DYNAMO OPEN AIR 1999

DYNAMO OPEN AIR 1999

Dynamo Open Air 1999
21.-23. Mai, Mierlo/Eindhoven

DynaWO????

Freitag
  Sodom
  Anathema
  Therion

Samstag
  Meshuggah
  S.O.D.
  Cradle of Filth
  Manowar

Sonntag
  Mercyful Fate
  In Extremo
  Gluecifer


Freitag, 21.05.

So, das erste Festival der Saison ist vorbei. Ich hoffe nur, daß die noch kommenden Events besser organisiert sind als das diesjährige Dynamo.

Nach einer angenehmen Anfahrt blieben wir kurz nach der Grenze erst mal im Stau stehen. Das war nicht weiter schlimm, schließlich waren wir rechtzeitig losgefahren und hätten eigentlich noch genügend Zeit gehabt, die Zelte aufzubauen und dann die ersten Bands zu sehen. Doch es sollte ganz anders kommen…

Im Stau sahen wir dann das erste Schild auf dem zu lesen war, wie man zum Dynamo kommt. Also folgten wir dem Hinweis und fuhren in Richtung Antwerpen.
Schließlich kamen wir nach Mierlo, wo das Festivalgelände war. Allerdings war es unmöglich, das Festivalgelände zu finden. Es war nichts – aber auch gar nichts – ausgeschildert. Ab und zu standen nette Security-Leute am Staßenrand, die uns freundlich den Weg wiesen. Allerdings schickte uns jeder in eine andere Richtung, was die Sache nicht unbedingt vereinfachte.

Schließlich kamen wir an den Presseparkplatz, dessen Absperrung wir nach eingehender Prüfung unseres Akkreditierungsschreibens auch passieren durften. Womit wir bei der nächsten Schwierigkeit angelangt waren: Nachdem wir die unglaublich dämliche Idee hatten, Benzin und Parkraum zu sparen und darum mit einem Auto, besetzt mit zwei akkreditierten Presseleuten und zwei normalen Besuchern, anreisten, wurde uns erklärt, die Leute ohne Pressekarten müßten um das Gelände herumlaufen und zum Haupteingang reingehen. Das ist in Ordnung und auch verständlich.

Nicht in Ordnung hingegen war, daß unsere normalen Eintrittskarten nicht akzeptiert wurden. Da wir eine Absage bezüglich Pressekarten bekommen hatten, hatten wir normale Eintrittskarten bestellt. Überraschenderweise erhielten wir vier Tage vor dem Festival dann doch eine Zusage. Statt einer Karte, die immerhin 125.- DM kostete, wollte man nochmal 100 Gulden von uns haben. Nachdem es einfach den Rahmen sprengt, 125 DM plus 100 Gulden für ein Festival zu bezahlen, beschlossen wir, erst mal alle zum Haupteingang zu fahren. Das war leichter beschlossen als getan, denn die nicht vorhandene Ausschilderung plus diverser verwirrender Aussagen der am Straßenrand postierten Securitykräfte erschwerten die Suche doch erheblich.

Auf einem Parkplatz an einer Schnellstraße erfuhren wir dann, daß sämtliche Parkplätze besetzt seien, was angesichts der vielen Autos, die – mit Parkticket versehen – und der miesen Stimmung der Leute auf diesem Parkplatz glaubwürdig erschien. Es ist verständlich, daß es Engpässe uns Schwierigkeiten bei solchen Mammutveranstaltungen gibt, aber: Ist es wirklich nicht möglich, nur so viele Parktickets und Karten zu verkaufen, wie Platz vorhanden ist? Anscheinend nicht.

Was tun? Wir fuhren in die nächste Ortschaft, holten dort 200 Gulden am Geldautomaten, stellten unser Auto auf dem Presseparkplatz ab und verschenkten somit unser Parkticket, das zwar mit 25 DM vergleichsweise günstig ist, aber eigentlich ja zum Parken berechtigen sollte, bezahlten zweimal zusätzlich zur normalen Karte 100 Gulden, und Saskia und Fierce machten sich auf die Wanderschaft zu Haupteingang. Inzwischen waren ungefähr 4 Stunden mit Suchen vergangen und wir hatten bereits einige Bands nicht gesehen.

Auf dem Festivalgelände angekommen zeigte sich, daß es verdammt eng zuging und daß es relativ wenig sanitäre Einrichtungen und Essenstände gab. Als wir uns völlig entnervt dann am Treffpunkt wiedersahen, Al fiel ein Stein vom Herzen, als er uns 5 Stunden nach der vereinbarten Zeit dann doch fand, hatten wir schon wieder ein Problem: wohin mit dem Zelt?

Und, oh Wunder, es gab einen Grund zur Freude: Einer der Besucher hatte offensichtlich Mitleid mit uns und gab uns einen Tip, wo es noch Platz zum Campen hat. Etwas mißtrauisch folgten wir seiner Richtungsangabe (wer den ganzen Nachmittag mit Worten wie ‚erst links, dann geradeaus und schon seit ihr dort‘ zugetextet wird, hat irgendwann kein so großes Vertauen mehr in seine Mitmenschen) – und tatsächlich, eine freie Wiese lag vor uns.

Inzwischen wars dunkel, mit Hilfe einer Taschenlampe ertasteten wir Zeltstangen, Planen usw und schließlich standen die Zelte und das Nötigste (soll heißen, daß was wir vom Auto mitnehmen konnten) war verstaut. Wie wir die restlichen Klamotten und ähnliches vom Parkplatz zum Zeltplatz bringen sollten, war uns zu diesem Zeitpunkt noch schleierhaft. Doch nun hatten wir erst mal Hunger, da mußten eben auch Sodom auf uns verzichten. Tak hat sie allerdings gesehen, hier ist sein Bericht.


SODOM
Es gibt einfach Bands, mit denen verhält es sich wie mit gutem Wein, sie werden im Alter immer besser. Naja, Sodom werden nicht unbedingt besser, aber immer wertvoller, da sie von allen großen Thrashies der 80‘ziger einfach am ursprünglichsten geblieben sind. Sie ziehen ihr Ding auch live „straight in your face“ durch. So fingen Sodom mit dem druckvollen „Wachturm“ ihren Trip durch den Thrashmetalhimmel an. Schon nach diesem Gassenhauer hatten sie IHR Publikum im Griff, wie es auf dem Dynamo nur noch S.O.D. schafften, die es wohl auch als einzige vom Kultstatus her mit Sodom aufnehmen konnten. Dementsprechend war dann auch die Setlist mit Klassikern wie „Outbreak of Evil“, „Remember the Fallen“ (aus akutem Anlass „Remember the Fohlen“), „Ausgebombt“ (mit kultig politisch korrekt – unkorrekter Ansage), „Die Stumme Ursel“ (mit noch kultigerer Ansage (nicht jugendfrei, sorry)) oder „Aber bitte mit Sahne“ gespickt.

Vom neuen Album „Code Red“ gab’s den Titeltrack und einen Song Namens „The Wolf & Lamb“, definitiv gute Songs, aber noch lange nicht mit dem üblichen Mitgröhpotential, kommt vielleicht ja noch. Ansonsten outete sich Onkel Tom, als Gelsenfan (weia, Tom, muss das sein?), außerdem war die Spielzeit von „Uns Engelrippchen“ und seinen Jungs viel zu kurz. Ich hätte mir noch locker Klassiker wie „The Crippler“ oder „Sodomy and Lust“ reinpfeiffen können (oder Bombenhagel und Stalinorgel in ganzer Länge). Vielleicht Lacuna Coil streichen? Naja, da würde ich wohl Ärger mit Al kriegen…

Wir dachten uns, 40 Minuten reichen ewig, um vier Portionen Pommes zu erstehen, doch auch damit lagen wir wieder falsch. Nein, es dauerte viel länger und somit hatten wir auch den kompletten Auftritt von Lacuna Coil verpasst (ganz zu schweigen von den Interview, das wir vor ihrem Auftritt mit der Band hätten führen sollen).

Also war die erste Band, die wir freitags zu Gesicht bekamen, Anathema. Um die zeitlichen Dimensionen mal klar zu machen: Wir sind um 12 Uhr von Stuttgart losgefahren, waren um 17 Uhr in Eindhoven und Anathema spielten um 0:55.
Doch genug gejammert, wenden wir uns Anathema und dem letzten Gig am Freitag von Therion zu:


ANATHEMA
Nach erwähnten Lacuna Coil spielte dann das nächste Highlight des Abends zum Tanze auf, Anathema. Diese Briten schafften es, eine herrlich melancholische Stimmung ins kleine Partyzelt zu zaubern, wie ich sie zuletzt bei Secret Discovery anno 1997 erlebt habe. Spieltechnisch waren sie mal wieder zwei Nasenlängen voraus, da sage noch mal einer, Anathema würden sich nur von Rauchwaren ernähren. Aber bei einer Band, die jetzt schon das dritte geniale Album in Folge herausgebracht hat, kann man wohl gar nichts anderes erwarten. So füllte sich mit Anathema endlich wieder ein weißer Fleck auf meiner Live-Gig-Karte und ich kann’s nur sagen: Zieht sie euch bloß mal rein! Natürlich waren auch Anathema viel zu kurz, auch hier gab es nur die Hits und so entließen sie ihr Publikum mit einem finalen „A Dying Wish“ (und das sogar druckvoll gespielt) in die Nacht. Schön war’s.

Den Abschluß des nervenaufreibenden Freitags bildeten dann gegen 2 Uhr morgens Therion. Hier ist der Bericht.


THERION
Vor zwei Jahren durften Rage zusammen mit dem Lingua Mortis Orchester dem Publikum zeigen, was Bombast ist; in diesem Jahr waren Therion an der Reihe.
Von einem Orchester zu sprechen, wäre zu hoch gegriffen, Therion wurden von ein Paar Violinen, Celli und einem Kontrabaß unterstützt.

Therions Musik zeigt auf der akustischen Ebene eine gelungene Verbindung von Klassik und Metal, bei diesem Auftritt konnte man dieser Verbindung auch sehen: Christofer Jonsson und seine Männer zeigten typisches Heavy Metal Stageacting, mit Gitarrengepose und Headbangen. Umrahmt wurden sie von den klassischen Musikern, die artig dasaßen beziehungsweise dastanden und sich auf ihre Instrumente konzentrierten und den Sängerinnen Sarah und Martina (Dreams of Sanity) sowie einer männlichen Stimme auf der anderen Seite.

Bei den ersten Songs gab es noch leichte Soundprobleme, das Schlagzeug war zu laut und drängte die klassischen Instrumente in den Hintergrund, was sich aber später besserte.

Die bombastisch arrangierten Stücke entführten das Publikum ein eine andere Welt, vergessen war aller Ärger des vergangenen Tages, der Gestank und die schmerzenden Beine. Live und mit Orchesterbegleitung verströmen Songs wie „To Mega Therion“ eine Intensität, der man sich kaum entziehen kann, gegen die Gänsehaut am ganzen Körper ist man machtlos. Und dennoch rutschten Therion nie ins Pathetische ab; die Song waren ergreifend hatten aber noch genug Power um nicht kitschig oder überladen zu wirken.

Therion spielten erstaunlich viele Stück vom neuen Album „The Crowning of Atlantis“, die von Publikum fast genauso gefeiert wurden, wie die bereits bekannten Tracks von „Vovin“ oder „Theli“.

Nach dem tollen Auftritt von Therion machten wir uns auf den Weg zum Zelt. Dort erlebten wir die nächste böse Überraschung: Unsere schöne, eigens für Festivals von Saskia eigenhändig angefertigte Vampster-Flagge war verschwunden. Irgendwie scheint es von Jahr zu Jahr mehr Arschlöcher auf dem Dynamo zu geben, die lieber randalieren und zerstören als sich auf die Musik zu freuen und eine Riesenparty zu feiern. Wenn jemand eine Band-Flagge klaut, um sich diese zuhause selbst aufzuhängen, finde ich das zwar auch ziemlich daneben, aber ich verstehe es eher. Warum aber jemand aus „Spaß“ Dinge abbaut oder aus dem Boden reißt, verstehe ich nicht. Nun gut, die Flagge inklusive Fahnenstange war weg. Ziemlich sauer verkrochen wir uns in unsere Zelte.


Samstag, 22.05.

Nach einer Nacht, in der ich in meiner ausgeprägten Abneigung gegen Hunde aller Art mal wieder bestätigt wurde, da mindestens 5 dieser blöden Viecher nichts besseres zu tun hatten, als die ganze Nacht und den ganzen Vormittag zu bellen und somit alle wach hielten, hofften wir, daß der nächste Tag besser würde.

Am Samstagmorgen war immerhin das Wetter schon mal gut, und so freuten wir uns auf die Bands. Allerdings sehen wir statt der Bands zunächst die nähere Umgebung von Mierlo, da wir auf den ShuttleBus zum Parkplatz warteten, weil wir am Abend zuvor wirklich nur das Allernötigste mit auf das Festivalgelände tragen konnten…


Doch der Nachmittag sollte endlich festivalmäßig werden: Mit viel Sonne, vielen Bierchen und viel Spaß verging dieser, wir sahen ein paar gute Shows und waren glücklich. Zu bemängeln sind aber die Preise, es war schlicht und einfach alles zu teuer, angefangen bei den Shirts für 45/65 Gulden (entspricht etwa ebenso vielen DM) bis zu einer mickrigen Pizza für 10 Gulden.


MESHUGGAH
Doch bevor der Nachmittag richtig anbrach, vergewaltigte ich Fierce zur härtesten Band der Welt: MESHUGGAH.

Die fünf Freunde aus Schweden zeigtem dem mit offenen Mündern dastehenden und moshenden Festivalgängern, was eine Harke ist: Ihr völlig verrückter Neo-Thrash sägte sich knirschend aber ohne mit der Wimper zu zucken in jedes bewegliche Körperteil der Zuhörer.
Was diese Band ganz locker dastehend und sogar posend darbot, hat die Welt noch nicht gesehen: Hochkomplexe Rhythmusstrukturen, die durch noch schwierigere Breaks zum absoluten Wahnsinn getrieben werden.

Völlig unkommerziell wurden die Songs, die mehrheitlich von None, Destroy Erase Improve und Chaosphere stammten, mit unglaublicher Wucht ins Publikum gebalsen.
Beide Daumen hoch für diese unglaubliche Band.


S.O.D.
Billy Milano wurde fetter, Scott Ian trägt schon lange keine Haare mehr auf dem Kopf, viel ist passiert in den letzten 14 Jahren – nur Danny Lilker sieht immer noch aus, als ob er schon tot sei.


Es gibt dutzende Bands, die inzwischen dieselbe Mischung aus Hardcore und Metal machen, mit der S.O.D. damals für Aufsehen sorgte. Daß das Urgestein noch nicht abgemeldet ist, bewies das neue Album „Bigger than the Devil“, das frischer und besser klingt als die Machwerke manch jüngerer Bands.

Doch können die Amis live noch mithalten? Ums kurz zu machen, sie können!
Und das, obwohl es nicht unbedingt einfach ist, S.O.D.-Shows zu bewerten, da man schließlich froh sein kann, wenn man sie überhaupt live sieht. Entsprechend war auch die Stimmung im Publikum, es wurde gepogt, daß die Schwarte krachte. Die schlammverschmierten Leute, die nach dem Gig aus den vorderen Reihen zurückkehrten, bewiesen das.


Auf der Bühne hingegen lief alles ganz entspannt und locker ab: Billy stampfte über die Bretter, Scotty und Danny ließen die Köpfe kreisen und hatten sichtlich Spaß auf der Riesenbühne vor Riesenpublikum zu spielen, was sie dem Publikum mehrfach mitteilten. Und daß, obwohl laut Billy der Geruch an eine „huge toilet“ erinnerte. Daß die alten Stücke von „Speak English or Die“ ankommen, steht außer Frage, die neuen Sachen scheinen allerdings noch nicht so bekannt zu sein, die Stimmung schwankte.
Die Tracks vom Debutalbum wurden gefeiert, die neuen zur Kenntnis genommen.

Wurden beim With Full Force vor zwei Jahren Manowar auf die Schippe genommen, damals fuhren S.O.D. mit Mini-Motorrädern auf die Bühne, war dieses Jahr King Diamond dran: Als Einleitung zum Song „King at the King/Evil is in“ erklärte Billy, wie dieser seinen Burger bestellt. Dazu schraubte er seine Stimme in die Tonlage des Kings hoch und sang: „One Whopper withouhouhout Pickels“.

Ein schöner Auftritt, der auf die oft viel zu verkrampfte Hardcore Attitude verzichtete und statt dessen Spaß bot, und bei dem sich so mancher Ordner als S.O.D.-Fan zu erkennen gab, indem er lauthals die Songs mitgröhlte.



Der weitere Verlauf des Nachmittags wurde durch den Genuß diverser Alkoholika (gruß an die Waldecker-Fraktion um Tak mit ihrem Tetrapack-Rotwein *g*), das Aussuchen einer Sonnenbrille für Fierce, der plötzlich Heuschnupfen bekam, und dergleichen bestimmt.


CRADLE OF FILTH

Aua! Cradle of Filth, die Grossmeister des Black Metal aus England, sind zurück. Warum aua? Dazu komm ich später noch.

Begonnen wurde die Show im Vorprogramm von Manowar mit ihrem altbekannten „Ave Satanae“-Intro, welches anscheinend aus dem Omen III-Soundtrack stammt und ein typisches Klassik-Horror-Stück ist, welches stark an den ersten Teil von Carl Orffs „Carmina Burana“, nämlich „O Fortuna“ erinnert.

Hernach kamen Cradle of Filth auf die Bühne, was mein Fan-Herz schon im rasenden Takt von „The forest Whispers my Name“ (welches später noch gespielt werden sollte) flattern liess. Doch dann der Schlag ins Gesicht (virtuell): Hinter dem Schlagzeug sass leider nicht mehr der überaus freundliche Riese Nicholas Barker, der momentan bei Dimmu Borgir trommelt, sondern ein Aushilfschlagzeuger, wahrscheinlich David Hirschenheimer, da der Drummer auf der Bühne doch immerhin besser wirkte als WAS auf „From the Cradle to Enslave“. Doch ich möchte nicht der Mann sein, der in Nick’s Fussstapfen treten muss.
Der Gig war gut, nicht super, aber auch nicht schlecht.

Positiv war vor allem, dass Sarah herself wieder singt (jaaaaa!). Auch war die Bandperformance alles in allem sehr gut. Schön wirkten die Pyros, die ich das erste mal bei einer Cradle-Show gesehen habe. Die Auswahl der Songs entsprach mehr oder minder dem, was wir schon an den letzten Gigs von CoF gehört haben, einer Melange aus älterem und neuerem Material.

Negativ stiessen mir aber vor allem das werkeln des Drummers auf (Dani: „Please hail to our new drummer! It’s only his second gig… and he has no legs!“), welches gewisse Teile der Songs völlig verhackte. Schade, das. Zum Glück sucht die Band ja immer noch nach einem permanenten Ersatz für Nick.

Dann war da noch ein miserabler Sound. Das heisst: Für ein Festival war der Sound nicht einmal so übel, aber für Cradle of Filth mit ihren absolut komplizierten Strukturen klang’s einfach zu sehr nach Müsli.

Dann waren da noch die Horden von besoffenen holländischen und deutschen (jaja!) Fans, die nicht einfach die Musik geniessen können, sondern natürlich crowdsurfen und moshen müssen (zu Black Metal! Ignoranten!). Daraus resultierte auch mein aua. Ich bekam ca. in der Hälfte des Gigs einen Holländer auf den Kopf, wobei ich mir fast die Zunge abgebissen habe. Naja, es hat geblutet wie nix. Danach hab ich die andere Hälfte des Gigs mit rasenden Kopfschmerzen verbracht, was meine Beurteilung der Dinge vielleicht auch etwas beeinflusst hat…

Fazit: Ich warte, bis Cradle of Filth wieder hier in der Nähe spielen. Black Metal auf Festivals: Irgendwas stimmt da nicht.

Nach Cradle verweilten wir gleich auf der Main Stage, um uns an den selbsternannten Königen zu ergözen:


MANOWAR
Für den Auftritt von MANOWAR wollte am Samstag bei mir irgendwie lange Zeit keine richtige Freude aufkommen, aus welchem Grund auch immer. Eine Abneigung gegen das enorme Gedränge bei den Headliner-Auftritten mag da eine große Rolle spielen, aber egal.

Wir beschlossen also, uns lieber etwas weiter hinten aufzuhalten und uns den Gig von weitem in aller Ruhe und mit viel Bewegungsfreiheit anzusehen.
Als dann die Intro-Musik einsetzte, die ja bekanntlich immer einige Minuten läuft, kam in mir aber ein immer größer werdendes Fiebergefühl auf und meine Anspannung wuchs mit jeder Sekunde. Als dann die ach so vertrauten Sätze ‚Ladies and Gentleman, from the United States of America, all hail, MANOWAR!‘ aus den Boxen dröhnten, gab es für mich kein Bremsen mehr.

Egal, was die Leute um mich herum denken sollten, ab jetzt war bangen und mitsingen angesagt! Zumindest für den ersten Teil des Sets, der aus absoluten MANOWAR-Hymnen bestand, angefangen mit ‚MANOWAR‘ und fortgesetzt mit Songs wie ‚March for Revenge‘ oder ‚Kill with Power‘. Songs, von denen jeder echte MANOWAR-Fan jede einzelnen Buchstaben auswendig kennt So habe ich MANOWAR kennen und lieben gelernt und von mir aus hätte es auch genau so den ganzen Abend weitergehen können.

Doch leider meinte die Band, einen üblen Schnitt im Mittelteil des Sets machen zu müssen und recht schnell wurde ich aus meiner Euphorie wieder herausgerissen. Dabei waren die üblichen Show-Elemente, wie ein Frau aus dem Publikum, die ihre Brüste der Menge entgegenreckt oder der Fan, der mit der Band Gitarre spielen darf, noch das kleinste übel. Was bitteschön haben sich MANOWAR dabei gedacht, ausgerechnet diesen üblen Disco-Stampfer ‚Twilight Zone‘ live zu covern? Was hat das mit True Metal zu tun? Und auch die restlichen Songs des Sets konnten mich nicht mehr sehr versönen, Songs wie ‚Power‘ und andere neue Werke können mit dem alten Jahrhundertmaterial einfach nicht mithalten.

Lediglich ‚Hail and Kill‘ hat es geschafft, mich nochmal richtig zu begeistern, ansonsten wurde ich aber doch recht schnell abgekühlt.

Oh Mann, dieser Auftritt hätte für mich ‚der‘ Festival-Gig des Jahres werden können, aber leider hat es die Band zu gut mit den Fans der neueren Sachen gemeint.

Ehrlich gesagt frage ich mich auch, ob manche Menschen ihren Verstand am Einlaß abgeben. Spätestens bei Manowar zeigte sich nämlich wieder, daß es dieses Jahr mehr als genug Idioten gab.

Gegen ein Feuerchen ist nichts einzuwenden, und auch an das übliche Abfackeln von Zelten usw haben wir uns im Laufe der Jahre gewöhnt. Dennoch erscheint es mir reichlich hirnlos, Kunststoffe aller Art zu verbrennen, und dann auch noch Campingstühle usw. in das Feuer zuwerfen, zumal die Zelte bereits am Samstag brannten. Nicht nur, daß die schwarzen Rauchwolken nicht unbedingt gesund sind. Ich frage mich, wie lange das Dynamo noch umziehen darf, bis sich keine Gemeinde mehr findet, die ein komplett verwüstetes Gelände und giftige Rauchschwaden in Kauf nimmt. Wenn weiterhin in diesem Maß randaliert wird, wird es wohl bald kein Dynamo mehr geben! Gerüchten zufolge müssen die Veranstalter bereits für das nächste Jahr etwas neues suchen, da in Mierlo wegen diesen Vorkommnissen kein Dynamo mehr stattfinden wird!

Am Zelt angekommen, freuten wir uns, daß es noch stand. Doch es gab schon wieder einen Grund sich zu beschweren. Auf dem Zeltplatz knatterte plötzlich ein Motorrad an uns vorbei, dessen Fahrer offensichtlich völlig dicht war. Nicht daß er seinen Fahrstil seinem Zustand angepasst hätte, im Gegenteil, so mancher konnte sich nur durch einen beherzten Sprung in Richtung Zaun retten. Warum werden Nutellagläser eingezogen und zeitraubende Einlaßkontrollen durchführt, wenn irgendwelche Irre mit schweren Bikes zugedröhnt über den Zeltplatz schlingern dürfen?

Mit etwas Bedenken verschwanden wir in unseren Zelten.


Sonntag, 23.05.

Am Sonntag Morgen waren wir – wieder – hundemüde, und das im doppelten Wortsinn. Nach dem üblichen Frühstück bestehend aus 5 Minuten-Terrine und anderen Leckereien machten wir uns auf zu Mercyful Fate, die imo zur völlig falschen Zeit spielen mussten.


MERCYFUL FATE
Was MANOWAR am Abend nicht zustande brachten, sollten am Sonntag Nachmittag gleich zu Beginn des Festivaltages MERCYFUL FATE schaffen. Ein Gig, der mich von erster bis zur letzter Minute restlos begeisterte und faszinierte.


Die Band schert sich immer noch einen Dreck um die Trends, die um sie herum ablaufen und so durfte man einen Gig erleben, wie man ihn heutzutage viel zu selten zu sehen bekommt. Bei einem MERCYFUL FATE-Gig gibt es kein Gehopse und Gepoge, ehrlicher Heavy Metal ist angesagt, zu dem man abbangen kann bis einem die Haare abfallen.

In bester Gitarristen-Tradition bewegen sich die 3 Klampfer auf der Bühne, kommunizieren auf ihre Art mit dem Publikum und haben sichtlich Spaß mit ihren Instrumenten. Allen voran hat aber selbstverständlich der King sein Publikum bestens im Griff und weiß genau, was diese von der Band sehen und hören wollen.
Altes wie neues Material der Band gab es in einer ausgewogenen Mischung zu bewundern und die alten Herren machten den Jungen vor, wie man interessante, vertrackte und mitreißende Songs zu schreiben und darbieten hat.

‚Curse of the Pharao‘, ‚Evil‘ oder ‚A Dangerous Meeting‘ sind nur ein paar Songs, die die Band in ihrem viel zu kurzen Set zum besten gab und mit ‚Last Rites‘ wurde auch einen Song vom neuen Album geboten.


Mit Ansagen wie ‚so you wanna hear some of our shorter songs‘ (zu ‚Come to the Sabbath‘) konnte der King genauso Sympathien erhaschen, wie auch durch seine Aufforderung, diesen gottverdammten Fußballsong zu singen, worauf sich dann doch recht zögerlich ein großes ‚oleoleoleole‘ vor der Mainstage entwickelte. Der King verabschiedete sich dann zuletzt vom Publikum, indem er sich symbolisch das Herz aus dem Leib riß und in die Menge warf und es war zu Schade, daß die Band den Zugaberufen nicht nachgeben konnte.
‚Der‘ Gig des Festivals!

Die nächste Band, die wir uns zu Gemüte führten, war


IN EXTREMO
Auch hier verpassten wir die ersten Songs. Wir standen schon am frühen Nachmittag auf dem Weg zwischen Campingplatz und Camp Stage minutenlang in einer Masse Leute, ohne daß es auch nur einen Meter vor oder zurück ging. An dieser Stelle ein herzliches „Danke!“ an die Veranstalter, gute Planung, das..!

Schade war es auf jeden Fall, denn was die Jungs auf der Bühne zeigten, war absolut mitreißend. Im Publikum war die Hölle los, überall wurde getanzt und gefeiert. Das Zelt war vollgestopft mit In Extremo Fans, die Band wurde wie ein Headliner gefeiert. Endlich kam richtige Festivalstimmung auf, es war eine Riesenparty, die einfach Spaß machte.

Bei Songs wie „villeman og manhild“ tobte die Menge, sogar BlackMetal-Fans in voller Corpspaint, die auf die folgenden Bands der BlackStage warteten, ließen sich von der Musik und der Atmosphäre mitreisen. Allerdings war die Songsauswahl nicht unbedingt glücklich, bei „Rotes Haar“ knickte die Stimmung ein klein wenig ein, doch spätesten beim „Palästinalied“ war wieder Party angesagt.

In Extremo zeigten ein nicht alltägliches Stageacting, schon die Bühnendekoration war gelungen, viel rotes Licht und ein Galgen sorgten für den passenden Rahmen für die Spielleute, die über die Bühne wirbelten. Die Musiker, die in altertümliche Klamotten gewandet waren, wirbelten mit ihren teilweise ungewöhnlichen Instrumenten über die Bühne und hatten soviel Spaß an ihrem Auftritt, daß man sich gerne von ihrer Begeisterung anstecken ließ.

Ein toller Auftritt der Mittelalterfans, mit dem sie sicher den ein oder anderen neuen Fan gewinnen konnten, allerdings schienen die Holländer nicht unbedingt begeistert davon, daß sämtliche Ansagen in Deutsch gemacht wurden.


Da die Schlangen vor den Essensständen und den Klos dieses Jahr länger und länger waren, verpassten wir die ein oder andere Band, was auch daran lag, daß die angegeben Zeiten wohl eher als grober Richtwert zu verstehen waren. Apocalyptica spielten zu früh, und so ging es grad weiter. Dazu kamen die teilweise überaus gründlichen Kontrollen vor der Mainstage, so daß man den ersten Songs der Bands, die man eigentlich hatte sehen wollen, immerhin von 300m Entfernung lauschen konnte.


GLUECIFER
Viele hatten sich für Metallica und gegen Gluecifer entschieden, was zur Folge hatte, daß sich nur wenige Menschen vor der Bühne des Skatefests einfanden. Gluecifer waren darüber nicht enttäuscht, denn sie zeigten – ungeachtet der wenigen Fans – eine klasse Show!

Die Norweger fetzten los – nach einem selbst durchgeführten Soundcheck, dessen Sinn dahingestellt sei, da man sich nicht auf eine einheitliche Lautstärke der Gitarren einigen konnte. Das Gebaren der Musiker erinnerte an eine Nachwuchsband, sobald Gitarrist Raldo Useless seinen Master-Volumeregler etwas weiter nach rechts bewegte, legte sein Kollege Captain Poon sofort nach. Rock n‘ Roll eben.


Die rotsamtenen ‚Entertainer-Hemden‘ der Norweger waren recht schnell naßgeschwitzt, mit ganzem Herzen ballerten sie einen Song nach dem anderen ins Publikum, wo Skater und Metaller in friedlicher Eintracht pogten und posten.

Sänger Biff Malibu zeigte wieder einmal eindrucksvoll, wem der „Rock Thorne“ eigentlich gebührt. Sein Stageacting – und auch das seiner Kollegen – grenzt manchmal hart an das pure Rock n‘ Roll-Klischee. Was die Norweger an Posen wie Hüftschwung draufhaben ist beachtlich. Besonders Biff stolziert wie einst Elvis auf der Bühne herum, reckt seinen Bauchansatz in die Luft und fuchtelt und gestikuliert wie ein Irrer. Die Gitarristen spielen auf Knien, im Liegen, mit dem Fuß auf der Monitorbox, aber immer mit vollem Körpereinsatz. Und trotz dem Image der Band merkt man deutlich, daß sie Rock n‘ Roll leben und aus voller Überzeugung so sind wie sie sich präsentieren.

Die Songs, die vom aktuellen Album „Soaring with Eagles at night to rise with pigs in the morning“ wie auch vom Vorgänger „Ridin‘ the Tiger“ waren, wurden eine ganze Ecke schneller und heftiger als auf CD gespielt. Bei der Hymnen „Bounced Cheeks“ und „The Year of Manly Living“ war das fast schade, denn durch die gesteigerte Geschwindigkeit verloren die Songs die Intensität, die sie auf Platte so schön machen.

Gluecifer hätten sich keinen besseren Rahmen für ihren Auftritt wünschen können, der Bierstand in unmittelbarer Nähe, viel Bewegungsfreiheit für das Publikum, so daß alle fröhlich abbangen, mitsingen und mitposen konnten dazu am Horizont die untergehende Sonne. Die Poserkönige hatten Spaß und machten Spaß, Biff konnte sich die ein oder andere Ansage wie „Who is James Hetfield“ oder Blackmetalgekreische zu „Lord of the Dusk“ nicht verkneifen.

Ein toller Auftritt, der zeigte, daß die vier Rotzlöffel die wahren Rockstars sind – und nicht gewisse Amis, die sich neuerdings als solche ausgeben.

Schade war nur, daß sich nach dem Konzert ein Skater auf sein cooles Image besann und mich und meine Schwester dumm anmachte, da seiner Meinung nach „Blackmetal-Fotzen“ wohl nichts bei dieser Band verloren hätten.

Das „Power Pack“, das wir eigentlich gerne gesehen hätten, fiel der Müdigkeit zum Opfer und so setzten wir uns noch vors Zelt und kochten etwas, was angesichts der Preise auch vonnöten war.

Die Abreise glich wiederum einem kompletten Chaos, kein Mensch konnte uns sagen, wo der Bus zum Presseparkplatz abfährt. Immer auf der Hut vor explodierenden Gaskartuschen und Dixiklos wanderten wir an brennenden Müllcontainern, Zelten, und schlechtgelaunten Besuchern vorbei.

Nachdem wir endlich die richtige Abfahrtsstelle erwischt hatten, weigerte sich der Securitymensch hartnäckig – um mal was positives zu sagen, er war der einzige, der nicht freundlich war, alle anderen teilten uns freundlich mit, wohin wir müssen, allerdings unterschieden sich die Vorschläge erheblich – uns in den Bus zu lassen. Er wollte einfach nicht verstehen, daß wir nicht zum regulären Parkplatz P2 wollten, sondern zum Presseparkplatz P2, an dem der Bus vorbeifuhr. Es war nichts zu machen, er blieb stur und beharrte darauf, daß dieser Bus nicht am Presseparkplatz vorbeifahren würde, obwohl es offensichtlich war, daß er dran vorbeikommen mußte, es sei denn, er fuhr querfeldein. Nach etlichen Diskussionen beschlossen wir, zu Fuß zu gehen.

Doch das war auch nicht möglich. Das Festivalgelände war total abgesperrt und ein Ordner erklärte uns, es gäbe die Anweisung, keinen hinaus zu lassen. Das konnten wir einfach nicht glauben, und irgendwann ergab sich die Gelegenheit, an einem unaufmerksamen Ordner vorbei auf die Straße zu gelangen. Und dann hieß es wandern. So richtig aufgemuntert wurden wir von den uns überholenden Bussen, die ja angeblich nicht am Presseparkplatz vorbeifahren. Mit mieser Laune und einigem an Gepäck machten wir uns auf eine 7km Wanderung zum Auto gefasst. Doch, welche Überraschung, nachdem wir das Gelände umrundet und 3 km hinter uns gelassen hatten, sahen wir, das vom Hinterausgang der Mainstage doch noch ein Bus zum Presseparkplatz fährt, der uns dann auch mitnahm.

Wir sind weder besonders empfindlich noch Festival-Neulinge. Dennoch bin ich der Meinung, daß man für den Preis (der ja von Jahr zu Jahr steigt) mehr erwarten kann. Positiv war dieses Jahr eigentlich nur zu vermerken, daß die Klos und Duschen sauber waren und daß es auch genügend davon gab und daß die Security wie immer nett und freundlich war, wenn sie auch keine Ahnung hatten, wo welcher Bus abfährt.

Die An- und Abreise war ein totales Chaos, es waren zu viele Karten und Parktickets verkauft worden, nichts war ausgeschildert und keiner schien so richtig Bescheid zu wissen. Weniger Karten zu verkaufen und die Möglichkeit, das Auto – wie es bei anderen Festivals ja auch möglich ist – in der Nähe des Zeltes abzustellen wäre eine bedeutende Verbesserung. Mir ist es lieber keine Karte mehr zu bekommen, als eine teuer zu bezahlen und dann vor einem überfüllten Park- oder Zeltplatz zu stehen und dadurch den kompletten Freitag im Auto auf der Suche nach einer Parkmöglichkeit oder einem Zeltplatz zu verbringen!

So bleibt uns nur abzuwarten, was die Veranstalter für nächstes Jahr planen. Soll das Dynamo unter den selben Umständen nochmals stattfinden, bleibt für uns nur ein Fazit:


DynaNO!

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.