SEBASTIAN PLANO: Die Kraft des Sprungs

SEBASTIAN PLANO ist ein Wunderknabe aus Argentinien, der seine Zelte nun in Berlin aufgeschlagen hat. Der junge Komponist und Multiinstrumentalist hat mit "Impetus" ein derart betörend schönes Zweitwerk geschrieben, dass stellenweise das Herz vor Glück beinahe zerspringen möchte. Beheimatet in Neoklassik und Tango, sucht sich SEBASTIAN PLANO, ähnlich wie OLAFUR ARNALDS seinen Weg raus aus seiner klassischen Vorbildung, hin zu einer Verschmelzung mit sanfter Elektronik und ein wenig Indie. Wir haben uns den freundlichen SEBASTIAN PLANO per E-Mail zur Brust genommen.

SEBASTIAN PLANO ist ein Wunderknabe aus Argentinien, der seine Zelte nun in Berlin aufgeschlagen hat. Der junge Komponist und Multiinstrumentalist hat mit Impetus ein derart betörend schönes Zweitwerk geschrieben, dass stellenweise das Herz vor Glück beinahe zerspringen möchte. Beheimatet in Neoklassik und Tango, sucht sich SEBASTIAN PLANO, ähnlich wie OLAFUR ARNALDS seinen Weg raus aus seiner klassischen Vorbildung, hin zu einer Verschmelzung mit sanfter Elektronik und ein wenig Indie. Wir haben uns den freundlichen SEBASTIAN PLANO per E-Mail zur Brust genommen.

Herzlichen Glückwunsch, du hast es in ein Heavy Metal-Magazin geschafft. Hörst du manchmal Metal und hast du eine Lieblingsband?

Danke, das zu hören ist eine nette Überraschung. Ich bin momentan eigentlich kein Metal-Hörer, aber wer weiß, vielleicht entdecke ich eine neue, gute Metal-Band. Ich weiß, dass es viele hier in Deutschland gibt.
Ich habe eigentlich gar keine Lieblingsband, aber ich höre in letzter Zeit viel RADIOHEAD. Ich verehre jedes einzelne Bandmitglied.

Kürzlich bist du nach Berlin gezogen. Sind die Deutschen gut zu dir? Warum kamst du eigentlich hier her, um zu studieren oder wegen der Currywurst und dem Kebab?

Ich habe mein Zuhause schon vor langer Zeit verlassen. Mit 17 ging ich fort, um im Ausland zu studieren. Ein Gefühl sagte mir, dass Berlin die richtige Stadt zu dieser Zeit meiner Karriere sein würde, ganz abgesehen von den Versuchungen von Currywurst und Kebab. Die Menschen sind nett zu mir, ich lernte einige sehr freundliche Leute kennen, was natürlich gut ist, wenn man an einen ganz neuen Ort zieht.

Kürzlich erschien dein Zweitwerk Impetus, eine schöne Mischung aus neoklassischer Musik mit Indie-Background und ein paar elektronischen Momenten. Du beschreibst es einfach so: Ich interpretieren Klänge aus meiner Vorstellung. Das hört sich für mich an, als würdest du dich von deiner klassischen Ausbildung lösen und etwas mehr experimentieren wollen. Stimmt das?

Ja, das stimmt auf jeden Fall. Ich hatte auch schon immer das Verlangen danach kreativ zu sein. Impetus ist im Vergleich zu meinem Debüt eher bodenständig gehalten. Teilweise verschwinden die elektronischen Elemente ganz, so dass die Musik ganz akustisch ist.

Impetus überwältigt bereits in den ersten Sekunden. Der Beginn des Albums ist sehr emotional und beeinflusst sofort die Stimmung des Hörers. Man wird melancholisch, aber glücklich. Ist es wichtig, das richtige Gefühl zu haben, um das Album zu verstehen?

 SEBASTIAN
Ich beginne, dann lasse ich mich von meiner Intuition treiben. SEBASTIAN PLANO schreibt seine Stücke nicht auf akademischem Wege.

Die Musik kann dich alles fühlen lassen. Wenn nicht, mache ich etwas falsch. Es ist vermutlich die größte Belohnung als kreativer Musiker, dass man sich mit dem Hörer verbinden kann und ihm ein Erlebnis vermitteln kann. Ich denke, es gibt keine Notwendigkeit das Album zu verstehen, es muss nur gefühlt werden.

Der erste Name, an den ich denken muss, wenn ich deine Musik höre, ist OLAFUR ARNALDS. Impetus hat ein ähnliches Feeling wie And We Have Escaped The Weight Of Darkness. Ist das ein Zufall, oder bist du tatsächlich von OLAFUR ARNALDS inspiriert?

Ich habe mir And We Have Escaped The Weight Of Darkness bisher tatsächlich noch nicht angehört. Ich glaube, es gibt ein paar Gemeinsamkeiten, aber ich finde viele Unterschiede zwischen seiner und meiner Musik. Wir beide wurden klassisch ausgebildet und vermischen diesen Background mit Elektronik, aber es gibt viele unterschiedliche Aspekte, wie wir das tun.

In Between Worlds II und Emotions (Part II) verstrahlen ein anderes Gefühl. Hier denke ich an MAX RICHTERs Filmmusiken, wie Perfect Sense. Ist er einflussreich für dich?

Ich habe mir seine Musik vor einigen Jahren angehört, hatte aber noch nicht die Chance seine Filmarbeiten zu hören.

Neben den klassischen Einflüssen mag ich die folkigen Momente auf Impetus, wie in Angels und All Given To Machinery. Das traurige Akkordeon verleiht der Musik ein schönes Flair. Hören wir hier deine Tango-Wurzeln, oder ist das argentinische Folklore?

Ja, das kommt von meinen Tango-Wurzeln.

Impetus ist ein sehr intimes Album. Man kann hören, wenn du dich auf dem Stuhl bewegst, es knarzt beispielsweise im Hintergrund. Ich fühle mich dann so, als wäre ich mit dir in einem Raum, während du aufnimmst. War das beabsichtigt?

Das war es in der Tat. So eine Bewegung hört man beispielsweise am Ende des Openers Impetus. Ich wechselte von einem großen instrumentalen Aufbau zu einem intimen Pianosolo und möchte den Hörer mit an diesen anderen Ort nehmen.

Cello ist dein Hauptinstrument, außerdem spielst du Piano und Akkordeon. Hast Du alle Instrumente auf Impetus selbst eingespielt? Zumindest wurden in den Credits keinerlei Gastmusiker genannt. Wie viele Instrumente spielst du, und wie lange schon?

Ja, ich habe alles selbst aufgenommen, es spielen keine anderen Musiker auf diesem Album. Das Cello ist mein Hauptinstrument, außerdem spiele ich Piano und Bandoneon. Ich habe mit Cello begonnen, als ich sieben Jahre alt war, dann nahm ich Piano und Bandoneon nebenbei mit. Auf Impetus habe ich diese drei Instrumente gespielt und außerdem Stimme und Percussions eingesetzt.

Wie lange dauert es, ein Stück wie den unglaublichen Titelsong zu schreiben? Ist das ein schmerzhafter kreativer Weg oder entsteht alles spontan und natürlich?

Es muss alles natürlich entstehen, aber die Inspiration findet mich von alleine, wenn ich an etwas arbeite. Ich beginne, dann lasse ich mich von meiner Intuition treiben. Außerdem muss ein Song von selbst wachsen und sich entwickeln. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, diesen Prozess nicht zu überstürzen.

Symbolisiert der junge Mann auf dem Cover den Albumtitel? Ist Impetus eine Flugbahn, oder liege ich falsch?

 SEBASTIAN
Da fliegt er! Das Artwork zu Impetus.

Ja, das ist richtig! Das ist die Kraft eines Sprungs, der Auftrieb einer Bewegung.

Wie stehen die Songtitel mit der Musik verbunden? Passen sich diese einfach dem Gefühl an, dass du bekommst, wenn du zuhörst, oder erzählst du hier eine Story?

Ich glaube, sie sind einfach Teil der Gefühle, die ich habe, wenn ich ein Stück schreibe. In diesem Sinn glaube ich, dass all diese Titel kleine Geschichten sind und frei zur Interpretation sind.

Ich habe kürzlich einen kleinen Gratis-Track namens One Story Of Thoughts entdeckt, der nicht auf Impetus steht. Denkst du, das Stück hätte nicht auf das Album gepasst?

Das Album überschritt eine Stunde und das war einfach zu lang, also folge ich NILS FRAHMs Rat und schnitt One Story Of Thoughts heraus. Außerdem halbierten Inside Eyes, aber dieses letzte Stück taucht in seiner kompletten Version irgendwo im Album auf. Finde es!

Zeitgleich mit Impetus hat DENOVALI dein Debütalbum Arrhythmical Part Of Hearts wieder veröffentlicht. Warum sollte ich mir auch dieses Album kaufen?

Weil dich dein Enkel nach SEBASTIAN PLANOs ganzer Sammlung fragen wird! :-p

Ich habe deine wunderschönen Live-Videos auf Youtube gesehen, da stellt sich natürlich die Frage, wie deine Tourpläne lauten. Wirst du hier in Europa auch Fuß fassen und gibt es schon Musiker, mit denen du spielen willst?

Ja, ich werde viel in Europa spielen. Im Februar gibt es eine kleine Tour mit ein paar Konzerten in Deutschland und Belgien. Einige Sets werde ich alleine spielen, andere werden mit einem Streichquartett sein. Ich werde neue Stücke spielen, aber auch Songs von Impetus.

SEBASTIAN

English Version:

Congratulations, you made it into a heavy metal-magazine. Do you sometimes listen to heavy metal and what is your favorite band?

Thanks, it´s a nice surprise to hear that. I am actually not listening to any heavy metal right now, but who knows… perhaps I am close to discover a new, good heavy metal band, I know there is a lot here in Germany. I would not be able to mention a favorite band but I have listened to RADIOHEAD for quite some time now, and I would say that I have great admiration for every single member of the band.

You recently moved to Berlin. Why did you leave your home? Are the people good to you in Germany? Why did you move here, for studying or for Currywurst and Kebab?

I left home long time ago. I was 17 years old when I left to study abroad. I felt Berlin was the right city at the right time in my career, besides the currywurst and Kebab tentations. People are good, I am getting to know some very friendly people around here, which is good when moving to a totally new place.

Now your sophomore album Impetus was released, a nice mix of neo-classical music with an indie-background and some electronic moments. You describe it simply as: interpreting sounds from my imagination. It seems like you want to make yourself free from the classical training and experiment a little bit more. Is this true?

Yes, it is definitely true and there is also a need of being creative that I always had. Impetus has a more acoustic approach in comparison to my debut, for instance. At times the electronic sounds go away and the music becomes fully acoustic.

Impetus overwhelms already in the first seconds when the title track starts. The opening of the album is very emotional and has a strong impact to the listener. It makes you melancholic, but happy. Is it important to get the right feeling to understand the record? SEBASTIAN

It can make you feel anything but if it doesn´t then I am doing something wrong. That is probably the most rewarding part of being a creative musician, the fact that you can connect with an audience and create an experience on them. I think there is no need to understand the record but rather simply feel it!

The first name that comes into mind while listening to Impetus is OLAFUR ARNALDS. Impetus may have a similar feeling to And We Have Escaped The Weight Of Darkness. Is it a coincidence? Or are you influenced by Olafur?

I actually haven´t listened to And We Have Escaped The Weight Of Darkness yet. I think there may be similarities but I find many differences between my music and Olafurs. We are both classically trained and mixing that background with electronics but I find many different aspects in the way we do it.

In Between Worlds II and Emotions (Part II) have a little different feel, though. Here I remember MAX RICHTERs film scores, like Perfect Sense. Is he also one of your influences?

I have listened to MAX RICHTERs music several years ago but haven´t had the chance to listen to his film works.

Aside from the classical influences, I like the folkish moments of the album, like in Angels and All Given To Machinery. The sad accordion provides a nice flair to the music. Comes this influence by your tango-roots or is this Argentinian folklore?

Yes, this definitely comes from my tango roots.

Impetus is a very intimate album – one can hear when you move on the chair, there’s a little groan on the record, for instance. This makes the listener feel like he was in a room with you while recording. Was this intended?

Yes, it was. That happens specifically at the end of the opening track Impetus. I intended to shift from a large instrumental texture to an intimate piano solo and taking the listener to a different place.

Cello is your main instrument, but you also play piano and accordion. Did you record the all instruments also by yourself? At least there are no guest musicians named in the credits. How much instruments do you play and since how long do you play them?

Yes, I recorded it and there are no other musicians on the record. The cello is my main instrument and I also play the piano and bandoneon. I started with cello when I was 7 years old, and then I picked up piano and bandoneon along the way. On Impetus I recorded on cello, piano, bandoneon, voice and percussion.

How long does it take to write a piece like the unbelievable title track? Is it a painful way of creating does it all come out quite spontaneously and naturally?

It must come naturally but inspiration will find you at work. I start and then let myself be carried by intuition. Also, a song would grow and evolve on its own, I believe it´s very important not to rush this process.

The young man on the cover, does he symbolize the album-title? Impetus as a trajectory? Or am I wrong? Is the young man maybe you?

Yes, you got it right! Its the force of a jump, the impetus of its movement.

SEBASTIANHow are the song titles connected to the music? Are these just fitting to the feeling you get from listening? Or do you tell a story here?

I guess they are just part of the emotions I get when writing a piece and in that sense I believe they are all little stories and all free of interpretation.

I just discovered a little free track named One Story Of Thoughts that appears not on Impetus. Why? Don´t you think it would have fit to the album?

The album was exceeding the hour and it was just too long, so I followed NILS FRAHMs suggestion to cut it up as we did. Then we took One Story Of Thoughts out and cut Inside Eyes in half but this last one appears with the complete version somewhere in the album… find it!

Besides Impetus, your new label DENOVALI re-released your debut Arrhythmical Part Of Hearts. Why should I buy this album as well?

Because your grandson will ask you for SEBASTIAN PLANOs full collection! 😛

What are your plans about playing live in the future? I have seen your amazing live-videos on youtube. Will you continue playing like this here in Europe as well? Do you already have some musicians that will play with you?

Yes, I will be playing in Europe a lot. There will be a small February tour with concerts in Germany and Belgium. Some of the sets I will be doing alone and on other I will include a string quartet and I will be playing new works as well as songs from my last album Impetus.

Photos (c) May Xiong