08.2007:

Nevermore | Amon Amarth

Freitag, 17.08.2007:

Karkadan | Illdisposed | Disillusion | Necrophobic | End of Green | Finntroll | Volbeat | Boltthrower | In Extremo

Samstag, 18.08.2007:

Communic | Blitzkid | Xandria | Die Apokalyptischen Reiter | Tankard | Dark Tranquillity | Moonsorrow | Oomph!

Das Festival
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Wie eine böse Vorahnung kommen mir im Nachhinein meine zurückhaltenden Äußerungen vor, wie sich das letztjährige SUMMER BREEZE wohl dargestellt hätte, wären mehr Leute auf dem Platz gewesen und hätte das Wetter nicht so gut mitgespielt. Aufgrund der extrem positiven Erfahrung von 2006 hatte ich den anderen vampsterianern den Mund wässrig gemacht und es war mir fast schon etwas peinlich, als sich der Anreisetag am Donnerstag ordentlich chaotisch entwickeln sollte.

Impressionen vom Summer Breeze Open Air 2007
Jornswikinger auf, hinter und neben der Bühne

Bevor hier nun ein zu negativer Eindruck entsteht, ist es vielleicht besser, zunächst mit den positiven Dingen zu starten. Denn alles in Allem war auch das SUMMER BREEZE 2007 wieder eine sehr entspannte Veranstaltung. Mit der Wetteränderung kam auch die gute Laune und die gute Gesamtstimmung zurück. Das Dinkelsbühler Festivalgelände eignet sich hervorragend für dieses Event und die geräumige Fläche vor den beiden Bühnen trägt einen wichtigen Teil dazu bei – man hat einfach sehr viel Raum um sich herum und fühlt sich nicht unnötig eingeengt. Kommt man mal später zu einem Auftritt an, hat man immer noch genug Möglichkeit, an die Band ranzukommen und ordentlich was von den Musikern zu sehen – auch bei den großen Acts. Soundtechnisch ist alles im Lot und die Bühnengröße ist für die Bands absolut angemessen. Essen, Getränke und die dazugehörigen Preise gehen in Ordnung, allerdings artete es vor allem bei unserem Matze irgendwann zum Sport aus, die Leute hinter der Theke dazu zu animieren, die Becher auch bis zum Eichstrich voll zu machen. So was sollte man einfach nicht nötig haben.

Das Billing war wieder gewohnt abwechslungsreich, was schon immer ein großes Plus vom SUMMER BREEZE war. Nur dieses Jahr hatte man es leider mit zu vielen Festival-Standards zu tun. Mit der Entscheidung, für das zehnjährige Jubiläum einen Großteil der Bands durch die Besucher selbst bestimmen zu lassen, hat man diesbezüglich natürlich alle Trümpfe in der Hand – mir persönlich wäre eine mutige eigenverantwortliche Zusammenstellung aber um einiges lieber gewesen, denn so war die Bandauswahl sehr überraschungsarm.

Wie aber bereits schon erwähnt, war es in erster Linie der Donnerstag, der einen Schatten auf das diesjährige Festival werfen sollte. Es lohnt sich nicht, zu sehr in die Details zu gehen, da diese wieder einmal sehr persönlich geprägt sind, aber das, was wir vorfanden, hinterließ nicht den Eindruck, als hätten die Veranstalter die Sache noch im Griff und es lässt sich nur spekulieren, wie die Sache geendet hätte, hätte das Wetter dann nicht doch noch einen Umschwung gemacht. Stundenlanges Anstehen, völlig ahnungslose Ordner, die auch nicht die Möglichkeiten hatten, über Funk Antworten auf Fragen zu erhalten, völlig gegensätzliche Anweisungen, vermatschte und nicht mehr befahrbare Zufahrtswege, zu wenig Campingplätze, undundund. Es schien, als hätte das SUMMER BREEZE im zweiten Jahr auf dem neuen Gelände die möglichen Kapazitäten bereits völlig überschritten. Auch wir waren davon nicht verschont. Der Pressecampingplatz war völlig überfüllt, notdürftig wurde ein zusätzlicher Platz auf die Beine gestellt und dort gab es bei unserer Ankunft auch bereits keinen freien Fleck mehr. Mit Unterstützung eines netten Security-Manns konnten wir uns dann doch noch in eine Ecke quetschen, dort gab es aber weder Wasser, noch Waschmöglichkeiten. Die Gespräche mit Ordnern und Sanitätern brachten keine Beruhigung. Da war die Rede von 16-Stunden-Schichten, weil ein Teil der Besetzung erschöpfungsbedingt ausfiel, da war die Rede von völlig unzureichenden Schlaf- und Erholungsmöglichkeiten – die Unzufriedenheit war deutlich zu spüren.

Immerhin haben die Veranstalter die Probleme selbst erkannt und in einem ausführlichen Newsletter dargestellt, mit welchen Problemen man intern zu kämpfen hatte und dabei die eigenen Fehler nicht unter den Teppich gekehrt. Selbstverständlich hat man Besserung gelobt und man kann hoffen, dass den Worten auch Taten folgen. Mein persönlicher erster Ansatz wäre, zunächst einfach weniger Karten zu verkaufen – dadurch ließen sich schon viele Probleme vermeiden. Vielleicht erledigt sich das auch von selbst, denn viele, mit denen man sprach, machten ihren Besuch im nächsten Jahr erheblich stärker vom Billing abhängig, während 2007 Jahr sehr viele schon allein wegen der hervorragenden Atmosphäre im vergangenen Jahr angereist waren. Doch man kennt das ja, letztendlich kommen sie alle wieder. Hoffen wir also, dass die Veranstalter nicht auf den Selbstheilungsprozess hoffen, sondern tatsächlich keine Bestrebungen unternehmen – so wurde zumindest bereits angekündigt – das Festival nicht weiter zu vergrößern.

Donnerstag, 16.08.07
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NEVERMORE
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Nevermore live beim Summer Breeze Open Air 2007
Verwirrte mit neuem Aussehen das Publikum – Warrel Dane von NEVERMORE

Zu Beginn des NEVERMORE-Gigs mussten sich viele im Publikum erstmal die Augen reiben, um sich Sicherheit zu verschaffen, dass da wirklich die richtige Band auf der Bühne steht. Jeff Loomis – der war eindeutig zu identifizieren. Mit Warrel Dane tat man sich schon schwerer – im Gegensatz zu seiner direkten Post-Alkoholentzug-Phase hat er wieder deutlich an Gewicht zugenommen, was einen erheblich gesünderen Eindruck hinterlässt, hat sich die Haare dunkel gefärbt und vor allem ein ganzes Stück davon abgeschnitten. Wir erinnern uns: zu SANCTUARY-Zeiten gab es niemanden, der diesen Mann nicht um seine Haarlänge beneidet hat. Somit war das Aussehen sehr ungewohnt, der einsetzende Gesang verschaffte aber Gewissheit. Der Mann am Bass, das war nun aber eindeutig nicht Jim Sheppard. Die Verwirrung war also groß und Warrel stellte erst gegen Ende des Sets klar, dass man es lediglich mit einem Aushilfsbassist zu tun hatte und nicht mit einem permanenten Ersatz. Musikalisch in absoluter Topform zockten NEVERMORE sodann einen Set herunter, dessen Schwerpunkt in erster Linie auf den heftigeren Songs der letzten beiden Alben lagen – „Godless Endeavor“ als Paradestück ganz vorne dran. Es hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck, wenn sich diese Ausnahmeband so sehr auf ihr aktuelles, verdient erfolgreiches Material stützt und ihr älteres – meiner Meinung nach nach wie vor besseres Material – vollkommen außen vorlässt. Auf der anderen Seite verzichteten NEVERMORE dieses Mal komplett auf Balladen der „Heart Collector“-Sorte und legten einen tighten, nach vorne getriebenen Auftritt ab. Zwei Songs vom intensiven „Dreaming Neon Black“-Album („No more will“ und „Deconstruction“) sorgten für etwas Abwechslung in der Setlist, nach weiter hinten in der Discographie traute man sich aber wohl doch nicht. Schade. Absolut herausragend war wieder einmal das Gitarrenspiel von Jeff Loomis, der nach wie vor zu den besten seines Fachs zählt und mehr und mehr Warrel Dane den Rang innerhalb der Band streitig macht. Somit kann man von einem sehr soliden NEVERMORE-Auftritt sprechen, der sehr viel bot, aber auch noch mehr hätte bieten können. (Fierce)

AMON AMARTH
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Amon Amarth live beim Summer Breeze Open Air 2007
Stimmige Bühnenshow, aber leider gesangliche Schwächen – AMON AMARTH

Als Auftritt mit der größten Bühnenshow der Bandgeschichte angekündigt, hatte man die Erwartungen an den AMON AMARTH-Gig beim SUMMER BREEZE 2007 im Vorfeld wieder einmal ordentlich in die Höhe getrieben. Das Wikingerschiff im Zentrum des Bühnenaufbaus wirkte dann auch schon reichlich imposant – auf Höhe des Schlagzeugs ragte ein typisches Segeltuch in die Höhe und von dort aus nach vorne zum Bühnenrand hin zog sich ein schön gemachtes Langschiff mit Drachenrumpf – in der Machart hätten sich viele Fans bestimmt auch den Aufbau einer BATHORY-Bühne vorstellen können. Nach IRON MAIDEN schaute das sicherlich noch nicht aus, aber die meisten werteten es vermutlich als positiv, dass sich AMON AMARTH nicht komplett von ihrer erdigen Ausstrahlung lösen und stattdessen einen guten Mittelweg zwischen Showact und Liveband gefunden haben. Die Bandmitglieder wechselten sich also damit ab, sich effektvoll auf dem Drachenschiff zu posieren und drumherum gab es ordentlich Licht und Pyro. In den Vordergrund drängen musste sich dabei keiner – jeder bekam seine Chance. Mächtige Flammenfontänen begleiteten „Death in Fire“ und fast schon als Festivalshow-Standard hatten auch die Jornswikinger ihre Auftritte während des Gigs mit Schlachtinszenierung und eindrucksvollem Kriegergepose. Alles passte hervorragend zusammen, die Songauswahl (u.a. „Valhall awaits me“, „With Oden on our Side“,) stimmte und eigentlich hätte es ein perfekter AMON AMARTH-Gig werden können, hätte Johan Hegg nicht einen ganz schlechten Tag erwischt. Die Ausstrahlung in seiner Stimme fehlte fast gänzlich und er klang in erster Linie wie einer der vielen durchschnittlichen Death Metal-Grunzer. Immerhin interessant zu hören, wie viel sein Gesang doch zum AMON AMARTH-Sound beiträgt. Schade also, dass von einem triumphreichen Marsch nicht wirklich die Rede sein konnte, was die Schweden aber selbstverständlich nicht davon abhielt, ihre ewige Bandhymne als Abschlusssong zum Besten zu geben. (Fierce)


Freitag, 17.08.07

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KARKADAN
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Karkadan live beim Summer Breeze Open Air 2007
Kurzes aber druckvolles Set zur frühen Stunde – KARKADAN

Es ist schon hart, morgens um 11.00 Uhr vor der Bühne stehen zu wollen (Zweifelsohne ist es sicherlich ein härteres Los zu dieser Unzeit auf selbige zu „müssen“!). Ohne Kaffee geht da ja mal gar nichts! Und da man mit dem Zweiten ja bekanntlich besser sieht, höre ich natürlich gut auf mich. Und – oh Wunder! – Herr, ich sehe!!! Und bemerke sogleich bei Tasse Nummero zwei Klänge metallischer Art in meine tauben Ohren dringen. Da hat doch wohl jemand an der Uhr gedreht? Nein, das ist kein Soundcheck mehr. „On Your Knees“? Also, los jetzt „up on your feet!!!“ (Wie sehr ich doch Stress am Morgen hasse!). Auf dem Gelände angekommen, stelle ich mit einiger Verwunderung fest, dass sich doch schon eine ganz nette Traube an Headbanger vor der Main Stage versammelt hat, um dem Melodic, Dark Metal von KARKADAN zu lauschen. Die Truppe um Frontmann Robby Beyer agiert recht routiniert, auch auf großer Bühne, und Hammer-Songs der Marke „Passing Away“ werden durch kollektives Rübeschleudern und der „Bestellung von fünf Bieren für die Männer vom Sägewerk“ dankbar von der Meute angenommen. Ein kurzes, aber druckvolles Set (von einem etwas schrägen Gitarren-Intro hier, und der, für meinen Geschmack, ein oder anderen unnötigen Länge in manchen Songs da abgesehen) wird beschlossen mit neuem Material in Form von „Racing The Clock“, das sich nahtlos in den death-thrashigen Flow des „Utmost Schizophrenia-Albums anschließt und Lust auf das neue Output macht. Als Opener des zweiten Tages eine gute Wahl. Jetzt könnte einem auch ein gutes Bier wieder schmecken! (Matze)

ILLDISPOSED
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Illdisposed live beim Summer Breeze Open Air 2007
Ein fettes Schwein mit Alleinunterhalter-Potential – Bon von ILLDISPOSED

„Wir sind die Schwulen aus dem Norden!“, so stellte Sänger Bo die Band vor – und begann damit einen Auftritt, der sich zwischen lustig und peinlich bewegte. Musikalisch interessiert mich die Band seit einiger Zeit von Konserve gar nicht mehr, live war das alles doch ganz unterhaltsam – obwohl fast nur neuere Songs den Weg auf die Setlist gefunden haben. Die Dänen hatten an diesem Mittag offenbar schon einiges hinter sich, denn so ein Suff wie sie ihn dem Summerbreeze-Publikum präsentierten, will erstmal erarbeitet sein. Bo überzeugte als Sänger, auch ein erhöhter Blutalkoholwert kann ihm diesbezüglich wohl kaum etwas anhaben. Hätte er einfach seinen Mund gehalten, wäre es ein solider Auftritt mit soliden Songs geworden. Aber ILLDISPOSED wären nicht ILLDISPOSED, wenn sie nur Songs spielen würden.

Animateur Bo hat keine Probleme damit, sich zum Deppen zu machen. So stecke er ein Plec, das er auf der Bühne gefunden hatte, erstmal in seine Unterhose – um den Wert zu steigern, den er dann mehr oder weniger optimistisch auf fünf Euro taxierte. Zwischendurch bezeichnete er sich als das „fetteste Schwein, das die Welt je gesehen hat“ und wies darauf hin, dass Elvis seit 30 Jahren tot sei, zeigte seine Brustwarzen und äußerte den Verdacht, dass einige der vielen Zuschauer keinen Spaß am Auftritt der Band haben könnten: „Ihr denkt sicher, das ist ein Scheiß-Konzert. Das fette Schwein auf der Bühne solle seine Schnauze halten und singen!“ Vermutlich lag er mit dieser Einschätzung daneben, denn als ILLDISPOSED mit ihrem Set durch waren, verlangte das Publikum laut nach einer Zugabe. Die gab es aus Zeitgründen nicht, Alleinunterhalter Bo ließ sich aber nicht davon abhalten, noch mal auf die Bühne zu wanken und die deutsche Strophe von „Illdispunk’d“ anzustimmen. Wäre er nicht so besoffen gewesen, wäre der Auftritt durchschnittlich gewesen – so bleibt er aber als eine lustige halbe Stunde mit einer dänischen Chaotentruppe im Gedächtnis. (andrea)

DISILLUSION
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Disillusion live beim Summer Breeze Open Air 2007
Der Wurm war drin… – DISILLUSION

Irgendwie war der Wurm drin. Nicht nur, dass ein Mikro gleich beim ersten Song mit einem fiesen Pfeifen den Geist aufgab, es wollte auch einfach keine Stimmung aufkommen beim Auftritt von DISILLUSION. Vielleicht lag es an der entspannten Nachmittagsstimmung, vielleicht sind die Songs der Leipziger einfach nicht für Festivalauftritte gemacht. „Gloria“ ist ein großartiges Album, aber es ist nicht für Liveauftritte geschrieben worden – und erst recht nicht für Festivals. Der einzige Song, der mich an diesem Tag überzeugen konnte, war „Don’t Go Any Further“. Alles andere wirkte etwas zerfahren und wollte nicht auf den Dinkelsbühler Acker passen. So war auch die Stimmung im Publikum eher verhalten und auch auf der Bühne fehlte echte Begeisterung. Ohne Frage sind DISILLUSION professionell genug, immer eine ordentliche Show zu spielen – das taten sie auch hier. Und ohne Frage sind die Songs von DISILLUSION so gut und so außergewöhnlich, dass die Band ganz objektiv gesehen ganz oben mitspielt. Doch der berühmte Funke fehlte an diesem Nachmittag. Der Auftritt war ok, die technischen Probleme steckte die Band gut weg. Mit Bassistin Alla war die Band komplett und konnte auf Konservenbass verzichten und der Aushilfsschlagzeuger Clemens von HIDDEN IN THE FOG machte seine Sache mehr als ordentlich. Richtig gute Stimmung kam aber erst beim letzten Song „Back To The Times Of Splendour“ auf – und da war auch endlich die Gänsehaut. So kam es noch zu einem versöhnlichen Abschluss, doch die Magie, die „Gloria“ hat, wenn man das Album im Ruhe zuhause anhört, konnten DISILLUSION beim letztjährige SUMMER BREEZE nicht einmal annähernd aufleben lassen. (andrea)

NECROPHOBIC
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Necrophobic live beim Summer Breeze Open Air 2007
Konnten nur den vorderen Teil des Publikums überzeugen – NECROPHOBIC

Und ich Trottel überzeuge noch ein paar Leute, sich NECROPHOBICPARTY.SAN 2002
anzusehen – weil ich mich noch immer sehr gerne an den fulminanten Auftritt der Schweden beim erinnere. Das ist allerdings einige Jahre her und irgendwas hat sich in der Zwischenzeit verändert. Dabei hatten die Schweden tolle Songs auf der Setlist, unter anderem auch alte Sachen wie „Nocturnal Silence“ und Standards wie „Taste Of Black“, „Eternal Winter“ und „Darkside“ Doch Tobias Sidegard hatte an diesem Tag die Ausstrahlung eines magersüchtigen Frettchens, blass und kraftlos hielt er sich am Mikroständer fest, wenn er nicht gerade Bass spielte, und keifte sich erschreckend zahm durch die Songs. Den Anheizerpart übernahm Gitarrist Sebastian Ramstedt, der passend zum Song „Nailing The Holy One“ das Publikum minutenlang aufforderte „Fuck Christ“ zu brüllen. Langweilig, sehr, sehr langweilig. In der Zeit hätte man gut und gerne noch einen Song spielen können – anstatt einen auf krampfhaft böse zu machen. Ganz vorne war die Stimmung gut, je weiter man nach hinten durch das Publikum ging, umso skeptischer waren die Mienen. Mir hat es nicht gefallen – und den Leuten, die ich mitgeschleppt hatte, auch nicht. (andrea)

END OF GREEN
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End of Green live beim Summer Breeze Open Air 2007
Wie immer intensive, aber mit leichten Zusammenspielproblemen – END OF GREEN

END OF GREEN hatten schon bessere Auftritte, vor allem in Sachen Tightness und gemeinsamen Auftreten, vor allem aber auch in Sachen „SUMMER BREEZE„. Es fällt bei der Truppe schwer zu glauben, dass der Grund dafür darin liegt, dass sie ganz kurzfristig für die ausgefallenen CREMATORY eingesprungen sind. Wobei END OF GREEN in schlechter Verfassung immer noch besser sind, als CREMATORY in guter, aber das mag man natürlich auch als Geschmackssache abtun. Den Höhepunkt interner Unstimmigkeiten auf der Bühne fand der Auftritt, als die Band für einen kurzen Moment Gefahr lief, komplett den Takt zu verlieren, wobei sie es aber auch schnell schaffte, wieder zusammen zu finden – das gehört eben auch zur Stärke von END OF GREEN. Und dann sind eben noch die Songs. Schlagzeuger Matze – inzwischen mit kurzen Haaren, unter denen man ihn fast nicht wieder erkennt – legte auf der Snare einen heftig treibenden Beat vor, der Stücke wie „Everywhere“, „Evergreen“ und „Dead End Hero“ wieder mal eine enorme Wucht mitgab. Die unerwartete Überraschung zur Freude der Fans: END OF GREEN hatten gleich zwei neue Songs am Start, und das, obwohl Michael Huber zur Zeit ja auch sehr aktiv mit seinem Soloprojekt beschäftigt ist. Der war an diesem Samstag Nachmittag auch überraschend zurückhaltend und weniger abgespaced, als man das von ihm kennt, stimmlich aber absolut auf der Höhe! Witzig auch, dass man inzwischen schon die Michelle Darkness-Kopien im Publikum findet, was irgendwie sehr schräg anmutet. END OF GREEN auf dem SUMMER BREEZE 2008. Das machte Spaß, das zeigte wieder eine hervorragende Band, das hatte grandiose Hits zur Folge, aber es war so ziemlich der schwächste Auftritt, der mir bei END OF GREEN bislang untergekommen ist. (Fierce)

FINNTROLL
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Ein letztes Mal blätterten wir durch das letzte Kapitel im Buch FINTROLL, ein letztes Überfliegen, ohne zu viel Aufmerksamkeit aufzuwenden, um sich in der Feststellung aber noch mal zu bestätigen: diese Geschichte hätte ein besseres und kein derart enttäuschendes Ende verdient. Schlagen wir den ollen Schinken zu und hoffen auf eine Fortsetzung im alten Stil mit dem richtigen Schluss. Wer mehr über den 2008er-SUMMER BREEZE-Auftritt wissen will, der liest am besten einfach die Berichte zum letztjährigen Festival oder zum diesjährigen BANG YOUR HEAD, bzw. GRASPOP METAL MEETING. (Fierce)

VOLBEAT
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Volbeat live beim Summer Breeze Open Air 2007
Stimmung mit den dänischen Metalbillies – VOLBEAT

VOLBEAT, was soll dieser Bandname eigentlich bedeuten?“ Eine gute Frage… Für was der Name steht, das beantworten die Metalbillies aus Dänemark prompt. „Für gute Laune und mächtig Stimmung vom ersten Ton an“, wäre zum Beispiel eine mögliche Antwort. „Für einen eigenständigen Sound, einer Mischung aus Rock´n´Roll und modernem Metal“, könnte sie ebenfalls lauten. Wobei es für mich persönlich auf die Tagesstimmung ankommt, ob mir diese Mischung zusagt oder ob sie mir zu konstruiert klingt. An diesem Tag in Dinkelsbühl war die Antwort klar: „Sie gefällt, und zwar wie!“ Wenn die Truppe dann auch noch die Landsmänner von ILLDISPOSED auf der Bühne grüßt, dann dürfte klar sein, dass auch VOLBEAT gerne Partys feiern, und das auch gerne zusammen mit dem Publikum. Ganz so abgefuckt wie sein Gesangeskollege wirkt Frontted Michael Poulsen dabei nicht, aber ein Kind von Traurigkeit ist auch er nicht. Gekonnt reißt er die Zuschauer auf seine Seite und zeigt sich auch gesanglich treffsicher. Titel wie „Sad Man´s Tongue“, „The Garden´ss Tale“ oder der Gute-Laune-Coverversion „I only wanna be with you“ sind zudem echte Stimmungsgaranten und somit konnten VOLBEAT auf ganzer Linie überzeugen. Eine Band, die Image und Können hervorragend unter einen Hut bekommt – das kommt auch live überzeugend rüber. (Fierce)


BOLTTHROWER

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Boltthrower live beim Summer Breeze Open Air 2007
Haben alles, aber auch wirklich alles richtig gemacht – BOLTTHROWER

Hoffentlich haben alle Hobby- und Nachwuchsmusiker gut aufgepasst während des grandiosen Auftritts von BOLT THROWER. Die Engländer haben, alles, aber auch wirklich alles, richtig gemacht. Alle Hits aus der Bandgeschichte, darunter „IV. Crusade“, „For Victory“ „Mercenary“ und „Cenotaph“. Ein extrem sympathisches Auftreten, bei dem die Musiker um Frontmann Carl Willets, nicht verbergen konnten, wie sehr sie sich über die gute Stimmung im Publikum freuten. Ansagen im schönsten „Working-Class-English“. Mitreißendes Stageacting und eine wunderbar reduzierte Lightshow mit viel Nebel. Kurz: ohne Schnickschnack beschränkten sich BOLT THROWER auf das, was zählt: die Songs. Und die waren allesamt präzise, kraftvoll und mit unwiderstehlichen Riffs. Kein Wunder, dass im Moshpit die Hölle los war und die Diver gleich reihenweise übers Publikum gezerrt wurden. BOLT THROWER verstecken sich nicht hinter einem Image, sie sind nicht böse auf Teufel komm raus, sie sind einfach echt und natürlich auf der Bühne. Das können sie auch sein, denn sie haben alles, was man braucht, um einen fulminanten Auftritt auf einem Festival hinzulegen: Motivation, Spielfreude und gute Songs. Perfekt. (andrea)

IN EXTREMO
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In Extremo live beim Summer Breeze Open Air 2007
So gewinnt man neue Fans – IN EXTREMO

Nachdem der heutige Tag nicht wirklich viele Highlights zu bieten hatte (okay, Plastikflaschenfußball während FINTROLL ist auch nicht schlecht), zumindest in musikalischer Hinsicht wurde mir nur ein gehaltvolles KARKADANsches Frühstück, ein Lach- und Nackenmuskulatur stärkendes ILLDISPOSED-Mittagsmenü, gefolgt von einem frühabendlichen END OF GREEN-Salatbuffet aus dem Lande Melancholia kredenzt. Wenn es auch soundtechnisch nicht die Haute-Cuisine war, so wurde der Abend dann doch durch den einstündigen Beschuss aus der Gulaschkanone BOLT THROWERs mit hervorragender Hausmannskost eingeläutet. So, jetzt war ich dann doch mal sehr gespannt. Hätte man mir vor ein, zwei Jahren gesagt, ich würde IN EXTREMO schwanger gehen … Mittelalter, Metal, Märchenstunde – wer braucht das denn? Gut, Märchenstunde lass ich noch mal durchgehen! Nun stehe ich hier und blicke in freudiger Erwartung auf die „Raue See“ und harre der weiteren Dinge, die da kommen mögen. Ich heure an auf dem Segler (fantastischer Bühnenaufbau!), Leinen los und ab geht die Reise. Mich ereilt sodann der „Spielmannsfluch“ und ich werde wild, so wild nach einem „Erdbeermund“ (vielleicht war es auch nur der Frozen Strawberry, der mir einen unwiderstehlich, animalischen Ausdruck in mein Antlitz zauberte), der mir laut durch den „Wind“ zuruft ich solle meinen „Horizont“ erweitern. Und so muss ich denn gestehen, dass „Nur Ihr Allein“ es vermochtet „Herr Mannelig“ meiner Bekanntschaft zuzuführen. Sodann knieten wir uns zum „Messebronner Gebet“ nieder… Vor acht Jahren auf dem Wacken hatte ich das erste Mal die Gelegenheit einem Feste beizuwohnen auf welchem „Das letzte Einhorn“ und seine Mannen zum Tanze aufspielten. Fanden verdammt viele Leute toll. Mich konnte dieses Mittelaltergejammer nicht erwärmen. Musik, die nicht zusammenpasste, zumindest nicht auf diese Weise, und alles zu einem riesigen Spektakel aufgeblasen. Nein, das war nichts für mich. Entweder auf die eine oder die andere Art, Hauptsache authentisch. Hm! Vielleicht hätte ich mich doch mal mehr damit beschäftigen sollen. Crossover war doch auch immer irgendwie interessant. Allerdings war Crossover für mich eher DRI, SUICIDAL TENDENCIES, GOTHIC SLAM etc. Na ja, IN EXTREMO waren für mich ganz extrem uninteressant… Und nun stehe ich hier, werde von einem Begeisterungssturm mitgerissen, der seinesgleichen sucht. Eine unglaubliche Energie, die von dem Geschehen auf der Bühne auf das jede Zeile begeistert mitsingende Publikum übergeht. Es scheint, als ob zwischen den Musikern und ihren Fans eine einzigartige Verbindung besteht. Der Austausch zwischen Frontmann und den Tausenden von feiernden, schreienden, hüpfenden und tanzenden Anhängern ist fantastisch. Ob aktuelles Material wie „Poc Vecem“, der Titelsong „Mein Rasend Herz“, „Liam“ oder auch Klassiker wie „Küss mich“, das ist rockt, das ist was ein gutes, ein wirklich gutes Konzert ausmacht. Das ist Live-feeling!!! Voll auf die Zwölf und viel Gefühl. Sympathisch kommen IN EXTREMO rüber; der Ablauf des Gigs: wie nach Drehbuch und doch spontan. Und dabei sehr sauber und tight. Nicht zu vergessen: Der Sound ist einwandfrei. Alles sehr differenziert hörbar und trotzdem eine Soundwand (kaum zu glauben aber so was geht!) Eins ist klar: So gewinnt man neue Fans. Der absolute Höhepunkt des Tages. Und so schreite ich voller Glückseligkeit bei „Vollmond“ von dannen. Danke IN EXTREMO, bis zum nächsten mal! (Matze)

 

Samstag, 18.08.07
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COMMUNIC
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Communic live beim Summer Breeze Open Air 2007
Zogen erstaunlich wenig Leute vor die Mainstage – COMMUNIC

Es war erstaunlich leer vor der Mainstage des SUMMER BREEZE, als COMMUNIC in ihren Set einstiegen. Da hätte man wirklich mehr erwarten können. Dabei legte sich die Truppe – oder sagen wir besser Bandkopf Oddleif Stensland – wirklich ordentlich ins Zeug. Das Problem bei COMMUNIC ist einfach, dass live nunmal alles an ihm hängt. Er ist es, der den Gitarristen im Publikum die Kinnlade runterfallen lässt, er bringt den Gesang, er bewegt sich und steigt in die Songs ein – aber er ist eben auch die meiste Zeit ans Mikro gebunden. Von Bassist Erik Mortensen kommt da so gar nix und auf einer großen Bühne entstehen dadruch enorme Lücken, die auch Multitalent Stensland nicht zu schließen im Stande ist. Musikalisch gab es das, was man von der Band erwartet, ohne besondere Überraschungen. Und da mich das Songwriting der Band nach wie vor nicht richtig überzeugen kann, zog sich dieser Auftritt doch ordentlich in die Länge – da helfen auch keine Sympathiepunkte was. Offensichtlich sahen das mehrere Leute so und wirklich voller wurde es mit längerer Spielzeit nicht vor der Bühne. COMMUNIC haben ihre Fanbase, aber um den nächsten Schritt zu tun, muss bei der Truppe meiner Meinung nach langsam was passieren. (Fierce)

BLITZKID
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Blitzkid live beim Summer Breeze Open Air 2007
Instrumentenakrobatik mit Wettkampf-Niveau – BLITZKID

BLITZKID wollten es wieder einmal wissen und zeigten sich von ihrer quirligsten Seite. Eine große Bühne ist für Bassist Argyle Goolsby auch dringend notwendig, kann er sich da dann doch auch voll entfalten, wobei er es manchmal schon fast übertrieb und die Grenze zum Posertum mehrmals zu überschreiten drohte. Als er sich dann auch noch für die falschen Töne entschuldigte, weil sein Bass am Tag zuvor zerbrochen war, war das nur noch sehr schwer mit seiner sonstigen Punk-Attitüde in Einklang zu bringen. Und mit der Art, wie er ohne Rücksicht auf Verluste seinen Bass mit allen möglichen Körperteilen malträtiert. Aber doch, er gehört auf jeden Fall zu den Guten, die ihr Ding aus absoluter Leidenschaft durchziehen. Die ersten fünf Songs des Auftritts wurden dementsprechend energiegeladen durchgezockt, Goolsby schöpfte aus seinem Repertoire aus den vollen und ließ keine Figur aus. Vielleicht sollte man mal mit Benotungsschilder in die erste Reihe stehen – das hat schon echtes Wettkampf-Niveau. Da verwundert es nicht, dass Schlagzeuger Jesco Devilanse auch mal Probleme bekommt im Takt zu bleiben, wenn der Bandkopf auf der Bassdrum rumhüpft oder mit dem Gitarrenhals ins Spiel eingreift. Bei „Love like Blood“ ließ er es sich auch nicht nehmen, die großen Boxen am Bühnenrand zu erklimmen und von dort aus auf die Bühne zu hüpfen. Die zweistimmigen Gesangsteile von TB Monstrosity und Argyle Goolsby kamen dagegen stets fehlerlos und die Abwechslung zwischen dem rock´n´rolligen Stil von Monstrosity und dem roheren von Goolsby machen halt doch einen beachtlichen Teil des Sounds aus. Beim Rausschmeißer übergab Goolsby seinen Bass an einen Fan aus dem Publikum, um sich das Mikro zu greifen, sich die Seele aus dem Leib zu kreischen und grunzen und zuletzt auch noch ins Publikum zu gehen, um dem auch noch die Gelegenheit zum Mitsingen zu geben. Beide Sänger betonten immer wieder, dass es ein derartiges Miteinander zwischen Punks und Metallern bei ihnen zuhause einfach nicht gibt und das dürfte den letzten Ausschlag gegeben haben, dass nach dem Gig am Merchandise-Stand ordentlich was los war – BLITZKID dürften durch diesen Auftritt wieder eine beachtliche Menge an Fans gewonnen haben. (Fierce)

XANDRIA
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'Xandria live beim Summer Breeze Open Air 2007
Schön, gelungen, höchst angehmen berührend – XANDRIA

Mein erstes Mal: Es war im Jahre 2004. Es war Sommer und ich war 33. Sie hieß Lisa. Aus ihrem Mund erklang eine wunderschöne, fast zerbrechliche klare Stimme. Und diese Stimme sang zu mir: „Come to me Ravenheart“. Es war die Stimme der Frontfrau von XANDRIA. Metaller haben halt doch auch ein weiches Herz! Und ein Wolf verwandelt sich von Zeit zu Zeit in ein Hush-Puppy. Möglicherweise bin ich doch nur ein alter Sack! Egal! Heute sehe ich die junge Dame und ihre vier Mitstreiter erstmals Live und ich freue mich darauf. Die Rückseite der Bühne wird nahezu ganz ausgefüllt vom Backdrop der Band, welches das überdimensional große, verzierte X des Covers der letzten Scheibe „India“ enthält. Zu beiden Seiten der Bühne befinden sich mannshohe Deko mit selbem Motiv. Schlicht aber durchaus ansehnlich. Jedoch nichts im Vergleich zu der in ein schwarz-samtenes Kleid gewandete Person am Mikrofon. Der „Firestorm“ vom aktuellen Album „Salomé“ ist zwar erst noch ein etwas lauwarmes Lüftchen, da alles noch ein wenig leise und wenig druckvoll daherkommt und der Gesang auch schwer durchdringt. Aber schon zu „Now & Forever“ ist der Sound völlig in Ordnung. Ein Dezibelrekord wird heute wohl kaum erreicht, ist aber auch absolut nicht nötig. Lieber differenziert und weniger laut, als ohrenbetäubender Matsch. Obwohl, ein klein wenig mehr Power hätte vielleicht doch nicht geschadet. Wie auch immer. Dem Spaß am Auftritt tat es gewiss keinen Abbruch. Aus einem großen magischen Buch erzählt uns das schwarzhaarige Schneewittchen „The End Of Every Story“ und auch von der Dame, die sich gerne Köpfe auf Silbertabletts bringen ließ und Titelgeberin des neusten Silberlings ist, weiß Frau Middelhauve uns zu berichten. Und zwischendrin haut mich diese immer lächelnde, leichtfüßig über die Bühne schwebende Sängerin (war die nicht mal rothaarig? Steht ihr aber auch mal super – schmacht!) doch echt mal aus den Latschen! In bester Death Metal-Manier wird einem da plötzlich die eine oder andere Zeile entgegengebrüllt, dass es einem doch glatt die verbliebenen Haare vom Kopf weht. Wer hätte das gedacht, alle Achtung! Weiter geht es mit „On My Way“ und ich muss sagen, wenn mir auch das Material der beiden Vorgängerscheiben bisher noch wesentlich mehr zusagen, fallen Titel wie dieser im Set in keiner Weise ab. Mit dem schleppenden, unterschwellig bösen „Snow-White“ geht es weiter auf unserer Grimmschen Rundreise, bevor sich der Kreis schließt mit: Ja, mit was wohl? „Ravenheart“. So, sehr schön, sehr gelungen, höchst angenehm berührt mache ich mich auf den Weg nach „India“ (Matze).

DIE APOKALYPTISCHEN REITER
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Die Apokalyptischen Reiter live beim Summer Breeze Open Air 2007
Die APOKALYPTISCHEN REITER hatten fürs Publikum einiges zu bieten…

Voll wars vor der Bühne, richtig voll. Schon bevor die Band überhaupt die Bretter betreten hatte, wurden die Reiter gefeiert, als ob sie einen denkwürdigen Auftritt bereits hinter sich hätten. So viel Vorschußlorbeeren verpflichten, doch DIE APOKALYPTISCHEN REITER
haben sich allerhand einfallen lassen, und im Nachhinein kann man auch sagen, dass es ein guter Auftritt war, der viel Spaß gemacht hat. Auf der Setlist standen unter anderem: „Friede sei mit euch“, „Revolution“, „Seemann“, Iron Fist“, „Sehnsucht“ und „Metal will never die“. Bei „Revolution“ holte Sänger Fuchs ein Mädchen auf die Bühne, sie wusste offenbar gar nicht so recht, wie ihr geschah. Sie saß dann auf dem Schlagzeugpodest und harrte der Dinge, die da noch kommen sollten. Und es kam noch einiges: Sie wurde zu Dr. Pest in einen Käfig gesperrt – der Doktor war allerdings durchs seine Ledermaske halbwegs ungefährlich, wenn auch nicht gerade attraktiv. Als ob auf der Bühne noch nicht genug Bewegung wäre und die Crowdsurfer nicht schon fast auf ihren Weg über die Köpfe des Publikums im Stau stecken, weil einfach zu viele unterwegs waren, gab es von der Band noch ein Spielzeug fürs Publikum: riesige, blaue Ballons, die munter hin und her geschubst wurden. „Sehnsucht“ gab in einer beeindruckenden Version, bei der jedes Bandmitglied auf Trommeln eindrosch. Und schließlich riefen die REITER zum Crowdsurfing-Regatta auf: In zwei Schlauchbooten traten zwei Fanteams den Weg von der Bühne Mischturm und zurück an. Beim letzten Song gab es dann kein Halten mehr – etliche Fans stürmten die Bühne und feierten dort mit der Band eine große Party. (andrea)

Tankard live beim Summer Breeze Open Air 2007
TANKARD machten Laune, Bierdurst und gingen in die Beine

 


TANKARD
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TANKARD mag man oder man mag die Hessen eben nicht. Beim SUMMER BREEZE überwog die Zahl derer, die die Band mögen – es war erstaunlich voll vor der kleineren Bühne. Auch wenn der ein oder andere Song schon einige Jahr auf dem Buckel hat, TANKARD rocken noch immer und ein bisschen sinnfrei darf es ja ab und zu auch mal sein. „We Still Drink The Old Way“ war der Opener und TANKARD spielen auch immer noch The Old Way Of Party-Thrash – und das macht Laune und Bierdurst und geht in die Beine. Aus dem reichhaltigen Fundus an Alkoholhymnen kramte die Band neben Oldies wie „Zombie Attack“ und „Chemical Invasion“ auch neueren Stoff wie „The Beauty And The Beer“ und „Die With A Beer In Your Hand“. Ein guter Auftritt mit guter Stimmung, der auch bei dem eher jüngeren Publikum des Summer Breeze gut angekommen ist. (andrea)

DARK TRANQUILLITY
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Dark Tranquillity live beim Summer Breeze Open Air 2007
Motiviert bis in die rotblonden Haarspitzen – DARK TRANQUILLITY

Bester und sympatischster Frontman beim gesamten Festival – diesen Titel kann sich Michael Stanne von DARK TRANQUILLITY ans Revers heften. Der Mann war in Topform, sein Gesang über jede Kritik erhaben. Da saß jeder Ton, egal ob Growl oder klarer Gesang – das war eine Meisterleitung. Dazu kommt das unglaublich sympathische und freundliche Auftreten des Schweden, mit einem breiten Grinsen betrat er die Bühne, freute sich sichtlich über die vielen Fans und zeigte sich motiviert bis in die rotblonden Haarspitzen. Schon einige Wochen zuvor beim BANG YOUR HEAD in Balingen stahlen DARK TRANQUILLITY anderen Bands die Show, und so war es auch in Dinkelsbühl. Mit hervorragenden Songs af der Setlist und mitreißendem Stageacting gaben DARK TRANQUILLITY eines der besten Konzerte des gesamten Festivals. Die Band ist lange genug dabei, dass man eine professionelle und gute Show erwarten kann, dennoch ist es erstaunlich, wie treu sich die Musiker in all den Jahren geblieben sind – da gibt es kein gekünsteltes Auftreten, kein aufgesetztes Image, keine erzwungene Weiterentwicklung. Mit schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht die Band tolle Alben und bleibt dabei ihren Trademarks treu – Fans vor den Kopf stoßen kommt für DARK TRANQUILLITY offenbar nicht in Frage. Mit zweihundertprozentigem Einsatz spielen die Schweden ihre Songs, dabei ist vollkommen egal, ob es neue Stücke sind oder älteres Material – alles passt zusammen. Auf der Setlist standen unter anderem: „The Lesser Faith“, „The Treason Wall“, „The Wonders At Your Feet“,“Misery’s Crown“, „Focus Shift“, „Final Resistance“ und „Blind At Heart“. (andrea)

MOONSORROW
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Moonsorrow live beim Summer Breeze Open Air 2007
Sichere Bühnenshow – musikalisch zu dick aufgetragen – MOONSORROW

Der Verweis auf das aktuelle FINNTROLL-Problem liegt bei MOONSORROW nahe, allerdings schleift die Truppe das schon seit Bandbestehen mit sich. Für meinen Geschmack bauen MOONSORROW viel zu viel von Allem in ihre Musik ein, und darunter leidet die Atmosphäre. Vor allem werden Lücken viel zu sehr mit Keyboards aufgefüllt und alles ist ein Stück zu weit in die Länge gezogen. Beim Stageacting machte die Band ihre Sache sehr gut und dementsprechend kam sie auch beim Publikum bestens an. Besonders gut setzt die Band ihre mehrstimmigen Gesangsteile um – das haben MOONSORROW wirklich auf der Pfanne und das zeigt, dass man sich in der Livesituation sehr sicher fühlt. Bezeichnenderweise fühlte ich mir der Band aber am meisten bei ihrer Ansage „hallo Bratwurstnation“ verbunden, mit der sich einige Leute im Publikum auch gleich richtig angegriffen fühlten. Was soll man da noch sagen. Das gab auf jeden Fall Bonuspunkte, letztendlich können mich die Finnen aber einfach nicht überzeugen. (Fierce)

OOMPH!
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Oomph live beim Summer Breeze Open Air 2007
Brachte die Beklopptennummer überzeugend – Sänger Dero von OOMPH!

OOMPH! gehören nun nicht gerade zu meinen Lieblingsbands – gute deutsche Texte zu schreiben ist schwierig, und OOMPH! haben durchaus den ein oder anderen platten und nicht sonderlich gelungenen Versuch diesbezüglich auf dem Konto. Frontmänner, die auf Psychopath machen, schätze ich auch weniger – Konzentration auf die Musik statt Schauspielerei ist mir bei Rockkonzerten einfach lieber, sonst hätte ich mir Karten für ein Musical besorgt. Schlechte Voraussetzungen also für OOMPH! Den Auftritt fand ich aber trotzdem ganz unterhaltsam, die Band agierte professionell, der Sound drückte und der Beat hämmerte – alles in allem war es eine kurzweilige Stunde. Sänger Dero erschien in weißer Zwangsjacke und hüpfte ohne Unterlass auf der Bühne umher. Der Rest der Band stand in schwarzen Mänteln ziemlich bewegungsarm auf der Bühne herum und mehr als einstudierte Standardposen gab es nicht zu sehen. Blickfang war ganz klar der Sänger, der sich dieser Rolle auch bewusst war und die Bekloppten-Nummer erstaunlich überzeugend rüberbrachte. Dabei geholfen hat ihm sicher die Lightshow, abwechseln in rotes und grünes Licht getaucht, sprang er wie ein glühender Gummiball herum – und war dabei nur ganz selten außer Atem. OOMPH!-Songs sind einfach und für meinen Geschmack etwas zu sehr auf Hit getrimmt – für Liveauftritte ist das jedoch kein Nachteil, wie der Auftritt beim letztjährige SUMMER BREEZE zeigte. „Eckstein“, Fieber“, „Träumst Du“, „Du willst es doch auch“, „Mein Schatz“ oder „Gott ist ein Popstar“ – das geht alles schnell ins Ohr, lässt sich beim zweiten Refrain mitgröhlen und tut niemandem weh. So kam der durchgestylte Auftritt auch gut an, mit einem Bad in der Menge bewies Dero dann auch ein wenig Fannähe. Bei der Rückkehr auf die Bühne ereignete sich dann der wohl einzig ungeplante Moment: Er fiel von der Bühne, hangelte sich aber gleich wieder hinauf und brachte den Song mit verzogenem Gesicht zu Ende. (andrea)

 

Fierce
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