DOOMSWORD: Die zwei Seiten einer Münze

Einst waren die Italiener mehr Legende denn real existierende Band, die Musiker machten ein Geheimnis aus ihrer Identität und eine gewisse mystische Aura wurde bewusst und beabsichtigt durch zähen Informationsfluss aufgebaut. Mit ein paar wenigen Auftritten auf ausgewählten Festivals haben Deathmaster und seine Mannen die Mystik abgebaut und damit schon fast einen Dammbruch verursacht. Vorbei sind die Zeiten der verschwommenen Bandpix, vorbei die Jahre in denen man von Liveauftritten nur träumen konnte. Eine neue Ära hat begonnen und diese wird eingeläutet durch ein großartiges Werk epischen Wikinger-Stahls.

Einst waren die Italiener mehr Legende denn real existierende Band, die Musiker machten ein Geheimnis aus ihrer Identität und eine gewisse mystische Aura wurde bewusst und beabsichtigt durch zähen Informationsfluss aufgebaut. Mit ein paar wenigen Auftritten auf ausgewählten Festivals haben Deathmaster und seine Mannen die Mystik abgebaut und damit schon fast einen Dammbruch verursacht. Vorbei sind die Zeiten der verschwommenen Bandpix, vorbei die Jahre in denen man von Liveauftritten nur träumen konnte. Eine neue Ära hat begonnen und diese wird eingeläutet durch ein großartiges Werk epischen Wikinger-Stahls.

Seit eurem Zweitwerk hat sich bei euch einiges getan und der Name DOOMSWORD ist ein ganzes Stück bekannter als es noch beim Debüt der Fall war.

Nun, nach den Reaktionen bei unseren letzten Auftritten könnte man tatsächlich zu dieser Vermutung kommen und wir haben auf internationaler Ebene mehr Aufmerksamkeit bekommen. Aber man kann sich da nicht so sicher sein, solange wir nicht die Resonanzen auf das neue Album haben. In gewisser Weise habe ich bei einem neuen Album immer Angst vor den Reaktionen des Publikums. Wir sind uns darüber bewusst, dass das neue DOOMSWORD-Werk etwas komplexer ist als der Vorgänger und deshalb haben wir schon auch Bedenken. Wir warten jetzt also gespannt ob uns das Album weiter bringen wird.

Deine Anmerkung über die verstärkte Komplexität des neuen Werks kann ich gut nachvollziehen. Als ich die ersten Kommentare zur neuen CD zu lesen bekommen habe, war ich schon verdammt gespannt. Bei den ersten paar Hördurchläufen hatte ich dann aber doch meine Schwierigkeiten. Wieder einmal war es aber so, dass das Album mit jedem Durchlauf gewachsen ist und inzwischen bin ich restlos begeistert. Aber die Entscheidung, ein eher komplexeres Werk aufzunehmen ist aus kommerziellen Gesichtspunkten her nicht unbedingt günstig….

Wir können nicht wirklich erklären warum Let Battle Commence so komplex geworden ist. Bei DOOMSWORD wird eigentlich nicht sehr viel geplant sondern das meiste geschieht sehr spontan. Wir wollten eigentlich eher kriegerischer und aggressiver werden und in dem Zusammenhang haben wir uns auch über die Songstrukturen unterhalten. Im Grunde sind wir zu dem Schluss gekommen dass wenn wir aggressiver werden wollen, die Songstrukturen einfach ausfallen müssen – aber irgendwie ist es das nicht geworden. Das interessante daran ist aber dass wir es unserer Meinung nach geschafft haben gleichzeitig aggressiver und komplexer zu werden. Ich hab aber echt keine Erklärung dafür, haha….

Aber sooo spontan kann das Album ja gar nicht sein, schließlich handelt es sich um ein Konzeptalbum…für viele Bands hat das dritte Album eine besondere Bedeutung – war das ein Grund für euch ein Konzeptalbum zu veröffentlichen?

Wie ich dir gesagt habe ist DOOMSWORD tatsächlich eine Band, die gar nicht dazu in der Lage ist, solche Dinge im Voraus zu planen, haha. Ich stimme mit dir überein: das dritte Album nimmt vielleicht die wichtigste Rolle in einer Bandkarriere ein denn damit hat man die Möglichkeit die eigene Qualitäten unter Beweis zu stellen. Nach drei Alben kann man bewerten ob man es zu etwas bringen kann, ansonsten stirbt die Band. Wir fürchten uns tatsächlich irgendwie vor dem neuen Album, diese Befürchtungen hatte ich bei der Veröffentlichung von Resound the Horn nicht. Ich wusste dass der Unterschied zwischen den ersten beiden Alben beträchtlich war und nun haben wir es mit Let Battle Commence eher mit einer Verfeinerung zu tun – der Unterschied ist nicht derart groß.

Mit Wrathlord habt ihr einen neuen Schlagzeuger in der Band, der ursprünglich bei FIURACH gespielt hat, einer Band die eine Art epischen Black/Heavy Metal machte und zu der es vielleicht auch einige Parallelen zu DOOMSWORD gibt, was die epische Ausrichtung betrifft. Für mich hört er sich wie ein Schlagzeuger an, der sein Spiel so richtig von der Pike auf gelernt hat und teilweise würde ich ihn vom Stil her eher in eine Prog-Ecke stecken. Auf der anderen Seite passt sein Spiel perfekt zum Sound von DOOMSWORD und auch wenn er teilweise sehr technisch agiert zerstört dies nicht die Atmosphäre des Albums.

Ja, absolut. Wrathlord hat die technischen Voraussetzungen um seine eigenen Ideen umzusetzen ohne aber die Atmosphäre des Songs zu kompromittieren. Als er bei uns eingestiegen ist hatten wir durch seine Herangehensweise durchaus unsere Bedenken, da sie durch seine Death-Metal-Roots und seine hohen technischen Fähigkeiten total anders war. Wir befürchteten dass er unseren Sound verändern könnte. Das hat er auch gemacht aber auf die richtige Art und Weise! Ich hab ihm immer erklärt, er soll wie ein Wikinger spielen – spiel einfach! Er hat die Mentalität und die Idee hinter DOOMSWORD verinnerlicht und passt wirklich perfekt zu unserem Sound.

Im letzten Interview hatten wir es ja noch davon, dass es sehr schwierig ist, in Italien die richtigen Leute für DOOMSWORD zu finden. Wie würdest du heute das Bandgefühl bei DOOMSWORD beschreiben?

Die Frage ist sehr schwer zu beantworten, denn gestern hat Guardian Angel die Band verlassen (siehe auch Newsmeldung vom 17. September 2003).
Die Frage ist nun erneut ob es jemanden in Italien gibt, der Heavy Metal mit einem epischen Hang mit voller Überzeugung spielen möchte – aus dem Grund haben wir uns ja auch nie der italienischen Szene zugehörig gefühlt. Heute ist DOOMSWORD eine Vier-Mann-Combo und das Herz der Band besteht aus Dark Omen, The Forger, Wrathlord und mir. Wir sind uns sehr nahe und echte Freunde und das ist das wichtigste für uns. Wir wissen dass wir mit diesem Line-Up weiter machen werden bis etwas sehr einschneidendes passiert. Wir suchen nun also einen neuen Gitarristen und wir wollen jemanden der nicht nur spielen kann sondern wirklich im Heavy Metal aufgeht. Wir brauchen jemanden der DOOMSWORD wirklich mag. Er muss natürlich auch die Rolle eines Gitarristen erfüllen und deshalb wird das eine schwere Aufgabe für ihn werden. Er muss vom Heavy Metal besessen aber auch cool sein. Ich kann dir aber sagen, dass wir bereits jemandem im Kopf haben mit dem wir auch schon geprobt haben und der sehr talentiert ist. Wir müssen nun austesten wie leidenschaftlich er agiert. Wir wollen aber im Grunde so viele Leute wie möglich antesten denn ich bin es etwas müde, was wohl verständlich ist wenn man bedenkt, dass wir drei Alben veröffentlicht haben und neun Bandmitglieder hatten.

Bei unserem letzten Gespräch hast du ja gemeint, dass es noch zu früh wäre den Einstieg von The Forger als Meilenstein in der Bandgeschichte zu betrachten. Wie sieht das heute aus, würdest du das inzwischen so sehen??

Ja, aber aus einem anderen Grund. Er ist ein wichtiger Teil der Formation und wie du bemerkt hast, hat er auch eine tragende Rolle auf der Bühne eingenommen, da er sehr charismatisch ist. Er macht seine Sache sehr gut. Auf der anderen Seite ist da aber auch seine Funktion als Songwriter. Bei diesem Album fand das Schreiben sehr enthusiastisch statt und hat nur drei Wochen gedauert. Auf diese Weise hat er tatsächlich eine sehr wichtige Rolle eingenommen. Wie ich dir gesagt habe planen wir nicht voraus und deshalb kann ich auch nicht sagen wie es beim Songwriting mit dem nächsten Album aussehen wird.

Bevor ich nun näher auf das Konzept des Albums einsteige, würde ich dich noch bitten eine kurze Zusammenfassung zu geben, worum es auf Let Battle Commence geht. Und warum habt ihr euch auf dieses historische Ereignis gestürzt?

Die Frage ist recht einfach zu beantworten. Wir haben die dänische Invasion in England 866 n. Chr. geführt von Ivarr the Boneless als Thema gewählt – das historische Ereignis ist die Stürmung der Stadt York. Wir haben es ausgesucht weil dieses Ereignis in Wahrheit kein glorreiches war. Es war keine glorreiche Schlacht. Wir haben es auserkoren weil wir eine kleine Rache an den christlichen Chroniken nehmen wollten. All diese wurden von irgendwelchen Mönchen in Klöstern geschrieben und wir wollten sie einfach in Frage stellen. Wir wählten ein nicht so glorreiches Event und es sollte eine Art Entschuldigung sein – um all den christlich beeinflussten Menschen die eine bestimmte Vorstellung dieser Zeit haben zu zeigen dass es immer auf die Sicht dessen ankommt der die Geschichte erzählt und wie sie sich verändern kann wenn das jemand anderer macht.

Auf der anderen Seite habt ihr auf dem Album aber beide Perspektiven beschrieben….

Ja sicher. Woden´s Reign liegt zum Beispiel zugrunde, dass der christliche Glaube bei den Bauern auf dem Land damals weniger gefestigt war. In vielen heidnischen Ländern fuhren die Leute auch nach der Christianisierung fort, heidnische Rituale abzuhalten. In Woden´s Reign geschieht genau das. Die Wikinger-Armee steht außerhalb der Mauern von York bereit um anzugreifen und ein Engländer entschuldigt sich bei seinem Herrn dafür den Woden´s Reign zu feiern – Woden ist der englische Name des Gottes Wotan oder Odin. Ich habe beide Sichtweisen eingebracht, wobei es so ist, dass die Wikinger-Sichtweise der eines Wolfes entspricht und die der Engländer der eines Hasen.

Über Ivarr the Boneless gibt es nicht sehr viele historische Zeugnisse aber es ist unbestritten dass er gelebt hat und diese Ereignisse stattgefunden haben. Ivarr war aber eigentlich nicht wirklich dieser große Held den man erwarten würde: er war körperlich behindert (daher auch sein Beiname) und musste zum Teil von seinen Leuten getragen werden und für mich ist es interessant, dass ihr ihn für das Album ausgesucht habt, denn eigentlich entspricht die Figur des Ivarr nicht unbedingt den Wikingerklischees.

Absolut.

Was ist die Faszination für dich an dieser Person?

Ich bin überhaupt nicht fasziniert von ihm. Es ist insgesamt eine sehr grausame Geschichte, vor allem wenn es um den Blood Eagle geht, was sozusagen der Höhepunkt des Albums darstellt. Was für mich an diesen Ereignissen um Ivarr interessant ist, ist dass es einige heidnische Chroniken gibt, die vor kurzer Zeit erst entdeckt wurden und darin sind viele Details über die Stürmung von York zu finden, z.B. solche Einzelheiten wie dass Ivarr impotent war, was als eine der Erklärungen benutzt wird, warum er so grausam und böse vorging. Auf der anderen Seite denke ich dass die Wikingerklischees eher in diesem die Meere bereisen liegt, Shores of Vinland war da sicherlich viel mehr Klischee als die neuen Songs. Ich wollte mit Let Battle Commence weniger der Geschichte der Wikinger Tribut zollen sondern mehr dem heidnischen Triumph über das Christentum.

Aber eigentlich beziehen sich die Wikingerklischees ja mehr auf diese Raubzüge, auf das Plündern von Städten, auf das Vergewaltigen von Frauen, und und und… Die Geschichte um die Stürmung Yorks dagegen stellt ja einen Wendepunkt in der Geschichte der Wikinger da, da diese ab diesem Zeitpunkt wirklich versucht haben Land zu erobern anstatt nur auf Reichtümer aus zu sein.

Um ehrlich zu sein: mit dieser Geschichte habe ich eigentlich genau das Klischee verwendet, das die Wahrheit nicht wieder gibt. Im Grunde ist dies die einzige Zeit in der Geschichte in der sich die Wikinger wirklich so verhalten haben wie es die Klischees hergeben. Für mich war einfach wichtig, dass alle christlichen Chroniken die Wikinger auf diese Art beschreiben und all diese Ereignisse bei denen die Wikinger eine Schlacht gewonnen haben immer so dargestellt wurden, dass eine völlig verteidigungslose Stadt von den Wikingern eingenommen wurde. Also habe ich die Teile genommen, die wahr sind und die andere Seite dargestellt, bei der die Leute eben beten oh Herr, befrei uns von den Nordmännern!

Eigentlich ist es doch auch schon fast wieder witzig, dass anscheinend auch heute noch Ivarr für die Dinge die er damals getan hat von der Wissenschaft zur Verantwortung gezogen wird. Bei meinen Recherchen bin ich auf eine Nachrichtenmeldung gestoßen, dass Forscher nun Ivarr die Schuld geben, eine spezielle Krebsform nach England eingeführt zu haben….

Haha, vielleicht ist der einzige Krebs den er mitgebracht hat die Tatsache die, dass viele Engländer dänische Namen tragen – etwas was sie nicht mehr ausrotten konnten. Aber ich denke dass dies die Wahl der Bevölkerung war. Ich meine – die Wikinger kamen ja anscheinend, haben die Frauen vergewaltigt usw. – und dann gaben sie ihren Kindern dänische Namen?

Für Ivarr gibt es ja nicht derart viele historische Beweise….wie lange hast du denn an dem Thema recherchiert und was waren für dich die wichtigsten Quellen?

Nun, ich habe viele viele Dokumente gewälzt und das Internet birgt jeden Tag noch mehr Informationen. Vor allem auf englischen Seiten findet man sehr viele Informationen. Ich habe auch viele Bücher über die Wikingergeschichte im allgemeinen gelesen und auch wenn es tatsächlich nicht so viele Beweise gibt ist unbestritten dass es sich um den Sohn von Ragnar Loogrok handelte und es da eine Sage gibt nach der Ivarr den Knochen aus Aellas Rücken heraus geschnitten hat. Dabei handelt es sich um das berühmte Blood Ritual bei dem Köing Aellar auf eine sehr misshandelte Weise gestorben ist. Ich bin auch in der glücklichen Lage dass ich die Chronik der schwarzen Mönche in die Hände bekam, die vor nicht allzu langer Zeit entdeckt wurde, ein geheimes Dokument. Der Autor Harry Harrison hat einen seiner Romane darauf basiert und er hat dieses Ereignis auf eine sehr mystifizierte Weise beschrieben. Aber es gibt da viele Verbindungen.

Einige Historiker bezweifeln ja dass es das Ritual des Blood Eagle überhaupt gegeben hat, aber du hast es zu einem zentralen Element des Albums gemacht. Kannst du uns etwas näher beschreiben um was es bei dem Ritual geht und warum es für dich eine derart zentrale Rolle einnimmt?

Die spezielle Bedeutung des Blood Eagle für die Wikinger war dass es eine Warnfunktion inne hatte. Der Körper wurde ganz oben auf den Mauern aufgerichtet und jeder konnte sehen was die Wikinger mit Könie Aella gemacht haben. Ich denke es gibt keine Zweifel an der Existenz des Blood Eagle denn wie ich dir gerade erklärt habe habe ich eine sehr alte Chronik in der englischen Sprache des Jahres 1000 in die Hände bekommen. Darin wird das Ritual beschrieben – nicht als Zeugenbericht aber es wird dort auf verschiedene Gedichte verwiesen die um einiges älter sind. Ich denke man kann das Ritual also durchaus als realistisch ansehen.
Der Blood Eagle ist im Grunde in meinem Song beschrieben. Die Klinge fällt auf das Rückgrat das von oben nach unten gebrochen wird, die Haut wird geöffnet und mit einem kleinen Hammer werden die ganzen Rippen in eine vertikale Position gebracht. Auf diese Weise hatte das die Form von Flügeln und darum wurde das Ritual der Blood Eagle genannt. Am Ende werden die beiden Lungenflügel freigesetzt und durch die Rippen gezogen. Das ist sehr grausam und blutig aber es war das Signal der Wikinger: Wenn ihr uns bekämpfen wollt, dann werdet ihr so enden.

Ivarr nahm noch an weiteren Herrschern grausame Rache – König Edmund zum Beispiel?

Ja, wobei Ivarr war glaub ich für die Wikinger gar nicht so wichtig. Ivarr war einfach ein faszinierender Charakter der diesen Blood Eagle-Verbrechen real hat werden lassen und er hat sich für ein Viking-Album auch als Figur angeboten.

Um aber noch mal etwas die Positionen zu ändern. Speziell in der Black Metal Szene gibt es ja immer diese negative Verherrlichung dessen, dass die Christen die Kultur der Wikinger gewaltsam zerstört haben – quasi als Rechtfertigung für irgendwelche Spinnereien. Aber schaut man sich den Charakter des Ivarr an so muss man doch eigentlich zu dem Ergebnis kommen: die Wikinger waren nicht besser. In Northumbria oder Mercia wurde fast alles zerstört was die Kultur dort vor den Wikingern ausgemacht hat. Denkst du nicht dass da von vielen Leuten das Wirken der Christen auch etwas zu hoch angesiedelt wird, war es vielleicht nicht sogar so, dass das was die Christen taten zur damaligen Zeit einfach recht üblich war?

Das stimmt bei sehr vielen Völkern, richtig. Wir reden jetzt konkret über die Wikinger und in dem Zusammenhang gibt es sehr viele verschiedene Völkergruppen, Persönlichkeiten und mehr was betrachtet werden muss. Die norwegischen Wikinger waren zum Beispiel weniger Eroberer. Sie waren in Island, Grönland und Finnland Siedler und hatten eine Leidenschaft für Abenteuer und Entdeckung, Die Schweden waren mutige Männer aber in erster Linie außergewöhnliche Händler. Das einprägsamste Volk waren natürlich die Dänen denn sie waren sehr grausam. Sie hatten ihre Gründe dafür. denn als sie größer wurden begannen sie für die umgebenden Länder lästig zu werden. Die Könige von Deutschland und den anderen Länder haben sie quasi ausgeschlossen bevor die Dänen dann grausamer wurden und ganz Europa in Brand steckten. Wenn du von Wikingerklischees redest, dann redest du in erster Linie über die Dänen, was nicht wirklich fair ist.

Zurück zum Album. Würdest du sagen, dass es ein Album ist, in dem es um ein bestimmtes Geschichtliches Ereignis geht, oder handelt es von menschlichen Gefühlen?

Es handelt von menschlichen Gefühlen. Bei diesem Album wollten wir einfach beide Seiten der Münze darstellen, wenn wir über Krieg reden. Viele Bands mit einem epischen Touch zelebrieren quasi den Krieg und ich weiß nicht ob sie sich überhaupt bewusst darüber sind. Das tun wir überhaupt nicht. Wir wollen beide Seiten darstellen. Wenn es einen Sieger gibt dann gibt es auch einen Verlierer. Krieg ist niemals richtig. Im Song Deathbringer beschreiben wir die Worte eines Kriegers, der sich bei einer Frau entschuldigt, die er nie sah. Denn in der Nacht davor tötete er ihren Mann. Es ist unsere Art darzustellen dass es da einen glorreichen Sieg geben kann, aber was dahinter steht ist der Tod. Das ist das Konzept des Albums.

Um aber nochmal auf die musikalische Seite zu sprechen zu kommen: ein Bandname der im Zusammenhang mit DOOMSWORD ständig fällt ist BATHORY und es ist ja auch bekannt dass du ein riesen Fan der Band bist. Viele Leute vergleichen euer neues Album mit BATHORY aber ich persönlich muss sagen dass ich diesen Vergleich nicht so ganz nachvollziehen kann. Natürlich spürt man einen gewissen Einfluss aber ich würde nicht sagen, dass man die Bands direkt vergleichen kann.

Oh, ich wurde das schon öfter gefragt und die einzige Parallele die ich erkenne ist dass wir den gleichen Metalstil spielen. Ich denke dass wir uns schon unterscheiden, vor allem weil wir einen starken Fokus auf unsere Instrumente legen. BATHORY benutzen zum Beispiel elektronische Drums und auch wenn ich BATHORY absolut liebe verstehe ich nicht wie man ein Ein-Mann-Projekt mit einer richtigen Band vergleichen kann. Okay, wir reden auch über Chöre und vielleicht auch über Gesangsparts – Quorthon ist sicherlich einer meiner größten Einflüsse. Aber ich denke wenn man einen BATHORY-Song neben einen DOOMSWORD-Song stellt, wird man nie sagen können, es handle sich um dieselbe Band.

Im letzten Interview haben wir über das neue MANOWAR-Album geredet, ich denke dieses Mal sollten wir über die beiden neuen BATHORY-Scheiben reden, die ja sehr zwiespältig aufgenommen wurden, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Ich liebe die Alben. Ich würde sie auf einem ähnlichen Level ansiedeln wie die alten Sachen, nur ganz knapp hinter Hammerheart, meinem absoluten Favorit. Ich denke er hat nie das Gefühl und die Inspiration verloren. Es sind erstaunliche Werke und Songs wie Foreverdark Woods sind Meilensteine des Metal.

Für mich ist es seltsam, denn viele Leute die Hammerheart als einen ihrer Lieblingsalben von BATHORY bezeichnen machen die neuen Werke schlecht, dabei sind es großartige Alben und Quorthon macht nach all den Jahren immer noch das, was er will und das ist gut so.

Absolut aber ich denke es gibt da einen Trend, der sich derzeit unter den Metalheads ausbreitet. Ich habe mit einigen Fans geredet und es gibt da viele dabei die die neue Arbeit nie auf dasselbe Level wie die alte stellen können. Das ist bereits vorbestimmt: ein neues Album kann nicht so gut wie ein altes sein. Sie haben schon geurteilt bevor sie überhaupt die Musik gehört haben. Das ist bei einer Band wie BATHORY die schon sehr lange dabei ist, wohl normal. Uns geht es da aber ähnlich. Wir durften auch schon darunter leiden denn es gab da einige Leute die uns gesagt haben, dass das erste Album unerreichbar ist und da frag ich mich halt eigentlich kann ich dann doch gleich aufhören! Die einzige Antwort die man diesen Leuten geben kann ist okay, wenn ich den Bandnamen ändere, meinst du dass ich dann noch ein besseres Album machen kann?

Wie auch bei BATHORY spielt bei DOOMSWORD allerdings eine große Rolle, dass die Musik das was die Texte darstellen wiederspiegelt, deshalb also wieder einmal die Frage: was kommt zuerst, die Lyrics oder die Musik?

Ich denke das wichtigste bei Viking-Songs ist ein Bild zu kreieren und wenn du einen Titel festlegst hast du ein bestimmtes Bild vor Augen. Und wenn du dich darauf konzentrierst dann bist du auch in der Lage dieses Bild auf den Hörer zu übertragen. Zum Beispiel bei Woden´s Reign habe ich mich einige Zeit auf das Cover konzentriert und auch wenn es noch nicht entschieden war dass dies das Cover werden würde, war es für mich das richtige Bild für den Song. In Woden´s Reign siehst du die Engländer die auf die andere Seite ihrer Mauern schauen und denen sich dort im Grunde das Coverbild darstellt. Für mich ist das das wichtigste – ein Bild zu transportieren das ich beim Songwriting vor Augen habe.

Gleichzeitig spielen bei euch aber inzwischen auch diese Soundsamples eine wichtige Rolle. Bei den Hörnern von Wodens Reign beispielsweise krieg ich immer wieder eine Gänsehaut. Eigentlich haben diese Sounds mit der Musik ja nichts zu tun und dennoch sind sie irgendwie wichtig für das Gefühl.

Das ist etwas das ich tatsächlich von Quorthon gelernt habe. Als ich das erste Mal Blood on Ice gehört habe, habe ich plötzlich verstanden dass er nicht nur Musik komponiert hat, sondern dieser auch eine Art Filmgefühl mitgegeben hat. Er hat Szenen kreiert, die in der Musik wiedergegeben werden. Diese Art von Samples unterstreichen das. Diese Schlachtsamples beispielsweise sind meiner Meinung nach sehr wichtig für das DOOMSWORD-Gefühl. Unsere Alben sind sicherlich weniger technisch als die von tausender anderer Bands aber wir vermitteln eine Atmosphäre und das schaffen andere vielleicht nicht. Wir werden so weiter machen, auch wenn jemand vielleicht sagt dass wir nicht in der Lage sind diese Art von Atmosphäre zu erschaffen wenn wir keine Samples benutzen. Aber wenn du Samples benutzt, die vielleicht ein paar Sekunden andauern, dann kann keiner behaupten dass die Atmosphäre der Musik allein darauf beruht. Es ist einfach eine der Zutaten die ein Ganzes ergeben.

Und auf dem KEEP IT TRUE habt ihr ja zum Beispiel bewiesen dass ihr auch ganz gut ohne Samples auskommt. Und davon ab hat doch z.B. schon Wagner solche Elemente in die Musik eingebaut, wenn z.B. bei Der Ring des Nibelungen die Schläge der Ambosse durch Triangeln imitiert werden….

Absolut, ich habe zum Beispiel am Ende von In the Battlefield einige Kampfschreie eingebaut und Wagner hat im Grunde genau das selbe gemacht als er die Walküren hat singen lassen als würden sie weinen. Der älteste Versuch Geräusch Samples in Musik einzubauen ist meiner Meinung nach als Percussions in die Musik eingebaut wurden, die wie Kriegstrommeln klingen. Es ist eigentlich überhaupt nichts neues.

Abschließende Frage: Als ich dich auf dem KEEP IT TRUE gesehen habe, fand ich es einfach interessant dich außerhalb der Bühne zu erleben, mit deinem Trinkhorn stets bei dir, deinem Outfit, man spürte einfach dass du dieses Gefühl schlicht lebst und das sehr natürlich ohne irgendwie Theater zu spielen. Was mich mal interessieren würde: wie reagieren die Menschen in deiner Heimat eigentlich auf dein Auftreten?

Haha….wenn ich weggehe, trinke ich eigentlich immer aus meinem Horn, das ist gar nichts besonderes für mich. Die Leute machen natürlich Witze darüber, kommen auf mich zu und nennen mich einen Fanta-Viking, haha. Hör auf aus deinem Horn zu trinken und iss ne Pizza! Ich lache einfach darüber denn nichts anderes kann ich tun. Ich kann keinem Italiener erklären dass ich am falschen Fleck des Erdballs geboren bin. Als ich einen Monat in Norwegen war habe ich einfach gespürt dass dieses Land viel besser zu meinem Charakter passt – in allen Aspekten: Gesellschaft, Landschaft,…. Wenn ich auf die Bühne gehe, dann tu ich das nicht mit einer Axt, einem Schild oder einem Hammer. Ich will nicht in solch eine Rolle schlüpfen, aber jeder soll die Wikinger-Seele in DOOMSWORD erkennen. Die Frage wird mir aber eher in Italien gestellt als in irgend einem anderen Land.