DECEASED – "Ich kann als heterosexueller Mann kein Type O Negative hören" – oder Mr. Fowly, ihre Ausführungen zum Thema Heavy Metal in allen Ehren, aber können wir bitte wieder über Deceased reden?

Normalerweise kann ich mich ganz gut durchsetzten, wenn ich etwas sagen will. Normalerweise. King Fowley, Schlagzeuger und Sänger von Deceased schaffte es aber mich so zuzutexten, dass nach dem Telefonat mein Ohr glühte (btw, kennt hier jemand Hessi James? *g*) Im seinem Redeschwall findet sich einiges an interessanten Statements, vor allem stellte sich heraus, dass er die Dinge beim Namen nennt und kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um klare Aussagen geht.

Normalerweise kann ich mich ganz gut durchsetzten, wenn ich etwas sagen will. Normalerweise. King Fowley, Schlagzeuger und Sänger von Deceased schaffte es aber mich so zuzutexten, dass nach dem Telefonat mein Ohr glühte (btw, kennt hier jemand Hessi James? *g*) Im seinem Redeschwall findet sich einiges an interessanten Statements, vor allem stellte sich heraus, dass er die Dinge beim Namen nennt und kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um klare Aussagen geht. Es war zwar nicht immer einfach, auf eine Atempause zu warten und den Bogen zurück zum aktuellen Album Supernatural Addiction zu schlagen, dafür erzählte er Interessantes über seine Ansichten zum Thema Heavy Metal. Doch kämpft euch selbst durch seine ausführlichen Antworten:

Nun, euch gibt es seit rund 15 Jahren, was hat sich in der Zeit verändert?

Jaja, das ist schon verdammt lange. Wir gehören zum alten Eisen der Szene. Es ist seltsam, unsere Entwicklung vom jetzigen Standpunkt aus zu betrachten: Ich bin heute 31, da kannst du dir ausrechnen, seit wann ich dabei bin. Im Prinzip haben wir als Teenagers angefangen. Damals waren wir noch viel aggressiver und wilder, haha. Wir waren abenteuerlustig, wir hatten damals eine andere Einstellung – wir haben uns nicht nur ausschließlich der Musik gewidmet, wie wir das heute tun. Wir haben damals Drogen ausprobiert, wir waren viel mehr an Partys interessiert.. Party hier, Party da… Die Musik war schon wichtig, aber sie war eben nur ein Teil – es gab soviel Drumherum, das und genauso wichtig war. Es war halt einfach geil, eine Band zu haben, verstehst du? Die Musik war fast schon zweitrangig.

Dann kamen die Neunziger und jetzt das Jahr Zweitausend, wir sind mit den Jahren langsam gereift. Wir haben das Drumherum nun hinter uns, und können uns voll auf die Musik konzentrieren. Den ganzen Blödsinn haben wir ausprobiert, damals waren wir eben dumme Teenies, heute sind wir erwachsen und gehen alles professioneller an

Supernatural Addiction zeigt das ja auch….

(unterbricht) Ja, unsere Spieltechnik hat sich nach und nach verbessert… Wir erkannten, was gut und was weniger gut war an unseren bisherigen Alben. Zum Beispiel haben wir festgestellt, dass Blastbeats irgendwann langweilig werden, also haben wir darauf verzichtet. Früher wollten wir einfach nur verrückt sein. Inzwischen mache ich bestimmte Dinge, weil sie mir gefallen, weil ich sie gut finde. Wir sind an einem Punkt im Leben gekommen, an dem wir reif genug sind, zu entscheiden, was gut und was nicht gut ist – ohne an irgendetwas anderes zu denken. Das ist eben Metal, weißt du…

Es ist so viel Zeit vergangen, seit wir angefangen haben. Ich habe mich seitdem sehr verändert, ich fühle mich heute aber viel besser als damals, haha.

Wie hat sich für dich die Metalszene verändert? Ich habe erst Ende der Achtziger für Metal interessiert – du bist älter und hast das alles viel bewusster erlebt. Mir kommt es so vor, als ob in den Achtzigern der Metal einen höheren Stellenwert hatte als heute..

Nun, das alles kommt ja mehr oder weniger zurück… Hammerfall und das ganze Retro-Zeug. Um ehrlich zu sein, mich interessiert das nicht sonderlich. Es ist einfach dämlich. Als das Heavy Metal aufkam, war es die Musik der Outcasts, es war eine Fortsetzung der Rebellion, die der Rock n´ Roll eingeleitet hat. Damals war der Metal noch authentisch – diese Bands kamen aus dem Nichts. Sie haben keine Anerkennung für das, was sie getan haben, bekommen. Es muss so gewesen sein, als ob du dir selbst deine Kehle durchschneidest. Die Musiker wurden wie Dreck behandelt, aber es hat sie nicht gekümmert. Aber sie haben diesen neuen Musikstil Metal erfunden.

In den Achtzigern und Neunzigern hat die Musik ihre Schärfe verloren. Besonders der Death Metal hat da viel kaputtgemacht – da kam viel Scheiße raus. Es ging nur noch darum, extrem zu sein, auf musikalische Aspekte wurde plötzlich keinen Wert mehr gelegt. Bands schreien Fuck God oder die ganze Gore Metal Szene: das war keine Musik mehr, sondern nur noch Image. Heute kann man das gut an der Black Metal Szene beobachten. Diese Band können nicht spielen, ihre Songs sind uninteressant und das einzige Ziel dieser Bands ist es, Leute zu schocken. Es ist einfach langweilig – ich als Musikfan kann keine Black Metal Scheibe auflegen. Ich frage mich immer: Wo sind die verdammten Songs? Was soll ich mir hier anhören?

Und das ist das was ich am neuen Deceased Album mag – ich will hier meine Band nicht über andere stellen, aber es gibt für jeden Musikfan die Möglichkeit, es zu mögen. Es gibt kein Image – es zählt die Musik. Vier Jungs spielen eine Mischung aus Death Metal, Speed Metal, altem Heavy Metal – wir machen das was, was sich ergibt. Es ist nichts künstliches oder aufgesetztes darin. Das ist der Spirit, den Deceased haben und den andere Bands vielleicht nicht haben. Darum sind Deceased in einem gewissen Sinne noch immer eine Undergroundband.

Auf dem Deceased Album gibt es zwei Songs, die die von dir angesprochene Mischung ganz gut darstellen, The Premonition und The hanging Soldier…

Ja, es sind Mischungen und Mischungen sind gut. Ich verstehe einfach nicht warum, die Leute keine guten Songs mehr machen. Etwas anderes, das ich mich ständig frage, ist, ob sich der Musiker als solcher verändert hat. Die Musiker werden immer jünger – Death Metal Bands sind heute im Durchschnitte 16, 17Jahre alt. Ich habe auch in diesem Alter angefangen – doch wir haben Demo rausgebracht, heute haben die Jungs gleich einen Plattenvertrag. Es ist viel einfacher geworden. Ich finde es ziemlich dumm, sich nicht die Zeit zu gönnen, zu einer Band zusammenzuwachsen. Die jungen Bands können gar kein Potential mehr entwickeln, sie werfen sofort etwas auf den Markt. Ich liebe Metal und ich liebe die Szene, ich liebe Menschen wie euch, die eine gute Sache macht, aber es gibt soviel Müll – das beschäftigt mich eben. (holt Luft – DIE Gelegenheit, mal wieder eine Frage zu stellen)

Du hast vorher den Retro-Boom angesprochen, …

(unterbricht) Früher dauerte es zwanzig Jahre bis etwas wiederkam, heute hat sich das auf 10 Jahre verkürzt. Ein Musikstil ist populär, dann verschwindet es für zehn Jahre in der Versenkung und dann kommt es wieder. Ich denke, dass das auch daran liegt, dass die Menschen zu gelangweilt sind, etwas Neues zu erschaffen. Sie gehen einfach zurück und melken eine Kuh, die schon einmal Mich gegeben hat, noch einmal. Ich denke Hammerfall machen nichts anderes. Die dachten sich wahrscheinlich: Oh, lasst uns Heavy Metal spielen, das macht im Moment keiner. Es ist aber nicht dasselbe – für mich auf jeden Fall nicht. Sie heben einfach nicht den Vibe in ihrer Musik. Wie siehst du das?

Hammerfall nehme ich nicht ernst, auf mich wirken sie manchmal wie aus einem schlechten Comic..

Ich will Frauen nicht beleidigen – aber du bist eine der wenigen, die die Jungs nicht süß (Hammerfall?????!!! Süß??????!!! -verfass.) findet. Die meisten sehen eben die hübschen Jungs, ihre langen Haare und ihre glänzenden Lederhosen. Aber was hat das mit Musik zu tun?

Wo wir gerade dabei sind: was hältst du denn davon, dass Destruction ein neues Album rausbringen?

Wo waren Bands wie Destruction, Agent Steel oder Venom, Exodus oder Metal Church als wir sie gebraucht haben? In den frühen Neunzigern saß ich hier in Amerika und musste mir Grunge anhören! Wer war da? Iron Maiden, Saxon und Anvil waren da. Diese Bands haben da weitergemacht, wo sie in den Achtzigern aufgehört haben. Destruction haben damals irgendwelches komischen zeug gemacht. Nun, Schmier hatte seine Band namens Headhunter, mit denen er drei Alben veröffentlicht hat ( 1991 – Parody of life, 1993 – A bizzare gardening accident, 1995 – Rebirth) ) das hatte mir aber nichts gegeben. Und nun, plötzlich sind sie wieder da. Wahrscheinlich hatten sie sich gedacht, wir können wieder an die Spitze, wir waren schließlich almighty Destruction. Selbst wenn, das Album gut ist, wird es mich nicht interessieren, dann die Band hatte mich enttäuscht, sie haben die Szene betrogen. Und jetzt, da ihre Musik populär wird, sind sie wieder da. Ich habe Destruction am ende ihrer Karriere hier in den USA gesehen, als sie mit den Cromags gespielt haben. Das war 1988 oder 1989 – damals waren sie noch sehr, sehr gut. Obwohl sie damals die Haare toupiert hatten, um wie Poison auszusehen, haha. Heute tragen sie Kontaktlinsen bei ihren Gigs – wie Cradle of Filth, haha.

Können wir aber auch mal wieder über Deceased reden? Ich denke, dass man bei euch aber durchaus auch eine Rückbesinnung hören kann. Auf Supernatural Addiction erinnert mich manche Gitarrenharmonie an Maiden…

Ja, auf jeden Fall. Ok, ich erzähle dir kurz, was passiert ist. Lass mich zum vorletzten Fearless Undead Machines Album zurückgehen. Als wir 1995 die Songs für Blueprints of Madness geschrieben haben, wollten wir etwas neues in der Death Metal Szene machen. Wir hatten uns überlegt, was wir anders machen können. Wir haben technische Songs gemacht, die aber schnell waren und viele Wechsel beinhalteten. Aber als wir die Stücke fertig hatten, war das Riffing so verrückt und das Drumming so schnell, dass wir es nicht so wie wir wollten aufnehmen konnten. Wir waren sehr enttäuscht.

1997 als wir die Songs für Fearless Undead Machines geschrieben haben, haben wir uns ernsthaft überlegt, was wir eigentlich wollen. Welche Musik wollen wir wirklich machen? Wir haben nicht mehr überlegt, was die Leute von uns erwarten, wir haben nicht länger daran gedacht, wie wir weiter Death-Metal bleiben können. Da kamen wir drauf: Wir hörten auf, alle Songs durchzuprügeln, wir verzichteten auf Blastbeats, die uns nichts mehr bedeuteten. Ich mag schnelle Musik, ich mag Slayer, Razor, Whiplash, also den schnellen Thrash Metal – nicht Geprügel wie die Musik von Napalm Death. Somit hatten wir unsere Geschwindigkeit.

Die nächste Überlegung war: welche Gitarren mögen wir? Wir mögen das seltsame Riffing von Mercyful Fate, das noisige von Voivod, das klassische von Judas Priest und Iron Maiden.

Die nächste Frage war: Welchen Gesang mögen wir? Ich bin ein großer Fan der alten Venom. Cronos hat die Death Metal Vocals so extrem wie möglich gemacht, aber er hat GESUNGEN! Heute schreien die Typen nur noch. Ich wollte immer ein Sänger sein.

Insgesamt haben uns die alten Helden wie Judas Priest oder Iron Maiden gefallen -so wir haben das alles zusammengepackt. Bei Supernatural Addiction wusste jeder in der Band, was wir mögen und darum konnten wir auch so ein Album machen.

Ich habe Kritik gehört, dass die Musik nicht mehr so heavy oder so schnell oder brutal wie früher sei. Ich finde Supernatural Addiction viel brutaler als die anderen Alben, es ist überzeugender. Es ist EIN Sound, der dich trifft – wir sind vier Leute die diesen einheitlichen Sound erzeugen. All das, was ich gesagt habe, wurde von uns vereint. Und, es funktioniert.

Andere Bands sind vielleicht ängstlich, so weit zu gehen. Cannibal Corpse zum Beispiel, ich kenne die Jungs sehr gut, sie sind großartige Gitarristen, aber sie haben Angst, Maiden Riffs zu spielen. Ich frage mich dann, was hindert sie daran? Nun, CC haben sich in eine Ecke manövriert, aus der sie nicht mehr herauskommen. Ihre Fans würden sie verfluchen. Sie sind nun mal eine der brutalsten Bands. Wir wurden nie in eine Ecke gedrängt, darum machen wir, was wir wollen. Wir haben uns nie an die regeln gehalten, ähnlich wie Voivod. Über Killing Technology hat jeder gesagt, dass es zu abgefahren ist. Aber das ist doch ok, denn es klingt gut! Wenn Cannibal Corpse in zehn Jahren noch unterwegs sind, dann werden sie immer noch genauso wie heute klingen, dann das ist alles, was sie machen können und dürfen.

Du machst also auch den Fans einen Vorwurf? Nur weil ein Cannibal Corpse-Fan Brutaltiät erwartet, ist die Band eingeschränkt?

Ja, irgendwie schon. Supernatural Addiction ist viel brutaler als Cannibal Corpse – wenn du genau zuhörst und die Texte liest. Du wirst erkennen, dass das wirklich krank ist…

Texte, ein gutes Stichwort …ich habe eine Art Prinzip darin entdeckt – du sprichst viel von lebenden Toten und Wiedergängern und…

Ja, viele Leute haben mich gefragt, wie lange ich noch über den Tod schreiben will – nun Deceased wollen nicht über Aktienkurse reden. Wir wollen das Thema Tod weiterbehandeln. Es ist ganz witzig, viele sagen auch, dass dieses Thema gar nicht zu mir passt, da ich ein netter Kerl bin. Sie ragen mich: Wo versteckst du diese Seite von dir? Ich bin eben fasziniert von Tod und allen möglichen Todesursachen. Ich lese viel, ich schaue viele Filme.

Beim neuen Album wollte ich einige klassische Ideen wiederbeleben. Und ich denke, dass es zu der Musik passt. Darum habe ich einen Text wie Dark Chilling Heartbeat gemacht.

Den ich ziemlich gut finde!

Du kennst E.A. Poe.?

Ähm, ja. (jetzt kommt wieder ein Vortrag, der nichts mit Deceased zu tun hat *g*)

Als ich als kleines Kind diese Geschichte zum ersten mal hörte, dachte ich mir: Hey -das ist gut. Total verrückt. Diese Geschichte von einem Mann, der wegen dem Auge seines Nachbars verrückt wird – er dreht durch und bringt ihn um. Ich meine, dass ist für ein Kind ziemlich viel. Es hat mich irgendwie schon geprägt – und vielleicht zu meinem seltsamen Benehmen geführt. Darum haben wir den Song gemacht – aus ähnlichen Gründen entstand der Text zu The Hanging Soldier, einer Geschichte von Ambrose Bierce. Es ist einfach eine Geschichte, die einem nahe geht. Es geht nicht um einen Soldaten, sondern darum, was dir in den letzten Momenten deines Lebens durch den Kopf gehen kann.

Zu Poe fällt mir noch was Lustiges ein. Ein Kumpel von mir, aus der Grundschule, er hieß Bill Ford und hat später eine weile bei Death gespielt, ist in E.A. Poes Haus geboren. Bei seiner Mutter hatten die Wehen zu früh eingesetzt und er kam auf dem Boden in diesem Haus in Baltimore zur Welt. Sechs Jahre nach seiner Geburt wurde das Haus dann zum Museum umgebaut, heute ist es eine Touristen Attraktion. Das ist schon seltsam, oder ?

Nun, zurück zu Deceased. Du scheinst kein großes Vertrauen in Wissenschaft zu haben. Außerdem magst du das Internet nicht besonders? Du beschwerst dich im Booklet von Superantural Addiction über Leute, die sich hinter Pseudonymen verstecken…

Ähm ja. Du machst ja auch eine Website.

Ja, darum interessiert mich das ja auch.

Ja, aber ich meine auch etwas anderes: Wenn ich Leute anrufe und sie frage, ob sie zu einer Show kommen, dann höre ich oft, dass sie keine Zeit haben. Sie haben ein Mädchen im Netz kennen gelernt und sich mit ihr zum Chat verabredet. Sie sind völlig im Internet verloren. Oder sie sagen: Nein, ich muss noch zu eBay, etwas kaufen. Man verliert doch völlig den sozialen Kontakt. Der Computer ist eine asoziale Box.

Auf der anderen Seite gibt es viel Positives: eure Seite zum Beispiel – es ist einen kostenlose Möglichkeit für Fans, an Infos zu kommen. Allerdings bin ich froh, dass du das Interview per Telefon machst und nicht per Mail. Wenn ich tippe, dann hast du nur einen Bruchteil meiner Person – wenn wir telefonieren, dann hast du 100% King.

Was ich im Booklet meinte sind Leute, die einfach nur Müll erzählen. Wir haben dann Einträge auf unserer Homepage, die übrigens unser Gitarrist macht, wie Deceased sind ein Haufen Scheiße – unterschreiben von The Gladiator Ich frage mich dann, wer ist dieser Kerl? Was hat er mit Kerkern und Drachen zu tun, warum nennt er sich Gladiator?? Es juckt mich nicht, wenn uns jemand nicht mag – aber es auf diese Weise kundzutun, ist doch albern. Diese Leute leben doch in einer Fantasiewelt. Nun, dann gibt es ja auch noch den Ehrgeiz mancher Leute, in fremde Computer einzusteigen oder Viren draufzupacken – ich verstehe so was einfach nicht.

Aber das Internet ist für mich noch immer eine sehr gute Informationsquelle, besonders wenn es um Heavy Metal geht.

Ja, nur ich kann mit Computern einfach nichts anfangen. Es gibt eben so viele Menschen, die Computer missbrauchen, und das mag ich gar nicht. Wenn es so weitergeht, dann werden die Leute nicht mehr zu Shows gehen, weil sie lieber vor der Kiste hocken. In zehn Jahren werden die Konzerte dann übertragen und keiner geht mehr hin – keinen Spaß mehr, keine Sauforgien mehr. Die ganze Atmosphäre ist weg.

Nun, etwas anderes, das mir aufgefallen ist: Du scheinst nicht von Wissenschaft oder Fortschritt überzeugt zu sein. Die Zeile turning all science undone aus dem Song The Triangel fasst das ganz gut zusammen…

Was ist Wissenschaft? Wissenschaft ist das, was die Leute daraus machen! Eine Menge Leute stellen irgendwelche Behauptungen auf. Aber wer bestimmt letztendlich, wie etwas funktioniert? Menschen! Und Menschen machen Fehler. Wenn Menschen eine Wissenschaft aufbauen, dann kann diese Wissenschaft soviel Wissenschaft sein, wie sie das wollen.

The Triangel ist ein gutes Beispiel, ich glaube daran, dass es so etwas wie das Bermuda Dreieck gibt, ich glaube dass es Dinge gibt, die über unsere Erkenntnisse hinausgehen. Ich glaube an Zeitreisen, ich war nicht dort – so kann man leicht sagen, dass ich es nicht beweisen kann. Aber ich glaube daran! Es gibt soviel, was wir sehen – Schwerkraft, Zeit und so weiter…warum kann da nicht noch mehr sein? Etwas, das wir noch nicht entdeckt haben.

Aber schön, dass du The Triangel magst -wir haben mit dem Song auf dem New Jersey March Metal Meltdown unsere Show eröffnet..

Ja, wir war es dort denn?

Es war interessant, haha. Wir hatten verdammt viel Publikum, was mich erstaunt hat. Ich war überrascht. Das Schlechte war, dass dort eine Menge Bands gespielt haben, die eigentlich noch üben sollten, haha. Es gab vier Bühnen – teilweise nur durch Vorhänge abgetrennt. Als eine Band spielte, spielte eine andere im selben Raum! Es war völlig verrückt.

Nun bei dem Festival habe ich eine Menge Bands verpasst. Ich mag die Frauenstimmen im Metal, Doro Pesch zum Beispiel. Wir haben zwar im selben Raum Interviews gegeben, aber ich habe sie nicht live gesehen. Ich habe auch Anvil, Holocaust und Savage verpasst – alles Bands, die ich mag.

In Europa gibt es diese großem Festivals schon lange – in Amerika erst seit ein paar Jahren. In Europa wissen die Veranstalter, was sie erwarten müssen, sie wissen wie die Bands sind, sie wissen, wie sich die Leute sich benehmen. Im Amerika werden die Leute wie eine Herde Schafe behandelt, sie werden von einer Halle in die nächste geschickt. Undergroundbands müssen 1000 Dollar zahlen, um überhaupt spielen zu dürfen. Dafür bekommen sie 20 Minuten Spielzeit, wovon du die Hälfte abziehen kannst, weil es immer Probleme mit dem Zeitplan gibt. Das ist doch nicht Ordnung. Dann spielen vier, fünf Bands gleichzeitig, und die Leute rennen rum wie kopflose Hühner, weil sie nicht wissen, wohn. Dazu kommt, dass die Bands untereinander eifersüchtig werden, was ich ziemlich albern finde. Die Leute schauen das an, was sie sehen wollen. Aber man hört oft, dass Bands unzufrieden sind, weil sie Angst haben, dass alle zu den anderen Shows gehen.

Ich freue mich schon darauf, mit meiner anderen Band October 31 in Wacken zu spielen. Wir werden für eine Show rüberfliegen. Das ging gar nicht vom Label Metal Blade aus, sondern ich habe Jürgen von Hellion Records angerufen, er ist ein großer Fan. Es verdammt schwer, auf das Billing zu kommen, aber wir sind drauf!

Zurück zu Deceased: ihr habt Tribute Titel für Iron Maiden, Ozzy Osbourne, Motorhead und Mercyful Fate gemacht. Das waren große Bands in der Vergangenheit …

Stimmt, heute gibt es keine Band mehr, die dieselbe Atmosphäre schafft, um so weit zu kommen. Es gab die großen vier : Metallica, Megadeath, Slayer and Anthrax. Ich weiß nicht, was passiert ist. Was haben wir heute? Jeder ist Underground, alle sind zu unprofessionell. Vielleicht liegt es daran, dass man aus dieser Zeit weiß, dass nicht einmal eine große Band viel Geld macht, haha. Sogar die Promoter die damals diese Bands groß gemacht haben, arbeiten heute für andere – vielleicht sogar für die Backstreet Boys, hahah? Metal is limited. Metallica sind eine Ausnahme, das weiß ich und du weißt das auch – sie sind keine Metal Band mehr, sie haben sich davon entfernt und sind Multimillionäre. Sie haben alles aufgegeben, was eine Metal Band ausmacht – einschließlich der Musik. Slayer sind bekannt, aber sie verdienen keine Millionen. Sei sind ein sehr gute Band, aber sie spielen hier vor 600 Leuten. In Deutschland sind sie wohl noch populärer, aber sie könnten keine Arena tour wie Metallica spielen.

Slayer sind aber auch nicht mehr das, was sie mal waren…

Stimmt, sie sind keine reine Metal Band mehr. Sie machen viel zu viel von diesem modern Metal Schrott, den wir hassen, wie die Musik von Korn. Ich hatte lange nichts mehr mit ihnen zu tun. Ich habe sie damals auf der Reign in Blood Tour getroffen und ich muss sagen, es sind Vollidioten. Der einzige, der ok war, war Dave Lombardo. Er war clever genug, auszusteigen. Ich habe Anfang der Neunziger ein sehr langes Interview mit ihm gemacht, er hat mir sehr viel erzählt – im wesentlichen, dass Slayer egoistische Arschlöcher sind.

Weiß ich nicht, ich würde sie aber schon ganz gerne mal interviewen…

Nun, wahrscheinlich wären sie nett zu dir. Sie sind nicht mehr das, was sie einmal waren…Slayer müssten ihren Underground Status wieder bekommen und ein Album, einspielen, das klingt wie die ersten vier.

Du erwähntest vorher Korn, es gibt ja noch mehr Bands dieser Sorte, Coal Chamber, Marilyn Manson, Slipknot. Was sagst Du als Ami zu den Erfolg dieser Bands?

Ja, sie haben die alten Helden ersetzt. Nun, ich denke, dass sich auch die Kids verändern -schneller als früher. In einem Moment sind sie Heavy Metal, tragen Jeans und Nieten und dann rasieren sie sich die Haare ab und fangen an zu rappen …sie wollen plötzlich Großstadt Kids sein…yoyoyo, haha. Es ist kein Metal, was diese Jungs machen. Die Wurzeln des Metals liegen im Rock n Roll. Korn und andere Bands, die ähnliche Musik machen, haben ihre Wurzeln im Rap und Blues, sie wollen eher schwarz klingen. Sie haben zwar runtergestimmte Gitarren, aber das ändert nichts daran, dass sie keinen Metal spielen. Industrial Bands machen das schon lange und das war nie Metal! Diese Leute sind weder intelligent, noch haben sie Talent, noch können sie spielen. Das was sie machen ist Müll, der dummen Kids vor die Füße geworfen wird. Slipknot, Coal Chamber, Limp Bizkit, diese Bands sind so austauschbar. Man kann bei diesen Bands zusehen, wie sie populär werden. Leider.

Welche drei Alben haben dir in letzter Zeit richtig gut gefallen?

Defleashed – Under the Blade

Terrorsquad aus Japan, das Album heißt, wenn ich mich richtig erinnere, auch Terrorsquad, die spielen Death/Thrash metal

Dirty Deeds – das letzte Album, ich komme absolut nicht auf den Namen…

Wen willst du mal treffen?

Steve Harris. Er ist mein Idol, Iron Maiden sind nach wie vor meine Lieblingsband.

Was sagst du dazu, dass Bruce Dickinson entgegen seinen Beteuerungen wieder bei Maiden eingestiegen ist?

Insgesamt finde ich es großartig. Sie hatten ihre beste Zeit mit diesem Line-Up und wurden in dieser Besetzung berühmt. Nun haben sie eben drei Gitarren, aber das ging wohl nicht anders. Janick Gers hat zu viel für die Band getan, als sie schwere Zeiten hatten, sie konnten ihn nicht rausschmeißen. Bruces Einstellung zum Metal in den frühen Neunzigern kann ich nicht nachvollziehen. Er hat die Band verlassen, sein eigenes Ding durchgezogen. In einem Interview mit MTV Europe sagte er : Ich hasse Heavy Metal er stand auf der Bühne und hat mit Stuck Mojo ein Cover von Wrathchild GERAPPT! Er hat eben versucht, jung zu bleiben. Nun, inzwischen hat er zurückgefunden. Ich glaube, dass The X-factor eines der besten Maiden Alben ist – vielleicht war die Produktion zu flach und Blaze Bayley nicht unbedingt der richtige Sänger, aber er war Metal, britischer Hard Rock, sie waren konsequent. Virtual 11 hingegen ist nicht so gut, ich habe den Eindruck, dass sie bei dem Album nicht genau wussten, was zu tun sei. Jetzt haben sie wieder die Möglichkeit, Metal zu machen.

Letzte Worte:

Danke für das Interview und es war gut zu sehen, dass es auch Frauen gibt, die nicht nur auf gutaussehende Männer wie Pete Steele stehen, sondern auch die Musik hören… hier heißt es immer: Oh, der Typ ist süß, ich mag diese Band

Ähm…Type O Negative sind eine meiner Lieblingsbands…

Haha…aber du kennst bestimmt auch Carnivore?

Ja, sicher …

Gut, das unterscheidet dich von den meisten anderen Mädels. Carnivore waren gut. Was mich an Peter Steele stört: Es ist verdammt schwer für einen heterosexuellen Mann, seinen Gesang anzuhören – für mich klingt das immer so, als ob er Frauen auf eine bestimmte Weise ansprechen will. Das Gestöhne…weißt du was ich meine…

Nun, World Coming down geht meiner Meinung nach aber in eine andere Richtung…es ist doch viel atmosphärischer und vor allem depressiver

Ach, ich bleibe dabei, ich mag es nicht, wenn mir ein Mann in mein Ohr stöhnt, haha.