3 INCHES OF BLOOD: Es ist gut, König zu sein!

Tighter Heavy Metal aus Vancouver mit ordentlich Biss und starken Songs – höchste Zeit, mit 3 INCHES OF BLOOD-Frontmann Cam Pipes übers Bandleben zu plaudern.

 

Der Name der Vancouver Heavy Metal-Truppe 3 INCHES OF BLOOD leitete mich erst in die Irre. Nach neunmaliger Live-Bedienung im Rahmen des BONECRUSHER FESTs war es indes längst um mich geschehen. Klischees hin oder her, geiler Heavy Metal muss grooven, muss packen, muss mitreissen – und das tun diese fünf Kanadier mit jeder Faser, mit jeder Note, mit jedem Riff. Höchste Zeit also, Sänger Cam Pipes virtuell zu kontaktieren und ihn vor der nächsten Europainvasion (unter anderem treten 3 INCHES OF BLOOD am SONISPHERE FESTIVAL am 18. Juni im Schweizer Jonschwil auf) zum aktuellen Album Here Waits Thy Doom, der just vergangenen Winterolympiade in Vancouver und anderen metallischen Dingen zu befragen…

Cam, eure Heimatstadt Vancouver war ja in letzter Zeit dauernd in den Nachrichten wegen der olympischen Winterspiele. Inwiefern hat dich diese Sportgrossveranstaltung betroffen? Und hast du dir irgendwelche Wettkämpfe live angeschaut?

Ich machte mir nicht viel aus den olympischen Veranstaltungen. Das einzige, was ich wirklich sehen wollte, war natürlich Ice Hockey. Aber die Tickets waren sehr teuer. Wirklich sehr teuer. Ich habe mir also einfach alle Ice Hockey-Spiele der kanadischen Mannschaft am Fernsehen angeschaut. Und das Finale war natürlich der reinste Nervenkrieg für mich. Aber mit dem goldenen Resultat bin ich glücklich!

Dieses Spiel war auch wirklich gut für einen Herzinfarkt, selbst für Nicht-Kanadier. Ich habe mir schon gedacht, dass du dich primär für Ice Hockey interessierst. Was ist denn deine Meinung zu Männern, die Eiskunstlauf betreiben?

Ich schere mich nicht um Eiskunstlauf. Meine Mutter und meine Schwester mögen es jedoch, also musste ich es manchmal mitanschauen, als ich noch ein Kind war.

Es gab ja auch eine andere Seite zu Olympia in Vancouver – ich beziehe mich auf die Demonstrationen gegen die Spiele. Wir haben hier nicht viel von diesen kritischen Stimmen mitbekommen, aber soweit ich weiss, ging es primär um den (negativen) Umwelteinfluss der Spiele, dafür verwendete Steuergelder sowie Anliegen der Ureinwohner, da einige Wettkämpfe auf ihrem Land stattfanden. Was ist deine Meinung zu diesen kritischen Olympia-Stimmen?

Es wurde abstrus viel Geld für die olympischen Spiele ausgegeben, also kann ich schon verstehen, weswegen einige Leute dagegen waren, dass die Spiele hier in Vancouver stattfanden. Die Protestgruppen, die sich zu Beginn der Spiele versammelten, wirkten eher desorganisiert und hatten keine klare Protestbotschaft. Es war eine Art Mix aus Anti-Krieg, Anti-Armut-Demonstranten und Crust Punk-Protestlern, die ein paar Brief- und Zeitungskästen umwarfen und Scheiben zerbrachen. Ich denke, sie haben sich mit ihrem Auftreten die Sympathien bei den anderen Leuten für ihre Botschaften eher verspielt als sie ausbauen können.

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Gitarristen mit einer Schwäche für Hockey: Justin und Shane 

Was hast du eigentlich als erstes gemacht, nachdem das kanadische Hockey-Team gewonnen hatte? Und hast du ein nationales Lieblingsteam?

Ich sprang aus meinem Stuhl, jubelte und umarmte meine Bandmitglieder. Wir waren da gerade in Alaska und wir waren die einzigen Kanadier in einer Bar voller Amerikaner. Eine leicht bizarre Situation. Aber nachdem die Amerikaner den Schock überwunden hatten, schüttelten sie uns die Hände und gratulierten. Jetzt wo die olympischen Spiele vorbei sind, kann ich mich wieder auf mein Team – die Vancouver Canucks – konzentrieren.

Kommen wir zu eurem aktuellen Album, Here Waits Thy Doom. Im Song Battles and Brotherhood singst du ja von Blades (jedoch kaum jene, die auf dem Eis zum Einsatz kommen) und anderen heldenhaften Dingen. Was macht für dich einen Helden aus heutzutage? Und wer ist dein persönlicher Held?

Ein Held ist jemand, der grosse Hindernisse überwindet und das mit einer positiven Einstellung tut. Meine Mutter kämpft seit vier Jahren gegen den Krebs, obwohl man ihr keine guten Chancen auf einen Sieg ausgerechnet hat. Sie hat ihre positive Einstellung immer bewahrt und hat es sie nie runterziehen lassen. Sie ist meine persönliche Heldin.

Ich hoffe, sie schafft es, den Krebs letzten Endes zu besiegen. In Rock in Hell singst du von Reckless fury when under the influence. Auf welchen Einfluss beziehst du dich da?

Dieser Einfluss kann von allen möglichen Dingen kommen, die eine Person dazu bringen, sich auszuklinken und dumme, unprofessionelle Sachen zu machen.

Die Liste würde wohl lang werden. Glaubst du denn an eine Hölle?

Ich glaube weder an den Himmel noch die Hölle.

Die für die organisierten Religionen jedoch eine wichtige Rolle spielen…

Ich bin Atheist. Organisierte Religion ist ein kranker Witz, der die Menschen zu Sklaven macht.

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Ich wäre ein Stier, Justin ein Hammel, Shane ein Löwe, Ash ein Fisch und Steve eine Krabbe. – Ash hält den Takt bei 3 INCHES OF BLOOD auch ohne spirituelles Wasser

Nun gibt es ja nicht nur organisierte Religionen. Im Rahmen der Schweizer Berichterstattung zu den olympischen Winterspielen ging eine Reporterin zu einem kanadischen Ureinwohner und er wies ihr ihr spirituelles Tier zu. Welche Tiere würdest du als Repräsentanten für deine Bandmitglieder auswählen?

Eine bizarre Frage. Ich wäre ein Stier, Justin ein Hammel, Shane ein Löwe, Ash ein Fisch und Steve eine Krabbe.

Und was ist das beste daran, Teil dieser interessanten Ansammlung zu sein?

Das Beste daran, bei 3 INCHES OF BLOOD zu sein, ist es, auf der ganzen Welt Musik spielen und davon leben zu können. Ich habe seit sechs Jahren keinen regulären Tagesjob.

Das ist cool, wenn man nur das machen muss, was man wirklich will. Mein absoluter 3 INCHES OF BLOOD-Lieblingssong bleibt wohl Silent Killer. Was hat dich zum Text inspiriert?

Ich spielte ein Videospiel namens Assassin`s Creed und war total davon eingenommen. Also habe ich einen Song über Berufskiller geschrieben.

Im Januar wart ihr ja Teil der BONECRUSHER FEST-Tour in Europa. Bei eurem letzten Gig in Utrecht kamen NECROPHOBIC zu euch auf die Bühne für die Performance von Call of the hammer – was passte, wenn man eine Textzeile wie Attack and kill with Nordic steel betrachtet. Was weckte ursprünglich dein Interesse an den Wikingern?

Wikinger waren starke und furchtlose Krieger. Ich denke, das kommt den Gefühlen vieler Metalheads entgegen – und wir sind von dieser Faszination nicht ausgeschlossen.

Was ist dein Lieblingssong von NECROPHOBIC?

For Those Who Stayed Satanic (vom Death To All-Album). Wahrscheinlich weil mir dabei immer For Those About To Rock” in den Sinn kommt – einfach auf eine Nekro Black Metal-Art.

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Wikinger waren starke und furchtlose Krieger. – Und NECROPHOBIC teilten mit 3 INCHES OF BLOOD während Call Of The Hammer die Bühne im Utrechter Tivoli

Hehe… Und was ist das Verrückteste, was dir auf der BONECRUSHER FEST-Tour passiert ist?

Ich sah die Gräber von Mozart, Beethoven, Brahms, Schubert und Strauss alle am selben Tag. Da ich ein Fan klassischer Musik bin, war das ganz schön verrückt für mich.

Gibt es eine absolute Traumband, mit der du unbedingt mal auf Tour gehen willst?

Ich könnte mich für keine einzelne entscheiden. Das ist eine Frage, die mir oft gestellt wird, aber ich kann sie einfach nicht richtig beantworten.

Wie sieht denn die Live-Realität für Europa aus in nächster Zeit?

Wir kommen im Juni nach Europa zurück für ein paar Wochen – und spielen einige Gigs an Festivals und in Clubs.

Vancouver ist ja nicht gerade um die Ecke von Europa. Was vermisst du am meisten, wenn du weg bist von daheim?

Meine Freundin, unsere drei Katzen und unseren Hund. Und Tim Hortons Kaffee.

Von der kanadischen Küche hört man hierzulande nicht gerade viel – abgesehen vom Ahornsirup. Was ist das beste, was du kochen kannst?

Ich liebe Barbecue, wenn das Wetter schön ist. Das Beste, was ich kochen kann, ist wohl Barbecue Hühnchen. Die Marinade ist alles!

Nun, zum dritten Kanadaklischee, neben Ahornsirup und Ice Hockey: Wieviele Flannelhemden besitzt du?

Ich habe eine Flanneljacke, aber die ist irgendwo verstaut. Ich habe sie seit Jahren nicht getragen.

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Das Beste, was ich kochen kann, ist wohl Barbecue Hühnchen. Die Marinade ist alles! – Cam Pipes (3 INCHES OF BLOOD) 

Weg vom Klischee, hin zum Metal. Welche Undergroundbands aus Vancouver kannst du empfehlen?

BISON B.C. sind definitiv die aussergewöhnlichste Metalband aus Vancouver. Nicht viele Bands aus Vancouver schaffen es, ausserhalb der Stadt bekannt zu werden.

Ihr habt es indes auch geschafft und mit Here Waits Thy Doom immerhin das vierte Full Length-Album am Start. Wer ist eigentlich der angsteinflössende Glatzkopf auf dem Coverartwork?

Der Glatzkopf ist eine Prothese bzw. Maske, die ein Freund von uns gemacht hat. Das Albumcover bezieht sich aber nicht direkt auf einen Song des Albums.

Für Battles and Brotherhood habt ihr ja ein ziemlich kostümaffines, aufwendiges Video gedreht. Live gibt es bei euch allerdings keine Verkleidungen, Schwerter und dergleichen. Inwiefern ist der visuelle Aspekt relevant bei 3 INCHES OF BLOOD?

Unser Hauptanliegen ist die Musik. Wie möchten natürlich schon, dass die Leute visuell unterhalten werden, aber wir möchten die Fans nicht mit aufwendigen Kostümen von der Musik ablenken. Einmal haben wir für eine spezielle Show die Kostüme getragen. Aber dann dachten die Leute, wir würden das jetzt jedes Mal machen. Also haben wir sofort damit aufgehört.

Wenn ich das recht beobachtet habe, kriegen alle deine Bandmitglieder je eine Frau ab im Videoclip. Du kriegst jedoch zwei. Warum?

Weil ich im Videoclip der König bin. Und es ist gut, König zu sein.

Steve Ericson, der während der BONECRUSHER FEST-Tour Bass bei euch spielte, kommt ja ebenfalls im Videoclip vor. Ist er inzwischen ein festes Bandmitglied von 3 INCHES OF BLOOD?

Steve ist zurzeit in der Band, um live Bass zu spielen. Wir brauchen Zeit um zu evaluieren, ob er ein permanentes Mitglied von 3 INCHES OF BLOOD wird.

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Einmal haben wir für eine spezielle Show die Kostüme getragen. Aber dann dachten die Leute, wir würden das jetzt jedes Mal machen. Also haben wir sofort damit aufgehört. – Musik ist die Hauptsache bei 3 INCHES OF BLOOD 

Was im Zusammenhang mit Mitgliedern und 3 INCHES OF BLOOD oft diskutiert wird, ist, dass keiner der ursprünglichen Bandgründer noch mit an Bord ist. Du hast bei 3 INCHES OF BLOOD ja als Background-Sänger bei den Aufnahmen zur ersten EP angefangen. Gab es eigentlich jemals Probleme mit den ursprünglichen Bandmitgliedern, weil ihr den Namen behalten habt? Und wie ist das Verhältnis zueinander heutzutage?

Ich bin kurz nach der Gründung bei 3 INCHES OF BLOOD eingestiegen. Theoretisch bin ich also kein Gründungsmitglied, aber ich bin auf allen Aufnahmen zu hören, auch auf dem Demo. Meine Beziehung zu den Ex-Mitgliedern ist okay. Ich sehe sie nicht oft, aber es gibt kein böses Blut zwischen uns. Rechtlich gesehen gehört der Name 3 INCHES OF BLOOD mir.

Also kein Debakel à la GORGOROTH. Worauf bezieht sich eigentlich der Bandname?

Das ist keine sehr interessante Geschichte.

Aber arbeitet ihr dafür schon an einem interessanten Nachfolgealbum von Here Waits Thy Doom?

Seit das Album rausgekommen ist, hatten wir nicht viel Zeit. Einige Songideen schwirren schon herum, aber wirklich daran arbeiten konnten wir noch nicht.

Und wie sieht die Zukunft von 3 INCHES OF BLOOD aus?

Wir sind keine Hellseher, niemand ist es. Aber hoffentlich gut.

Fotos und Layout: Arlette Huguenin Dumittan