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BRETTHART OPEN AIR 2005: Der Bericht

BRETTHART OPEN AIR 2005: Der Bericht

Freitag, 17. Juni 2005

DARK RAIN | MIGHTY D. | DAWN OF DISEASE | BURDEN OF GRIEF | PSYCHOPUNCH | DARKSEED | MIRROR OF DECEPTION | TANKARD | ENTOMBED | COMMANDER

Samstag, 18. Juni 2005

SPEEDBALL | LEGACY | SILENT OVERDRIVE | DEW-SCENTED | DIE APOKALYPTISCHEN REITER | VADER | SAMAEL | MIDNATTSOL

Kann mir mal jemand sagen, wieso dieses Festival eigentlich BRETTHART OPEN AIR heißt? fragte Fuchs, seines Zeichens Sänger der APOKALYPTISCHEN REITER, am frühen Abend des Festivalsamstags in die Runde und keiner der Anwesenden wusste daraufhin eine spontane Antwort einzuwerfen. Ja, wieso eigentlich? konnte man aus den fragenden Blicken der Zuschauer problemlos ablesen und ehe man sich versah, machte man selbst erste Überlegungen, wie man den Festivalnamen etymologisch zurückführen könnte. Nun, bretthart waren nach 2003 auch in diesem Jahr wieder genug Bands, obwohl die Veranstalter sich tatsächlich bemüht haben, Vertreter aus sämtlichen Metalgenres nach Limbach zu holen. Ob man sich nun die Party-Thrasher TANKARD, die Gothic-Bands DARK RAIN und MIDNATTSOL, die Industrial-Avantgardisten SAMAEL und DARKSEED, die deutschen Chef-Doomer MIRROR OF DECEPTION oder die Death-Metal Pioniere ENTOMBED und VADER zu Gemüte führte – hier wurde für jeden Geschmack etwas geboten und es waren wieder einige namhafte Acts dabei, sodass man im Vorfeld eigentlich mit einer satten Besucherschar rechnen konnte…

Doch es kam wider Erwarten leider ganz anders: Als die Veranstalter am Freitagmittag pünktlich um zwölf Uhr die Pforten des einladenden Geländes öffneten, war der Parkplatz noch völlig leer und es sollte bis zum späten Samstagnachmittag andauern, bis man das eigene Auto tatsächlich nicht mehr auf den ersten Blick wiederfinden sollte. Die Gründe für das mangelhafte Interesse? Sommerfestivals gibt es, ich wiederhole mich an dieser Stelle, eben wie Sand am Meer und oft investiert der Metalhead seine bretthart verdienten Märker vorzugsweise in die größeren und teureren Veranstaltungen, wie die jedes Jahr völlig überfüllten WACKEN OPEN AIR oder SUMMER BREEZE, anstatt seinen Favoriten in familiärer Underground-Atmosphäre beizuwohnen. An Promotion mangelte es im Vorfeld jedenfalls nicht und auch in puncto Organisation müssen sich die Veranstalter nichts, aber auch gar nichts vorwerfen, auch wenn man aufgrund kurzfristiger Absagen des Öfteren Änderungen in der Running Order vornehmen musste: Gute sanitäre Bedingungen, appetitliches Essen, zwei äußerst ansprechende Metalmärkte, ein immer freundliches und zuvorkommendes Team und mit zwei Euro für 0,4 Liter Markenbier absolut fanfreundliche Preise umrahmten ein entspanntes und angenehmes Wochenende mit überwiegend großartiger Musik, bei dem wohl niemand der Besucher den langen Anreiseweg ins süddeutsche Limbach bereuen musste. Hoffen wir einfach mal, dass das BRETTHART OPEN AIR trotz des mangelhaften allgemeinen Interesses in den nächsten Jahren noch Bestand haben wird – eine derartig sympathische Veranstaltung darf einfach nicht aussterben, auch wenn die Frage nach dem Festivalnamen weiterhin ungeklärt bleiben wird!

Freitag, 17. Juni 2005

DARK RAIN:

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DARK
Sympathisch, aber noch ein wenig unsicher: DARK RAIN

Es herrschte geradezu Picknick-Atmosphäre, als die lokalen Gothic-Metaller DARK RAIN am Freitag etwas später als vorgesehen gegen 13:30 Uhr das Festival eröffneten, die Besucher konnte man zu dieser Zeit jedenfalls fast an einer Hand abzählen: Noch machten Securitys, Musiker und Veranstalter den deutlichen Löwenanteil im Publikum aus und mit Gewissheit hatten sich die jungen Musiker deutlich mehr von diesem Auftritt versprochen, trotzdem ließ sich das aus Buchen stammende Quartett aufgrund des fehlenden Publikums nicht die Freude daran nehmen, ein Festival eröffnen zu dürfen, auf dem am gleichen Tag noch große Acts wie ENTOMBED und TANKARD spielen sollten. So bot man ein munteres Set aus treibenden Gothic-Rockern (Outsider), moderaten Halb-Balladen (Fight) und sogar dem ein oder anderen Groove-Part dar, litt jedoch unter einem ziemlich wackligen Sound, der die Band oft deutlich unprofessioneller erscheinen ließ als es hätte sein müssen – die Demoaufnahmen auf der offizellen Homepage hinterlassen bei mir jedenfalls einen wesentlich stabileren Eindruck. Auch wenn die Underdogs natürlich rein qualitativ und vor allem Gesangstechnisch noch nicht mit Konkurrenten wie z.B. den darauffolgenden MIGHTY D. gleichzusetzen sind, hinterließen DARK RAIN mit zunehmenden Maße einen liebenswerten Eindruck, und das sicherlich nicht nur aufgrund ihres lobenswerten Engagements für Straßenkinder, dem Frontfrau Sarah Pfannenschwarz mit drei Songs huldigte. Negativ fiel zunächst die steife Performance von Bassistin Katja Deutschmann auf, doch als die rothaarige Sängerin gegen Ende des halbstündigen Gigs preisgab, dass diese erst seit nunmehr drei Monaten (!) den Tieftöner streichelt, schwang dieser Eindruck schnell in verblüffte Begeisterung um, schließlich spielt Whizz Kid bereits recht anspruchsvolle Basslinien und leistete sich an diesem Tag keine hörbaren Fehler – Hut ab! Gibt man der Band also noch ein paar Jährchen Zeit, so könnte aus den Gothic-Rockern definitv noch etwas werden. Einzig die etwas zu theatralischen Ansagen der Frontfrau sollten dringend abgestellt werden, denn wer nach jedem einzelnen Song (ohne Ausnahme!) mindestens 2-3 Mal laut Dankeschön! trällert, wird wohl nicht nur bei mir auf absehbare Zeit ziemlich schnell abdanken!

MIGHTY D.:

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MIGHTY
Hochanspruchsvoll, bedrohlich, faszinierend: MIGHTY D.

Ich muss zugeben, dass mir die Schwaben MIGHTY D. sowohl musikalisch als auch namentlich vor deren Auftritt beim BRETTHART OPEN AIR völlig unbekannt waren. Hitkompatibler Party-Rock, Old-Schooliger Punk´n´Roll oder auf Abwegen auch erdiger Thrash-Metal – das waren die musikalischen Macharten, die ich im Vorfeld mit diesem Bandnamen in Verbindung gebracht hätte. Umso überraschter war ich natürlich, als mich das Quintett schließlich mit ihrer hochanspruchsvollen Mischung aus bedrohlichen Death Metal-Parts und dem emotionalen Gesang von Carmen Schäfer, den ich schon einmal bei ihrem Gastauftritt bei der letzten BRAINSTORM-Tournee bewundern durfte, vollkommen verblüffte. Wow, eine so eigenständige und intelligent austarierte Stilmixtur bekommt man wirklich nur selten von Bands diesen Bekanntheitsgrades vorgesetzt! Umso bedauerlicher war es also, dass sich gegen 14 Uhr noch immer nicht sonderlich viele Besucher auf dem Festivalgelände eingefunden hatten und auch das Wetter mit kurzen Regenschauern nicht gerade einen vielversprechenden Eindruck vermittelte, denn die wenigen Anwesenden wurden durch das Dargebotene wirklich schwer beeindruckt und wären die Lücken im Publikum nicht ganz so groß gewesen, so hätte man durchaus von einem der großen Highlights des gesamten Open-Airs sprechen können. Rein musikalisch war das Programm jedenfalls top und auch wenn der Sound noch immer nicht so richtig überzeugen wollte, konnten sich die fünf Musiker hervorragend in Szene setzen und in technischer Hinsicht einen überragenden Eindruck hinterlassen. Höhepunkt des Konzerts war meines Erachtens nach der Song Break the Silence vom aktuellen Album The Last Rise und selbstverständlich ärgere ich mich im Nachhinein, noch nicht mit der Diskographie dieser Band vertraut gewesen zu sein. Damit euch nicht dasselbe passiert: Nutzt die Gelegenheit und widmet euch dieser Combo, aus diesen Jungs und Mädels kann nämlich noch eine ganz große Nummer werden!

DAWN OF DISEASE:

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DAWN
Hoffnungsvolle Death Metal-Combo: DAWN OF DISEASE

Im Anschluss wurden erstmals (brett)harte Töne angeschlagen, denn die Osnabrücker Death Metal-Kapelle DAWN OF DISEASE enterte das Schlachtfeld. Glücklicherweise genossen die Nachwuchshelden nicht nur die ersten Sonnenstrahlen des ansonsten eher trüben Festivalfreitags, sondern auch einen wesentlich druckvolleren und stabileren Sound, als man es von den beiden Vorgängerbands gewohnt war. Lediglich die Drums waren etwas zu leise und wer sich im Vorfeld einmal die MCD Through Bloodstained Eyes angehört und sich über den ebenfalls sehr leisen Schlagzeugsound beklagt hatte, der hatte an diesem Tag fast schon den Eindruck, als meine es die Band mit dieser fragwürdigen Abmischung wirklich ernst. Gastschlagzeuger Ingo (FETOCIDE, RIPPED 2 SHREDS) – jawohl, die Band ist seit mehreren Monaten auf der Suche nach einem festen Mann hinter der Schießbude – agierte jedenfalls nicht nur optisch deutlich im Hintergrund, obwohl er augenscheinlich einen tadellosen Job ablieferte und trotz allem die überwiegend starken Songs der Truppe gebührend in Szene setzen konnte. Und so knüppelte sich das Quartett durch die Stücke ihrer erwähnten MCD und machte auch den letzen Zweiflern eindeutig klar, dass DAWN OF DISEASE mit Brutalo Death-Hymnen wie Sadistic Ejaculation oder Reincarnation (Highlight!) schon lange das Rüstzeug für die deutsche Death-Elite besitzen. Man darf gespannt sein, ob die Musiker dieses hohe Niveau auch über eine längere Spieldauer auf dem für 2006 angekündigten Full Lenght-Album halten können werden, der akustische Leckerbissen Fried Genitals machte jedenfalls mit seinen rasenden Schlagzeugsalven und dem treibenden Riffing schon einmal einen recht vielversprechenden Eindruck!

BURDEN OF GRIEF:

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BURDEN
Lieferten eine unterhaltsame und liebenswerte Show ab: BURDEN OF GRIEF

Hatten DAWN OF DISEASE schon eine enorm dynamische Show abgeliefert, so wussten die Hessen BURDEN OF GRIEF diese in puncto Bühnenpräsenz noch einmal zu übertreffen. Was die (leider immer noch recht spärliche) Besucherschar nämlich in der folgenden Dreiviertelstunde erwarten sollte, ist zweifelsohne als erstes Highlight des BRETTHART OPEN AIRs zu bezeichnen: Die Musiker grinsten über beide Ohren, spielten ihre coole Thrash-/Melodic Death-Mischung mit atemberaubender Präzision herunter und waren immer wieder zu Späßen aufgelegt. So begrüßte Sänger Mike Huhmann die phlegmatischen Zuschauer, die es sich allesamt auf Wiesen bequem gemacht hatten, auf denen man auch um 16 Uhr nachmittags noch immer ohne größere Probleme eine Partie Golf spielen konnte, beispielsweise mit einem ironischen Hallo, Wacken! oder einem Na, bequem da unten? Ich leg mich gleich dazu., womit er natürlich die Lacher auf seiner Seite hatte! Doch auch ohne Galgenhumor konnten die Musiker die Leute schwer beeindrucken, allen voran natürlich Bassist und Berufszitteraal Dirk Buhlmann, der nicht nur wegen seiner apathischen Bewegungen frischen Wind in die Rhythmusfraktion der Combo gebracht hat und sich vergnügt durch Live-Knaller wie Reborn, Silent Killing oder Nightmare Within prügelte. Auch ein IRON MAIDEN-Cover durfte natürlich nicht fehlen – die Affinität zu den Jungfrauen haben BURDEN OF GRIEF ja nicht zuletzt mit ihrer coolen Version von Prowler auf dem Tribute-Album A Tribute to the Beast preisgegeben – und da man in jüngster Vergangenheit des Öfteren wieder das coole Aces High aus dem Ärmel geschüttelt hatte, gliederte man es kurzerhand auch an diesem Nachmittag in die Setlist ein. Ein auf Anforderung eines vorwitzigen Zuschauers kurz angejammtes Come As You Are rundete jedenfalls einen bemerkenswert starken Auftritt ab und wären zu diesem Zeitpunkt schon mehr Leute im Badener Limbach gewesen, so hätte man BURDEN OF GRIEF womöglich als absolutes Stimmungshighlight des Festivals herausdeuten können!

PSYCHOPUNCH:

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PSYCHOPUNCH:
Trafen mit ihrem traditionellen Punk´n´Roll den Nagel auf dem Kopf: PSYCHOPUNCH

Als die Punk´n´Roller PSYCHOPUNCH ihr knapp einstündiges Set begannen, zeigten sich tatsächlich erstmals ein paar Anhänger direkt vor der Bühne (im Stehen, wohlgemerkt!) und tatsächlich können die Schweden von sich behaupten, aus den wenigen aktiven Leuten auf dem BRETTHART OPEN AIR das absolute Maximum herausgeholt zu haben: Es wurde ein wenig gepogt, getanzt und mitgegröhlt und der definitiv festivaltaugliche Rotzrock von JM und Co. fand sogar bei mir positiven Anklang, obwohl mich die Band zuletzt bei der NIGHT OF POWER 2004 vollkommen enttäuscht hatte. Auch an diesem Nachmittag stellte sich schnell eine gewisse Monotonie ein, jedoch störte sich dieses Mal niemand daran und die Fans verballerten vergnügt die Energie, die sie bei den Vorbands in gemütlicher Sitzpostion angesammelt hatten. Im Gegensatz zu ihrem Gig auf erwähntem Powermetal.de-Jubiläum schienen PSYCHOPUNCH die Zuschauer (auch wenn es nicht sonderlich viele waren) felsenfest im Griff zu haben – jedenfalls folgten die Leute dem Rufe dieser Combo blind, selbst als Gitarrero Joey unnachgiebig Get fucking drunk! forderte. Selbst musikalisch konnte ich, dank einem wesentlich besseren Sound als zuvor, der Band an diesem Tag etwas abgewinnen, besonders spaßig waren die Gassenhauer Hard to Belong, Sänger JMs Lieblingssong Fingerlickin’ Good, Pleasure Kill und Make Up Your Mind. Nach einer knappen Stunde war die Band schließlich am Ende angekommen und hätten sie noch zehn Minuten weitergespielt, so wäre ihnen zweifelsohne so langsam aber sicher die Energie und dem Publikum der Nerv ausgegangen – so war der Auftritt jedenfalls nahezu perfekt und ich wüsste wirklich nicht, wie die Band einen solchen Auftritt noch toppen könnte… Daumen hoch!

DARKSEED:

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DARKSEED:
Enttäuschten durch fragwürdige Performance und eine unausgewogene Setlist: DARKSEED und Fronter Stefan Hertrich

Während die Leute bei PSYCHOPUNCH noch in gesunder Partylaune waren, legte sich diese Stimmungslage nach deren Auftritt schnell wieder und wich pathetischer Feierlichkeit, die bei den Dark-Metallern DARKSEED für die nötige Atmosphäre sorgen sollte. Trotz der mehr als offensichtlichen Unterschiede zwischen diesen beiden Bands kristallisiere sich an diesem Freitag doch recht schnell einen eindeutige Parallele heraus: Das unsäglich hohe Maß an Monotonie, denn auch die Mannen um Stefan Hertrich haben das Problem, dass sich die Songs zu sehr gleichen und größere Soundexperimente gar nicht zum eigenen Image passen würden. Die Besucher zeigten sich zu Beginn jedenfalls noch ziemlich interessiert, auch wenn man den deutschen Elektro-Avantgardisten die Enttäuschung darüber, dass sich nicht mehr Leute im Badener Limbach eingefunden hatten, so richtig aus dem Gesicht ablesen konnte. Im Laufe des Konzerts ging dieses Interesse von Seiten des Publikums jedoch immer weiter zurück (was nicht ausschließlich auf den kurzen Nieselregen-Schauer zurückzuführen ist!), vor allem weil Stefan Hertrichs Stimme live lange nicht so glänzen kann wie auf CD und weil die Setilist an diesem Nachmittag doch ziemlich befremdlich wirkte. Tatsächlich spielte die Band nämlich mit Counting Moments und Forever Darkness vom Diving into Darkness-Album nur zwei Songs, die nicht von der aktuellen Scheiblette Ultimate Darkness entstammen und deckte somit eine Bandbreite von sage und schreibe zwei Longplayern ab, was Fans der ersten Stunde wie eine Beleidigung aufgefasst haben dürften – ich hätte mich jedenfalls sehr über den ein oder anderen Klassiker gefreut.

MIRROR OF DECEPTION:

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MIRROR
Spielten an diesem Nachmittag leider vor dem falschen Publikum: MIRROR OF DECEPTION

Ich hätte während des DARKSEED-Auftritts wirklich wetten können, dass derartig getrübte Publikumslaune einfach nicht mehr zu überbieten ist. Doch weit gefehlt: Als die Doomer MIRROR OF DECEPTION die Bühne betraten und ihre (zugegebenermaßen wenig Party-kompatible) Musik auf die Zuschauer abfeuerten, konnte man so richtig beobachten, wie sich die Leute der Reihe nach wieder auf den Boden pflanzten. Sei´s drum, in jedem Falle versammelten sich einige wenige Die Hard-Fans vor der Bühne, um ihre Lieblinge aus nächster Nähe betrachten zu dürfen. Und dieser Ehrgeiz sollte nicht bestraft werden, denn die Band suhlte sich nicht nur in einem erstklassigen Sound, die Songs entfalteten zudem live eine derartige Itensität, dass es eigentlich schon schwer fällt, lediglich von Musik zu sprechen. Vielleicht würde der Terminus Atmosphäre etwas besser zu dem passen, mit dem die Besucher des BRETTHART OPEN AIRs an frühen Abend verwöhnt wurden, denn zwischen den Tönen des Quartetts und den genial eingesetzten Backing-Vocals von Drummer Jochen Müller versteckte sich noch so viel mehr, auch wenn dies weder greifbar war noch angemessen zu Papier zu bringen ist. Egal ob brandneue Songs, wie Bleak, das hammermäßige The Ship of Fools und Deception Island oder ältere Stücke, wie Asylum und das tonnenschwere Vanished – an diesem Freitagabend schien bei MOD einfach alles zu funktionieren, trotzdem wollte ich meinen Ohren nicht trauen, als ausgerechnet bei dieser Band das erste Mal lautstark selbst von den phlegmatischsten Zeitgenossen eine Zugabe verlangt wurde. Diese war mit Weiss hervorragend gewählt, konnte die Leute aber wiederum nicht aus der kollektiven Lethargie zurückholen – es ist trotz oder gerade wegen des phänomenalen Gigs schon ein wenig schade, dass die Schwaben derartig wenig Resonanz erhalten haben. Vielleicht spielte die Band aber auch schlicht und ergreifend vor dem falschen Publikum, denn wer sich von einem PSYCHOPUNCH-Auftritt ausruht, um für einen anstehenden TANKARD-Gig noch einen ausreichenden Alkohol-Pegel zu aquirieren, der ist in dieser Situation mit derartig tiefgründiger Musik vielleicht ein wenig überfordert!

TANKARD:

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TANKARD:
Geizte nicht mit seinen Reizen: TANKARD-Frontkloß Gerre

Was die Besucher des BRETTHART OPEN AIRs im Anschluss erwartete, ist durchaus als der große Wendepunkt des Festivals anzusehen: Plötzlich war vor der Bühne nämlich so richtig etwas los und sämtliche Leute, die es sich vorher auf dem Boden bequem gemacht hatten, sprangen plötzlich auf, entstaubten ihre Matten, kämmten sich die Spinnenweben aus dem Haar und nahmen an einem energischen Pogo-Reigen teil – und das sicherlich nicht nur, weil sich zu dieser Stunde die Sonne verabschiedet hatte und die Temperaturen richtig angenehm wurden. Die Frankfurter Bier-Kapelle TANKARD betrat nämlich das Schlachtfeld und verwandelte das zuletzt so trübe BRETTHART zu einem wahren Freudenfest. Obwohl sich auch Frontkloß Gerre den ein oder anderen Fan mehr versprochen hatte, ließ er sich seine Enttäuschung überhaupt nicht anmerken und nutzte die folgenden anderthalb Stunden, um seinen latenten Frust mit Unmengen von Bier zu begraben. Und das tat ihm gut, dem Gerre – denn so ließ sich der Eintracht Frankfurt-Fanatiker immer zu witzigen Aktionen hinreißen und hing sich beispielsweise trotz seiner ca. 300 Pfund mit vollem Gewicht an die wackelige Lichtanlage, kündigte seine Songs z.B. mit Jetzt kommt ein Stück, das ich noch nie kapiert habe: Rectifier! oder Nun kommen wir zur einzigen Ballade, die TANKARD jemals geschrieben haben. Sie handelt von Liebe… Space Beer! an und riss immer wieder coole Sprüche, wie: So, jetzt gibt es wieder einmal vier Weight Watchers-Punkte auf Ex… Prost!. Doch auch Musik gab es vom hessischen Quartett zu hören, so bot man erwartungsgemäß ein überraschungsfreies Best of-Programm dar, das jedoch nie an seinem Reiz verlor und die Leute immer bei Laune halten konnte. Auffällig war besonders an diesem Abend, dass sich neuere Songs wie die B-Day-Hits Rectifier, Need Money for Beer und New Liver, Please! sowie das fast schon obligatorische Die With a Beer in your Hand problemlos mit den Klassikern messen können, was bei einer mehr als 20-jährigen Karriere mehr als beachtlich ist! So konnte bei mittlerweile Hefeweizen-farbendem Himmel das witzige Dreigestirn Freibier für alle, Empty Tankard und Kings of Beer einen Auftritt beenden, der nicht nur allen Beteiligten richtig Spaß gemacht hat, sondern auch die Stimmung auf dem BRETTHART OPEN AIR erst so richtig in Fahrt gebracht hat. Also, liebe Konzertveranstalter: Wenn ihr euch sorgen über die Publikumslaunen macht, bucht doch einfach die Frankfurter Chef-Thrasher – die bringen nämlich wirklich jede Party in Schwung!

ENTOMBED:

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ENTOMBED:
Walzten alles in Grund und Boden: ENTOMBED und Chef-Grunzer L.G. Petrov

Wer gefürchtet hatte, dass die Besucher nach der Stimmungs-Orgie bei TANKARD wieder in den alten Trott verfallen, konnte hörbar durchatmen, als die schwedischen Death-Urväter ENTOMBED die Bühne betraten. Da mittlerweile Dunkelkeit im BRETTHART-Camp eingekehrt war, konnten die Mannen um Growl-Legende L.G. Petrov auf eine großartige Lichtshow bauen, welche die Songs augezeichnet in Szene setzen konnte und der Show absolute Headliner-Atmosphäre verschaffte. Auch musikalisch wurde wieder einmal einiges geboten und das Quintett holzte derartig tight und spielfreudig drauflos, dass man beim Blick auf den Altersdurchschnitt der Musiker eigentlich nur ungläubig mit dem Kopf schütteln kann. Mit verblüffender Intensität prügelten sich die Jungs durch Klassiker wie Crawl (unglaublich!), Left Hand Path und Revel in Flesh und der Fokus lag an diesem Abend vordergründig auf den Stücken älteren Baujahrs, was den Leuten augenscheinlich ziemlich gut gefiel und deshalb auch gebührend abgefeiert wurde. Sänger Petrov hatte auch sichtlich Spaß, vielleicht besonders deshalb, weil sein Blick aufgrund der Dunkelheit wohl nicht weit über die ersten fünf Reihen, welche die Schweden wie Hörige abfeierten, hinaus ging und ihm so die gähnende Leere auf weiten Teilen des Festivalgeländes gar nicht weiter aufgefallen ist. Sei´s drum: Wer den hochprofessionellen (aber trotzdem bodenständigen) Auftritt von ENTOMBED miterleben durfte, wird sich an ein großartiges Konzert zurückerinnern, dessen Stimmung sogar die kollektive Ausgelassenheit bei TANKARD noch deutlich übertreffen konnte und somit als das absolute Highlight des BRETTHART OPEN AIRs 2005 herausgedeutet werden kann. Beiden Daumen zeigen ganz deutlich nach oben!

COMMANDER:

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COMMANDER:
Die Überraschung des Festivals: COMMANDER

Im Anschluss machte sich ein wenig Verwirrung unter den Zuschauern breit. Eigentlich wären jetzt die Gothic-Metaller LACRIMAS PROFUNDERE an der Reihe gewesen, doch ließen das Aufgebot auf der Bühne und der Grundsonor des Soundchecks alles andere als darauf schließen. Was anfangs nur als Gerücht durch die Runden gegangen war, sollte sich also bewahrheiten: Da LACRIMAS… nicht mehr rechtzeitig den Weg ins Badener Limbach gefunden hatten, wurden die Münchner Death-Thrasher COMMANDER, die eigentlich den Festivalsamstag eröffnen sollten, einfach vorgezogen. Und dies sollte sich als ziemlich lukrativ erweisen, denn während der charttaugliche Gothic Metal nach dem begeisternden ENTOMBED-Gig wohl gnadenlos untergegangen wäre, profitierten COMMANDER genau von der Stimmung, mit welcher die Schweden eine knappe Stunde zuvor von der Bühne gegangen waren.Obwohl die Band und ihre coole Thrash-/Death-Mischung den meisten Besuchern noch völlig unbekannt waren, ließen sich die Leute recht schnell vom Dargebotenen mitreißen und es zeigten sich auch zu später Stunde noch vereinzelte Headbanger vor der Bühne. Und dort gab es einiges zu sehen, denn neben einer sehr dynamischen und abwechslungsreichen Setlist lieferten die Musiker eine energische Performance ab: Sänger und Klampfenmann Nick Kolar machte den Eindruck, als sei er eins mit dem Mikrofon und wirkte nebenbei nicht zuletzt durch seine oberlässige Haltung wie ein verkappter James Hetfield, auch wenn sein kerniger Gesang die Vocals des METALLICA-Fronters völlig an die Wand bläst! Ein weiterer Augenschmaus war natürlich Bassistin Birgit Öllbrunner, die in erster Linie den Tieftönerpart bei den Folk-Goten MIDNATTSOL übernimmt und nicht nur die wohl hübscheste Person auf dem gesamten Festival markierte, sondern mit ihrem eleganten Headbanging und graziöser Performance auch richtig Fahrt in die Bühnenpräsenz des Quartetts brachte. Etwas schneller als bei Carmen Elise Espanæs und Co. zu Werke, prügelte sich die Musikerin durch wirklich begeisternde Bolzer wie Modern Slavery oder Dead but Alive – Chaper II, verteilte jede Menge akustischer Faustschläge bei Save Ones Own Heart und drückte kurzzeitig auf die Tränendrüse (Drowned in Sorrow). Man mag eigentlich gar nicht glauben, dass der Monitorsound auf der Bühne tatsächlich so matschig gewesen sein soll, jedenfalls agierten COMMANDER über weite Strecken des Abends hochgradig professionell, sodass ich mir sicher bin, dass aus diesen Jungs noch etwas werden könnte – hat man erst einmal einen höheren Bekanntheitsgrad erreicht. Wer schon einmal mithelfen möchte, sollte sich einfach mal die Demosongs auf der offiziellen Homepage herunterladen!

Samstag, 18. Juni 2005

SPEEDBALL:

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SPEEDBALL:
Genossen hohes allgemeines Interesse: SPEEDBALL

Der nächste Tag schien sich in vielerlei Hinsicht recht deutlich vom Festivalfreitag zu unterscheiden, schließlich befanden sich von Anfang an deutlich mehr Leute auf dem Gelände und auch das Wetter war um Längen besser als am durchwachsenen, weil teilweise regnerischen Vortag. Lediglich musikalisch knüpfte man genau dort an, wo man am vorigen Abend aufgehört hatte: SPEEDBALL lieferten pfeilschnellen Thrash Metal, der für mich wie eine moderne Version von KREATOR aus der Brüllbox brezelt, und traten somit klar das etwas weniger Death-lastige Erbe der coolen COMMANDER an. Während Letztere sich allerdings dank des Ausfalls von LACRIMAS PROFUNDERE am späten Abend einer aufwändigen Lichtshow bedienen konnten, mussten die Limbacher Lokalhelden in der prallen Mittagssonne an die Front und es gelang ihnen auch über weite Strecken, die vergleichsweise zahlreichen Leute vor der Bühne bei Laune zu halten. Hits wie War in the Neighbourhood und Isolation zeigten den Besuchern relativ deutlich, dass auch in Limbach irgendwo ein Thrash-Hammer hängt, auch wenn man sich im Nachhinein glücklich schätzen kann, dass man sich nicht dem direkten Vergleich mit den etwas älteren und erfahreneren COMMANDER unterziehen musste. Doch Schwamm drüber, im Endeffekt konnten mich SPEEDBALL durchaus begeistern und stellten wohl auch für viele andere Besucher den perfekten Opener für den zweiten (und deutlich härteren) BRETTHART-Tag dar!

LEGACY:

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LEGACY:
Durften sogar zwei mal ran: Die Lokalhelden LEGACY

Was sich wohl die fünf bis siebenjährigen Kinder im Publikum gedacht haben, als die Brutalo-Deather LEGACY ihre halbstündige Knüppelshow starteten? Ich finde es ja wirklich sehr lobenswert, wenn ein Familienausflug an einem sonnigen Samstag zwecks musikalischer Früherziehung auch mal zu einem Metalfestival führt, jedoch hatte ich in diesem Fall doch recht deutliche Bedenken, schließlich hatten LEGACY den wohl lautesten Sound des gesamten BRETTHART OPEN AIRs und die ungeschützten Gehörgänge der Kids sowie der dazugehörige Gesichtsausdruck bereiteten mir mehr als Kopfzerbrechen. Abgesehen von der hohen Lautstärke war die Musik in der nächsten halben Stunde vordergründig schnell, brachial und trotz der kurzen Dauer ziemlich schnell monoton. Trotzdem befanden sich einige Fans der Band im Publikum und diese hatten mächtig Spaß, besonders als sechs Hobby-Exhibitionisten ihre mit jeweils einem Buchstaben verziehrten Ärsche gen Bühne streckten, um so in gemeinsamer Kollaboration den Bandnamen (der wesentlich besser zu lesen war als beim eigentlichen Bandlogo!) preiszugeben – was einem nicht alles einfällt, wenn das Papier ausgeht!

Doch mit diesem Auftritt sollte es nicht genug sein, denn als nach den folgenden SILENT OVERDRIVE die angekündigten LOST SOUL immer noch im Stau steckten und noch nicht einmal eindeutig geklärt war, ob VADER und DIE APOKALYPTISCHEN REITER überhaupt rechtzeitig kommen würden, schmissen LEGACY erneut den Laden und boten einige Raritäten wie einen Song, der sich gegen pädophile Neigungen richtete und mit Abstand die beste Resonanz einfahren konnte! Schier unerschöpflich schien der Liederfundus der Odenwälder, doch als die Nachricht ertönte, dass DEW-SCENTED nun an der Reihe waren, verließen die sympathischen Musiker das Schlachtfeld und man blickte fragend auf die Uhr: LEGACY haben an diesem Tag mal eben so für zwei gespielt – Respekt!

SILENT OVERDRIVE:

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SILENT
Bestachen durch ihre eigenständige Thrash-/Metalcore-Mischung: SILENT OVERDRIVE

Im Anschluss sollte sich der Bereich vor der Bühne leider wieder vollkommen leeren, denn während die Lokalhelden LEGACY ihren eigenen Fanclub mit nach Limbach gebracht hatten, mussten die folgenden SILENT OVERDRIVE ohne Netz und doppelten Boden auf die Bühne steigen. Glücklicherweise ließen sich die Musiker durch diesen Umstand nicht lumpen und lieferten eine sehr engagierte Show ab, die sogar einen einsamen sechsjährigen Headbanger vor der Bühne restlos zufriedenstellen konnte. Stilistisch sind die Mannen um Filzkopf Maik nicht leicht einzuordnen, die Band bietet zwar modernen Thrash Metal mit Metalcore-Einschlag, emigriert aber in unregelmäßigen Abständen auch gerne mal in völlig fremde Sparten. Hinzu kommt der sehr eigenständige Gesang Maiks, der live zwar ein Stückchen rauher klingt als auf CD, dennoch aber eher ungewöhnlich moderat für derartige Musik erscheint. Mit dieser bemerkenswerten Stilistik, welche die Band selbst passenderweise Melodic Thrashcore getauft hat, fegte sich das Quintett durch Nackenbrecher wie Bleeding und Emotionally Dead, die trotz ihrer Härte immer das nötige Maß an Eingängigkeit aufweisen und somit auch den ein oder anderen BRETTHART-Besucher durchaus begeistern konnten. Unterm Strich lieferten SILENT OVERDRIVE also einen begeisternden Auftritt ab, der sich als perfekter Appetizer für die angekündigte neue CD herausstellte. Man darf gespannt sein, wie sich diese eigenständige Combo entwickeln wird!

DEW-SCENTED:

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DEW-SCENTED:
Nach wie vor eine der amtlichsten deutschen Live-Bands: DEW-SCENTED

Ihr seid zwar nicht das beste Publikum, aber auf jeden Fall das heißeste! – treffender hätte DEW-SCENTED-Fronter Leif Jensen die Situation auf dem BRETTHART OPEN AIR nicht zusammenfassen können. Doch trotz der prallen Nachmittagsonne und den nicht allzu zahlreichen Besuchern schienen die deutschen Publikumslieblinge auch an diesem Tag keine Probleme damit zu haben, den Leuten noch einmal so richtig einzuheizen. Mit ihrer beliebten Death-/Thrash-Mischung hatten sie die gierigen Fans jedenfalls schnell auf ihrer Seite und boten eine großartige Setlist, die von Unconditional und Destination Hell über Cities of the Dead und Inwards bis zum Übersong Acts of Rage alle namhaften Songs des Backkatalog abdeckte und zudem mit einigen völlig neuen Kompositionen vom zum damaligen Zeitpunkt noch nicht veröffentlichten Issue VI-Album gespickt war. Und diese Stücke klangen sehr vielversprechend, jedenfalls könnte aus einer Perle wie Processing Life auf absehbare Zeit noch ein richtiger Genre-Hit werden und der Live-Knaller Turn to Ash sollte sich seinen Stammplatz im Set schon jetzt erspielt haben. Ansonsten gibt es eigentlich nur wenig über den soliden Auftritt zu berichten: Die Rhythmusfraktion werkelte wieder einmal fehlerfrei und mit messerscharfer Präzision, der Bühnensound konnte die Schlagzeugsalven und Gitarrenriffs hervorragend in Szene setzten und Sänger Leif machte wieder einmal eine astreine Figur – irgendwie kommt man einfach nicht darum herum, diese Jungs zu mögen! Toller Auftritt, vielleicht der beste, den ich bisher von Leif und Co. gesehen habe!

DIE APOKALYPTISCHEN REITER:

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DIE
Erwischten leider nicht ihren besten Tag: DIE APOKALYPTISCHEN REITER

Auf DIE APOKALYPTISCHEN REITER hatte ich mich im Vorfeld ganz besonders gefreut und ich konnte anhand der zahllosen Fanshirts im Publikum bereits am Vortag erkennen, dass ich mit diesem Gefühl nicht allein war. Selbst die Reitermaniacs, der offizielle Fanclub der Band, ließ sich auf dem BRETTHART OPEN AIR blicken und unterstützte die Band aus der ersten Reihe. Und diese war im Gegensatz zu den Vorbands nicht mehr allzu leicht zu erreichen, denn nun erhoben sich (ähnlich wie bei TANKARD am Vortag) sämtliche Besucher aus der Picknick-Positon und vor der Bühne stand man sich fast schon gegenseitig auf den Füßen, als die Reiter mit dem Samurai-Opener Wahnsinn ihren einstündigen Gig eröffneten. Leider ließ der Sound an diesem frühen Abend doch etwas zu wünschen übrig, und so lohnte es sich auch kaum, dass Sänger Fuchs extra für die Gitarrenharmonien dieses Songs zusätzlich in die Klampfe griff, schließlich war der barfüßige Fronter im Publikum überhaupt nicht zu hören. Ansonsten lieferten die Reiter das gewohnte Best of-Programm, das mit Unter der Asche und Die Sonne scheint seine absoluten Highlights fand, allerdings Klassiker wie Dschingis Khan und Metal Will Never Die völlig außen vor ließ, als hätte es vor All You Need is Love gar kein Reiter-Album gegeben! Stattdessen packte die Band endlich wieder Komm ins Set und Schlagzeuger Sir G. performte ein Drumsolo, welches das Fehlen der erwähnten beiden Klassiker aber leider nicht wett machen konnte. Trotzdem ließen sich die Festivalbesucher daran nicht sonderlich stören, denn die Stimmung war wirklich hervorragend und markierte definitv den Höhepunkt des Festivalsamstags, auch wenn man den Musikern ganz klar den Frust darüber aus dem Gesicht herauslesen konnte, dass sie zunächst stundenlang im Stau stehen mussten, um schließlich vor derartig wenigen, aber immerhin gut gelaunten Zuschauern zu spielen. Schade eigentlich, denn zumindest bei der Zugabe We Will Never Die konnte man erahnen, dass die Band zu wesentlich mehr imstande gewesen wäre! Schwamm drüber, auf dem SUMMER BREEZE wird alles wieder gut!

VADER:

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VADER:
Definitiv eines der Highligts des Festivals: VADER und Basser Novy

Dann war es also Zeit für die (brett)härteste Band des Festivals und das allgemeine Interesse war natürlich sehr hoch, obwohl sich sicherlich einige Leute im Publikum befanden, denen die Musik der Polen VADER doch eine Spur zu heftig erscheinen dürfte. Als Peter und Co. jedenfalls die Bühne enterten, wurde es in den ersten Reihen ziemlich eng, und als die ganz und gar nicht headbangkompatiblen Schlagzeugsalven des Openers Out of the Deep ertönten, schienen die Besucher wie gefesselt von der druckvollen und ultra-transparenten Soundwand. Im Anschluss wurde das Tempo bereits ein wenig gedrosselt, denn der The Beast-Hit Dark Transmission wurde (viel zu früh?) auf die Meute losgelassen und es erschien fast schon unheimlich, wie man mit solch simplen Gitarrenriffs und Grooves eine derartige Energie erzeugen kann. Dabei lassen VADER ihre Musik übrigens einfach für sich sprechen, denn auf der Bühne spielt sich bei dieser Band traditionell nicht sonderlich viel ab: Frontgrunzer Peter steht in cooler Lemmy-Pose hinter dem Mikrofon, Flitzefinger Mauser rackert sich lediglich auf seinem Griffbrett gehörig einen ab und einzig Basser Novy sorgt für ein wenig Bewegung von der rechten Seite. Doch mehr als das ist im Grunde auch überhaupt nicht nötig, wenn man wuchtige Nackenbrecher wie das grandiose Reign Forever World, Epitaph oder Reborn in Flames im Gepäck hat, bei denen die Besucher der Band nur so aus der Hand fressen. Das erwartungsgemäße Highlight der Show war wieder einmal das formidable Wings, bevor VADER zum Schluss wieder einmal ihre Raining Blood-Coverversion präsentierten und ihre Show mit einem solchen Paukenschlag abschlossen, dass es im Prinzip kaum jemanden störte, dass die Show nach einer knappen Stunde etwas zu früh beendet wurde. Mich hat es nicht sonderlich gestört, Daumen hoch für eine energiegeladene VADER-Show!

SAMAEL:

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SAMAEL:
Ernteten Applaus und Äpfel: SAMAEL und Sänger Vorph

SAMAEL gehören wohl zu den polarisierensten Bands der Metalszene. Im Vorfeld war ich wirklich ziemlich gespannt, inwiefern sich dieser Gedanke auf dem BRETTHART OPEN AIR widerspiegeln würde, schließlich kamen die meisten Besucher ohnehin eher aus dem Todesblei-Lager und waren somit weniger für deren tanzbaren Industrial der Schweizer zu haben. Doch trotz der langen Wartezeit (die Umbaupause dauerte mindestens eine halbe Stunde länger als vorgesehen) herrschte vor der Bühne ein enormer Andrang und zum ersten Mal schien wirklich die gesamte Besucherschar auf den Beinen zu sein. Als Sänger Vorph schließlich die Bühne betrat, muss er sich in gewisser Weise wie Moses vorgekommen sein, das Meer aus Händen spaltete sich im Laufe des Gigs nämlich immer mehr in Verfechter und Verächter, wobei letztere entweder verärgert das Weite suchten oder ihren Frust auf anderen Weise abzuladen versuchten: Während so macher Besucher schlicht und ergreifend einen bestimmten Finger hochstreckte, der bei Pommesgabel nicht benötigt wird, wurde beim Reign of Light-Song Inch´Allah sogar ein angebissener Apfel auf den Fronter geworfen – scheinbar mussten diese Leute den dick und fett auf sämtlichen Flyern prangenden Bandnamen völlig überlesen haben, ansonsten kann ich mir jedenfalls nicht erklären, wieso man auf ein Festival fährt, wenn man tatsächlich eine deartige Phobie vor der Headlinerband hat!

Musik gab es übrigens auch zu hören: Illustriert von einer aufwändigen Bühnendeko inlklusive zweier Monitore, die für den typischen Sonne Mond und Sterne-Effekt sorgten und zusammen mit den Songs tatsächlich so etwas wie Weltraumatmosphäre im nächtlichen Limbach erzeugen konnten, spielten SAMAEL vordergründig Material ihrer beiden letzten Alben, was den Launen der erwähnten Streithähne zwar nicht gerade förderlich war aber dennoch von vielen Fans mit Freuden aufgenommen wurde. Egal, ob man nun zu Moongate, Reign of Light, My Saviour oder Jupeterian Vibe die Hüften schwang – man kann den neuen Songs eine im positiven Sinne eigenartige Atmosphäre keineswegs absprechen! Ein wenig störend empfand ich allerdings, das Tastenmann Xy selbst bei einem Klassiker wie Baphomet´s Throne nicht die Finger stillhalten konnte und das Stück mit seltsamen Samples vollpfropfte, dass sich fast schon fragte, ob sich die Schweizer anno 2005 mittlerweile vor ihrer schwarzmetallischen Vergangenheit schämen oder nicht! Insgesamt also ein Auftritt, der von den Besuchern zwar zwiespältig aufgefasst wurde, Fans der neuen SAMAEL aber mit Sicherheit zufrieden gestimmt haben dürfte!

MIDNATTSOL:

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Wurden trotz großartiger Show leider nicht immer ernst genug genommen: MIDNATTSOL und Bassistin Birgit Öllbrunner

Den Schluss des BRETTHART OPEN AIRs markierten in diesem Jahr die deutsch-norwegischen Folk-Gothic-Metaller MIDNATTSOL. Da sich aufgrund der langen Wartezeit vor dem SAMAEL-Gig alles ein wenig nach hinten verschoben hatte, war die Uhrzeit schon ein wenig vorangeschritten und es dürfte etwas später als 0:30 Uhr gewesen sein, als die Band um Frontfrau Carmen Elise Espanæs und Bassistin Birgit Öllbrunner, die ja ebenfalls bei den Münchnern COMMANDER in die Saiten greift und somit bereits zum zweiten Mal auf dem Festival zu bestaunen war, die Bühne betraten. Das Hall of the Mountain King-Intro eröffnete einen denkwürdigen Auftritt einer mehr als sympathischen Band, die allerdings ebenfalls unter den Launen der mittlerweile im Alkohol-Delirium befindlichen Besucher zu leiden hatte: Jedenfalls waren die in überraschend flüssigen deutsch vorgetragenen Ansagen von Sängerin Espanæs teilweise kaum verständlich, weil man aus Teilen des Publikums statt Beifall über die ganze Zeit des einstündigen Gigs lediglich ein infantiles Ausziehen! Ausziehen! Jetzt zieht euch doch endlich aus! hören musste, was Anhänger der Band ziemlich verärgerte und auch die blonde Sangeskünstlerin augenscheinlich verunsicherte. Schade eigentlich, denn ansonsten erlebten die Anwesenden einen beeindruckenden Auftritt, der mit dem AMORPHIS-Cover Drowned Maid auch eine faustdicke Überraschung beinhaltete und auch sonst mit den treibenden Haunting und Infinite Fairytale sowie dem herzergreifenden Desolation ein abwechslungsreiches und hochwertiges Programm zu bieten hatte. MIDNATTSOL sind definitv keine weitere NIGHTWISH-Klonband, sondern eine musikalisch wertvolle, eigenständige und erdige Nordic Folk Metal-Band – das haben sie schon auf ihrem tollen Debüt Where Twilight Dwells aufgezeigt und mit diesem Auftritt auch noch den letzten Zweiflern beweisen können!

Bericht, Fotos & Layout: Der Pohl