PROG POWER EUROPE 2007: Der Festivalbericht

PROG POWER EUROPE 2007: Der Festivalbericht

Das Festival

Samstag, 06.10.2007

Non-Divine | Oceans of Sadness | DGM | Nahemah | Orphaned Land | Alchemist

Sonntag, 07.10.2007

Day Six | Meyvn | Circus Maximus | Dreamscape | Sieges Even | Pain

Das Festival
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Alles beim Alten, beim PROG POWER. Es ist doch schon sehr bezeichnend, wenn man beim Thema was hat sich im Gegensatz zum Vorjahr (und zum Vorjahr und zum Vorjahr und zum Vorjahr…) geändert notgedrungen gerade mal anführen kann, dass vor dem Jugendhaus Sjiwa nun kein Imbisswagen mehr steht, sondern ein Zelt und neues Personal darin für die Essensausgabe sorgt.

Der
Gastfreundschaft à la ProgPower Europe

Ich bin überzeugt davon, dass das PROG POWER das gemütlichste Festival der Welt ist. Kein Stress, kein Overkill, kein Security-Problem, dafür aber eine tolle Umgebung, eine klasse Atmosphäre und freundliche Menschen. Dazu wieder ein mal ein gutes Musikgemisch zwischen Gothic und Extrem-Metal, und dazwischen ganz viel Prog selbstverständlich.

Natürlich gehört zum Mangel an Veränderung auch dazu, dass es auch dieses Jahr wieder eine sehr kurzfristige Absage gab, die besonders hart ausfiel – MECHANICAL POET aus Russland haben die Anreise nicht angetreten, weshalb die eigentlich für den Vorabend angeheuerten Italiener DGM kurzfristig die Gelegenheit bekamen, als dritte Band des Tages auf die Hauptbühne zu dürfen.

Extrem angenehm auch dieses Jahr wieder, dass man das Publikum nicht mit einer riesigen Anzahl von Bands überfrachtete, dafür bekam aber jeder Act ordentlich Spielzeit zwischen 55 Minuten und 2 Stunden. Nach den ersten drei Bands war erstmal Dinner-Break angesagt, während der die umliegenden Restaurants komplett durch die Festivalbesucher in Beschlag genommen wurden, danach kamen dann nochmal drei Bands, inklusive Headliner. Das geht natürlich auf Kosten der verkauften Karten, kommt aber dem Publikum und den Bands mehr als zugute. Schön, dass es noch Veranstaltungen gibt, bei denen nicht der Euro das Programm diktiert. Und bei welcher anderen Veranstaltung würde man denn auch eine Band wie ALCHEMIST, die die Rolle definitiv verdient hat, als Headliner sehen?

Es bleibt beim üblichen Resümee: das ProgPower ist immer wieder eine Reise wert!

Samstag, 06.10.2007

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Non-Divine
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Non-Divine
Hatten ihr Potential schon nach kurzer Zeit ausgeschöpft – NON-DIVINE

Dass das PROG POWER sich schon lange nicht mehr auf Bands beschränkt, die dem Namen des Festivals gerecht werden, wurde gleich zu Beginn deutlich: Als Opener fungierten die Niederländer NON-DIVINE, die ihre Musik selbst als groovy melodic metal in der Tradition von Bands wie METALLICA, NICKELBACK und MEGADETH beschreiben. Dass eine dieser Bands auch in der Vergangenheit wenig mit Metal zu tun hatte, wollen wir dabei mal geflissentlich ignorieren. Fakt ist, dass das Quartett, das sich in einheitlichem Look – ganz in weiß gekleidet – präsentierte, mit Prog oder Power Metal rein gar nichts am Hut hat.

Zwar waren NON-DIVINE sehr bemüht, eine gute Show zu liefern, besonders der Bassist der Band war stets in Bewegung und poste, was das Zeug hält. Aufgrund der niederländischen Ansagen, die sich ohnehin nur auf das Nennen des nächsten Titels beschränkten, gelang es den Jungs jedoch nicht, zu weiten Teilen des internationalen Publikums eine Verbindung herzustellen. Zudem war das Repertoire an unterschiedlichen Posen sehr limitiert, so dass sich nach kurzer Zeit Langeweile breit machte. Gleiches galt im übrigen für die Musik. Der moderne, melodische Metal erinnerte etwas an das Abschiedswerk von JESTER´S FUNERAL, ohne allerdings dessen Klasse zu erreichen. Ja, die Musik war zweifellos melodisch, aber nur wenige Melodien blieben hängen. Und ja, es gab groovige Momente in den Songs der Band, wirklich zwingende aber viel zu selten. So erwischte man sich mit zunehmender Spieldauer immer öfter dabei auf die Uhr zu schauen, nachdem der erste Eindruck zu Beginn des Auftritts noch durchaus positiv war. So kam es, dass am Ende anstatt der sehr gefälligen zweistimmigen Gitarrenleads in erster Linie der verbesserungswürdige Gesang hängen blieb, insbesondere die arg schwachbrüstigen Backing Vocals. Wirklich verscherzt haben es sich die Niederländer aber, als sie zum Abschluss das Wagnis eingingen, Roots Bloody Roots von SEPULTURA zu covern. Wer keinen Sänger in seinen Reihen hat, der es mit Max Cavalera aufnehmen kann, sollte sich lieber gar nicht erst an einer originalgetreuen Umsetzung versuchen, sondern wenn überhaupt an einer mutigen, eigenständigen Interpretation. Alles in allem also wohl einer der schwächsten Opener in der bisherigen Geschichte des PROG POWER-Festivals. (danielw)

Oceans of Sadness

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Oceans
Starker Auftritt mit guter Publikumsresonanz – Oceans of Sadness

Nach den eher unspektakulären NON-DIVINE waren die belgischen Düster Metaller OCEANS OF SADNESS an der Reihe. Deren Sänger und Bassist sahen allerdings eher so aus, als hätte man sie gerade mit einem Bier in der Hand von der Couch und dem Samstag Nachmittags-Fußballspiel geholt. Des Weiteren hatte man sich den Verstärker von NON-DIVINE leihen müssen, da man den eigenen vergessen hatte. Der Sänger quittierte das lässig mit We are a little more stupid than the dutch but we can drink a lot more than the dutch. Ob da wohl Zusammenhänge bestehen? Ich erinnere mich, die Band vor ein paar Jahren auf dem GRASPOP gesehen zu haben, wo sie mich bereits überzeugen konnten. Und auch dieses Mal lieferten OCEANS OF SADNESS einen guten Auftritt ab. Zum Vorteil gereicht der Band sicherlich ihr äußerst abwechslungsreiches Song-Repertoire, welches sowohl straighte, zum Teil ein wenig an verspieltere CHILDREN OF BODOM und Konsorten erinnernde Songs wie das furiose Doomed Voices beinhaltet, als auch vertrackte, sphärische Stücke, immer mit einem Hang zum melancholischen. Der Sänger liefert dazu eine astreine Bühnenperformance ab und lässt auch gesanglich nichts anbrennen, während der Rest der Band eher zurückhaltend agiert. Nicht ganz so prall war allerdings das ALICE IN CHAINS-Cover Them Bones bei dem die Keyboards doch ziemlich unpassend und nervig klangen. Nein, der Tag der guten Coverversionen war heute wirklich nicht. Trotzdem lieferten OCEANS OF SADNESS einen starken Auftritt ab, der beim Publikum auch auf entsprechende Resonanz stieß. (agony&ecstasy)

 

DGM

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DGM
Gute Vorstellung, überschritten aber teilweise die Schmerzgrenze – DGM

Die Italiener DGM hatten das Glück, durch die Absage von MECHANICAL POET kurzfristig auf das Billing des PROG POWER-Samstags zu rutschen. Und diese Gelegenheit waren sie auch bereit zu nutzen. Auf dem gesamten Tages-Billing standen sie für die reinste Variante des Prog-Metals. Also sehr klassisch, mit deutlicher DREAM THEATER-Einfärbung. Das war aber nicht nur positiv. Die fünf Jungs vom Stiefel hatten eine sehr positive Ausstrahlung und waren musikalisch wirklich auf der Höhe. Vor allem die Gitarren/Keyboard-Duelle waren absolut gekonnt und stark gespielt. So wenig innovativ sie auch ausfielen, so sehr viel Spaß machten sie doch in diesem Moment. Nur leider fehlt es auch diesen Italienern an wirklich starken Songs – viel zu oft plätschern sie vor sich hin. Und dann ist da eben noch der sehr hohe Gesang von Titta Tani, der zwar gut ist, aber auch immer wieder seine Grenzen überschreitet und dann mit extrem hohen, schiefen Tönen die Ohren schmerzen lässt. Ich kann es nur schwer beurteilen, ob das jetzt eine Tagesform-Sache war. Ich bin überzeugt davon, dass der Mann im Studio-Umfeld die Songs perfekt einsingt. Nur an diesem Tag auf dem PROG POWER war das teilweise schon heftig. DGM sind wirklich kein schlechter, unter den DREAM THEATER-Nacheiferern – typisch italienisch natürlich mit einer sauberen Traditions-Stahl-Schlagseite versehen. Aber auch bei einen fehlt einfach das gewisse Eckchen Eigenständigkeit und Mut für was Eigenes. (fierce)

Nahemah

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Nahemah
Rocken im besten Death/Doom-Sinne – NAHEMAH

Die Spanier NAHEMAH hatte ich wirklich überhaupt nicht auf dem Zettel. Die Erwartungen gingen gegen Null. Und dann stehen die Typen auf der Bühne und rocken das Haus! Rocken natürlich im besten Death/Doom-Sinne. Schon mal einen Stierkämpfer grunzen sehen? Nein? Ich jetzt schon. Bei Frontmann Pablo Egido, gekleidet in landestypischer Stoffhose und schwarzem Hemd, kommt deutlich der Spanier durch. Diese Bewegungen, bei denen ich mich ja immer frage, ob das nun tatsächlich sehr männlich ist, oder ob die einfach nur aufs Klo müssen, sind schon sehr typisch. Nicht falsch verstehen: trotz dem Augenzwinkern meine ich das sehr positiv – Egido hat wirklich sehr viel Ausstrahlung und eine enorme Bühnenpräsenz. Dazu eine klasse, voluminöse Grunz und eine angenehme Gesangsstimme. Die spanische Version von Mikael Stanne (DARK TRANQUILLITY) könnte man auch sagen. In eine ähnliche musikalische Kerbe schlagen auch die Songs von NAHEMAH. Irgendwo zwischen Doom, Death und Gothic Metal zelebrieren NAHEMAH eine sehr lebendige Variante dieses Sounds. Dabei arbeiten die Spanier sehr viel mit Samples, die liebevoll in die Musik integriert wurden. Nur bei den Intros fielen sie teilweises etwas zu lang aus, wodurch auf der Bühne eine gewisse unnötige Leere entstand. Auf einer großen Bühne mit viel Lichteffekten kann man sich das sehr gut vorstellen, auf einer kleinen Bühne mit beschränkten Effektmitteln wird die Sache schwierig. Die Setlist fiel sehr The Second Philosophy-lastig aus, was aber auch eine ganze Fülle an klasse Songs zur Folge hatte. Siamese, Killing my Architect, Nothing, Like a Butterfly in a Storm, Change, Labyrinthine straight Ways, Subterranean Airports, Today Sunshine ain´t the same mit Lautsprecher-Einlage bei der Strophe – die haben wirklich fast das komplettte Album gespielt. Das Publikum war begeistert und NAHEMAH waren absolut einer der Höhepunkte des Tages. Die dürften an diesem Tag auch einige CDs losgeworden sein. (fierce)

Orphaned Land

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Orphaned
Merkwürdig routiniert – ORPHANED LAND

ORPHANED LAND waren nicht zum ersten Mal zu Gast auf dem PROG POWER und hatten mich im Juli auf dem DONG noch mit einer mitreißenden Headliner-Show weggeblasen. Es standen also alle Zeichen auf Triumphzug an diesem Abend. Doch leider kam mal wieder alles anders als erwartet. Nach dem langen Intro verpasste die Band erst mal geschlossen den Einsatz um zwei Sekunden, was ja noch verschmerzbar ist. Doch schon beim folgenden Birth Of The Three merkte man, dass heute irgendwie der Wurm drin war. Die Band wirkte im weiteren Verlauf des Konzertes merkwürdig distanziert, ja teilweise routiniert und das Publikum reagiert dementsprechend zurückhaltend. Da half es auch nicht, dass mal ein Mädel auf die inzwischen doch ziemlich ausgelutschte Idee kam, ihrem Freund auf der Bühne einen Heiratsantrag zu machen. Der antwortete mit einem knappen und sichtlich perplexen Sure und dann war der Zauber auch schon wieder vorbei. Bei Halo Dies holte sich Kobi Farhi mit Paul Baayens (ASPHYX, THANATOS, CREMATION, HAIL OF BULLETS) einen Gastgrunzer auf die Bühne, der ja schon beim letzten mal in Baarlo für druckvolle Unterstützung sorgte und auch dieses mal den ORPHANED LAND-Fronter in Grund und Boden röchelte. Der Wechselgesang zwischen Kobi und Gitarrist Sassi bei Oceans Land war heute dagegen nicht so der Bringer. Wie gesagt, irgendwie war heute der Wurm drin. Selbst bei Norra El Norra, dem Song bei dem sonst das ganze Publikum springt, ließen sich nicht all zu viele Leute zum hüpfen hinreißen. Der Auftritt plätscherte so vor sich hin und als Kobi sich nach dem Rausschmeißer Ornaments Of Gold mit It´s been a pleasure, see you next time verabschiedete wirkte dies wie eine routiniert vorgetragene Floskel und nicht wirklich ehrlich. (agony&ecstasy)

Alchemist

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Alchemist
Beklemmend, intensive, eigenwillig – ALCHEMIST

Vor drei Jahren waren ALCHEMIST aus Australien schon einmal in Baarlo zu Gast, damals noch als Co-Headliner des Samstags. Nach den überaus positiven Reaktionen auf den damaligen Auftritt wunderte es nicht, dass sie diesmal eine Position aufgerückt waren und als letzte Band des ersten Tages spielten. Wie unser Ulle in seiner Rezension des aktuellen Albums Tripsis so treffend bemerkte: Bezieht man sich auf die eigentliche Bedeutung des Wortes progressiv, dann sind ALCHEMIST progressiv durch und durch, wahrscheinlich sogar die progressivste Band des ganzen Festivals. Damit geht leider auch einher, dass sich die Musik der Australier unglaublich schwer beschreiben lässt. Brachiale Gitarrenwände und ungewöhnliche offene Akkorde trafen auf futuristische elektronische Klänge und brutalen Schrei- und Kreischgesang von Frontmann und Gitarrist Adam Agius, wechselten sich aber immer wieder mit ruhigeren, mystisch wirkenden Passagen ab. Der Überraschungseffekt des Auftritts von 2004 fehlte zwar, zumal man bis auf die Songs des neuen Albums fast die gleichen Songs in der Setlist hatte – darunter Chinese Whispers, Yoni Kunda und Single Sided, doch auch diesmal blieb die beklemmende und intensive Wirkung dieser eigenwilligen Musik nicht aus. Diese Wirkung erzielte die Musik nicht nur beim Publikum, auch die Musiker gingen voll in ihrer Musik, was man besonders dem mit seinem Emo-Style irgendwie putzig wirkenden Nick Wall ansah, der bei der Band live für die Samples zuständig ist.

Einmal mehr also eine ganz große Vorstellung der innovativen Australier und für den Rezensenten eindeutig der Höhepunkt des Festivals. (danielw)

Sonntag, 07.10.2007

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Day Six

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Day
Pendelten zwischen Standard und Kauzigkeit – DAY SIX

Erster Eindruck: der typische PROG POWER-Opener. Zweiter Eindruck: Die sind kauziger, als zunächst angenommen. Erklärt mich für bekloppt, aber ich hab da ein gewisses SLOUGH FEG-Element herausgehört, das durch das agile Auftreten und die Körperhaltung von Sänger und Gitarrist Robbie van Stiphout auch noch betont wurde. Gesanglich klang der Gute in seinen besten Momenten nach Rick Mythiasin (STEEL PROPHET), in den schlechtesten nach der typischen Prog-Stimme. Dass er es aber auf jeden Fall auf dem Kasten hat, konnte er spätestens bei The Crypt unter Beweis stellen, bei der er nur von Klavierklängen begleitet zeigte, dass er die Töne sauber und sicher trifft, ohne sich irgendeine Blöße zu geben. Starke Leistung. Und auch mit der Situation, dass schon beim zweiten Song der komplette Bühnenstrom ausfiel, ging man souverän um und setzte einfach wieder mit dem Schlussteil ein, um das Lied zu Ende zu bringen. Der Hang zu ausladenden Songaufbauten zogen die ansonst abwechslungsreichen Stücken aber leider zu sehr in die Länge. Selbst das aufgrund des Stromausfalls gekürzte Inside vom in Kürze erscheinenden neuen Album hatte seine Längen, wobei genau hier die Band gegen Ende des Stücks noch mal ihr Stärke voll ausspielte: vertrackte Gitarrenrhythmik. Das machen die Holländer richtig gut und damit können sie einen auch live immer wieder aus einer anbahnenden Lethargie herausziehen. (fierce)

 

 

 


Meyvn

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Meyvn
Für technikverliebte Frickelfreunde – MEYVN

Jedes PROG POWER braucht seine technisch alles andere in den Schatten stellende Frickel-Band. In diesem Jahr waren dafür MEYVN zuständig, die aus dem fernen Texas angereist waren. Was hatten die Amerikaner also zu bieten? Einen Drummer, dessen Technik und Stockhaltung vermuten lässt, dass er einen Jazz-Hintergrund hat; zweistimmige Gitarrensoli in beeindruckend rasanter Geschwindigkeit, einen Bassisten, der einen siebensaitigen Bass spielt und offenbar auch einen Tapping-Wettbewerb zwischen allen drei Saiten-Hexern Marke schneller, höher, weiter. Höhepunkt war dabei eindeutig die Triple-Tapping-Attacke, bei der die beiden Gitarristen und Bassist Ken Liao synchron tappten – und das mit einer Präzision, die unter den Musikern im Publikum sicherlich für offene Münder gesorgt haben dürfte.

Technikverliebte Frickelfreunde kamen also voll auf ihre Kosten. Allein die Keyboardteppiche wirkten dagegen bieder und einfallslos, und der extrem hohe, mitunter leicht gequälte Gesang war zumindest gewöhnungsbedürftig und sicherlich nicht jedermanns Sache. Wichtig war bei dieser Band aber sowieso nur die Instrumentalleistung, die Gesangslinien schienen nahezu beliebig austauschbar zu sein, und man hätte vermutlich auch ganz auf sie verzichten können.

Wenn man den Auftritt der Texaner als reine Tech-Demo verstand, dann machten sie ihre Sache verdammt gut. Wer jedoch auf nachvollziehbares Songwriting Wert legte, wurde leider enttäuscht. (danielw)

Circus Maximus

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Circus
Der kleine Bruder von Biff Malibu auf Prog? – CIRCUS MAXIMUS

Bei CIRCUS MAXIMUS passt irgendwie nix so recht zusammen: bombastisch/epische Momente, das typisch Progressive, der Sänger, der mit Sonnenbrille und Rock´n´Roll-Gestik einen auf Biff Malibus´ kleinen Bruder macht… Das Publikum hatten sie aber sofort auf ihrer Seite. Musikalisch, spielerisch, gesanglich und showmäßig gaben CIRCUS MAXIMUS wirklich eine feine Vorstellung. Aber dann ist da halt auch wieder viel zu viel Standard dabei. Mal kommt der DREAM THEATER-Einfluss mehr durch, mal der von QUEENSRYCHE und wenn man will kann man an der ein oder anderen Stelle auch den von den PRETTY MAIDS reininterpretieren – jedenfalls hat man nie das Gefühl, etwas ähnliches nicht schon oft davor gehört zu haben. Der Menge genügte das aber vollkommen und die Norweger fanden besten Anklang – kein Problem also auch beim sympathisch umgesetzten Singspielchen, das das Publikum gerne mitmachte. Müssten wir uns wie im originalen CIRCUS MAXIMUS für ein Daumen hoch oder Daumen runter entscheiden, so ginge er vermutlich eher rauf – man ist ja kein Unmensch. So aber erhalten die Norweger einen satten Daumen in die Mitte. (fierce)

 

 

 

 


Dreamscape

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Dreamscape
Songwriterisch, technisch und gesanglich top – DREAMSCAPE

Nach dem Dinner Break ging es direkt mit der vierten traditionellen Prog-Metal-Band in Folge weiter, den Münchenern DREAMSCAPE. Im Vergleich zu den bisherigen Bands des Tages kam die Truppe aber mit erfreulich wenig Gefrickel aus und konnte zudem mit der besten Gesangsleistung des bisherigen Festival-Tages aufwarten. Die Stimme von Mischa Mang tönte nicht nur schön kraftvoll und gleichzeitig gefühlvoll. Im Gegensatz zu manch einem Kollegen hatte er auch keine Probleme damit, jeden Ton exakt so zu treffen, wie es gedacht war.

Dank siebensaitiger Gitarre und fünfsaitigem Bass machte die Saitenfraktion der Band ordentlich Druck, und die schweren Riffs verfehlten ihre Wirkung nicht. Darunter litten allerdings die Backing Vocals von Keyboarder David Bertok etwas, die viel zu leise und deshalb nur zu erahnen waren. Ansonsten aber war der Sound durchaus in Ordnung, und der angeproggte Metal wusste zu gefallen. Nachdem man sich zunächst auf die Songs des aktuellen Albums konzentrierte, folgte als krönender Abschluss das etwa zwanzigminütige Mammutwerk The End Of Light, welches alle Facetten des Sounds der Band auf gekonnte Weise miteinander vereinte. Zugegeben, originell ist das, was DREAMSCAPE fabrizieren, nicht, die Vorbilder, allen voran DREAM THEATER, hört man immer wieder deutlich heraus. Die songwriterische und technische Klasse, die sich bei The End Of Light offenbarte und das engagierte Auftreten der Musiker sorgten aber dennoch dafür, dass die Band am Ende mit verdientem Applaus bedacht wurde. Etwas befremdlich war nur, dass Sänger Mischa Mang, der sich als echtes Energiebündel erwies, dem man den Spaß an der Sache jederzeit ansah, die meisten seiner Ansagen in deutscher Sprache machte. Super! und Ihr seid spitze! klangen dann doch etwas obskur. Nur ein Zeichen dafür, wie sehr er in der Musik aufging und den Verstand ausschaltete? Wie auch immer, erfreulich war die Tatsache, dass die Musiker während des Gigs fleißig Promo-CDs ans Publikum verteilten, eine Aktion, die Nachahmer finden sollte. (danielw)

Sieges Even

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Sieges
Setlist SIEGES EVEN: When Alpha And Omega Collide, Unbreakable, The Waking Hours, Iconic, These Empty Places, Stigmata, Duende, The Lonely View Of Condors, Paramount, The Weight

Nach vier nicht gerade unähnlichen Bands hintereinander tat es gut, mit SIEGES EVEN ein wenig Abwechslung serviert zu bekommen. Das neue Album Paramount war gerade vor wenigen Wochen erschienen und mit When Alpha And Omega Collide, dem Opener der neuen Scheibe, ging es dann auch los. Sänger Arno Menses begrüßte das Publikum auf Englisch, um dann für einige Sätze ins Niederländische zu wechseln, was der Band natürlich Sympathie-Punkte einbrachte. An älteren Songs gab es mit The Waking Hours und These Empty Places lediglich zwei Stücke vom Sense Of Change-Album zu hören. Das ursprünglich als Zugabe eingeplante Live Cycle musste leider dem Zeitlimit geopfert werden, da SIEGES EVEN schon mit dem regulären Set knapp über der ihnen eigentlich zugedachten Spielzeit lagen. Ansonsten gab es jeweils vier Songs von den letzten beiden Alben, bei denen man die Unterschiede zum alten Material doch deutlich merkte, wird doch heutzutage im Hause SIEGES EVEN deutlich gezielter und wohldosierter gefrickelt als früher. Dass sie es können, müssen sie ja niemandem mehr beweisen. So dermaßen lässig wie die Holzwarths spielt wohl kaum eine andere Rhythmusabteilung auf derart hohem Niveau. Drummer Oliver spielt locker mit Kippe im Maul und sein Bruder fegte ebenfalls äußerst entspannt über seine fünf Saiten. Gitarrist Markus Steffen wirkte dagegen äußerst reserviert und zurückhaltend. Ab und an kam mal ein Lächeln über seine Lippen, ansonsten verzog der Mann kaum eine Miene.

So bekam das Publikum als vor allem ruhig Klänge zu hören. Meiner Meinung nach etwas zu ruhig, denn trotz der unbestrittenen Klasse hatte der Auftritt doch die eine oder andere Länge. Unerklärlich und eigentlich auch unentschuldbar ist für mich, dass SIEGES EVEN mit Tidal den besten Song der neuen Scheibe an diesem Abend unter den Tisch fallen ließen. Der hätte den ganzen Gig noch einmal gewaltig aufwerten können. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Backing Vocals komplett vom Band kamen, was zum größten Teil völlig unnötig war, da sie bis auf wenige Ausnahmen an Stellen kamen, bei denen Arno Menses keine Lead Vocals zu singen hatte. Ansonsten gab es an der Leistung des Sängers allerdings kaum etwas auszusetzen. Dass er bei The Lonely Views Of Condors mittendrin mal ein kurzes Ah, I forgot the lyrics ins Mikro sang, verzeiht man ihm so gerade noch. Trotz kleiner Mankos also ein guter Auftritt der Deutschen, der auch vom Publikum entsprechen gewürdigt wurde. (agony&ecstasy)

Jon Oliva´s Pain

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Pain
Setlist JON OLIVA´S PAIN: Warriors, Sirens, 24 Hours Ago, Maniacal Renderings, The Evil Beside You, Streets, Jesus Saves, Tonight He Grins Again, Ghost In The Ruins, Agony & Ecstasy, Believe, Chance, Hounds, Timeless Flight, Through The Eyes Of The King, Edge Of Thorns, Gutter Ballet, Hall Of The Mountain King

Kam es bisher eigentlich zu keinen nennenswerten Verspätungen, musste man auf JON OLIVA`S PAIN dann doch etwas länger warten. Gegen zehn, also etwas eine halbe Stunde später als geplant, war es dann aber endlich soweit. Los ging es mit erst mal Warriors und Sirens, wie bereits auf der Frühjahrs-Tour erlebt. Doch dann folgte schon die erste dicke Überraschung in Form des gigantischen 24 Hours Ago, welches Oliva bisher – soweit ich weiß – noch nicht live zum Besten gegeben hat. Etwas störend war die Tatsache, dass immer noch kein zweiter Gitarrist ins Line-Up integriert wurde, so dass an vielen Stellen die Rhythumsparts von Keyboarder John Zahner übernommen wurden, wenn Mat LaPorte mit Solieren beschäftigt war. Dafür war Jon Oliva stimmlich in absoluter Top-Form. Da saßen alle hohen Schreie. Zwischendurch wurde die Stimme immer wieder mit Jägermeister geölt und auch einen Joint bekam der Mountain King später noch aus dem Publikum gereicht. Hier in Holland ja kein Problem. Nach dem gigantischen Einstiegstrio gab es mit Maniacal Renderings und The Evil Beside You erst mal zwei Songs der letzten Scheibe, die mit dem SAVATAGE-Material natürlich nicht mithalten konnten, zumal es sich auch nicht unbedingt um die stärksten Songs des neuen Albums handelte. Aber das machte ja nix, denn direkt im Anschluss folgte ein Streets-Block, der zwar nicht so lang ausfiel, wie Anfang des Jahres in Bonn, aber trotzdem die wichtigsten Songs des Albums beinhaltete. Abgeschlossen wurde der Streets-Teil natürlich mit einer heute besonders unter die Haut gehenden Darbietung von Believe. Die Stimmung hiernach zu halten war natürlich keine ganz einfache Aufgabe, aber hier packte Jon Oliva eben die zweite Überraschung des Tages aus. Zum ersten Mal überhaupt gab es heute Chance zu hören. WOW! Die mehrstimmigen Gesangsparts am Ende wurden von der Band perfekt umgesetzt und auch Oliva selber meistere diesen sicher nicht einfachen Song ohne Probleme.

Jon´s Ansage, dass man solange spielen könne, wie man wolle, führte im Publikum, welches sich zu einem nicht geringen Teil aus SAVATAGE-Fans zusammensetzte, logischerweise zu Jubelstürmen. Dass dann aber nach Timeless Flight, welches dem kürzlich verstorbenen Engineer und Produzent Greg Marchak gewidmet wurde, und Through The Eyes Of The King zwei weitere Songs der letzten CD, nämlich All The Time und Push It To The Limit aus der Setlist gekürzt wurden, lässt diese Aussage schon wieder etwas fragwürdig erscheinen. Aber um sich darüber ernsthaft aufzuregen ging es viel zu geil weiter, denn es folgte der übliche Endspurt mit Edge Of Thorns, Gutter Ballet und natürlich Hall Of The Mountain King. In insgesamt deutlich über anderthalb Stunde spielten JON OLIVA`S PAIN hier wohl den besten Auftritt, den ich von der Band seit dem legendären Auftritt auf dem ROCK HARD FESTIVAL gesehen habe und beendeten das neunte PROG POWER mehr als würdig. (agony&ecstasy)

Fierce
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