Eisregen Interview mit Michael Roth

Von Black Metal, Splatter und anderen angenehmen Dinge des Lebens…

Irgendwie ist man ja schon gespannt, was für ein Mensch sich hinter solch extremen Texten wie derer der Band EISREGEN verbirgt. Doch wie so oft sind gerade die Leute mit extremen Aussagen die offensten und vernünftigsten unserer Gesellschaft. Ähnliches würde ich auch über Michael Roth, Sänger der Band, sagen, der zugleich für die gesamten Texte verantwortlich ist. Zwar kann man sich in der Kürze eines Interviews kein echtes Bild über den Gegenüber machen, das, was Michael aber zu sagen hatte paßte für mich ziemlich in die o.g. Kategorie.

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F: (Beginnen wir das Interview gleich mal mit `ner Fehlinformation ) Euer erstes offizielles Album ‘Zerfall ist ja nun 1997 erschienen. Wie lief die ganze Sache denn inzwischen für euch, wie war die Resonanz auf das Album und wie erfolgreich wart ihr, besonders würde mich interessieren, wie das Interesse im Ausland war?

M: Also rausgekommen ist das Album im April 1998, der Release hat sich dann doch etwas verzögert. Die Reaktion von den Leuten und den Magazinen war recht positiv. Die größeren Magazine haben schon Abstriche gemacht, aber bei den Fanzines und so sind wir eigentlich ganz gut angekommen. Was immer wieder angesprochen wurde war die Produktion, daß die nicht so der Brecher war, das seh ich eigentlich auch genauso. Aber mit den Reaktionen der Fans waren wir ganz zufrieden. Ich meine, ich bin jetzt auch nicht mehr so unbedingt mit dem Album zufrieden.

F: Aus welchen Gründen?

M: Zum einen wie gesagt von der Produktion her und das Material war einfach noch nicht so, wie es hätte sein müssen. Aber ich denke, das ist mit jedem Album so. Der Zeitpunkt der Produktion ist entscheidend und damals standen wir auch voll dahinter. Es gab aber einige Punkte zu verbessern, was wir auch auf dem neuen Album gemacht haben.

F: Und wie sah es denn nun im Ausland aus? Wart ihr dort überhaupt großartig vertreten, ich stell mir das doch irgendwie schwierig vor als deutsche Band mit deutschen Texten. Gab es Reaktionen?

M: Nach dem ersten Album kam recht wenig aus dem Ausland, zwei bis drei Interviews vielleicht, kleinere Fanzines. Das neue scheint jedoch ganz gut anzulaufen. Ich hab jetzt schon nach Belgien Interviews gemacht, Rumänien, Italien, der italienische Metal-Hammer. Es scheint also auch im Ausland ganz gut zu funktionieren mittlerweile.

F: Dann meinst du, daß die deutsche Sprache für euch kein Hindernis sein wird?

M: Generell sowieso nicht, sonst würde ich sie nicht verwenden.

F: Ich mein jetzt auch eher aus kommerziellen Aspekten…

M: Darauf haben wir eigentlich nie so geachtet, das war noch nie ausschlaggebend. Man muß das machen, was man machen will und darf nicht auf die Verkäufe achten. Das ist eher nebensächlich.

F: Musikalisch gesehen ist der Hauptunterschied des neuen Albums zum ersten ja eigentlich die Hinzunahme der Violinistin 2 T…wie soll der Name eigentlich ausgesprochen werden? Deutsch, Englisch…?

M: Haha, keine Ahnung eigentlich, nennen wir sie einfach Theresa. Sie wollte einfach die beiden Zeichen so haben, aber nennen wir sie hier Theresa, das ist besser.

F: Wie kam es denn zu eurer Zusammenarbeit?

M: Das entstand eher zufällig. Sie hat damals im selben Wohnblock gewohnt wie unser Gitarrist und sie kannten sich auch schon. Er meinte, ob sie nicht Interesse hätte, mal bei einer Probe von uns vorbeizuschauen, das hat sie gemacht und dann hat sich alles so entwickelt. Sie war recht angetan davon, spielerisch hat sie auch was auf dem Kasten, da haben wir gesagt, machen wir’s einfach.

F: Ich hab es mir halt relativ schwierig vorgestellt, so jemanden zu finden, speziell bei so einer extremen Richtung und dann noch `ne Frau, die Violine spielt und daran Interesse hat.

M: Es war einfach optimal passend. Wenn das so auch nicht hingehauen hätte, hätten wir nicht krampfhaft versucht, was zu machen. Es hat einfach gepaßt und jetzt sind wir recht froh, daß es geklappt hat. Es war einfach nicht geplant, `ne wirklich zufällige Sache.

F: Eure Musik ist ja eigentlich schon noch im Black Metal verwurzelt, kann man aber sicher nicht mehr so einfach einordnen. Auf der anderen Seite finde ich auch, daß ihr trotz vieler altbekannter Einflüsse einen recht eigenen Stil habt. Wie kommt der zustande?

M: Es ist eher eine natürliche Sache, da unsere musikalischen Einflüsse nicht nur aus dem Black Metal kommen. Wir sind jetzt 6 Leute und da hat jeder seine eigenen Dinge, die er miteinbringt. Zumal vom Alter her das Spektrum etwas größer ist als bei anderen Bands. Ich bin 27, unser Bassist ist 38…es ist also schon von den äußeren Einflüssen her eine andere Sache. Unser Keyboarder hört eher Gothic/Wave-Sachen, unser Schlagzeuger hört fast alles querbeet…bei der eigenen Musik spielt sowas natürlich eine Rolle. Daß man sich eben nicht einfach stur auf einen Stil festlegt. Wenn man nur Black Metal oder nur Death Metal hört, hat man da wahrscheinlich eine ganz andere Herangehensweise. Es sind sechs Charaktere, bei denen jeder zum Songwriting seinen Teil beiträgt. So daß die Musik im Endeffekt eben doch recht eigenständig klingt.

F: Euer Label hat ja bei ‘Zerfall’ immer mit dem Vergleich zu CARCASS geworben, was ich nicht so richtig nachvollziehen kann. Wart ihr mit dem Vergleich glücklich?

M: Haha…nee, ehrlich gesagt hab ich den Vergleich auch nicht so ganz verstanden. Das sollte eigentlich auch nie in die Werbung mit reinkommen. Ich hab mich da nur mal mit dem Markus unterhalten gehabt und er meinte, von den Texten her wäre das übergeordnet schon ein bißchen die CARCASS-Richtung. Ich meinte halt, für mich wäre das schon ein Kompliment, so von der Idee her kann ich es auch nachvollziehen, aber musikalisch hat das absolut nichts mit uns zu tun. Glücklich mit dem Vergleich waren wir also bestimmt nicht! Ich meine CARCASS ist ‘ne großartige Band, aber auf eine andere Weise eben. Das ist klar, daß das dann vielen doch aufgestoßen ist.

F: Von musikalischer Sicht her finde ich, daß es bis auf die Hinzunahme der Violine am Stil nicht viel verändert hat und das neue Album dem Debüt doch recht ähnlich ist. Inwiefern habt ihr schon euren Stil gefunden?

M: Das ist natürlich eine Sache des Standpunkts. Ich würde schon sagen, daß wir uns vom spielerischen und kompositorischen ein ganzes Stück weiterentwickelt haben. Und ich denke, daß es auch in dieser Richtung weitergeht.

F: Ich meinte eigentlich doch eher die Stilmittel, die ihr benutzt, den Sound.

M: Das auf alle Fälle, die Art wie wir Musik machen und wie wir uns darstellen haben wir schon gefunden. Das wir in der Art dann auch weitermachen ist eigentlich logisch. Das werden wir auch bei der nächsten CD beibehalten. Ein eingefleischter Fan wird da nie vor den Kopf gestoßen sein. Kompositorisch gibt’s eben schon einige Feinheiten, die noch geändert werden können.

F: Inwiefern könntest du dir denn dann vorstellen, daß sich eure Musik noch in Richtung neue Einflüsse weiterentwickelt?

M: Das wird erst abzuwarten sein. Wir sind jetzt gerade dabei, wieder ein paar neue Songs auf die Beine zu stellen. Aber da lassen wir uns freie Hand und warten ab, wie sich das entwickelt. Aber z.B. grade beim Gesang wird es da nie wirkliche Veränderungen geben, so daß die Leute vor den Kopf gestoßen sind.

F: Das würde gerade bei eurer Fangemeinde auch niemand wollen…

M: Das würden wir auch selbst nicht wollen. Wir sind schon ziemlich offen in andere Richtungen, aber wir werden immer die Musik machen, die uns selber gefällt. Wir werden uns da niemandem anbiedern.

F: Inwiefern könnt ihr euch denn überhaupt mit der Black Metal Szene identifizieren und wo seht ihr euren Standpunkt in der Szene, überhaupt in der Metal-Szene?

M: Das ist `ne schwierige Frage, weil ich die Musik sehr mag und auch viel Black Metal höre, aber mit irgendwelchen Bands oder Leuten haben wir eigentlich wenig zu tun. Eigentlich nur über Konzerte, oder wenn wir gebucht werden. Der große Zusammenhalt ist eigentlich nicht so gegeben, denn es läuft einfach so viel Schwachsinn ab in dem ganzen Bereich. Die ganze Engstirnigkeit, damit kann ich einfach absolut nichts anfangen. Die Musik an sich gefällt mir wirklich, aber was viele mit dem Black Metal verbinden, damit hab ich absolut nichts mehr zu tun. Daher ist auch die Identifikation nicht richtig gegeben. Wir sehen uns über die Musik an sich schon dem Black Metal in gewisser Weise zugehörig, aber das ist’s dann fast schon.

F: Das ist auch das, was ich der Black Metal Szene immer wieder ankreide, daß vieles eben zu engstirnig betrachtet wird….in dem Zusammenhang seid ihr wahrscheinlich in letzter Zeit schon öfters darauf angesprochen worden, da ihr ja auch aus Thüringen kommt und das Medieninteresse an der Band ABSURD wieder gestiegen ist, Spiegel Bericht, Bericht auf Pro 7,…

M: Das ist das Problem an der Sache. Daß sowas bei weiten Teilen der Fans akzeptiert ist. Grad wir haben durch ABSURD auch schon größere Probleme gehabt, wir hätten ein Konzert am 05.12. in Bering gehabt, aber aufgrund der Vorkommnisse fand das nicht statt, da der Bürgermeister der Stadt einfach keine Lust hatte, Black Metal Bands spielen zu lassen.

F: Dann habt ihr also auch schon durch irgendwelche Moralapostel Einschränkungen selbst erfahren?

M: Ja, das ist ja das Problem. Ich kann textlich und musikalisch mit der Band ABSURD überhaupt nichts anfangen. Wenn man dadurch aber in seiner eigenen Freiheit beschnitten wird ist das natürlich noch extremer. Deshalb kann ich mit solchen Bands also überhaupt gar nichts anfangen.

F: Habt ihr damals eigentlich überhaupt was von der Sache mitbekommen oder ist die Szene bei euch dann doch auch zu weit zersplittert?

M: Das wurde eigentlich durch die Medien viel zu sehr aufgebauscht. Das sind halt ein paar Spinner die sonst so niemand groß wahrnehmen würde. Aber grade durch das Medieninteresse ist das in aller Munde gewesen. So hättest du die Leute nie irgendwie beachtet. Das sind halt nur halbe Hähnchen, die keinen interessieren. Wenn die nun in Interviews irgendwelches Zeug verzapfen können, ist das von den Medien her völlig falsch denen überhaupt eine Plattform zu geben. Allein dadurch erreichen sie die Leute. Sowas sollte man einfach unterbinden.

F: Kommen wir wieder zu EISREGEN zurück…in der Werbung zu ‘Krebskolonie’ kann man lesen ‘Zerfall war der Anfang, Krebskolonie der nächste Schritt, Leichenlager das nächste Ziel.‘ Das hört sich ja fast schon wie ein Masterplan an und deutet auf ein festes Konzept, das die Band verfolgt…

M: Bei uns läuft alles etwas anders ab. Wir haben eigentlich immer erst die Texte und komponieren dazu die Musik. Gerade von der neuen Scheibe ist textlich eigentlich alles fertig. Leichenlager wird der Titelsong sein und der ist auch schon fertig komponiert. Von daher war es `ne ganz nette Sache, den Titel beim Erscheinen der zweiten Scheibe gleich anzukündigen, das machen auch die wenigsten. Es wird musikalisch noch viele Änderungen geben, aber die Texte stehen wie gesagt. Das grobe textliche Konzept wird auch so sein wie bei ‘Zerfall’ oder ‘Krebskolonie’, also abgeschlossene Geschichten zu bestimmten Themen. Das wird sicher auch interessant. Also bisher sind so 6 Lieder fertiggestellt und da haben wir jetzt noch eine ganze Weile Zeit, so daß wir im August oder so wohl aufnehmen werden, damit ein Jahr dazwischenliegt und da können wir auch noch musikalisch dran feilen.

F: Kommen wir also mal zu den Texten. Sie sind ja doch sehr krank und ich sag gern, ein Splatterfilm könnte nicht bilderreicher sein als eure Texte. Grade auf ‘Krebskolonie’ kommt mir doch immer wieder der Film ‘Nekromantik’ in den Sinn. Inwiefern sind Splatterfilme ein Einfluß, speziell ‘Nekromantik’?

M: Der Film spielte nicht vordergründig eine Rolle. Klar, wir kennen alle ‘Nekromantik’ oder allgemein Buttgereits´ Arbeiten. Ich habe als Jugendlicher schon sehr gerne Splatterfilme gekuckt und von daher sind sie ein Einfluß, aber ich würde schon sagen, daß mehr literarische Sachen einen großen Einfluß haben, so John Hudson-Geschichten oder so (der Autor ist mir leider nicht bekannt, könnte also auch etwas anders geschrieben werden, oder heißen – der Verf.) Splatterfilme haben sicher ihren ‘Wert’, die seh ich auch heute noch ziemlich gerne, das ist einfach eine interessante Sache. Und ich hatte einfach keine Lust, diesen ganzen Satansquatsch aufzugreifen und schon eher für den Textrahmen die fiktive Horrorgeschichte gewählt, darin arbeite ich eben gern. Gerade dieses Satansimage, das man mit der Black Metal Szene gern verbindet ist absolut nicht mein Ding, und spiegelt auch in keinster Weise meine Interessen wieder.

F: Auf der anderen Seite habt ihr aber auch durchaus Texte, die das Christentum angreifen, ähnlich den satanischen Bands. Gerade zum Beispiel ‘Für euch die ihr lebt’. Wie muß man dann solche Texte verstehen?

M: Also ‘Für euch die ihr lebt’ ist nicht `ne Kritik am Christentum speziell sondern eher an der gesamten Menschheit. Die Menschheit nimmt sich prinzipiell immer viel zu wichtig und stellt sich eben immer an die Spitze der Nahrungskette, darunter sind dann Tiere oder was immer danach kommt. Es war einfach ganz interessant, daß man mal ein Wesen darüberstellt. Den Mensch eben auch mal zum Futter degradiert, das war eigentlich die Hauptidee daran, daß dann nebenbei noch das Christentum angegriffen wird spielt einfach mit rein und trägt mehr zum Verlauf bei. Das Thema hab ich auch wieder bei ‘Futter für die Schweine’ aufgegriffen, daß sich die Nahrungskette eben mal anders darstellt, als sie gemeinhin aufgefaßt wird.

Die Geschichte ist aus einer ziemlich kranken und zynischen Sicht geschrieben. Eine extreme Pro-Vegetarier-Variante, würde ich sagen, haha. Obwohl ich absolut nichts mit Vegetariern zu tun habe, es sollte einfach eine künstlerische Betrachtung sein. Vor allen Dingen sowas mal aus einer anderen Sicht zu betrachten ist einfach interessant. Wir haben sicher einige Splattergeschichten aber auch einiges, was beim Hörer bestimmte Gefühle und Gedanken hervorrufen soll.

F: Wie entstehen denn eure Texte? Bist du der einzige der sie verfaßt?

M: Ja schon. Das Verfassen ist immer so eine Gemütssache. Also meistens habe ich bestimmte Ideen bevor ich nachts einschlafe, die ich dann ausarbeite. Einfälle die eben meistens Nachts kommen, halt ich dann fest, das Konzept arbeite ich dann am Tag aus.

F: Was mich speziell noch interessieren würde wäre die Idee zu dem Song ‘Krebskolonie’. Gerade der Text kann ja auch ziemlich mißverstanden werden.

M: Ja, der ist auch schon oft mißverstanden worden. Von der Richtung her ist es natürlich auch `ne harte Splattervariante, aber von `ner anderen Thematik, als es viele gesehen haben. In dem Text ist schon ein gewisser Bezug zur Realität gegeben. Es geht um die Geschichte, daß die Viruskranken in Kolonien zusammengepfercht werden und das läßt sich auch leicht auf unsere Gesellschaft übertragen, wie man eben Minderheiten behandelt, mißhandelt oder sie aus der Gesellschaft ausschließt. Und in dem Text stellt sich eben Einer von so einer Minderheit auf die Hinterbeine und bricht hier eben mit Waffengewalt die ganze Stellung ein. Das war der Grundgedanke, daß sich Minderheiten eben auch manchmal wehren. Daß das dann in so einem krassen Gewand dargestellt wird ist schon Absicht und das haben auch schon viele mißverstanden.

Von der Sache her hat es also schon auch seine Wirkung gezeigt, daß sich die Leute Gedanken machen.

F: Gerade mit solchen Sätzen wie ‘Kraft durch Krebs’ oder ‘Krebs macht frei’ könnt ihr eben auch durchaus Betroffene verletzen, jeder von uns wurde schonmal in seinem Verwandten-/Bekanntenkreis mit der Krankheit konfrontiert.

M: Also der Text war nie so gedacht, daß wir eben bestimmte Leute angreifen oder irgendwelche Gefühle verletzen. Deshalb sollten diese Textzeilen auch nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden, sondern ihn im Kontext mit der Geschichte sehen. Freilich ist es angreifend für die Leute, aber im Zusammenhang mit der Geschichte wird das klarer.

F: Inwiefern spielst du denn damit, mißverstanden zu werden? Das dürfte doch auch `nen gewissen Reiz ausmachen…

M: Ja klar schon. Dieses Provozieren und Äußern von Meinungen ist schon entscheidend. Das ist ja auch der Sinn von extremer Musik, daß man irgendwo provoziert, zumindestens Gefühle hervorruft. Wenn du heute radikale Musik machst, willst du ja auch irgendwo sehen, wie es auf Leute wirkt, wie sie darauf reagieren. Das ist meiner Meinung nach der Sinn, wenn man `ne härtere Variante von Musik spielt. Man sollte es eben aber doch größtenteils als Kunst sehen. Und die Kunst ist immer in dem Sinne derer zu sehen, die diese erschaffen haben und nicht aufgrund irgendwelcher Interpretationsfragen.

F: Der Song ‘Thüringen’…was ist dazu der Hintergrund? Als ich den Song zum ersten Mal hörte, hatte ich die Texte nicht zur Hand, was der große Nachteil bei Last Episode-Promos ist. Durch die Art deines Gesangs und einiger Textfragmente befürchtete ich zunächst rechtslastige Aussagen hören zu müssen, was ich mir nicht so ganz vorstellen konnte…

M: Nee, auf keinen Fall, mit der rechten Szene haben wir absolut nichts zu tun. ‘Thüringen’ waren einfach ein paar Gedanken zu dem Land in dem wir leben. Ich meine, wer den Text durchliest, der wird absolut keine rechten Tendenzen rauslesen können. Es sind einfach Gedanken und Betrachtungen über unser Heimatland, aber nicht auf die nationalistische Art. Wenn wir nun in Bayern oder Niedersachsen wohnen würden, würde der Song halt auch so heißen. Einfach ein paar Betrachtungen….

F: Negative Betrachtungen?

M: Allgemein gehalten, auf die Leute bezogen und das Land ansich. Was die Leute betrifft, so ist es eigentlich egal wo du hinkommst, ob Inland oder Ausland. Die Leute sind fast überall gleich. Freilich gibt es verschiedene Mentalitäten und ich habe auch nichts gegen irgendwelche andere Teile Deutschlands oder Europa allgemein gesehen. Gerade Thüringen hat halt auch wunderschöne Stellen, landschaftlich gesehen, wo man hingehen kann. Da sind eben auch ein paar Sachen drin in dem Text. Auf jeden Fall haben wir, um das klarzustellen, absolut nichts mit rechten Tendenzen zu tun. Das ist mir jetzt sehr wichtig, daß das im Interview rauskommt.

F: Was ist für dich die ‘Schlacht’ im Text ‘Thüringen’?

M: Das ist auf das Privatleben bezogen. Ich habe im alltäglichen Leben genug Schlachten zu schlagen. Das ist eigentlich mehr übertragen zu sehen. Es ist klar, daß man mit seiner Umwelt nicht immer hundertprozentig klarkommt, so daß man immer Kompromisse machen will. Das ist mit der Schlacht gemeint.

F: Ein anderer lyrischer Einfluß für dich scheint auch die Zeit der Pest zu sein…

M: Also die Faszination am Mittelalter ist schon gewährleistet. Auf der ersten CD waren die ersten vier Lieder ja auch dieser Pest-Zyklus. Das hat dann eben sehr zu der Grundidee der Geschichte gepaßt, es ging eigentlich im erster Linie um diese Wiederauferstehungsgeschichte. Das hat sich dann eben so entwickelt, daß man das eher im Mittelalter ansiedelt. Ich meine, der Text zu ‘Das kleine Leben’ vom neuen Album war in Grundfragmenten eigentlich schon lange vorher geschrieben, und daß er im Endeffekt ausgearbeitet erst eben auf der zweiten Scheibe auftaucht ist schon etwas seltsam. Aber so richtig waren die Lieder nie auf die Pest bezogen. Aber es hat sich dann ganz gut entwickelt und hat auch gut in der Geschichte funktioniert. Im Endeffekt ist es dann eben so geworden, wie es auf der CD erschienen ist. Das Mittelalter ist eben schon eine interessante Zeit gewesen. Die Pest ist über die Leute hereingebrochen wie die Plage Gottes und sie wußten nichts damit anzufangen. Sie haben gesehen, daß die Leute wegsterben aber keiner wußte, was der Grund dafür war. Heilungsmittel waren auch nicht gewährleistet. Das war für die Geschichte eben ein guter Aspekt.

F: In Sachen Live-Auftritte…wie sieht es da denn aus?

M: Bisher haben wir das immer im kleineren Maße gehalten. Wir haben jetzt öfters mal gespielt, 10-11 mal und jetzt macht Last Episode eben auch was tourmäßig für uns. Wir werden vom 21.02. – 09.03. auf Tour gehen, mit MYSTIC CIRCLE und OLD MAN´S CHILD, SACRAMENTUM und RUNEMAGICK. Das ist auf alle Fälle cool. Das sind dann 17 Konzerte. Wirklich cool ist, daß wir dieses Jahr auf dem Wacken Open Air spielen werden! Das ist schon so eine Art Jugendtraum!

F: Und was kann man von euch live erwarten?

M: Das muß man mal sehen, was geht. Bei der Tour sind wir momentan noch dran, ein paar Effektchen mit auf die Bühne zu nehmen. Auf alle Fälle wird man uns erkennen, da wir garantiert keine schwarzen Klamotten auf der Bühne tragen werden.

F: Was denn dann?

M: Wir haben unser Outfit jetzt komplett in weiß angelegt, haha…Schneeweiß!

F: Na klasse …kommen wir dann noch zu meiner üblichen Frage zum Abschluß des Interviews nach deinen Alltime-Faves…

M: So allgemein gesehen? Das ist nicht schwer…der erste Platz ist sowieso immer SLAYER, ‘Reign in Blood’, dann MORBID ANGEL, ‘Altars of Madness’, als drittes CARCASS ‘Symphony of Sickness’, dann MACEIBA ‘…of Order’ (kenne ich mal wieder nicht, deshalb gibt’s auch keine Gewähr für Bandnamen und Titel – der Verfasser) und das fünfte wechselt immer so, nehmen wir also mal was Black-Metallisches, DARKTHRONE, ‘Under a funeral Moon’

F: Hört sich nach einer festen Basis an

M: Ja klar, ich hör seit ich 13 Jahre alt bin Metal, also seit 14 Jahren. Da hab ich schon meinen Background.

Interessant für die Internet-Gemeinde ist natürlich, wie es denn mit den Internet-Aktivitäten der Band aussieht, was leider im Falle EISREGEN noch etwas mager ist. Der einzige der Band, der sich mit dem Internet beschäftigt ist der Bassist der Band, dieser will in nächster Zeit jedoch dafür sorgen, daß auch EISREGEN das Netz erobern wird.

Ich denke, daß Michael doch einige interessante Statements von sich gab, die zumindest aus meiner Sicht einige Fragezeichen ausradiert hat, die doch vorhanden waren, was Texte und Aussage der Band betrifft.