AMON AMARTH, VOMITORY, CALLENISH CIRCLE, SINS OF OMISSION, 28.4.2002, Offenbach Hafenbahn

AMON AMARTH, VOMITORY, CALLENISH CIRCLE, SINS OF OMISSION, 28.4.2002, Offenbach Hafenbahn

Dank der Sonntagsfahrer, die anscheinend alle ausnahmslos von Stuttgart in Richtung Frankfurt unterwegs waren, haben wir die Schweden DIABOLICAL leider verpasst. Überhaupt schienen an diesem Tag einige Leute erst recht spät in die Offenbacher Hafenbahn gefunden zu haben, besonders voll war es zunächst nämlich nicht. Richtig voll wurde die Halle auch später nicht, was mich doch ein wenig wunderte, aber wer sich dieses Konzert hatte entgehen lassen, ist sowieso selbst schuld.

Los ging es für uns mit SINS OF OMISSION, die Schweden machten eine ganz ordentliche Figur als Opener, hundertprozentig überzeugen konnte mich die Band aber nicht. Songs wie „A Wicked Slaughterhouse Tale“ konnten mich schon auf Flesh On Your Bones nicht vom Hocker reißen – und auch live klingt das alles ein bisschen zu konstruiert und zerfahren. Dazu kam dass Sänger Mårten Hansen irgendwie etwas zu verpeilt wirkte und zwar mit irrem Blick ins Publikum stierte, stimmlich aber nicht wirklich auf der Höhe war.

Dafür wurde er von zwei nahezu identisch aussehenden Gitarristen umrahmt, deren Stageacting weitaus weniger unbeholfen wirke. Auch mit „Revolution“ und „Sinner´s Rebellion“ und einigen Songs von „The Creation“ konnten SINS OF OMISSION die Stimmung nicht rumreißen. Alles in allem war es dann einer der Auftritte, die man unter „war ja ganz nett“ verbuchen kann – ganz besonders da der Rest des Abends um einiges besser werden sollte.

CALLENISH CIRCLE hatten zunächst mit völlig vermatschten Sound zu kämpfen, der sich im Laufe der Setlist besserte. Mit ihrem letzten Album Power_Flesh_Dominion landeten die Holländer einen mittlerweile gar nicht mehr so geheimen Tipp und auch live überzeugt das (moderne) Thrash-Gewitter völlig. Neben einer Handvoll Songs vom Vorgängeralbum Graceful …Yet Forbidding wie „No Reason“ und „Forgotten“, die an diesem Abend um einiges tighter und heftiger als auf CD ins Publikum gebrettert wurde, kamen alle Tracks von „Power_Flesh_Dominion“, die ich mir gewünscht hatte, zum Zuge. Den Oberknaller „Obey Me…“ hatten die Nicht-WM-Teilnehmer zwar ans Ende des Sets gestellt, doch „For What It’s Good For“ und das eher ruhigere „Your Final Swanssong“ verkürzten die Zeit aufs angenehmste.

Dreh- und Angelpunkt der Band ist Fronter Patrick Savelkoul, der es schaffte, an diesem Abend zum erstem Mal Stimmung aufkommen zu lassen und eine durchweg aggressive, aber saubere Gesangsleistung bot. Die Spielfreude, die gerade Power_Flesh_Dominion zu einem wirklich guten Album macht, war live logischerweise noch viel mehr zu spüren. Spätestes beim DEATH-Coversong „Pull The Plug“ hatte das mittlerweile etwas zahlreicher vor der Bühne auftauchende Publikum bemerkt, dass das eine durch und durch motivierte Band auf der Bühne stand und belohnte CALLENISH CIRCLE sogar mit einem kleinen Moshpit. Wenn die Band so weitermacht, dann wird der Moshpit in Zukunft mit Sicherheit größer sein, verdient hätten sie es.

VOMITORY

Selbst Boxi, sonst kein Freund allzu derber Klänge konnte sich ein anerkennendes Nicken nicht verkneifen. VOMITORY passten sehr strenggenommen zwar nicht so ganz ins Billing, machten aber das beste aus der Situation. Sämtliche Klischee-Formulierungen wie „die Band prügelte sich in ICE-Geschwindigkeit durch ihr Set“ haben für diesen Auftritt ihre Berechtigung.

Auf der Bühne bewegte sich rein gar nichts – abgesehen von den Gitarristen, die sich zwar schon mal dann und wann zum Kopfkreisen hinreißen ließen, sich ansonsten aber völlig unbeeindruckt vom gut mitgehenden Publikum hinter einem dichten Haarvorhang versteckten. Da hätte weiß-der-Deibel-wer Gitarre spielen können, bemerkt hätte es keiner. Sänger/Bassist Erik Rundqvist ist auch nicht gerade zum Frontman geschaffen, denn im Gegensatz zu CALLENISH CIRCLE Fronter Patrick Savelkoul, der mit sympathischen Ansagen den Kontakt zum Publikum suchte, beschränkte sich Eriks Konversation auf vereinzeltes Songtitelgegurgel. Das störte aber alles nicht weiter, denn VOMITORY zeigten an diesem Abend, dass sie live zu den besten altgedienten Retro-Death-Zockern gehören. Tight und unglaublich brutal schossen die Schweden Songs wie „Chaos Fury“, „Rotting Hill“, „Blood Rapture“ von aktuellen Album Blood Raptureoder „Revelation Nausea“ ab – da blieb nicht viel Zeit, sich zu überlegen, auf welchem Album die jeweiligen Songs auftauchen oder gar welchen Titel sie tragen. Für eine kurze Zeit katapultierten VOMITORY die Hafenbahn zurück in die Vergangenheit, ohne Sperenzien, ohne Show, dafür mit wahrlich beeindruckender Intensität, so dass die Umbaupause vor AMON AMARTH eine wirkliche Wohltat war.

AMON AMARTH


Irgendwie gibt es sie doch noch, die Konzerte, an die man sich jahrlang zurückerinnert und von denen man den daheimgebliebenen immer wieder gerne erzählt – ob die sich nun dafür interessieren oder nicht, ist in solchen Fällen egal. Was mit CALLENISH CIRCLE und VOMITORY schon richtig gut begonnen hatte, sollte nun von AMON AMARTH vollendet werden. Die Nordmänner um Oberwikinger Johan Hegg luden ein auf eine Reise durch sturmumtoste Felsen, donnernde Schlagzeuggewitter und majestätisch-schöne Klanggewässer. Es war nicht nur die sympathische, liebenswerte Art, mit der Bartbanger Hegg deutsche Ansagen machte und dabei das Publikum beharrlich siezte, es war nicht nur die mitreißende Show seiner Kollegen und es waren auch nicht nur die fantastischen Songs dieser Band – es war diese insgesamt unglaubliche Atmosphäre, die schon beim Opener „Without Fear“ zu spüren war und bei der man gar nicht anders konnte, als mit glücksglänzenden Augen auf die Bühne zu starren und die Band abzufeiern.

Fronter Hegg versprühte Schweiß, Speichel und Unmengen an Charisma, und auch ausufernde Songs wie das grandios dargebotenen und immerhin knapp achtminütige „Vicorious March“ fesselte von der ersten bis zur letzten Sekunde. AMON AMARTH berücksichtigten bei der Songauswahl alle Schaffensperioden, so dass die Setlist keine Wünsche offen ließ: Von älteren Stücken wie den erwähnten über „Bleed For The Ancient Gods“ und „The Last With Pagan Blood“ bis zu Songs vom letzten Album The Crusher wie „Masters Of War“, „The Sound Of Eight Hooves“ und dem überwältigenden „Annihilation Of Hammerfest“ präsentierte sich AMON AMARTH in Höchstform. Das passte einfach alles – Licht, mittlerweile auch der Sound, Songs und Stageacting. Das sah das begeisterte , nun auch etwas vielköpfigere Publikum, das die Band zur Zugabe auf die Bühne zurückholte, genauso. Es war wahrlich ein „Victorious March“…

Bericht: vampiria
Fotos: boxhamster

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...