PROGPOWER EUROPE 2006: Der Festivalbericht

PROGPOWER EUROPE 2006: Der Festivalbericht

Das Festival

Samstag, 30. September 2006

Another Messiah | Chaoswave | Ephel Duath | Scar Symmetry | Textures | Mercenary

Sonntag, 01. Oktober 2006

Sphere of Souls | Nova Art | Voyager | Dark Suns | Communic | Riverside

Das Festival

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Ohne ein Gefühl der Übertreibung kann man feststellen: das PROGPOWER EUROPE 2006 war mit Abstand das bislang härteste. Das hatte allerdings überhaupt nichts mit der Organisation zu tun, die war einmal mehr hervorragend, sondern vielmehr mit der Bandauswahl.

ProgPower
Die Setlist von Riverside

Der Death/Thrash hat Einzug gehalten und das ganz massiv, zumindest was das Billing des ersten Tages anging. Ging die Veranstaltung in den letzten Jahren verstärkt in eine gothic-lastigere Richtung, so war dieses Jahr davon fast gar nichts mehr zu spüren. Vielmehr schien man verstärkt auf Brachialität zu setzen, womit aber niemand der Anwesenden – und das waren zum Großteil wieder dieselben Leute, wie in den Vorjahren – ein Problem zu haben schien. Allerdings hatte das Billing auch kein Zugpferd, durch das zusätzliches Publikum angezogen wurde, so dass eindeutig wieder weniger los war, als im Vorjahr. Dadurch blieb das PROGPOWER aber weiterhin familiär und stressfrei – man kann gespannt sein, wie das 2007 aussehen wird, wenn mit JON OLIVAS PAIN nach all den Jahren endlich ein richtig großer Name auf dem Billing steht – den Veranstaltern ist zu wünschen, dass die Arbeit der letzten Jahre nun belohnt wird und das Festival dennoch seinen Charakter behält.

Das Flair von Baarlo und dem PROGPOWER ist nach wie vor einmalig. Schon wenn man aus dem Auto aussteigt und die Luft dieses friedlichen Örtchens einatmet, fühlt man sich wie in einem zweiten Zuhause. Die Macher des Festivals halten die Organisation noch immer bewusst einfach und zweckmäßig und 2006 hat man auch wieder auf Leinwände und technischen Schnickschnack verzichtet, wodurch zum ersten Mal seitdem wir das Festival besuchen, die typischen langen Wartezeiten auf den Sonntagsheadliner ausblieben. Zwölf Bands auf zwei Tage verteilt ist zudem eine entspannte Angelegenheit und die freundliche Art der Helfer aus dem Jugendhaus Sjiwa sorgt dafür, dass man sich rundum wohl fühlt. Das PROGPOWER bleibt was es ist, und das ist schön.

Samstag, 30. September 2006

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ANOTHER MESSIAH

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Another
Der stärkste Festival-Auftakt der PROGPOWER-Geschichte – ANOTHER MESSIAH

Traditionell wird das PROGPOWER-Festival von einer niederländischen Underground-Combo eröffnet, die die Besucher mit klassischem, wenig aufregenden Progressive Metal zu überzeugen versucht. Nachdem man von diesem Muster im letzten Jahr abwich und mit DISILLUSION eine ungleich bekanntere Band aus deutschen Landen das Festival eröffnen ließ, war es nun wieder an einer einheimischen Band, den Auftakt der zweitägigen Veranstaltung zu bestreiten. Mit klassischem Prog Metal hatten ANOTHER MESSIAH aber so wenig zu tun wie das restliche Billing, das in diesem Jahr außergewöhnlich hart ausgefallen war. Das Quartett aus Nijmwegen bezeichnet seine Musik selbst als Post-Doom Metal, und damit liegen sie auch gar nicht so verkehrt. In dem modernen Metal wechselten sich harte, nur teilweise doomige Passagen mit vielen ruhigen, atmosphärischen Parts ab. So traf von ORPHANAGE beeinflusstes Riffing auf kompetent gespieltes Finger-Picking, und tolle Grunts wechselten sich mit ebenso gekonnten und kraftvollen cleanen Vocals ab. Es gibt nicht allzu viele Sänger, die beide Gesangsvarianten derart souverän beherrschen. Doch Frontmann Robbie J. de Klerk verstand sich nicht nur auf das Singen, sondern sorgte auch für die nötige Action auf der Bühne, deren Breite er voll ausnutzte, um nahezu ständig in Bewegung zu sein. Zwar hatte er einige seiner theatralischen Posen von Aaron Stainthorpe abgeschaut, das änderte aber nichts an deren Wirksamkeit. Eine leicht exotische Note bekam die Musik durch die von Sänger gespielte Oboe. Besonders bei den sehr gelungenen orientalisch beeinflussten Passagen kam der Einsatz dieses Instruments sehr gut. Sehr erfreulich war zudem, dass zu keiner Sekunde Soundlöcher entstanden, obwohl die Band mit dem doomdancenden Martijn R. van de Leur nur einen Gitarristen in ihren Reihen hat. Mit seiner offenen Spielweise verstand dieser es, etwaige Soundlöcher zu stopfen, ohne einen undifferenzierten Soundbrei entstehen zu lassen. Ein mehr als gelungener Festival-Auftakt, vielleicht sogar der stärkste der bisherigen PROGPOWER-Geschichte. (doomster)

Another Doomster: +
Fierce: nicht gesehen
Bierholfaktor: 1>

CHAOSWAVE

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Chaoswave
Hinterließen mit viel Spielfreude trotz kompositorischer Schwächen einen positiven Gesamteindruck – CHAOSWAVE

Kaum waren CHAOSWAVE auf der Bühne, war klar: der da, das muss der Däne sein, und die da, das sind die Italiener. Die Dänisch/Italienische Kooperation passte von ihrem Sound her wahrlich perfekt auf das Samstags-Billing und zeigte den Weg des restlichen Tages auf. Die moderne, thrashige Variante dieses Prog-/Power-Metals scheint immer mehr Bands für sich einzunehmen, wobei CHAOSWAVE sich noch ganz klar hinter den großen Namen einreihen müssen. Dabei ging die Truppe mit einer enormen Spielfreude auf die Bühne und vor allem Mainman Henrik Guf Rangstrup genoss diesen Auftritt sichtlich. Für CHAOSWAVE könnte das PROGPOWER ein echtes Sprungbrett sein und vor allem durch die kontaktfreudige Art und Weise hat die Band vermutlich viele Fans für sich gewinnen können. Dabei konnte sie allerdings live mit ihrem Songmaterial nicht hundertprozentig überzeugen. Zu oft verlor man den Bezug zu den Stücken und vor allem liegt hier wieder einmal ein typischer Fall von setz die einzelnen Parts in irgend einem anderen Song ein und es macht keinen Unterschied vor. Da konnte auch die Trumpf-Dame, Giorga, den Stich nicht machen, denn auch wenn sie eine ordentliche Bühnenpräsenz besitzt und sich voll in die Songs reinwirft, ist ihr Auftreten auf Dauer zu eintönig. Da bietet Sänger Fabio schon deutlich mehr, mit seiner ganz eigenwilligen Art sich zu bewegen, wobei er dabei wahrhaft in den Stücken lebt. Gesangstechnisch waren beide okay, wenn man davon absieht, dass die Stimmen an sich wenig Identität besitzen, allerdings konnte von einem Zusammenspiel der beiden Frontleute nicht die Rede sein. Vielmehr hatte man teilweise den Eindruck, als hätten sich die beiden kurz vor dem Auftritt ordentlich gezofft, so sehr – von einem kurzen Moment, der vom Song diktiert war, abgesehen – ignorierten sich die Sänger. Insgesamt boten CHAOSWAVE einen sympathischen Auftritt und Potenzial ist zu erkennen. Jetzt heißt es, die Energie dieses Festivals in den Proberaum mitzunehmen und die Schwächen auszumerzen. (Fierce)

Chaoswave<br Doomster: 0
Fierce: 0
Bierholfaktor: 1>

EPHEL DUATH

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Ephel
Einer der Höhepunkte für alle, die gerne mit offenem Mund eine genial-verrückte Performance bestaunen – EPHEL DUATH

Ein Gitarrist und ein Bassist, die ihr Instrument unter dem Kinn hängen haben, ein Schlagzeuger, der nach Noten spielt, und ein Sänger, der so authentisch geisteskrank rüberkommt, dass er entweder vergessen haben muss, seine Medikamente zu nehmen, oder aber – was wahrscheinlicher ist – ein sehr guter Schauspieler ist – was für Musik könnte man von solch einer Band wohl erwarten? Richtig: Jazz und Fusion meets Extreme Metal. Hoch komplex, wirr, völlig undurchschaubar und gerade deshalb extrem faszinierend war das, was die Italiener EPHEL DUATH auf der Bühne anstellten. Ein Part war kranker als der nächste, die konfusen und abrupten Wechsel und völlig unerwarteten Breaks sorgten immer wieder für ein Grinsen auf den Gesichtern der Besucher – oder aber für verständnisloses Kopfschütteln, je nach individuellem Geschmack. Jedermanns Sache waren EPHEL DUATH zwar nicht, im Großen und Ganzen spielten sie aber genau vor dem richtigen Publikum, das die anspruchsvolle Darbietung, mit der die Band sämtliche anderen Bands, locker an die Wand spielte, dankend entgegennahm. Dass von dem ganzen Spektakel am Ende kein einziges Riff, keine einzige Melodie hängen blieb, machte überhaupt nichts aus, denn das ist auch offensichtlich gar nicht das Ziel der Band. Sehr interessant war übrigens das Auftreten von Schreihals Luciano Lorusso George, der sich – ganz anders als auf dem Headway-Festival, nach jedem Song artig beim Publikum bedankte, es dabei aber mit seinen Dankesgesten etwas übertrieb und sich auch hin und wieder ein verschmitzes Grinsen nicht verkneifen konnte. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er mit seinen Bandkollegen, die ihn möglicherweise um ein etwas freundlicheres Auftreten gebeten hatten, und dem Publikum seinen Schabernack trieb. Definitiv einer der Höhepunkte des Festivals für alle, die gerne mit offenem Mund eine genial-verrückte Performance bestaunen. (doomster)

Ephel Doomster: +
Fierce: +
Bierholfaktor: 0>

SCAR SYMMETRY

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Scar
Wirkten ein ganzes Stück zu glatt – SCAR SYMMETRY

Dem Sound von SCAR SYMMETRY wird immer wieder gerne mal Progressivität angedichtet, wobei der Auftritt der Band auf dem PROGPOWER für mich deutlich machte, dass falscher ein Adjektiv nicht verwendet werden könnte. Denn zum einen ist die Musik der Schweden weder besonders fortschrittlich, noch kann sie mit wirklich überraschenden musikalischen Sperenzchen – für mich immer noch ein wesentlicher Bestandteil des Stils Prog-Metal – auftrumpfen. Aber klar, SCAR SYMMETRY liefern eine abwechslungsreiche Mischung verschiedenster Elemente ab und überzeugen immer wieder durch gefühlvolle Melodielinien, wodurch die Einordnung nahe liegt. Und diese melodischen Momente sind auch wirklich die Stärke der Schweden, weil die Musik im Hintergrund eben so viel Wucht mitbringt und der Gesang umso eindringlicher rüber kommt. Alle Pluspunkte verspielen SCAR SYMMETRY bei mir aber, sobald sie die death/thrashige Schwedenkeule aus dem Ärmel ziehen, denn spätestens dann wird das Ganze eintönig, wenig einfallsreich und austauschbar. Genauso austauschbar, wie ein Auftritt der Band. So sehr man es vermeiden möchte, spätestens wenn der glatzköpfige Sänger Christian Älvestam über die Bühne fegt und mit einem Bein auf der Monitorbox seine Vocals ins Publikum shoutet, muss man die SOILWORK-Karte ziehen. Spaß haben die Jungs auf der Bühne definitiv und den konnten sie an diesem Tag mit dem begeisterten Publikum auch haben. Immer mehr angestachelt von der Begeisterung der Zuschauer, schien man den Songs immer noch mehr Druck zu verleihen, was für die Musik der Truppe lebenswichtig ist. Viel Bewegung auf der Bühne bekommt man ebenfalls geboten, allerdings eben reichlich unspektakuläres Metal-Posing, wie man es von vielen Bands dieser Größenordnung gewohnt ist. Und wenn die Fans im Mosphit die Melodielinien mehr durchleben, als der Sänger auf der Bühne, dann wird’s bedenklich. SCAR SYMMETRY machen ihre Sache definitiv gut und sind hervorragend aufeinander eingespielt, das professionelle Erscheinungsbild und die Austauschbarkeit der brachialen Momente lassen das Ganze aber ein Stück zu glatt wirken, als dass man vor Begeisterung auf die Knie fallen möchte. (Fierce)

Scar Doomster: 0
Fierce: 0
Bierholfaktor: 2>

TEXTURES

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Textures
Gaben es sich auf der Bühne dreckig – TEXTURES

Im Direktvergleich mit den gerade von der Bühne gegangenen SCAR SYMMETRY machten die Holländer TEXTURES deutlich, dass es oft nur kleine Unterschiede sind, die einen eine Sache positiv oder negativ formulieren lassen. Denn auch TEXTURES haben das Dilemma, dass die geschrieenen Vocals oft zu eintönig und wenig einfallsreich sind und viele Riffs ein Stück zu ausgelutscht rüber kommen. Jedoch gehen die Niederländer mit einer ganz anderen Attitüde auf die Bühne, weniger verklärt, weniger eingefahren, roher, energiegeladener, emotionaler. Mit ihren zerhackten, brachialen Stakkatoriffs im typsichen MESHUGGAH-Stil mischte man das Publikum ordentlich auf, wobei TEXTURES genau die Vertracktheit mitbrachten, die SCAR SYMMETRY fehlte. Massig Kontrapunkte, fantastische Attacken auf das Rhythmusgefühl der Zuschauer und dieses typische konsequente Durchschlagen der Becken, vollkommen unabhängig von dem, was der Rest der Band macht. Und TEXTURES gaben es sich auch mächtig dreckig auf der Bühne. Trotz schwieriger Rhythmik fegten die Saitenzupfer über die Bühne, drehten sich im Kreis, bangten was der Nacken hergab und es war fast verwunderlich, dass das Ganze ohne Verkehrsregelung funktionierte und es zu keinen schwer wiegenden Zusammenstößen kam. Eric Kalsbeek ist zudem der perfekte Frontmann für diesen Sound, weiß die Texte durch eindringliche Gestik zu unterstreichen und konnte vor allem auch bei den klaren Gesangsteilen sehr gut überzeugen. Schade, dass auch TEXTURES zu gerne mal in all der Begeisterung den Song zu sehr in den Hintergrund stellen, wodurch der Wiedererkennungswert der einzelnen Stücke gegen Null tendiert. Was einem aber noch lange im Kopf bleibt, das sind diese grandiosen Rhythmen, die TEXTURES bis zum Exzess zelebrieren. (Fierce)

Textures<br Doomster: 0
Fierce: +
Bierholfaktor: 1>

MERCENARY

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Mercenary
Tonsicher auch bei schwierigen Passagen – MERCENARY

Das Billing des Samstags rückblickend betrachtend, muss man den Veranstaltern des PROGPOWER wirklich eine perfekte Reihenfolgenfestlegung zusprechen. MERCENARY waren definitiv die Headliner des Tages und zogen nochmal ein Fazit über das, was man in den letzten Stunden geboten bekam: hervorragende Musiker, sehr viel Härte, Death-Einflüsse, viel Melodie, verschachtelte Songs, die Erkenntnis, dass derzeit wieder sehr viel Bewegung in der Szene vorhanden ist, aber auch die, das viele Bands zu oft das Songwriting an sich vernachlässigen. All das traf auch auf MERCENARY zu, wobei die Headliner auch nochmal eine ordentliche Portion Power-Metal mit ins Spiel brachten. Verantwortlich dafür ist natürlich in erster Linie Sänger Mikkel Sandager mit seinen sehr hohen Screams, die er aber meisterlich beherrscht. Junge, da waren wirklich einige heftige Teile zu hören, die der in seiner Lederjacke gekleidet nicht zu beneidende Frontmann mit einer erstaunlichen Präzision und Treffsicherheit darbrachte. Unterstützt wurde er dabei perfekt von seinem Bassisten Rene Pedersen, der gleichzeitig die Growls liefert und neben Mikkel echter Blickfang innerhalb der Band ist. Darüber hinaus passiert aber leider etwas zu wenig auf der Bühne und so spiegelt das Bild auch die Musik gut wieder. Denn MERCENARY verfügen über einen großartigen, eigenständigen Sound, der einen bewegt, und kommen immer wieder mit genialen Momenten daher. Dazwischen ist aber leider zu viel Füllmaterial zu hören, zu selten kommt man derart gezielt auf den Punkt, wie etwas beim Hit Firesoul. Das trübt etwas den ansonst durchgängig positiven Eindruck, den die Band hinterlässt und so hatte ich kein schlechtes Gefühl, als ich nach einer Stunde den Ort des Geschehens verließ und mir dachte ich hab für diesen Auftritt nichts mehr zu erwarten. (Fierce)

Mercenary<br Doomster: 0
Fierce: 0
Bierholfaktor: 1>

Sonntag, 01. Oktober 2006

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SPHERE OF SOULS

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Sphere
Der typische PROGPOWER-Opener – SPHERE OF SOULS

Ja, da war er wieder, der typische PROGPOWER-Opener. Nachdem der Vortag von dem alten Flair des Festivals fast gar nichts mehr vermittelte, sorgten SPHERE OF SOULS mit ihrem ganz klassischen, getragenen Prog-Metal für ein angenehmes Nostalgie-Feeling. Das heißt allerdings auch, dass SPHERE OF SOULS zu den Bands gehören, die ihre Sache zwar durchweg gut machen, bei denen aber nichts hängen bleibt. Die Songs plätschern zu sehr vor sich her, der Sänger bringt zu wenig Inspiration mit und die Anerkennung über die instrumentalen Fertigkeiten wird durch mangelnden Ideenreichtum geschmälert. SPHERE OF SOULS gingen mit viel Spielfreude auf die Bühne, ließen einen aber von Song zu Song immer mehr dem Ende des Auftritts entgegenhoffen. Dass man musikalisch zu einigem fähig ist, zeigte die als Rausschmeißer gewählte Coverversion von FATES WARNINGs One, welche überzeugend dargebracht, bei dem die gesanglichen Grenzen aber deutlich aufgezeigt wurden. Eine Band, die man sieht, aber schnell wieder vergisst. (Fierce)

Sphere Doomster: nicht gesehen
Fierce: –
Bierholfaktor: 3>

NOVA ART

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Nova
Wollten es unbedingt wissen – NOVA ART

Was ein ausdrucksstarker Sänger in diesem Genre ausmacht, zeigten nach dem ermüdenden Auftritt von SPHERE OF CHAOS die Russen NOVA ART. Wobei es Frontmann Andrey Nova fast etwas zu gut meinte und es offensichtlich hier und heute unbedingt wissen wollte. Es war, als wäre sich die Band derart über die mögliche Bedeutung dieses Auftritts für ihre weitere Karriere bewusst, dass sie unbedingt den Gig ihres Lebens absolvieren wollte. Und so sorgte die übertrieben energiegeladene Show von Nova zunächst eher für Skepsis, als für Begeisterung. Mit viel Gestik und Anleihen aus dem asiatischen Kampfsportbereich unterstrich er die Texte und gleichzeitig die Bedeutung des Artrock-Anteils in dem sanften Prog-Metal der Truppe. Je länger man NOVA ART zuschaute, umso klarer wurde einem allerdings, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, die noch eine echte Vision vor Augen hat. Besonders Andrey Nova scheint diese so klar vor Augen zu haben, dass er sogar versucht die Lichtshow zu dirigieren, was aber vermutlich nicht mit dem Lichtmenschen abgesprochen war. Allerdings sollten sich auch NOVA ART ein Stück weiter von gängigen Standards lösen und dem theatralischen Aspekt ihrer Musik mehr Platz einräumen. Denn so hatte man noch zu häufig den Eindruck, dass die Musik noch vor der lyrischen Idee entstand und das funktioniert bei NOVA ART nicht so richtig. Bestes Beispiel, dass es anders vielleicht besser wäre, war der Song Memories, den Andrey allein von einer Bandeinspielung begleitet performte und dabei eine hervorragende Figur machte. Fast schon ne Gänsehaut konnte die Band am Ende des regulären Sets mit einem Mitsingteil erzeugen, weil man einfach spürte, wie sehr dieser von Herzem kam – so was erlebt man heutzutage nicht mehr oft. So konnte die Band from Russia, wie Nova immer wieder betonte, mit zunehmender Spielzeit immer mehr für Begeisterung sorgen und das Publikum machte lautstark mit, als ihm der agile Frontmann zur Wahl stellte, welcher Song denn noch einmal gespielt werden sollte, da man kein Material mehr zur Verfügung hatte. Trotz leichter Verständigungsschwierigkeiten – Andrey tat sich mit dem Englischen etwas schwer – entschieden sich die Leute lauthals für Searching for the Light und hier wurde klar, wie gut einzelne Songteile doch ins Ohr gehen. Nach einem etwas verzwungenem Start konnten NOVA ART die Zuschauer also doch für sich gewinnen und wenn die Russen richtig weiter machen, dann könnte man von ihnen noch einiges hören. (Fierce)

Nova Doomster: nicht gesehen
Fierce: +
Bierholfaktor: 1>

VOYAGER

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Voyager
Augenzwinkerndes Spiel mit Klischees – VOYAGER

Mit VOYAGER sollte dann vor der einstündigen Essenspause die einzige dezent schwarz angehauchte Band des ganzen Festivals aufspielen, und gleichzeitig die einzige Band, die sich selbst ganz offensichtlich nicht allzu ernst nimmt. Als wenn es selbstverständlich wäre, vermischten die Australier scheinbar unvereinbare Widersprüche, indem sie sich teilweise übelster Klischees aus diversen Genres bedienten, die in der Form wohl sonst niemand miteinander in Verbindung bringen würde. So traf Dark Metal auf Prog Metal und neoklassisches Gedudel mit Happy Metal-Melodien, poppiger 80er-Wave/Gothic traf auf True Metal-Einflüsse. So kam es, dass im einen Moment poppig-fröhliche Klänge aus den Boxen schallten, um im nächsten Moment durch einen richtig bösen Part mit fiesem Kreisch-Gesang abgelöst zu werden. Manch einem war diese ungewöhnliche Mixtur zwar gewiss zu wirr, und fast jeder hätte sich wahrscheinlich gewünscht, dass die Band auf gewisse Einflüsse, je nach persönlichem Geschmack, verzichtet hätte, insgesamt aber machte diese manchmal wirre Mischung einfach gute Laune. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Band selbst in bester Stimmung war und man dies der multikulturell besetzten Truppe auch zu jeder Sekunde ansah. Sänger Daniel Estrin war zwar an sein Keyboard gebunden, dafür, dass die Action nicht zu kurz kam, sorgte aber die Frauen-Power der rothaarigen Schottin Simone Dow an der Gitarre und der italienischen Bassistin Melissa Fiocco – beide zwar recht zierlich gebaut, aber beinahe permanent am Headbangen und voller Energie und Spielfreude. Höhepunkt des humorvollen Auftritts war ein Cover-Medley, in dem die Band unter anderen I Feel Good, das in Musikläden verbotene Smoke On The Water, Killing In The Name von RAGE AGAINST THE MACHINE, MANOWARs The Crown And The Ring und Come As You Are von NIRVANA verwurstete. Definitiv nichts für Scheuklappen-Musikhörer, und damit genau das Richtige für ein Festival wie das PROGPOWER. (doomster)

Voyager<br Doomster: +
Fierce: 0
Bierholfaktor: 1>

DARK SUNS

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Dark
Zu wenig Hooklines für diesen Zeitpunkt des Festivals – DARK SUNS

Vor kurzer Zeit trennten sich DARK SUNS von ihrem Bassisten Chris. Zwar ist man noch immer auf der Suche nach einem permanenten Ersatz aus dem Leipziger Raum, für das PROGPOWER-Festival konnte man aber niemand Geringeren verpflichten als den seit einigen Jahren in den Niederlanden wohnhaften ehemaligen PAIN OF SALVATION-Basser Kristoffer Gildenlöw. Zwar hatte die Band noch keine einzige gemeinsame Probe mit ihm bestritten, dafür klappte das Ganze aber hervorragend, auch wenn sich Kristoffer verständlicherweise sehr auf sein Bass-Spiel konzentrierte und sich zum Leidwesen der Fotografen etwas in einer Ecke der Bühne verkroch. Wirklich begeistern konnten die Leipziger mit ihrem Auftritt allerdings trotzdem nicht. Der zu großen Teilen sehr chilligen Musik fehlte es einfach an richtig hochkarätigen Hooklines und an Dynamik, so dass sie das eine oder andere Mal vor sich hin plätscherte und eine beinahe einschläfernde Wirkung zeigte. Man hätte sich gewünscht, dass die Band viel öfter ausbricht und richtig los rockt. So war die Darbietung leider etwas zu gleichförmig und es fiel schwer, sich auf die beinahe durchgehend ruhige, zerbrechliche Musik einzulassen. Es mag an den Rahmenbedingungen gelegen haben – an einem mehrtägigen Festival mit einer Vielzahl von Bands, die die volle Konzentration des Zuhörers erfordern, ist man irgendwann nur noch begrenzt aufnahmefähig -, doch scheint es dass die Musik von DARK SUNS besser dazu geeignet ist, daheim mit dem Kopfhörer gehört zu werden. (doomster)

Dark Doomster: 0
Fierce: 0
Bierholfaktor: 2>

COMMUNIC

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Communic
Hinterließen nur einen Mittelmäßigen Eindruck – COMMUNIC

Unser Psycho schrieb in seiner Rezension der aktuellen COMMUNIC-Veröffentlichung Waves Of Visual Decay, dass ein Hauch von COMMUNIC-Hype in der Luft liege. Genau dieser Eindruck bestätigte sich dann auch, als die Norweger die Bühne betraten, um das Sjiwa mit ihrem mal thrashigen, mal leicht doomigen Power Metal zu beschallen. Besonders negativ machte sich natürlich auch live der allzu starke NEVERMORE-Einschlag in der Musik, besonders aber den Gesangslinien, bemerkbar, ohne deren Qualität auch nur entfernt zu erreichen. Zu einfallslos und eintönig waren die Melodien von Frontmann Oddleif Stensland. Da dieser sich neben seinem Gesang auch noch auf seine anspruchsvolle Gitarrenarbeit konzentrieren musste und Bassist Erik Mortensen sich als ein typischer, introvertierter Vertreter seiner Zunft entpuppte, war außerdem auf der Bühne nicht viel los. Dass es angesichts der überschaubaren Zahl von Instrumenten nicht gelang, für einen transparenten, differenzierten Sound zu sorgen, machte die Sache natürlich auch nicht besser. Der Bass und das Schlagzeug waren so laut abgemischt, dass das virtuose Gitarrenspiel völlig und der Gesang zumindest teilweise unterging. Überhaupt hatte man den Eindruck, als ginge es der Band darum, einen Lautstärkewettbewerb zu gewinnen, um ihren Status als härteste Band des zweiten Festivaltages zu untermauern. Da auch die Kommunikation mit dem Publikum zu wünschen übrig ließ, hinterließen die Norweger somit insgesamt leider nur einen mittelmäßigen Eindruck. (doomster)

Communic<br Doomster: 0
Fierce: 0
Bierholfaktor: 2>

RIVERSIDE

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Riverside
Das Publikum fraß ihnen aus der Hand – RIVERSIDE

Vor zwei Jahren waren RIVERSIDE, nur als Ersatz für AMARAN kurzfristig aufs Billing gerutscht, die große Überraschung. Seitdem konnten die Polen ihren Status ausbauen, so dass man in diesem Jahr als Headliner ins Sjiwa zurückkehrte. Der Überraschungseffekt von 2004 war nun natürlich dahin. Viele Leute waren nun gekommen, nur um RIVERSIDE zu sehen. Man durfte gespannt sein, ob durch die gestiegenen Erwartungen der Druck für die Band größer sein würde, oder ob es für die Band sogar einfacher werden würde, weil sie das Publikum von vornherein auf ihrer Seite hat. Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass letzteres der Fall war. Das Publikum fraß dem Quartett aus der Hand und dieser merkte man die mittlerweile hinzugewonnene Erfahrung an, agierten die Musiker doch weitaus weniger nervös und kommunizierten etwas mehr mit dem Publikum als noch vor zwei Jahren. Auch wenn RIVERSIDE mit ihrem Album Second Life Syndrome den Rezensenten nicht hundertprozentig begeistern konnten, so war der diesmal zweistündige Auftritt einmal mehr eine echte Wonne. Im Gegensatz etwa zu den stilistisch entfernt verwandten DARK SUNS verstanden es RIVERSIDE, in den richtigen Momenten der Hörer wachzurütteln mit heftigen, schwermetallischen, ordentlich groovenden Passagen und aggressivem Schreigesang, die, wenn ihnen auf dem Album auch der nötige Druck fehlte, live richtig gut kamen. Die Gefahr, einschläfernd zu wirken, wurde von den Polen somit auf geradezu meisterhafte Weise umschifft. Aber auch die ruhigen Parts übten eine ungeheure Faszinationskraft aus: Dem gefühlvollen Leadgitarrenspiel von Piotr Grudzinski, der für endlos Sustain sorgte und Erinnerungen an PINK FLOYD wach werden ließ, sowie dem zerbrechlichen, aber wunderschönen Gesang von Frontmann Mariusz Duda konnte man sich kaum entziehen. Das sah auch Veranstalter Rene Janssen so, der in der Musik der Polen richtig aufging und es nicht nehmen ließ, den Auftritt selbst aus einer der vorderen Reihen zu verfolgen. Ein fantastischer Auftritt, mit dem RIVERSIDE dem diesjährigen PROG POWER-Festival einen tollen Abschluss bescherten. (doomster)

Riverside<br Doomster: +
Fierce: nicht gesehen
Bierholfaktor: 0>

Fierce
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