HAMMERS OF MISFORTUNE: Sessel-Misanthropen

Mit "The Bastard" haben HAMMERS OF MISFORTUNE einen echten Dauerbrenner in meinem CD-Player veröffentlicht, dessen Faszination auch nach den vielen Wochen, in denen ich das Album nun schon mein Eigen nenne, keinen Deut abgenommen hat. Ein echtes Kleinod im Underground, das es Wert ist mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Bandkopf John Cobbett (THE LORD WEIRD SLOUGH FEG) stand mir per E-Mail Rede und Antwort…

Mit The Bastard haben HAMMERS OF MISFORTUNE einen echten Dauerbrenner in meinem CD-Player veröffentlicht, dessen Faszination auch nach den vielen Wochen, in denen ich das Album nun schon mein Eigen nenne, keinen Deut abgenommen hat. Ein echtes Kleinod im Underground, das es Wert ist mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Bandkopf John Cobbett (THE LORD WEIRD SLOUGH FEG) stand mir per E-Mail Rede und Antwort…

Als ich das erste Mal von HAMMERS OF MISFORTUNE hörte war ich wirklich überrascht – in allen Belangen. Ich war vom Line-Up überrascht, ich war von der Musik überrascht, ich war vom Konzept der Geschichte überrascht…von einer Band, in der Mitglieder von SLOUGH FEG und L7 (unter anderem) spielen hätte ich nicht unbedingt einen Sound wie den von HAMMERS OF MISFORTUNE erwartet. Wie habt ihr euch als Band denn gefunden und wie kam es zur Gründung von HAMMERS OF MISFORTUNE. Die Band ist ja aus UNHOLY CADAVER entstanden, ist das Line-Up noch immer dasselbe wie damals?

Wir kannten uns alle aus der San Francisco Szene und die Band gründete sich um die Idee zu diesem Album. Das Line-Up durchlief hierbei einige Veränderungen. UNHOLY CADAVER begann zunächst als ein Solo Projekt von mir, später waren es Chewy (drums) und ich. UNHOLY CADAVER haben ein Album in dieser Zwei-Mann-Besetzung aufgenommen, das niemals veröffentlicht wurde (einiges davon ist auf unserem ersten Demo und auf unserer Website zu hören).

Später nahmen wir Mike Scalzi (SLOUGH FEG) an der Gitarre und am Gesang und Erica Stoltz (LOST GOAT/AMBER ASYLUM) am Bass und Gesang in die Band und wir wurden zum Quartett. Erica hat die Band dann verlassen und Janis Tanaka stieg in die Band ein, was unser momentanes Line-Up darstellt. Dieses Line-Up hat sich auch gefestigt, als wir dann unseren Namen änderten.

Im Bandinfo auf eurer Homepage schreibt ihr, dass HAMMERS OF MISFORTUNE schwer zu klassifizieren ist, wenn es um Genres geht. Viele Bands sagen sicher ähnliches über ihre Musik, aber ich denke, dass HAMMERS OF MISFORTUNE auch wirklich das Recht dazu haben. Der Sound von HAMMERS OF MISFORTUNE ist mit keiner anderen Band vergleichbar und einzigartig. Ich denke, dass es eh viel zu viele Bands gibt, die versuchen wie eine andere Band zu klingen und keine eigenen Akzente zu setzen.

Unoriginelle Musiker machen unoriginelle Musik. Diese Leute hätten Buchhalter werden sollen, oder wenn sie Geld in der Musikindustrie machen wollen Manager eines Plattenlabels, um mit unorigineller Musik reich zu werden.

In eurem Info schreibt ihr weiter über einen Einfluss der skandinavischen Black/Death Metal Szene. Ich würde HAMMERS OF MISFORTUNE nicht unbedingt als Black Metal klassifizieren, auch wenn es gewisse Einflüsse gibt. Für mich repräsentiert HAMMERS OF MISFORTUNE sehr stark die eigentliche Idee hinter Metal, ohne in irgendwelchen Genres zu denken. Es ist Metal und das ist alles, was zählt.

Wir sind definitiv keine Black oder Death Metal Band, aber ich würde lügen, wenn ich den Einfluss dieser Musik auf unser Album verleugnen würde. Tatsächlich denke ich, dass The Bastard ein wenig zu sehr von dieser Musik beeinflusst ist. In letzter Zeit habe ich auch verstärkt versucht mich durch gar nichts beeinflussen zu lassen.

Du bist ja für das gesamte Songwriting und die meisten Lyrics auf The Bastard verantwortlich. Würdest du HAMMERS OF MISFORTUNE als dein Baby bezeichnen oder ist HAMMERS OF MISFORTUNE eher eine demokratische Band?

HAMMERS OF MISFORTUNE ist definitiv mein Baby. Ich schreibe den größten Teil der Songs selbst, aber wir experimentieren durchaus noch mit den Arrangements im Proberaum. Letztendlich ist es unvermeidbar, dass die Songs die Trademarks von jedem, der an ihnen gearbeitet hat, in sich trägt.

Was steckt eigentlich hinter dem Bandnamen?

Es ist der Titel eines Songs von unserem ersten Demo und wir dachten er klänge als Bandnamen gut. Wenn ich dem Namen eine Bedeutung geben soll, dann würde ich sagen, dass er ein poetischer Verweis auf unsere treuen Weggefährten ist: Unglück und Pech.

Mit The Bastard habt ihr ein Konzeptalbum veröffentlicht, bei dem so ziemlich alles perfekt zusammen passt: die Geschichte, das Artwork, die Musik,… Wann ist bei dir die Idee entstanden eine derartige Mini-Oper zu erschaffen und wie kam es, dass du die Idee in Realität umgesetzt hast?

Ich wollte seit Jahren ein derartiges Album machen. Die Idee zu der Geschichte entstand 1996. Eigentlich wollte ich das ganze als ein Dark Ambient-Projekt umsetzen, aber die Gründung von UNHOLY CADAVER ging mit der Genesis der Idee um die Story Hand in Hand und bald handelte es sich um ein und dasselbe Projekt. Die Idee mit dem Cover Artwork entwickelte sich gleichzeitig mit allem anderen und ich arbeitete sehr eng mit dem Künstler L. Rath zusammen an dem Konzept. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden!

The Bastard ist eine Geschichte, die nur sehr schwer zu beschreiben ist. Sie beginnt als typische Töte den Tyrannen-Story, nimmt dann aber eine überraschende Wendung. Könntest du uns eine kurze Zusammenfassung von der Geschichte geben?

Eine kurze Zusammenfassung wäre wirklich schwierig, da es sich um eine sehr komplizierte Geschichte handelt. Im Grunde ist es die Geschichte einer vergessenen Gottheit die Rache an der Menschheit nimmt, da diese die Gottheit vergessen hat.

Der Hauptcharakter – The Bastard – hat ja auch seine eigene verworrene Geschichte. Er ist eine Kreatur, die von einer Chaos Gottheit erschaffen wurde und die bis zum Ende der Geschichte glaubt, ein Mensch zu sein. Sein Schicksal ist es letztendlich selbst ein neuer Gott zu werden (ich hoffe, dass ich das richtig verstanden habe…). Was steckt hinter diesem Charakter und wo nahmst du die Inspiration für diesen her?

Du hast das richtig erkannt. Der Charakter entstand als Perversion des traditionellen Legendenhelden. Ein Anti-Held, kann man wohl sagen. Natürlich musste er unmenschlich sein, denn die Menschheit ist der eigentliche Widersacher in dieser Geschichte. Der Wendepunkt in der Entwicklung dieses Charakters (und der gesamten Geschichte) kam, als ich entschloss ihn bis zum Ende der Geschichte nicht wissen zu lassen, dass er kein Mensch ist. Das eröffnete mir viele Möglichkeiten für den Charakter und die Story.

In der Geschichte befreit der Bastard zunächst die Menschen von ihrem Tyrannen und dann werden alle durch ihn getötet als Akt der Rache für all die Untaten, die die Menschheit an der Natur verübt hat. Würdest du dies als die eigentliche Botschaft der Geschichte bezeichnen und ist The Bastard als eine Parabel zum echten Leben zu verstehen?

Eigentlich sind es ja die Bäume und Felsen, die sich erheben und die Bewohner des Dorfes töten. Dies ist eine reine Umwelt-Rache-Fantasie, die aus meinem eigenen Greuel und meiner Abscheu entstanden ist. Das ist der Umfang, in dem die Geschichte auf das reale Leben bezogen ist.

Die Geschichte beinhaltet also einen starken Aspekt der Menschenverachtung. Ist Misanthropie etwas, das du mit dem Album ausdrücken wolltest, als Weg dich selbst auszudrücken? Würdest du dich als Misanthrop bezeichnen?

Das ist eine gute Frage…ein Sessel-Misanthrop vielleicht. Mit meinen Freunden und Mitarbeitern komme ich gut klar, aber insgesamt gesehen würde ich sagen, dass die Menschheit eine Welt kreiert hat in der sie in gesunder und ethischer Weise nicht funktionieren kann. Überhandnehmende Suizide, Depression, Psychosen, sexuelle Abweichungen, religiöser Fanatismus und Brittney Spears, das ist alles symptomatisch für diese traurigen Bedingungen.

Bei vielen Menschen, die sich selbst als Misanthropen bezeichnen habe ich oft das Gefühl, dass dies eher daher kommt, da dieser Begriff eine sehr starke Ausstrahlung besitzt und man sich so sehr leicht zu etwas Besonderen und Andersartigen machen kann, aber die Leute sind nicht wirklich konsequent in ihren Ansichten. Ich meine letztendlich müsste ein Misanthrop doch tief im Wald oder der Wüste leben, nur den Kontakt zur Natur, den Planzen und Tieren pflegen,… >g< Aber wie sieht es wirklich aus? Sie leben unter Menschen, haben Spaß mit Menschen, machen Kinder mit Menschen (wie kann man etwas erschaffen, dass man hasst?), sie benehmen sich wie Menschen, sie sind Menschen. Denkst du, dass man überhaupt ernsthaft ein Misanthrop sein kann, ohne sich gleich selbst zu töten? ;-)

In der eigentlichen Bedeutung des Wortes denke ich nicht, dass es möglich ist Misanthrop zu sein ohne sich in die Art von Leben zurückzuziehen, wie du es beschreibst (es klingt übrigens nett). Menschen sind Rudeltiere, wie Hunde und das Vieh, wir machen alles in Gruppen: essen, musizieren, arbeiten, trinken, führen Kriege, usw. Aus diesem Grund beschäftigt sich wahre Misanthropie direkt mit unseren tiefsten Instinkten als Spezies.

Ich stimme mit dir überein, dass viele Leute Misanthropie (und einige noch viel idiotischere Ideen) für sich in Anspruch nehmen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei einer derartigen Überbevölkerung und Medienübersättigung ist der Trugschluss der Individualtiät schwerer und schwerer Aufrecht zu erhalten. Und viele dieser armen Narren laufen weiterhin durch die Welt als ob sie die Hauptrolle in ihrem eigenen Hollywood Film spielen würden. Wie du weißt sind viele dieser Filme schlecht geskriptet und übel gespielt.

Das lässt sich auch sehr auf die beschissene Situation übertragen, in der sich die Musik derzeit befindet. Jeder versucht so sehr, interessant zu wirken. Unglücklicherweise ist es heute sehr einfach, mit 2 Akkorden und dem Gründen einer uninteressanten Band eine Menge anderer Narren zu täuschen, damit diese Platten kaufen und einem folgen.

Das Konzept von The Bastard hat mich an eine andere Band erinnert: FINNTROLL. Die Finnen haben ein ganzes Band-Konzept aus der Idee entwickelt, dass die Natur zurückschlägt und Trolle die Menschheit/das Christentum zerstören. FINNTROLL haben dieses Konzept mit einer ganzen Menge an Humor und einem dicken Augenzwinkern umgesetzt. Das Konzept von The Bastard scheint mir doch ein ganzes Stück ernsthafter angelegt zu sein…

Von FINNTROLL habe ich noch nie gehört, aber es klingt so als wäre die Band es wert angetestet zu werden. Ich befürchte, dass es auf The Bastard tatsächlich nicht viel Humor gibt. Ich muss zugeben, dass es einen derartigen Aspekt aber in einer Textzeile wie spare the horses/spare the bats/spare the chickens, dogs and cats gibt. I´m a sucker for nursery rhymes.

Im Booklet von The Bastard benutzt du für jeden Charakter ein Symbol. Haben diese Symbole eine weitere Bedeutung oder sollen sie tatsächlich einfach nur einen Hinweis geben, wer denn nun gerade redet?

Die Symbole wurde anstelle von Namen benutzt. Ich wollte keinem Charakter einen Namen geben.

Wenn man sich lediglich die Lyrics im Booklet durchliest, ist es sehr schwer die gesamte Story zu verstehen. Ich habe letztendlich erst richtig durchgeblickt, als ich die Erklärung auf eurer Homepage gelesen habe. Würdest du mir da zustimmen, dass die Geschichte allein mit den Lyrics wirklich sehr schwer zu verstehen ist? Habt ihr nie in Erwägung gezogen die Storyline im Booklet niederzuschreiben, damit der Hörer der Geschichte besser folgen kann?

An einem bestimmten Punkt haben wir realisiert, dass es wirklich schwer werden würde, den Plot in allen Details zu beschreiben, ohne etwas in der Art eines Erzählers oder griechischen Chores einzubauen. Dies wäre aber viel zu mühsam gewesen und hätte den Fluss der Musik gebremst. Außerdem hätten wir eine Doppel-CD mit einem 50-seitigen Booklet veröffentlichen müssen um alle Nuancen zu beschreiben. Letzen Endes mussten wir die Klarheit der Geschichte opfern um ein prägnantes, kraftvolles Album aufzunehmen. Kurz gesagt haben wir uns entschlossen ein Album zu schreiben und kein Stück.

Ich habe auf eurer Homepage einige Live-Bilder gesehen, die recht interessant aussahen. Wie sieht denn eine HAMMERS OF MISFORTUNE Live-Show aus, benutzt ihr irgend welche Gimmicks um die Konzeptgeschichte auch auf der Bühne darzustellen?

Wir benutzen keine Gimmicks, nur die Band, viel schwarzes Leder und die Musik. Vielleicht machen wir auch mal eine Show ohne das Leder….

Ihr veröffentlicht The Bastard auf Tumult Records, bei dem es sich ja um ein sehr durchgeknalltes Label zu handeln scheint. Das Label hat ja alle mögliche Arten von eigentümlichen Bands, beginnend mit einer Art schrägen Country Music, über wirklich konfusem Doom, über Black/Death bis hin zu einer Band namens HAMMERS OF MISFORTUNE. Wie kam es dazu, dass ihr bei diesem Label unterschrieben habt und was kannst du uns über Tumult erzählen?

Andee, der Kerl hinter dem Label, ist ein Freund von uns und ich respektiere sehr, was er mit seinem Label macht: die Dinge (und Menschen) zusammenzumischen. Ich mag es bei einem Label zu sein, das sehr unterschiedliche Künstler unter Vertrag hat, nicht nur eine Zillion anderer Metal Bands. Tumult haben eine der besten Black Metal Acts herausgebracht, den Amerika ja ausgebrütet hat: WEAKLING. Ich war stolz auf demselben Label zu sein wie diese leider nicht mehr existente Band, da sie wirklich großartig war. Hör dir mal ihr Dead as Dreams Album an, wenn du einzigartigen, erstaunlichen Black Metal hören möchtest.

Wenn man sich die Projekte so anschaut, bei denen du beteiligt bist, würdest du da sagen, dass SLOUGH FEG deine Hauptband ist und alles andere eher Projektcharakter besitzt? Oder versuchst du jeder Band dieselbe Aufmerksamkeit zukommen zu lassen?

HAMMERS OF MISFORTUNE hat definitiv oberste Priorität. SLOUGH FEG ist Mike Scalzi´s Werk, nicht meines, deshalb steht selbstverständlich das vorne an, was meinem eigenen Kopf entsprungen ist.

Wie soll denn dann die Zukunft von HAMMERS OF MISFORTUNE aussehen? Weißt du ob es in Europa Möglichkeiten gibt, The Bastard zu erstehen, oder wird HAMMERS OF MISFORTUNE immer eine Importband für uns bleiben?

Nun, ich hoffe natürlich, dass das Album bei euch erhältlich sein wird. Hellion wird es bald im Programm haben und Black Tears und Shell Shock haben es in Großbritannien. Wenn jemand interessiert ist das Album zu kaufen oder zu vertreiben, soll er unser Label Tumult über www.tumult.net kontaktieren.

Was unsere Zukunftspläne betrifft, so arbeiten wir derzeit fleißig am neuen Album. Technisch sind wir eine Band ohne Vertrag (unsere Vereinbarung mit Tumult lief nur über ein Album). Das bedeutet, dass wir uns mit dem bösartigen Geschäft abgeben müssen einen Förderer der Kunst (oder ein Plattenlabel) zu finden um unseren nächsten Opus aufnehmen zu können. Wir sind alle pleite und deshalb beinhalten unsere Zukunftspläne auch, Arbeiten zu gehen.

Dann drücke ich euch mal heftig die Daumen, dass ihr bald schon erfolgreich sein werdet. Wir kommen einmal mehr zu unseren Abschlussfragen. Was waren denn deine letzten drei Alben, die du dir selbst gekauft hast oder die dich besonders beeindruckt haben?

WEAKLING – Dead as Dreams, APOCALYPTICA – Cult, SOLSTICE – New Dark Age (auf Vinyl!)

Eure lustigsten Erlebnisse live auf der Bühne?

Wir spielten einmal Open Air in einem Park in Redding California. Es war ein illegaler Gig, den einige Kids dort organisiert haben, die aber nicht realisiert haben, dass der Park mit einem automatischen Sprinkler-System ausgestattet war. Wir waren also inmitten unseres Sets und die Sprinkler springen überall um uns herum an. Wir sind natürlich sofort zu unseren Verstärken gesprungen und haben gehofft sie noch rechtzeitig ausgeschaltet und ausgesteckt zu bekommen, bevor wir alle elekrokutiert werden. Danach mussten wir unser gesamtes Equipment von der Bühne schleppen, während wir wie das Gras bewässert wurden.

Abschlussfrage: Welche Person würdest du in deinem Leben gerne einmal treffen und warum?

Ich habe über diese Frage nachgedacht und ich bin mir nicht sicher wie ich sie beantworten soll, denn ich fühl mich derzeit nicht, als wollte ich irgend jemand treffen.

Fierce