DOOM SHALL RISE II: Der Festivalbericht

Der Bericht zum DSR II am 02. und 03. April 2004 in der Chapel/Göppingen mit The Doomsday Cult, Spancer, Wall of Sleep, Pantheist, While Heaven Wept, Penance, Orodruin, Drecksau, Northwinds, Shepherd, Spiritus Mortis, Thee Plague of Gentlemen, Mourning Beloveth und Count Raven

Das Festival

Freitag, 02.04.2004

The Doomsday Cult | Spancer | Wall of Sleep | Pantheist | While Heaven Wept | Penance

Samstag, 03.04.2004

Orodruin | Drecksau | Northwinds | Shepherd | Spiritus Mortis | The Plague of Gentlemen | Mourning Beloveth | Count Raven

Das Festival

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Doom Shall Rise II – neue Location, andere Bands, gleiches Konzept, selber Erfolg.

Es war definitiv richtig, dass sich die Veranstalter des größten Doom-Festivals in Europa weiterhin auf ihren Riecher und das Bauchgefühl verlassen haben. Der Doomer mag von Natur aus nicht, wenn alles, was um seine Musik rankt, in irgend einer Form künstlich aufgeblasen wird. Bodenständig soll es sein, vielleicht mit einem Schuss Träumerei versehen, aber auf keinen Fall dick aufgetragen.

DoomEine alte Kirche als Location würde da sicherlich nicht ganz in diese Argumentation passen, wenn das ganze mit einem großen Zauber versehen worden wäre. Die Auswahl der Chapel als Ort des Geschehens fällt in dem Fall aber vielmehr in die Kategorie Träumerei – zur Musik passt ein derartiges Venue allein von der Sache her perfekt und die schlichten Begebenheiten vor Ort wirkten alles andere, als hätte man die Örtlichkeit an sich für seine Zwecke ausbeuten wollen. Vielmehr stellte sich das mit einem leichten Texmexeinschlag versehene Gemäuer (manch einer wartete vergeblich, dass aus dem Glockenturm endlich Antonia Banderas herauslugte) als hervorragender Austragungsort heraus, dessen Möglichkeiten man zum Glück nicht vollends ausnutzte. Es spricht für die Organisation, dass die Kapazitäten der Chapel nicht vollends ausgeschöpft wurden, so dass die ausverkaufte Veranstaltung zwar gut-, aber bei weitem nicht überfüllt war. So was ist der Stimmung im Publikum sehr zuträglich, wenn sich dann (eine sehr gute Verbesserung zum vergangenen Doom Shall Rise) auch noch mit der Krypta-Kellerbar eine gute Ausweich- und Erholungsmöglichkeit anbietet und man zudem tagsüber auf der gegenüberliegenden Wiese die Sonnenstrahlen genießen konnte, während man dennoch auf angenehme Weise den Bands im Innern der Chapel zuhören konnte, dann waren das einfach ideale Voraussetzungen für ein angenehmes Festivalwochenende.

Doom

Schade, dass die Essenspreise dagegen nicht ganz so angenehm ausfielen. Mit u.a Schupfnudeln, Wilden Kartoffeln, Gemüseburger und belegten Baguettes bot man zwar eine interessante Alternative zur üblichen Wurst mit Pommes, die hohen Preise konnte man damit aber nicht wirklich rechtfertigen. So konnten Nicht-Selbstversorger, wenn sie denn nicht lieber zu Möglichkeiten in Göppingen selbst ausweichen wollten, an diesem Wochenende trotz des bemerkenswert niedrigen Eintrittspreises ganz schön Geld liegen lassen. Ganz besonders natürlich dann, wenn man zudem noch zur Spezies der Jäger und Sammler gehört und bei der kleinen, aber für Doom-Fans sehr gut sortierten Tradingecke ein ganzes Monatsgehalt hätte liegen lassen können. Derart geballte Möglichkeiten des Schnäppchenmachens und Raritätenpickens sind da fast schon zu verführerisch, zumal man hier auch noch Musikern direkt die begehrte Ware abnehmen konnte.

Dass beim Doom Shall Rise der Kontakt zwischen Bands und Fans geradezu selbstverständlich ist, muss man an dieser Stelle eigentlich auch gar nicht weiter ausführen – die Doomgemeinde ist und bleibt eine groß…nein, kleine Familie.

Wenn die kleine Familie dann aber in geballter Form für große Jungs und Mädels muss, dann kann es leider auch mal sein, dass ein paar wenige Klos nicht ausreichend sind, und man mit den unangenehmen Nebenfolgen zu kämpfen hat: Rohrverstopfung. So mussten die Toiletten zeitweise schlicht zugemacht werden und so geriet die umgebende Flora recht schnell ins Interesse der Zuschauerschaft, was man in Zukunft vielleicht dadurch auffangen könnte, indem man vorsichtshalber einfach noch 5-6 Dixies vor die Tür stellt – die Erfahrung muss man halt erstmal sammeln.

Ansonsten war es wieder einmal interessant, was für eine bunte Palette an Fans das Doomgenre so anzieht. Auch wenn die musikalischen Präferenzen klar definiert sind, trafen auch dieses Jahr wieder die unterschiedlichsten Typen aufeinander, unter denen sich so manche markige Persönlichkeit befand (ich denk da nur beispielhaft an den Zeitgenossen, der es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, bei jeder einzelnen Band mindestens einmal kniend auf der Bühne die Luftgitarre zu schwingen). Aber das ist fein so, das bringt Charakter in die Sache.

Was man aber auf jeden Fall gemein hatte, war das Interesse an einer friedlichen Veranstaltung und vermutlich dürften vor allem die Betreiber der Chapel das zweite Doom Shall Rise in sehr positiver Erinnerung behalten. Security war dieses Jahr auf jeden Fall keine mehr da, und dass diese nicht benötigt wird, hat sich wieder eindeutig bestätigt.

Doom

Also Belohnung für dieses Verhalten gab es von den Veranstaltern einen amtlichen Sound (trotz der hohen Halle, bei der man eigentlich akustische Schwierigkeiten erwarten könnte, ist der wirklich sehr gut ausgefallen) und eine prima Lichtshow, die die Atmosphäre der Musik in allen Fällen hervorragend zu unterstreichen wusste und wenn das nicht alles Grund genug ist, dass es auch einen dritten Teil des Doom Shall Rise geben sollte, dann weiß ich auch nicht mehr – erneut in der Chapel, das wäre fein….

Freitag, 02.04.2004

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The

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Die noch recht junge schwedische Combo mit dem passenden Namen THE DOOMSDAY CULT eröffnete die zweite Auflage des Doom Shall Rise-Festivals mit gut einstündiger Verspätung und erlöste die anwesenden Doomer – die Halle war bereits gut gefüllt – von der langen Wartezeit, indem sie eine relativ eigenständige Interpretation von Doom Metal zelebrierten, die weder allzu sehr an die Vorbilder der Siebziger erinnerte, noch allzu sehr in die epische Richtung tendierte, sondern irgendwo dazwischen anzusiedeln war. Dabei wussten die Schweden durch einen sehr rauen Gitarrensound zu gefallen, wenn auch aufgrund der Gleichförmigkeit des Songmaterials es mit zunehmender Spielzeit etwas monoton wurde und man sich etwas mehr Variabilität in der Musik des Kultes des Jüngsten Gerichtes gewünscht hätte, so wie er im gesanglichen Bereich bereits vorhanden ist, wo ein gekonnter Wechsel von weinerlichem Gesang, Sprechgesang und aggressiven Grunts stattfand.

Dass die Band noch nicht allzu viel Bühnenerfahrung hat, wie in unserem Kurzinterview erwähnt, war dem Quartett anzumerken, war man doch sehr in seine Musik versunken, wirkte hoch konzentriert und hielt sich in Sachen Stageacting demnach sehr zurück. Ein Highlight des gerade einmal fünf Stücke umfassenden Auftritts war sicherlich das den meisten Anwesenden von der Bandhomepage bekannte Like Leaves They Fall, welches live scheinbar noch ein ganzes Stück langsamer dargeboten wurde, womit man schon fast in REVEREND BIZARRE-Regionen vorstieß. Alles in allem ein netter Auftakt einer guten Band, die aber sicherlich noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen ist. (doomster)

Spancer

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SPANCER haben bereits in unserem Special gezeigt, aus was für einem Chaotenhaufen die Band besteht, live wusste man diesen Eindruck nochmals zu bestätigen, und das ist positiv gemeint. Relativ träge begann man den Set und nach den ersten Akkorden hatte man den Eindruck, als könnte dieser Auftritt eine recht zähe Angelegenheit werden – die Jungs wirkten etwas unmotiviert und unsicher. Doch je länger sich dieser erste Song zog, desto mehr bekam man den Eindruck, als wäre das ein pures Showelement. Mit jeder Wiederholung der Riffs kam die Band mehr in Bewegung, wurde lebendiger, verlieh der Musik mehr Druck und mehr und mehr sah man die Schweißrinnen auf den Stirnen der Musiker. Mit zwei Bässen und einem staubtrockenen Gitarrensound sorgte man für ein eindringliches Hörerlebnis, das einen fast schon in kyussartige Wüstenlandschaften versetzte. Sänger Markus schrie seine Texte eindringlich heraus, Basser Lars entledigte sich seines Haargummis durch intensives Bangen und Gitarrist York sorgte mit seiner unnachahmlichen und –beschreibbaren Grimassenmimik für eine einprägsame Optik. Gerade mal drei Songs schaffte man, in der Spielzeit unters Volk zu bringen, wobei man beim letzten gemeinschaftlich die Oberkörper entblößte und nochmals voll nach vorne los ging, ganz im Kontext des Doom natürlich. Starker Auftritt. (fierce)

Wall

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Die Nachfolgeband der legendären MOOD wird wohl nicht zuletzt von vielen als die ungarischen BLACK SABBATH bezeichnet. Nicht nur der wuchtige, aber sehr 70er-lastige Gitarrensound erinnerte an die Godfathers of Doom, auch musikalisch waren die Parallelen unverkennbar. Insbesondere Bassist Marek Ferenc konnte mit seinen an das Spiel von Geezer Butler erinnernden, interessanten Basslinien sehr überzeugen, verstand er es doch spielend, sich von den Vorgaben der Gitarren zu emanzipieren. Von einem Klon zu sprechen, wäre aber absolut verkehrt, denn während alte Hits wie das zurecht abgefeierte Hands Of Dust in der Tat stark an Toni Iommi und Co. erinnern, war dieser Einfluss bei den Stücken vom neuen Album nicht mehr so deutlich erkennbar. Der ganzen Band merkte man ihre ungebändigte Spielfreude an, insbesondere der sehr souverän agierende und sich keinerlei gesangliche Blöße gebende Frontmann Holdampf Gábor nutzte die volle Bühnengröße aus und ging zur eigenen Musik so richtig ab, so dass man ihm am liebsten eine Gitarre in die Hand gedrückt hätte. Diese Spielfreude übertrug sich dann auch auf das Publikum, welches die Musik der Ungarn mit Begeisterung aufnahm und es den nachfolgenden PANTHEIST schwer machte, dem noch eins draufzusetzen. Dies lag wohl nicht zuletzt daran, dass WALL OF SLEEP ihren Set sehr abwechslungsreich gestalteten. Von doomig-schwerfälligen Parts bis zu rockig-groovenden Teilen war alles vorhanden, was das Herz begehrt, so dass die Ungarn das erste Highlight des Tages waren und den Reaktionen nach einige Fans hinzugewonnen haben dürften. (doomster)

Pantheist

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So hart es klingen mag, die Belgier PANTHEIST müssen wohl in gewisser Weise als die Verlierer des diesjährigen Doom Shall Rise bezeichnet werden. Umso deutlicher wird, dass es schwierig bleibt, sich in einer Live-Situation auf die Technik verlassen zu müssen. Bei PANTHEIST waren die Probleme derart gelagert, dass der Datenträger mit den Keyboardeffekten seinen ganz eigenen Willen hatte, so dass man Songs mehrfach beginnen musste, teilweise ordentlich aus dem Gleichgewicht geschmissen wurde und man sah es der Band definitiv an, dass einen die Situation alles andere als glücklich stimmte – ohne es abwertend zu meinen, mir taten die Jungs wirklich leid, denn die Musik an sich ist wirklich klasse. Irgendwo zwischen Gothic- und Funeraldoom bewegt man sich und eigentlich gehört der Keyboardeinsatz zu den Stärken der Band, vor allem dann, wenn man diesen mächtigen Orgelsound auffährt, der, wenn er denn zum richtigen Zeitpunkt kam, auch sehr viel Atmosphäre schaffte. Leider merkte man Sänger Kostas aber dann doch zu deutlich an, dass ihn die Schwierigkeiten zu sehr anpissten und immer wieder musste er sich wieder fangen, um seine beeindruckenden Growls loszulassen – das hat der Mann unglaublich gut drauf. Seine klaren Gesangsteile waren hingegen bei diesem Gig auch nicht wirklich das, was man von ihm erwartet hätte. Keine Ahnung, ob er sich teilweise nicht hören konnte, jedenfalls lag er an einigen Stellen doch recht neben der Spur, mit seiner Leistung auf Platte konnte man das wirklich nicht vergleichen. Sehr schade, denn seine Predigerperformance, die Songs an sich und dann noch die atmosphärische Beleuchtung hätten einen großartigen Gig abgeben können, der durch das Zusammenspiel der Einzelkomponenten (Technik, Musiker, klarer Gesang) sehr gestört wurde. Dennoch hoffe ich, dass PANTHEIST diesen Gig nicht zu sehr als Rückschlag betrachten, denn insgesamt ist die Band für mich nach wie vor überzeugend. (fierce)

While

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Die Kunde machte schnell die Runde und auch aus zuversichtlichen Quellen, musst man erfahren: Tom Phillips hat bei der Deutschlandpremiere in Aalen stimmlich versagt. Was eigentlich ein langersehntes Ereignis werden sollte, wurde zur Zitterpartie. War es ein Ausrutscher oder bekommt das Doom-Urgestein wirklich den Gesang nicht hin? Der Opener Of Empires Forlorn sollte die Gewissheit bringen – es stimmte. Bei den hohen Passagen traf Meister Phillips keinen Ton und man mag nun spekulieren, ob er sich einfach schlecht hören konnte (während der Stellen hatte er stets die Hand bei den Gehörgängen), ob es mit seiner Mittelohrentzündung zusammen hing (wie es später gemunkelt wurde) oder ob er live einfach kein guter Sänger ist. Egal, man war ja darauf vorbereitet und da Tom im weiteren Verlauf die hohen Töne vermied (wenn das nicht möglich war, wurde die Trefferquote zumindest höher, je länger der Gig ging), sollte das einem diesen Auftritt nicht vermiesen. WHILE HEAVEN WEPT regierten die Nacht und Songs wie The Drowning Years, In Aeturnum oder Sorrow of the Angels sind einfach unkaputtbar. Live wirkt das ganze aber fast noch komplexer, als es auf der CD der Fall ist, ja oft fühlte man sich schon beinahe wie auf einem Prog-Konzert. Wirklich hammermäßig, was diese Band da spielerisch ablieferte, auch wenn die ein oder andere Unsicherheit sicher dabei war – wie hat jemand so schön zu mir gesagt der Nachteil bei solch feiner Musik ist einfach, dass man jede Kleinigkeit raushört und das tat man auch. Dennoch wurde hier eine klasse Arbeit abgeliefert und vor allem Aushilfsgitarrist Angelo Triangali von COLD MOURNING hat sich hier absolut verdient gemacht. Schon die Gegenrhythmik des Eröffnungsstücks zeigte die instrumentalen Ansprüche, die der Mann aber hervorragend meisterte. Die ideale Ergänzung also zu den Soloteilen von Meister Phillips himself, der sehr sympathisch rüber kam, wie auch der ganze Rest der Band. Absoluter Höhepunkt des Abends war aber ohne Zweifel der ewige WEPT-Klassiker Thus with a Kiss I die. WAHNSINN, sag ich euch, das kommt live wirklich noch mal eine ganze Ecke geiler und vor allem der komplexe Schlussteil bringt einen nur noch zum Staunen. Die warme Atmosphäre der Musik zog einen von der ersten Minute an in seinen Bann und das Publikum war teilweise wie hypnotisiert, einzig heraus gerissen durch den ein oder anderen schiefen Ton des bärtigen Meisters. Lediglich Basstier Jim Hunter sah man spätestens bei den neidvollen Blicken angesichts eines Stagedivers (!) an, dass er ein bisschen weniger Komplexität auf der Bühne vertragen hätte, die Begeisterung des Publikums machte das aber wohl auch bei ihm wieder wett. (fierce)

Penance

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Nachdem WHILE HEAVEN WEPT mit ihrem beinahe schon kitschigen Material bei allen Fans des episch angehauchten Doom Metals Zuspruch fanden, machten PENANCE zu später Stunde deutlich, dass sie zurecht Headliner des ersten Tages waren und fuhren in der Tat die versprochene zerschmetternde, bleierne Wand purer, naturbelassener Härte auf. Der dreckige, rotzige Gitarren- und Basssound war schon beängstigend heavy, und so wirkte die Musik des Quintetts aus Pittsburgh wie der von MACHINE HEAD ´besungene´ Ten Ton Hammer. Langeweile kam dabei zu keinem Moment auf. Sowohl straighte Rocker wie Innocent, welches mit coolen Gitarrenharmonien und einem mitreißenden Refrain zu begeistern weiß, als auch langsame, schleppende Songs wie Cloudless mit seinen lavaartigen, wabernden Gitarren waren über jeden Zweifel erhaben und kamen unglaublich druckvoll und tight rüber – nicht zu vergessen Groove-Monster wie Regret oder der Klassiker Words Not Deeds, bei denen man einfach in rhythmische Körperbewegungen verfallen muss und sich andernfalls ernsthafte Gedanken über seinen Gesundheitszustand machen sollte. Sänger Brian Balich konnte sowohl bei den schnellen, groovebetonten Stücken als auch bei den zähflüssigen Doomern vollauf überzeugen und pendelte dabei zwischen ausdrucksstarkem Schrei- und melodischem Gesang.

PENANCE konzentrierten sich zwar auf das Material ihres aktuellen Albums Spiritualnatural, deckten aber dennoch ihre ganze Schaffensperiode ab, so dass auch alte Fans ihre Freude an dem Gig hatten. Mit ihrem ausgewogenen Doom-Cocktail brachten sie die Meute zum Kochen, insbesondere die flotteren Songs wurden begeistert aufgenommen, und man merkte der Band den Spaß, den sie auf der Bühne hatte, sofort an. Insbesondere Bassistin Mary Bielich hatte ein ständiges Grinsen auf den Lippen, was sicherlich nicht nur daran lag, dass sie sich über den alkoholisierten Kauz amüsierte, der – wie auch schon bei fast allen anderen Bands – auf die Bühne geklettert war und dort liegend Luftgitarre spielte.

Mit zunehmender Spielzeit leerte sich die Chapel allerdings, was aber nicht der Band anzukreiden ist, denn irgendwann wird auch ein Doomer mal müde, insbesondere, wenn lange Anreisen vorangegangen sind. So kam es, dass gegen 2.30 Uhr die Chapel nur noch etwa zur Hälfte gefüllt war. Die übrig gebliebenen hartgesottenen Doomer ließen es sich aber nicht nehmen, die Amis weiter abzufeiern und eine Zugabe einzufordern, die es in Form des Uralt-Songs The Unseen vom ersten Album und Casting Long Shadows vom aktuellen Album gab. Ein äußerst beeindruckender Auftritt einer sehr natürlichen und sympathischen Band, der den müden Doomkriegern am Ende eines gelungenen ersten Festivaltages noch einmal alles abverlangte. (doomster)

Samstag, 03.04.2004

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Orodruin

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Die Amis, die sich so treffend nach dem Schicksalsberg aus Tolkiens Herr der Ringe benannt haben, haben dermaßen abgeräumt, dass sie eigentlich eine ganz andere Position auf dem Billing verdient gehabt hätten als die des Openers für den zweiten Tag. Dennoch war dies vielleicht eine taktisch kluge Entscheidung, um die Leute schon zu Beginn des zweiten Festivaltages in die Chapel zu locken, denn als ORODRUIN loslegten, war die ehemalige Kirche urplötzlich verdammt gut gefüllt. Die Band legte sich auch gleich richtig ins Zeug, Gitarrist John Professor Mengele Gallo machte den Doom-Dance des Messiah Marcolin und Bassist und Sänger Mike Messiah Blutworst Puleo klebte nicht an seinem Mikrophon, sondern war im Gegenteil Bewegungsmotor der Band, ohne aber auch nur einen Einsatz zu verpassen. Live kamen die Gitarren zwar nicht ganz so böse und retro rüber wie auf CD, und auch auf die Orgelklänge musste verzichtet werden, doch war dies sicherlich besser als auf einen Sequenzer zurückzugreifen, was der Musik jegliche Spontaneität genommen hätte. So aber kam die Musik von ORODRUIN zwar technisch einwandfrei, aber trotzdem sehr roh und energiegeladen rüber. Insbesondere das Gitarrenduo Gallo/Tydelski war perfekt aufeinander eingespielt, aber auch Frontmann Puleo konnte mit seinem charismatischen, klagenden Gesang vollends überzeugen, obwohl er auf die auf dem Debütalbum zu hörenden aggressiveren Gesangsvariationen weitestgehend verzichtete. Bei diesem Auftritt wurde einmal mehr deutlich, dass die Amis bereits jetzt einen sehr eigenen Stil gefunden haben, der zwar dem Old School-Doom zuzurechnen ist, aber um einiges dunkler und böser wirkt als die Musik anderer Vertreter des Genres und vielleicht einen ganz leichten THE LORD WEIRD SLOUGH FEG-Touch besitzt. Objektiv gesehen sicherlich die beste Band des Tages, und so wurden die Amis auch mit ordentlichem Applaus bedacht, und Zugaberufe blieben wohl einzig deshalb aus, weil jedem klar war, dass in dieser Position eine solche einfach nicht drin war. (doomster)

Drecksau

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Draußen lungerten die ersten Frühlingsboten herum, und irgendwie schien fast jeder den Sonnenstrahlen Gesellschaft leisten zu wollen. In der Chapel war es kühl und ziemlich leer. Bedauerlich, denn mit DRECKSAU stand auch eine Band auf dem Billing, die nicht so ganz zur sonstigen Ausrichtung des Festivals passen wollte, die aber das Beste aus der Situation machte und eine enorme Intensität ausstrahlte. Es war eine mutige Entscheidung der Veranstalter, die Band spielen zu lassen – und es war eine mutige Entscheidung der Band zu spielen. Wer den Auftritt verfolgt hatte, dem war danach aber auch bewusst, dass es eine richtige Entscheidung war.

Die Chapel verwandelte sich während des kurzen Auftritts in eine Kältekammer, eiskalt, tonnenschwer und höchst bedrohlich brach der der Doomcore des Trios über den sonnigen Frühlingstag herein. Und auch wenn ich persönlich mit den deutschen, stellenweise etwas zu pathetischen Texten der Band nicht so ganz klarkomme, waren DRECKSAU ausgesprochen beeindruckend.

Die Nürnberger machen ihr ganz eigenes, düsteres Ding und die langsamen Songs – auf schnellere Nummern verzichteten sie – krochen wie eine schwarze, undurchdringliche Wolke von der Bühne und vernebelten sämtliche Frühlingsgefühle. Von den spärlichen Zuschauern ließ sich das Trio nicht beirren, kompromisslos pressten sie ihre mächtigen Riffs und eindringliche Stimmbandarbeit in den Raum. Es war erstaunlich, welche Intensität drei Menschen auf einer eigentlich viel zu großen Bühne transportieren konnten – doch mit derart massiven Songs im Rücken konnten sich DRECKSAU auf ihr minimalistisches Stageacting konzentrieren, ohne verloren zu wirken. Und die Tatsache, dass sich Sänger Nobbe Scherer ein Grinsen verkneifen musste, als er einzelnen Leute im Publikum mit düsterem Blick zu fixieren versuchte, machte den Auftritt dann zu hundert Prozent sympathisch, weil an dieser Stelle auch ein menschlicher Zug in der unmenschlich kalten Musik durchblitze. Der etwas andere Auftritt des DOOM SHALL RISE, der in meinen Augen eine willkommene Abwechslung war! (vampi)

Northwinds

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Größer hätte der Kontrast zwischen zwei Bands auf diesem Festival wohl kaum sein können als der zwischen DRECKSAU und NORTHWINDS, deren einzige Gemeinsamkeit wohl darin bestand, dass beide mit zwei Sängern auftraten, die sich jeweils stimmlich kaum voneinander unterschieden. Im Falle der Franzosen teilten sich Schlagzeuger Auvé Sylvain und Gitarrist Niclas Vincent den Gesang, wobei Sylvain die etwas höheren Parts übernahm, sich aber von der Stimmcharakteristik nicht wirklich von Vincent absetzte. Zu Beginn des Sets war der Gesang von Sylvain jedoch viel zu leise ausgesteuert, so dass er kaum zu hören war, was sich aber glücklicherweise bereits nach kurzer Zeit änderte. In ihren doomigen Passagen klangen NORTHWINDS zumeist wie alte BLACK SABBATH mit Keyboards und erzeugten so eine angenehm mystische Atmosphäre. Dazwischen wurden jedoch immer wieder viele cleane Gitarrenparts eingefügt mit äußerst melodischen Gesangslinien, wodurch die Musik schon einen beinahe poppigen Charakter bekam. Im Grunde eine interessant klingende Mischung, doch es passierte einfach zu wenig, um die Zuhörer über längere Zeit bei Stange zu halten. Zum einen fehlte es an großen Ideen, wirklich zündenden Melodien und Riffs, zum anderen spielten die beiden Gitarristen fast durchweg die gleichen Töne und nutzten somit die Möglichkeiten eines Gitarrenduos gar nicht aus, trugen vielmehr ihren Teil zur Eintönigkeit der Musik bei. So kam es, dass nicht nur zu Beginn des Auftritts die Chapel mehr schlecht als recht gefüllt war, sondern dass auch so einige während des Auftritts die Chapel verließen, um sich bei strahlendem Sonnenschein auf die vor der Kirche gelegene große Wiese zu setzen. Vielleicht waren NORTHWINDS auch einfach zu wenig Doom, um die Leute für sich begeistern zu können. Ein Song wie das abschließende, äußerst gelungene Winds Of Sorrow klingt nun mal mehr nach epischem 70er-Hard Rock der Marke RAINBOW als nach Doom. (doomster)

Shepherd

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SHEPHERD waren dann wiederum das absolute Kontrastprogramm zur melodischen Musik der Franzosen und hauten dem Publikum ihren durch Feedbackorgien, noisige Gitarren und einen knarzigen Basssound gekennzeichneten Doom mit starken Sludge-Einflüssen um die Ohren. Was auf dem Laments-Album noch gut funktioniert hat, konnte aber in der Live-Situation nicht viele Leute vom Hocker (bzw. von der Wiese) reißen. Zu undifferenziert war der Sound, zu wenig nachvollziehbar die Songstrukturen für Leute, die mit dem Material noch nicht vertraut waren, und zu nervenaufreibend der psychotische Gesang, den sich Frontmann Andreas und Bassist Nico teilten. Mal wurde absolut schief gesungen, noch schiefer als auf Platte und diesmal auch bestimmt nicht beabsichtigt, dann wieder erklangen die Schreie eines Wahnsinnigen, um die Zuhörer in eben diesen zu treiben. Da half es auch nicht, dass sich SHEPHERD in punkto Stageacting richtig Mühe gaben und Sänger Andreas passend zur Musik den Blick eines gerade aus der Irrenanstalt Entflohenen aufsetzte, so dass wie schon bei NORTHWINDS die Chapel allerhöchstens zur Hälfte gefüllt war und die Anwesenden die Band auch nicht eben mit Begeisterungsstürmen bedachten. So stellten SHEPHERD eine kleine Enttäuschung dar, konnten sie doch die durch das Album erweckten Erwartungen nicht erfüllen. (doomster)

Spiritus

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Bei SPIRITUS MORTIS könnte man sicherlich die Diskussion starten, inwiefern die Band noch auf das Billing eines reinen Doom-Festivals passt. Teilweise ging es bei der Musik dann doch recht flott zur Sache und von der Ausstrahlung her passt man vielleicht eher, trotz einiger doomiger Stellen, in die Kategorie traditioneller Heavy Metal. Mit der musikalischen Nähe zu DIO, bzw. der Ronni-James-BLACK SABBATH-Ära, vermag man den Kreis auf der anderen Seite aber wieder zu schließen und so soll diese Diskussion auch beendet sein.

Eins waren SPIRITUS MORTIS auf jeden Fall: mit der unterhaltsamste Act des gesamten Wochenendes. Das fing schon bei der Optik der ungewöhnlichen Finnen an: besonders hübsch sind die Jungs halt nicht, der etwas zusammengestauchte Fast-Glatzkopf Jussi an der Gitarre mit seinem U.D.O.-mäßigen Tarnshirt wirkt nicht wie der große Guitar-Hero, der wohlbeleibte Vesa Lampi am Mikro entspricht ebenso wenig einem Von-den-Frauen-Vergöttert-Frontmann-Bild. Aber wie sagte es TENACIOUS D.-Sänger JB in seinem Film „School of Rock“ doch sinngemäß: egal was du im Leben bist, auf der Bühne bist du für diesen Moment Gott. Wobei Gott glaub ich seinen Set nicht mit der Kippe in der Hand beginnen würde, so dass man im Publikum den Eindruck hat, als hätte der Auftritt fünf Minuten zu früh begonnen. Aber das passte bei SPIRITUS MORTIS schon irgendwie, die Finnen zogen einfach ihr eigenes Ding durch und scherten sich einen Dreck darum, was die Leute über sie denken könnten. Vesa zeigte dabei sowohl stimmlich, als auch von den Bewegungen her seine Ergebenheit zu Ronnie James Dio, was bei ihm dann schon wieder Eigenwillig wirkte. Am kultigsten kam letztendlich aber Gitarrist V-P rüber, ganz klar, der größte Schnuckel bei diesem Festival, den man einfach gern haben musste – der Kerl weckte sogar in einem Mann Beschützerinstinkte und ihm in seiner unvergleichlichen Mimik zuzuschauen, machte einfach am meisten Spaß – das genüssliche Mundlecken, als man ihm während des Konzerts die Wodka-Flasche zur Seite stellte, die kindliche Freude, als er seinen Gitarrensoloteil, der lediglich aus drei Tönen bestand, scheinbar ins unendliche ziehen durfte, ja, dieser Typ war einfach unbeschreiblich. Dabei störte es auch nicht, dass man gerade bei seinen Soli manchmal den Eindruck hatte, als wüsste er gar nicht, was er da spielt. Ganz ehrlich, ich mein das alles nicht abwertend, das kam schon alles sehr kultig rüber. Ja und dann war da natürlich noch der Abschluss des Gigs, als Sänger Vesa den Teil ankündigte, auf den seiner Meinung nach alle gewartet hatten: Albert von REVEREND BIZARRE stürmte auf die Bühne, entblößte seinen Oberkörper und gab eine opernmäßige Sicko-Vocalperformance ab, als stünde er unter Drogen – er wälzte sich auf dem Boden, zog sich seines Sangeskollegen fast schon auf schmerzhafte Weise an seine Seite, lies sich feiern und lieferte so den Höhepunkt dieses Auftritts. Ganz ehrlich: musikalisch sind SPIRITUS MORTIS echt okay, aber live ein echtes Erlebnis. (fierce)

Thee

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Mit der zweiten Belgischen Band des Billings wurde es gegen Ende nun noch mal so richtig mächtig heavy. Dabei setzen THEE PLAGUE OF GENTLEMEN in erster Linie auf die Ausstrahlung ihrer Musik und die ist verdammt eindringlich und depressiv. Was zunächst als recht zähe Brocken rüberkommt, plättet einen nach kurzer Zeit vollkommen und reißt einen mit einer ungeheuren Wucht mit. THE PLAGUE OF GENTLEMEN haben eine wahnsinnige Power und sind düster im besten Death-Doom-Sinne, ohne Death-Doom zu sein. Sänger 666 kommt einem in diesem Kontext vor, als wäre er 2,50 Meter groß und seine netten Ansagen will man ihm da fast gar nicht abnehmen…wer solch positiv-negative Musik macht, kann doch eigentlich gar nicht derart freundlich sein. Obwohl kaum einer im Publikum etwas mit dem Bandnamen anfangen konnte, wussten THEE PLAGUE OF GENTLEMEN zu einer derart späten Stunde das Publikum nochmals richtig einzunehmen und gegen Ende wurde die Musik auch noch mal ein ganzes Stück melodischer und heller…zumindest kam es einem so vor, vielleicht hatte man sich inzwischen aber einfach auch nur an die Gewalt dieser Musik gewöhnt. (fierce)

Mourning

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MOURNING BELOVETH nahmen auf dem zweiten Doom Shall Rise-Festival in etwa die Rolle ein, die OFFICIUM TRISTE beim ersten Mal inne hatten, nämlich die der vermeintlichen Quoten-Death/Doom-Band, um auch diejenigen glücklich zu machen, die diese Spielart des Doom Metals bevorzugen. Und dies gelang ihnen deutlich besser als den Kollegen von PANTHEIST, die schlecht vorbereitet wirkten und sich durch technische Probleme aus dem Konzept bringen ließen. MOURNING BELOVETH hingegen waren eine Macht. Klar, auch ihre Musik weist gewisse Parallelen zu MY DYING BRIDE, der Vorzeige-Doom/Death-Combo schlechthin, auf, könnte also an Eigenständigkeit gewinnen. Dennoch war die Show der Iren ein sehr intensives Erlebnis, nicht nur akustisch, sondern auch in der visuellen Umsetzung. Denn die extrem düstere, dem Bandnamen alle Ehre machende Musik der Iren wurde durch die äußerst stimmungsvolle und passende Lichtshow perfekt ergänzt, so dass eine beklemmende Atmosphäre enstand, der sich wohl kaum jemand entziehen konnte. Bei keiner anderen Band war die Lichtshow so treffend auf die Musik abgestimmt. Wenn an Stelle der Grunts von Frontmann Darren Gitarrist Frank zu den elegischen, in Zeitlupentempo dargebotenen Gitarrenmelodien seine klare Stimme erhob, kam schon beinahe eine sakrale Stimmung auf und die Wahl einer ehemaligen Kirche als Veranstaltungsort erwies sich einmal mehr als die einzig richtige. Auch wenn es mal zwischendurch ein wenig flotter zuging und zum Headbangen einlud, wurde dadurch niemals die bedrückende Atmosphäre zerstört, die die Band in ihren überlangen Songs aufgebaut hatte. Dem ein oder anderen mag die Musik von MOURNING BELOVETH zu monoton gewesen sein, wer sich jedoch richtig in die Musik versinken ließ, erkannte zweifellos die Schönheit dieser Klänge, und das waren den Reaktionen nach zu urteilen die meisten der in der Chapel versammelten Zuhörer und -schauer. (doomster)

Count

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Für das zweite Doom Shall Rise gab es nur eine Band, die für die wahre Headlinerrolle in Frage kommen konnte: COUNT RAVEN. Ein derartiges gemeinsames Ausrasten konnte man bei keiner anderen Band im Publikum erleben. Unglaublich, wirklich! Wer hätte es diesen alten Herren zugetraut, eine derartige Euphorie auszulösen….ich ganz ehrlich gesagt nicht und ich bin irgendwie immer noch beschämt darüber, dass ich erst bei dieser Reunion-Show wieder erkennen musste, was für grandiose Songs diese Band in ihrer Karriere hervorgebracht hat. Gerüchteweise hatten COUNT RAVEN speziell für diesen Gig auch die kompletten vier Alben einstudiert und die anfängliche Skepsis, ob eine Zweistundenshow zu diesem Zeitpunkt des Festivals überhaupt noch funktionieren könnte, war recht schnell vom Tisch, als der Set mit Until Death do us part begann. Auch Sänger Fodde Fondelius hatte anfänglich seine Probleme, den richtigen Ton zu treffen, aber das mochte man dem bereits vor Jahren zum legitimen Ozzy-Thronfolger erkürten Frontmann nicht übel nehmen. Dazu war der Moment viel zu magisch, auch wenn die Band eigentlich nichts anderes tat, als einfach sie selbst zu sein. Da gab es keine großartige Show, da war nicht viel mit Bewegung, vielmehr ließ man die Musik und die Ausstrahlung der Musiker wirken. Und die kam schon bei den ersten Listen!-Ausrufen von Meister Fondelius zum Tragen, man wagte es gar nicht mehr, etwas anderes zu tun, auch wenn er die zurechtweisenden Blicke gleich wieder zu einem Lächeln umformte. Hachja, plötzlich war da wieder dieses die guten alten Zeiten-Gefühl da, umso erstaunlicher, dass auch der jüngere Teil des Publikums vom ersten Moment an gefangen war. Höhepunkte gab es genug, von denen ich dann aber leider nicht alle mitnehmen konnte. Allein die Tatsache Leaving the Warzone und Hippies Triumph mal wieder live erleben zu können, waren aber schon Höhenflug genug und als Fodde dann zum Mikro schritt, um seine Poem-Predigt anzustimmen, war einem, als hätte man plötzlich den Sinn des Lebens verstanden. Am meisten überrascht über die Fanreaktionen war aber vermutlich die Band selbst. Die erstaunten und vor allem auch erfreuten Blicke, angesichts dieses Publikums, sprachen Bände. Aber es war auch echt der Wahn, die Fotopodeste vor der Bühne wurden von bangenden Langhaarigen eingenommen, Leute durchlebten den Gig auf Knien, ein Mädel erklomm die Bretter und schüttelte sich ebenfalls auf Knien zwischen den Musikern extatisch die Haare, die Lieder wurden lauthals mitgesungen und sogar Stagediver und Crowdsurfer konnte man erblicken. Es hätte wirklich noch stunden weiter gehen können und dennoch tat ich dasselbe, wie vor 10 1/2 Jahren in der Röhre in Stuttgart. Kurz vor der ersten Zugabe verließ ich schmerzenden Herzens die Warzone und verpasste so leider noch die weiteren Highlights, von denen ich im Nachhinein erzählt bekam, wie etwa das BLACK SABBATH-Medley. Sollten die Jungs wirklich wieder auf Tour gehen, passiert mir das nicht noch mal…. (fierce)