FIENDFORCE RECORDS: Home of Horrorpunk

FIENDFORCE RECORDS: Home of Horrorpunk

Ob Pioniere wie der englische Musiker und Politiker SCREAMING LORD SUTCH, uralte Rockmonster wie KISS und ALICE COOPER, gesetzte wie KING DIAMOND und LIZZY BORDEN, jüngere wie ROB ZOMBIE und blutjunge wie die finnische Hardrock-Truppe LORDI, die ihr Land 2006 beim Eurovision Song Contest in Athen vertreten wird — die Verquickung von Rockmusik mit Horrorthemen hat eine lange Tradition. Ein gepflegter Gruseleinschlag in der Musik kommt gerade wieder im Mode, und ein Genre stürmt vorneweg: Horrorpunk! Im Vorfeld des Fiendfest, das am 15. April 2006 in Solingen stattfindet, sprach der gnadiator mit Thorsten Wilms von Fiendforce Records, der weltweit einzigen Plattenfirma, die sich ausschließlich auf Horrorpunk spezialisiert und limitiert hat.

Thorsten, was ist Horrorpunk?

Horrorpunk ist die perfekte Mischung aus Punk-Rock, Rockabilly, Gothic und Heavy Metal, gepaart mit der Atmosphäre klassischer Horrorfilme und dem Trash-Faktor der 50er Jahre Grusel-Comics. Horrorpunk ist düster und subversiv aber gleichzeitig lebensbejahend und ein Garant für gute Laune.

Denkt man an Horrorpunk, denkt man unweigerlich an die MISFITS. Welchen Einfluss hatte die Truppe tatsächlich auf das Genre?

Die MISFITS haben Horrorpunk quasi erfunden. Sie haben im Punk-Rock Genre einen eigenen Stil kreiert, den sie mit Grusel-Outfits perfekt in Szene gesetzt haben. Dadurch wurde der Grundstein gelegt für heutige Bands, die das Erbe der MISFITS weiter führen.

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Viele Bands führen das Genre überzeugender weiter – Die MISFITS haben den Horrorpunk quasi erfunden, heutzutage sind sie für viele Fans ein Schatten ihrer selbst.

Die MISFITS gibt es ja nach wie vor. Welchen Stellenwert hat die Band heute für die Szene?

Die heutigen MISFITS sind ein Schatten ihrer selbst, und mit Jerry Only ist auch nur noch ein Original-Mitglied an Bord. Natürlich sind sie immer noch Kult, aber längst nicht mehr in dem Maße, wie das vielleicht noch vor sechs bis acht Jahren der Fall war. Viele aktuelle Bands führen das Genre überzeugender weiter.

Wie siehst Du die Horrorpunk-Szene weltweit?

Deutschland ist das Mekka der Horror-Szene. Die meisten Bands kommen aus den USA, die Fans jedoch sind hier. Das liegt vielleicht auch ein bisschen an der langen Horror-Tradition in Deutschland, zum Beispiel mit dem Schauerroman im 18. Jahrhundert oder dem expressionistischen Horror-Stummfilm der 20er Jahre. Oder generell der deutschen Vorliebe für morbide Kunst.

Die MISFITS haben Horrorpunk vor 25 Jahren erfunden und dem Genre maßgeblich ihren Stempel aufgedrückt, was Sound und Optik anging. Erst jetzt jedoch, mit einer atemberaubenden Verspätung, startet das Genre jedoch merklich durch. Seit wann läuft das Ding Deiner Meinung nach rund?

In Deutschland merkte man seit zirka 1999, dass es ein gesteigertes Interesse an Bands mit Horror-Thematik gab. Ein richtiges Genre mit größerem Zulauf hat sich erst ab 2003 entwickelt, als der erste This Is Horrorpunk-Sampler auf Fiendforce Records erschien und die bis dato im Untergrund agierenden Bands einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.

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Neben Fiendforce Records hat Thorsten Wilms mit THE OTHER auch seine eigene Horrorpunk-Band.

Trügt mich mein Eindruck oder bekommt Horrorpunk derzeit tatsächlich mehr und mehr breitenwirksame Aufmerksamkeit?

Ja, das ist so. Neben Punk-Rockern entdecken gerade viele Gothic Fans und Psychobilly–Anhänger das Genre – und fühlen sich dort zuhause. Es ist etwas Neues, Energiegeladenes und gleichzeitig etwas, was noch wild und unberechenbar erscheint. Viele sind begeistert, ein Genre für sich zu erkunden, das noch nicht von den Massenmedien aufgegriffen und ausgeschlachtet wurde. MTV, Visions oder die Bravo halten sich an die großen Trendbands, während sich im Horrorpunk die austoben, die noch richtigen Underground zu schätzen wissen.

Jetzt bist Du ja nicht nur Chef von Fiendforce Records, dem einzigen Plattenlabel der Welt, das sich ausschließlich auf Horrorpunk spezialisiert hat, sondern singst unter dem Pseudonym Rodrick Usher auch noch bei der Horrorpunk-Truppe THE OTHER. Erzähl mal!

THE OTHER entstanden im Jahre 2003 aus der MISFITS-Coverband GHOULS, mit der wir seit 1999 aktiv waren. Die Konzerte wurden immer größer, und die Fans verlangten nach eigenen Songs, da die MISFITS keine eigenen Stücke mehr schrieben. Also nahmen wir ein Demo auf, dann ein erstes Album (They’re Alive!), und schon spielten wir mit Bands wie MISFITS, BALZAC, WEDNESDAY 13 und THE 69 EYES. Die Presse-Reaktionen waren großartig, und THE OTHER konnten immer mehr Fiends anziehen. Am 14. April kommt das zweite Album We Are Who We Eat, und THE OTHER werden auf Deutschland–Tour gehen und 2006 auf den großen Gothic-, Punk- und Metal-Festivals in Deutschland spielen.

Rezurex
MTV, Visions oder die Bravo halten sich an die großen Trendbands, während sich im Horrorpunk die austoben, die noch richtigen Underground zu schätzen wissen.

Was kannst Du über die Geschichte von Fiendforce Records berichten?

Fiendforce Records wurde gegründet, weil ich für THE OTHER ein eigenes Label haben wollte. Und Paddy Scum war mir durch seine MISFITS-Internet-Fan-Seite fiendclub.de bekannt. Ich habe früher für ein Label und eine Werbeagentur gearbeitet, daher lag es nahe, unsere Kompetenzen zu bündeln. Fiendforce veröffentlicht die Alben fast aller bekannten Horrorpunk-Bands, und so soll es auch weiter sein. Das Label ist durch seine gewollte Limitierung so erfolgreich. Daher wird sich an der Ausrichtung auch nichts ändern. Die Fans lieben das, was erscheint, und wir veröffentlichen auch nur das, wo wir komplett dahinter stehen. Wenn wir damit größer werden, ist das gut, schließlich wollen wir auch irgendwann davon leben und gönnen auch unseren Bands den Erfolg. Am besten verkaufen sich THE OTHER, REZUREX und NIM VIND – das sind Bands, die viel touren und viel Presse bekommen. Im Netz sind wir unter www.fiendforce.de vertreten, die Szene trifft sich auf www.horrorpunk-forum.com.

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.