WITCHERY: Das Heavy Metal Kreuzworträtsel oder endlich ein Schlagzeuger, der auf den BASSER hört!!!

WITCHERY Bassist Sharlee D´Angelo zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass er in überdurchschnittlich vielen Bands spielt oder gespielt hat. Nein, der Mann ist auch einer der nettesten und höflichsten Gesprächspartner, die man sich vorstellen kann. Die besten Voraussetzungen also für ein gelungenes Interview!

WITCHERY Bassist Sharlee D´Angelo zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass er in (auch für einen Schweden) überdurchschnittlich vielen Bands spielt oder gespielt hat. Nein, der Mann ist auch einer der nettesten und höflichsten Gesprächspartner, die man sich vorstellen kann. Er redet wie ein Wasserfall, unterbricht dennoch nie, und ist immer ausgesprochen nett. Dazu kommt, dass er auf jede noch so abwegig erscheinende Frage eingeht und sich wirklich Gedanken macht, warum Song Y an Song X erinnert – auch wenn er ganz anderer Meinung ist. Dazu kommt, dass er über einen ganz eigenen Humor verfügt, der sich schriftlich aber kaum wiedergeben lässt…. trotzdem viel Vergnügen..!

Warum hat es so lange gedauert, bis ich ein neues Witchery Album in Händen halten durfte?

Och, wir dachten, dass wir euch einfach eine Weile zappeln lassen sollten, damit ihr richtig heiß auf das Album seid, wenn es dann endlich da ist. Hehehe! Nein, wir haben das Label gewechselt und dann war es auch nicht so einfach, alle unter einen Hut zu bringen. Jensen war mit THE HAUNTED beschäftigt und so weiter. Es hat einfach alles eine Weile gedauert. Unsere Drumer Mique ist ausgestiegen. Wir hatten zwar schnell Ersatz gefunden, doch auch er konnte letztendlich nicht bei Witchery mitspielen. Kurz vor dem Aufnahmen haben wir dann unseren neuen Schlagzeuger Martin (Axe) gefunden. Alles in allem hat die ganze Sache viel länger gedauert als wir erwartet haben. Nun, wir konnten leider nicht halten, was wir versprochen hatten…

Wie alt sind denn die Songs nun – ihr seid ja eigentlich recht schnell, wenn es um das Songwriting geht. Durch diese ganzen Verzögerungen hat sich ja nun alles ziemlich hingezogen.

Jaaaaa. Es gibt ein paar Riffs, die ungefähr ein Jahr alt sind. Wir haben mit dem Songwriting im August letzen Jahres begonnen. “Shallow Grave” ist aus der Zeit. Im Januar haben wir uns dann noch einmal getroffen, die meisten Songs sind aus dieser Zeit – so alt sind die Tracks also gar nicht.

Ursprünglich sollte das Album “An Early Grave” heißen?

Ja, das war der Arbeitstitel. Es war ein sehr realistischer Titel – denn so haben wir uns auch gefühlt zu dieser Zeit. Es gab so viele Probleme, alles ging schief. We felt like the whole thing was an early grave!

Und warum habt ihr nun eine Symphony für den Teufel gemacht?

Nun, denkst du, dass er keine Symphony verdient hat? Es ist wieder eines dieser Wortspiele. Es war eben ein Bild: eine Symphony für den Teufel ist etwas Apokalyptisches, Feuer, Pest, Stürme – das Auslöschen des gesamten Planeten, das ist eine Symphony für den Teufel. Das Intro greift dieses Bild auch auf: was du da hörst ist ein apokalyptischer Feuersturm.

Ich vermisse ein wenig die Anspielungen – bis auf “Hearse Of The Pharaoh” habt ihr auf Songtitel wie “House Of The Raining Blood”, “A Paler Shade Of Death” oder “Dead, Hot And Ready” verzichtet.

Wir haben den Albumtitel und “Hearse of the Pharaohs”. Ansonsten ist uns einfach nichts Gutes eingefallen. So einfach ist das, hehe. Ich denke, dass es besser ist, eine richtig gute Idee zu verwenden, statt mehrere halbgare Einfälle zu verwursteln, die eigentlich nicht witzig sind.

Nächster Kritikpunkt: Das Cover. Ich hatte mich an den gezeichneten Ben Wrangle von Necrolord gewöhnt. Jetzt muss ich lesen, dass es drei verschiedene Covers geben wird, eines für Europa, eines für Asien und eines für Amerika.

Das europäische Cover-ArtworkNecrolord hat das Cover für die Veröffentlichung in Japan gemacht, Niklas Sundin hat das für die amerikanische gestaltet. Das Artwork für die europäische Version ist von Andreas Petterson. Er hat noch nicht sehr viele Covers gemacht. Eigentlich arbeitet er in der Werbung, er hat aber schon etwas Erfahrung, da er die Covers zu “The Haunted” und “The Haunted made me do it” gestaltet hat. Daher kannten wir ihn, er ist ein guter Freund, einer Zusammenarbeit stand also nichts im Wege.

Noch ein Niklas Sundin Cover? Er scheint gerade gut im Geschäft zu sein.

Das Cover der US-VersionNun, ich kenne ihn sehr gut. Er lebt in der selben Stadt wie ich. Als wir den Entschluss fassten, drei verschiedene Artworks für das Album machen zu lassen, haben wir uns überlegt, wer die Covers gestalten könnte – wir hatten eine große Liste mit Namen. Eine solche Zusammenarbeit ist viel einfacher, wenn du mit den Leuten, die das Cover machen, reden kannst. Mit einem Typen aus Amerika wäre das nicht so einfach gegangen. Wenn die Kommunikation fehlt, dann bekommst du irgendwann einen Entwurf und wenn dir der nicht gefällt, dann bist du praktisch am Arsch. All diese Probleme haben wir umgangen: Es war sehr einfach, mit Niklas zu arbeiten. Er macht das meiste am Computer und so ist es viel leichter, etwas zu ändern. Das Cover von Niklas Sundin ist eher untypisch für ihn, es sieht anders aus. Wenn man genau hinsieht, dann kann man vielleicht erkennen, dass es ein Sundin Cover ist, aber er hat nicht die für ihn typischen Elemente verwendet. Es ist ein typisches WITCHERY Cover.

Die Japan-Edition sieht so ausIch frage mich, wie denn ein Sundin Cover zu WITCHERY passen wird, da ihr ja immer gruselige Horror Comic-artige Artworks hattet – eine Atmosphäre, die ich nicht unbedingt mit Niklas Sundins Arbeiten verbinde

Nun, es ist sehr spooky – normalerweise wird so etwas nicht von ihm verlangt. Er hat sich gefreut, dass er mal etwas anderes machen kann. Als wir das erste Cover von Necrolord entwerfen ließen, war es eine ähnliche Situation, er hatte bislang immer Gothic Artworks gemacht, wie die “Beauty In Darkness” Covers. Er war mehr mit Schmetterlingen, schwarzen Blumen und hübschen Damen beschäftigt, haha. Er war glücklich, mal einen Friedhof mit Skelett zu machen. Wenn du in einem Bereich gut bist, dann musst du auch mit unterschiedlichen Anforderungen umgehen können – und vielleicht haben die Künstler ja auch etwas davon, wenn sie mal was anderes machen dürfen.

WITCHERY hat ein Image, das ich sehr mag –für mich eine Mischung aus Grusel und traditionellem Heavy Metal: ein Maskottchen, ein Frontman der mit Pfählen und Axten auftritt, Songs, die nicht allzu weit vom „klassischen Heavy Metal“ entfernt sind und die nötige Portion Selbstironie. Auf mich wirkt das ganze sehr ehrlich, da es einerseits auf die gute alte Heavy Metal Tradition verweist und zum anderen diesen HorrorComic Aspekt hat.

Ja, es ist ehrlich und es ist nicht hundertprozentig ernst gemeint. Wir versuchen nicht, auf Teufel komm raus, böse zu sein. Wir sind mehr wie das klischee-gewordene Böse…

Es hat etwas von einem guten Comic…

Ja, genau – das ist genau, das was wir erreichen wollen. Das kommt auch in den Texten durch, dieses Hui Bu Feeling. Wuuuuuuuuuuu…ist das gruselig, hahaa!

Das ist eine Seite – die andere ist, dass Witchery einfach Spaß machen. Ihr habt eine bestimmte Rock n’ Roll Attitude – zumindest wirkt eure Musik auf mich so. Bei “Symphony dfor the devil” vermisse ich allerdings diese Spontanität, das Album klingt geplanter und geordneter.

Echt?

Ja, das Problem ist dass ich eine solche Aussagen nicht an einzelnen Songs belegen kann. Es ist mehr ein Eindruck, der sich auf das gesamte Album bezieht.

Nun, du könntest sogar recht haben. Wir haben länger an den Songs gearbeitet, neben den kleinen Sessions im August haben wir den größten Teil des Januars, so um die zwanzig Tage, an dem Album gewerkelt. In dieser Zeit spielten wir die Songs, arrangierten ein paar Dinge um, dadurch haben wir diese Songs einfach öfter gespielt und mehr geprobt – vielleicht klingt es deshalb eher geplant für dich.

Ich bin aber immer noch der Meinung, dass ihr keine Studio-Band seid. Kein Mensch erwartet Songs von WITCHERY, denen man anhört, dass sei für zwei Monate bearbeitet wurden.

Wir hatten dieses Mal viel mehr Zeit, wir fühlten uns wie eine wirklich wichtige Band (macht eine bedeutungsvolle Pause) – wir waren nämlich zwei Wochen im Studio, haha. Wir haben mehr Zeit für den Sound der Platte verwendet. Bis wir alles so hatten, wie wir es haben wollten, dauerte es zweieinhalb Tage, dann hatten wir den Drumsound und den Gitarrensound. Als wir begannen, aufzunehmen, war es wie immer: Zwei Gitarren, Bass und Drums nahmen wir auf einmal auf. Das dauerte einen Tag, ungefähr acht Stunden.

Das kommt auch immer noch rüber – die Songs klingen frisch und haben Live-Atmosphäre. Du sagtest in einem Interview, dass es nichts bringt, einen Take acht mal einzuspielen, weil dann das Feeling verloren geht. Trotzdem unterscheidet sich “Symphony For The Devil” in dieser Beziehung vom “Restless And Dead” Album, das meiner Meinung nach um einiges roher klingt.

Da hast du sicher recht, denn “Restlesss and Dead” war ein extremes Beispiel für Spontanität. Ich habe mit den Jungs vier Stunden geprobt und dann sind wir am nächsten Tag ins Studio und haben aufgenommen! Das Album ist viel rauer, wenn du genau zuhörst, findest du viele Spielfehler und stellenweise ist das Album wirklich untight – was für mich aber vollkommen ok ist, denn es klingt trotzdem gut! Wenn man das Album von technischen Standpunkt aus betrachtet, dann ist es wirklich nicht gut gespielt – aber es klingt gut.. „Symphony For The Devil“ ist besser eingespielt, tighter, hat ein besseres Timing und und und. Das hat auch viel mit unserem neuen Drummer Martin zu tun, der Junge ist eine Art Wunderkind! Er ist recht jung er wurde kürzlich 22, mag er die Musik der Siebziger und frühen Achtziger. Er hat denselben musikalischen Hintergrund wie wir, er spielt wie wir. Es ist seltsam, er hat diese altmodische Einstellung zum Druming: Er will damit eine gute Rhthymussektion bauen. Ich war sehr überrascht, denn als wir gejammt und Arrangements gemacht haben, hat er sehr auf das gehört, was ich spiele – er folgte mir. Das passiert nicht oft, denn die meisten Metal Drummer hören auf die Gitarren, aber nicht auf den Bass. Es war deshalb sehr einfach für ihn und für mich, den Songs den nötigen Kick zu geben.

Das klingt, als ob er ein idealer Eratz für Mique ist, denn Witchery stehen der Tradition des Heavy Metal der Achtziger in gewisser Weise nahe. Habt ihr eigentlich dass Gefühl, dass ihr auch jüngere Hörer näher an diese Zeit heranführt? Auf “Witchburner” habt ihr ja auch ACCEPT, BLACK SABBATH, JUDAS PRIEST und W.A.S.P. mit einer Coverversion gewürdigt. Ihr verweist ja gerne mal auf die Wurzeln… ist das ein Auftrag, eine Funktion die Witchery erfüllen wollen?

Ja, ja – es ist gut, dass du es ansprichst, genau das war Sinn und Zweck der Witchburner. Wir wollten die Leute ein paar Jahre zurückbringen und ihnen etwas zeigen. Wir sind mit dieser Musik aufgewachsen, aber wir dachten, dass es sicher viele jüngere Metalfans gibt, die diese Band vielleicht nie so richtig wahrgenommen haben. Es sind ja nur vier Band, aber es sind vier sehr wichtige Bands. Wir wollten zeigen, wie wichtig diese Bands sind. WITCHERY sind wie ein Heavy Metal-Kreuzworträtsel. Es gibt so viele Anspielungen, so viele Parts, die wir eigentlich von anderen Bands “gestohlen” haben. Nicht die Songs an sich sind von anderen übernommen, aber gewisse Dinge wie Arrangements oder Spieltechniken. Hört Euch den Beginn von “Omen” an. Die Drums und der Bass – das klingt verdammt nach den Scorpions “Animal Magnetism” oder “China White” vom Blackout Album. Oder der Song “Bonemill” , dort findest du Elemente des Metal Chruch-typischen amerikanischen Power Thrashs. Das sind Dinge, die wir mögen. Selbst wenn es so aussieht, als ob wie Dinge stehlen, ist das nur ein Tribut, den wir den Bands zollen, die wir mögen.

Nun, WITCHERY haben auch noch eine ganz andere Wirkung auf mich: bei Songs wie Unholy War muss man doch einfach seine Gitarre schnappen und mitspielen – diese Riffs sind einfach unwiderstehlich.

Oh, danke schön! Wow! Das ist natürlich wirklich cool, denn dann hat man als Band auch etwas erreicht. Ich hoffe, dass es noch mehr Leute gibt, denen es so geht!!

“Enshrined”, das mich etwas an “Call Of The Coven” erinnert, ist auch so ein typischen Witchery Song – vom Prinzip her ziemlich old-school, allerdings fallen Toxines Vocals aus dem Konzept und geben dem Song einen anderen Drive – wobei mich eben immer wieder erstaunt, wie gut sein Kreischgesang auf der traditionellen Schiene fährt.

“Enshrined” ist aber auch einer der melodischsten Songs, die wir jemals gemacht haben – zumindest wenn du den Chorus berücksichtigst. Der Song ist aber ein Remake von einem alten Satanic Slaughter Song, eigentlich sollte es ein Bonus Track für die Vinyl Version des Albums sein. Leider haben Music For Nations abgelehnt – sie sagten ein längeres Album ist ein besseres Album. Eine Meinung, die ich nicht teile. Wie auch immer – “Enshrined” und “The one Within” sollten Bonussongs sein, die nicht auf das reguläre Album kommen. Beide sind Remakes von alten Satanic Slaughter Songs, deshalb klingen sie ein wenig anders, ein wenig mehr nach Black Metal.

Das erstaunt mich jetzt wirklich, ich finde dass diese beiden Songs typische WITCHERY Tracks mit Grusel-Stimmung sind – ähnlich wie “The House Of The Raining Blood” oder “The Howling”, die Atmosphäre ist sehr ähnlich!

Nun, das kann sein, denn wir haben die Songs natürlich nach WITCHERY Manier gespielt. Songs wie “The Howling ” oder “House of the raining blood” sind nicht sehr lange nach dem letzten Satanic Slaughter Album erschienen – WITCHERY entstand ja aus SATANIC SLAUGHTER. (Wer mehr dazu wissen will, kann sich die W-Story ansehen – Verfass.). Irgendwie geht alles zusammen. Besonders bei “the one within” muss ich dir recht geben, es ist so ein “Highway Song”. Stell dir vor, du fährst alleine auf einem dunklen Highway, siehst rüber zu deinem Beifahrer und statt ihm sitz da plötzlich ein Skelett neben dir…

Ja, genau, das meine ich – es erinnert mich immer an alte Horrorfilme leider vermisse ich diese Atmosphäre heute oft. Man muss heute entweder böse bis zum geht nicht mehr sein, oder völlig durchgeknallt. Aber diesen charmanten, immer etwas lustigen, weil überzogenen Horror gibt es kaum mehr in der Metal Szene – von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.

Ja, mit dieser Einstellung bist du bei WITCHERY richtig. Es ist dieser “Hammer Film”-Horror – das ganze ist nicht unbedingt ernst gemeint.

Bei “Hearse Of The Pharaoh” hat Hank Sherman einen Gastauftritt. Es lag natürlich nahe, ihn zu fragen, da du mit ihm zusammen bei MERCYFUL FATE spielst, aber wie genau kam es zu der Zusammenarbeit?

Es war eigentlich eine Idee von Jensen und Toxine, Hank ist Toxines Lieblingsgitarrist. Wir haben das Album in den Berno Studios aufgenommen. Zwischen Malmö, Schweden und Dänemark ist ja diese Brücke und das Studio ist auf der einen Seite, Hank lebt auf der anderen Seite der Brücke. Also habe ich ihn angerufen und ihn gefragt, ob er kurz rüberkommen und sich ein paar Sachen anhören will, und vielleicht Lust hat, ein kleines Solo beizusteuern. Er sagte zu, wir haben die Instrumente eingestöpselt und sagten zu ihm, er solle einfach mitspielen. Er hat so viele tolle Sachen über den Song gespielt und meinte, wir sollen einfach behalten, was uns gefällt. Das ganze war aber so gut, dass wir nichts rausschneiden wollten – deshalb ist das Solo auch so lang.

Dadurch, dass er ganz anders Gitarre spielt, hat der Song einen schönen Kontrast – ich habe mich in diesem Zusammenhang gefragt, welche Musiker du gerne einladen würdest, bei einer WITCHERY Platte mitzuwirken.

Oh, es gibt so viele Leute, die ich gerne auf einem WITCHERY Album hören würde. Allerdings ist das nicht so einfach, sie müssen Zeit haben, sie müssen die Erlaubnis haben. Ich hätte gerne Rob Halford oder Ronnie James Dio in einem Song oder ….oh Mann, es sind so verdammt viele….

Nun, bei Witchery wäre es auch sinnvoll, die ein oder andere Legende bei einem Song mitwirken zu lassen

Ja, aber ich würde nicht nur Sänger nehmen – wie wäre es mal mit einem Gastschlagzeuger oder einen Gastbassisten? Das wäre doch viel interessanter und reizvoller, oder? Leute wie Steve Dawson, der bis 1988 bei Saxon war – ich wäre so glücklich, wenn er reinkommen würde und ein paar Takes aufnehmen würde.

Offensichtlich war irgendjemand mit diesem Wunsch nicht einverstanden, denn statt weiterer Ausführungen, warum Steve Dawson unbedingt auf dem nächsten WITCHERY Album zu hören sein sollte, ertönte nur ein monotones “Biiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiep” aus dem Hörer. Nach dem Auflegen klingelte es aber sofort wieder und ein verunsicherter Sharlee fragte, warum ich denn aufgelegt hätte. Nach diversen gegenseitigen Schuldzuweisungen einigte man sich schließlich darauf, dass entweder der Teufel seine Hände im Spiel hatte oder dass sich Toxine bei seiner Vampir-Bekämpfungsstrategie doch nicht ganz so geschickt angestellt hatte… Irgendwann gelang es dann, dem sinnlosen Verplempern der knappen Interviewzeit ein Ende zu setzen und man kam wieder auf das Album zu sprechen.

“Called For by Death” erinnert mich an “The Executioner” – beide Songs haben etwas von Slayer.

Echt? Mhm – nun ich kann mir vorstellen, warum. Das Riff in der Mitte und am Ende des Songs könnte von Slayer sein. Aber es ist nicht Slayer (wieder folgt eine längere Pause) – sondern DARK ANGEL!! Allerdings ist der Song ist für mich eher bei BLACK SABBATH oder JUDAS PRIEST anzusiedeln, haha. Aber es ist immer gut, wenn man eine Absicht hat und Leute hören etwas komplett anderes, denn dann kann jeder seine eigene Interpretation machen. Wenn jeder dieselbe Meinung über dich hat, ist das auch nicht schlecht, denn dann kannst du das Britney Spears-Ding durchziehen und ungefähr 17 Fantastrillarden Alben verkaufen, haha. Auf der anderes Seite hoffe ich, dass unsere Musik länger lebt.

Was entgegnet ihr jemandem, der euch Stagnation vorwirft?

Nun, ich meine – was willst du machen? Keine Ahnung. Wir tun das, was wir tun wollen. Es hängt davon ab, ob du Stillstand in der Musik oder Stillstand in der Band meinst.

Stillstand in der Musik.

Du meinst, dass wir in den Achtzigern festhängen? Das kennen wir schon – seit dem ersten Album gab es immer Leute, die uns vorgeworfen haben, wir würden uns zu sehr auf die Vergangenheit konzentrieren. Wir sind aber keine bloße Retro Band! Es gibt Bands, wie Guillotine, die komplett nach alten Kreator klingen – das sind Retro Bands. Diese Bands “kopieren”, teilweise ganz bewusst. Wir hingegen versuchen, die Musik, die wir mögen, selbst zu schreiben. Natürlich hört man unsere Einflüsse, man hört an unseren Songs, welche Songs wir mögen. Wir können nicht viel dagegen tun. Wir versuchen nicht dieses oder jenes zu tun. Wenn wir Musik schreiben würden, um bekannt zu werden, dann würden wir eher Songs wie Linkin Park schreiben! Haha..

Nun, man sollte hören, was einem gefällt. Es gibt immer Leute, die behaupten, dass ihr favorisierter Metal Stil der einzig wahre und echte ist.

Um ehrlich zu sein, es geht doch nicht um Stile, sondern um Musik! Ich persönlich würde eher ein Korn Album als ein neues Steel Prophet Album kaufen – diese Bands sind jetzt nur Beispiele! Ich will niemandem zu nahe treten. Aber es ist nun mal so, dass es viel zu viele Bands gibt, die sich auf einen Stil limitieren und den Markt überschwemmen. Es gibt viele, die alles gut finden was nach den Achtzigern klingt und alles, was mit heruntergestimmten Gitarren oder Groove daherkommt, wie zum Beispiel die depressiven New Metal Bands, nicht mögen. Ich mag die meisten dieser Bands auch nicht, aber vieles davon ist besser denn das ganze Power Metal zeug – aber das ist alles eine Sache des Geschmacks.

Denke ich auch, das muss man halt selbst entscheiden. Ich mag das neumodische Zeug jedenfalls nicht, das gleiche gilt allerdings auch für diese ganzen Power Metal Klons. Ich höre mir nur sehr wenig davon an und kann deshalb eigentlich auch nicht mitreden.

Haha. Das ist wenigstens eine ehrliche Meinung. Wobei diese Crossover Szene sehr interessant ist. Eine Band wie Slipknot klingt nach New Metal, oder sie sind Teil dieser Szene – auf der anderen Seite haben sie auch einen Bezug zu Extrem Metal Bands, sie verwenden Blast Beats und so weiter – man hört dass sie auch einen Background im Death Metal haben. Ich denke, dass gerade Slipknot der Metal Szene helfen, denn sie sind die extremste der großen Bands. Sie verkaufen Millionen von Alben und klingen dennoch extrem – und das ist nicht schlecht. Es wird auch interessant sein zu sehen, was mit Cradle Of Filth passiert, da sie nun bei einem Major Label unterschrieben haben. Im extremen Metal Underground gelten CRADLE OF FILTH ja als “Girlie Black Metal” Band, eine Einschätzung zu der man kommen kann, wenn man ihre Bandpics anschaut – wenn man aber ihre Musik anhört, dann ist das alles andere als Easy Listening. Danis Vocals sind extrem, es gibt Tempowechsel in jeder zweiten Minute, es ist keine typische Hitmusik! Wenn sie diese Musik populärer machen können, dann ist das für alle gut. Vielleicht werden mehr Majors extreme Bands signen.

Bevor WITCHERY zum Platin-Seller werden, ist es aber an der Zeit, den vampster-Fragebogen auszufüllen: Welche Alben hast du dir in den letzten Tagen häufig angehört?

NEVERMORE: “Dead Heart in a dead world” – ist zwar schon alter, aber noch immer ein Klasse Album!

Ultravox: “Rage” – das ist nicht sehr metal, ich weiß…. Bitte killt mich jetzt nicht!

Entombed – Morning Star – ich war sehr glücklich, als ich dieses Album gehört habe!

Ist Dir bei einem Auftritt mal etwas lustiges passiert?

Im Moment fällt mir nur das ein: Ich hatte mal so eine Art Podium auf der Bühne und versuchte, darüberzuspringen. Das ging natürlich total daneben. Ich bin zwar drübergekommen, aber mein Gitarrengurt ist natürlich dabei gerissen. Ich habe es aber noch geschafft, den Bass aufzufangen – allerdings musste ich mich dazu hinsetzen. Also habe ich den Song in sitzen zu Ende gespielt. Sah sicher unglaublich bescheuert aus. Allerdings hat wohl auch keiner bemerkt, warum ich da hocke…

Wen würdest Du gerne mal treffen?

Sehr gerne würde Frank Zappa treffen – ich lese gerade eine Biographie über ihn, es scheint eine interessante Person gewesen zu sein.

Ist WITCHERY eigentlich eine Art Supergroup? Ihr seid in so vielen Bands aktiv…

Nicht wirklich – aber wir sind super!! Wir sind die besten, wir sind die Götter!

Ein schöneres Schlusswort gibt es nicht, oder?