Nicht zum ersten Mal wohnen wir einem Liveauftritt von KANONENFIEBER bei. Und doch ist es jedes Mal spannend zu sehen, was uns diesmal erwartet. Seit drei Jahren verfolgen wir das Geschehen um das Projekt von Noise – und mit jedem Auftritt wird die Show bombastischer, perfekter und extremer. Die Entwicklungskurve ist eine Senkrechte. So lassen wir uns auch heute in den Schützengraben entführen um den historisch belegten Geschichten zu lauschen, die KANONENFIEBER, in saubersten Melodic Death/Black Metal verpackt, zum Besten gibt.
Mit einem gellenden Schrei eröffnen MENTAL CRUELTY ihr Set. Ganz in schwarze Stofffetzen gehüllt, macht Kopf und Sänger der Band, Lukas Nicolai, sofort klar, dass hier kein Platz für Zurückhaltung ist. Im Zuge dieses Deathcore-Brettes gibt es keine Atempause. Fans von Bands wie Lorna Shore erleben ein Feuerwerk aus technischen Riffs, hämmernden Blastbeats und gutturalen Growls, das den ganzen Körper durchdringt.
So steht da oben ein Scream- und Growltier, das uns zeigt, wie menschliche Stimmbänder Disco tanzen können. Die Blastbeats fegen über die Köpfe des Publikums hinweg, während rasende Gitarren offene Münder, pfeifende Ohren und wirbelnde Haare hinterlassen.
Bereits beim Opener „Midtvinter“ knallt die Band ohne Gnade los, gefolgt von der rasenden Brutalität von „King ov Fire“ und dem finsteren, hypnotischen „Helheim“. Jeder Breakdown sitzt, jeder Blastbeat sprengt den Raum, während die Gitarren wie Rasierklingen durch die Luft schneiden.

Die Musik von MENTAL CRUELTY ist keine schlichte Performance, sondern eine Deathcorewalze, die einem die Kehle zuschnürt und die Nackenmuskeln auf Höchstleistung bringt.
Doch es ist nicht nur die Gewalt, die fesselt. Zwischen den Attacken zeigt sich Nicolai als wahres Stimmwunder: seine Screams und Growls wechseln in Lichtgeschwindigkeit, mal kreischend hoch, mal tief wie ein donnerndes Maschinengewehr. Das Publikum reagiert sofort: Circle Pits bilden sich, Haare fliegen, Schweiß tropft, und jeder Song endet in einer kollektiven Erschöpfung, nur um sofort wieder auf die nächste Welle der Aggression zu treffen.
MENTAL CRUELTY Setlist
- Midtvinter (Intro)
- Obsessis a Daemonio
- King ov Fire Helheim
- Forgotten Kings
- Ultima Hypocrita
- Nordlys
- Zwielicht
- Symphony of a Dying Star
MENTAL CRUELTY Fotogalerie



























Als riesige Nebelschwaden die Bühne verschlingen, ertönt – den Auftritt von KANONENFIEBER einläutend – ein markerschütternder Kanonenschlag. Kurz benommen steigt das Publikum dennoch voll drauf ein. Mit tosendem Applaus wird die Band begrüßt, und KANONENFIEBER preschen mit „Die Feuertaufe“ direkt voran – ohne Umwege, ohne Gnade.
Was folgt, ist keine klassische Show, sondern ein durchinszenierter Frontalangriff. Beim Titel „Schuss, Blitz, Knall“ gibt es eine wahre Kanonensalve, die beim Stück „The Yankee Division March“ von meterhohen Feuerfontänen abgelöst wird. Zeitweise scheint das Podium tatsächlich in Flammen zu stehen, während sich Sound, Licht und Pyro zu einem beklemmenden Gesamtbild verdichten.
Verschnaufpausen gibt es nicht, während das Quintett – authentisch gekleidet in den Uniformen deutscher Soldaten des Ersten Weltkriegs – einen sich im Gehör festfressenden Song nach dem nächsten spielt. Die Wucht ist dabei nicht nur musikalisch spürbar: Zwischen den Stücken laufen eingespielte Erzählpassagen, die das Grauen greifbar machen und den Zuhörer direkt ins Schützengraben-Szenario ziehen. Plötzlich ist das hier nicht mehr nur ein Konzert, sondern ein beklemmendes Hörspiel mit Soundtrack.

KANONENFIEBER inszenieren ein akustisches Schlachtfeld, das einen gleichzeitig fasziniert und verstört.
Das Set lebt von Details: wechselnde Bühnenbilder, gezielte Lichtakzente, schauspielerische Einlagen und das ausschweifende Gestikulieren von Frontmann Noise, der die Rolle nicht nur spielt, sondern verkörpert. Jeder Song wirkt wie ein eigenes Kapitel, und doch fügt sich alles zu einem bedrückend stimmigen Gesamtwerk zusammen.
Ein besonderer Kontrastmoment entsteht bei „Das Schicksal, das mir blüht“: Plötzlich wird es still. Noise und Sickfried, Rythmusgitarrist, in Unterhemd und Hosenträgern, sitzen auf kleinen Schemeln und tragen den Song akustisch vor – ohne Lichtshow, ohne Bombast. Gerade diese Reduktion macht den Moment so intensiv und lässt das Publikum den Atem anhalten.
Doch lange währt diese Ruhe nicht. Die Maschinerie fährt wieder hoch, und spätestens im Finale zeigt die Band noch einmal ihre ganze visuelle Wucht. Natürlich darf auch der Flammenwerfer nicht fehlen, den Noise beim abschließenden „Ausblutungsschlacht“ kreisen lässt – ein letztes, loderndes Bild, das sich ins Gedächtnis brennt.

KANONENFIEBER Setlist
- Die Feuertaufe
- Dicke Bertha
- The Yankee Division March
- Die Fastnacht der Hölle
- Der Füsilier I
- Der Füsilier II
- Ubootsperre
- Kampf und Sturm
- Z-Vor!
- Heizer Tenner
- Die Havarie
- Verscharrt und ungerühmt
- Grossmachtfantasie
- Menschenmühle
- Gott mit der Kavallerie
- Panzerhenker
- Der Maulwurf
- Verdun
- Ausblutungsschlacht
KANONENFIEBER Fotogalerie








































