WITHEM: The Point Of You

WITHEM: The Point Of You

Kommt eine Hardrock-Band zum Arzt. Was fehlt Ihnen denn?, fragt der Arzt. Ach, wissen Sie, es ist als hätte ich zwei linke Hände. Nichts geht mehr einfach. Ständig ecke ich an, ich bewege mich nur noch auf Umwegen. Am schlimmsten ist aber, dass meine Mitglieder das Geld der ersten Gigs in Instrumentenunterricht gesteckt haben statt in Alkohol. Der Arzt nimmt noch rasch den Puls (Bum Bum Bum Bu-Bum Bum Bum Bu-Bum Bu-Bum Bum…), ehe er sachlich die Diagnose fällt: Tut mir leid, aber Sie haben Progressive Metal. Die Band schaut ihn mit großen Augen an. Progressive Metal? Ist das schlimm? Kann man da etwas gegen machen? Sie müssen jetzt stark sein: Gemeinhin entwickelt sich das zu einer recht frickeligen Angelegenheit, die lange anhält. In der Literatur wird manchmal von Matheos-Fällen berichtet, bei denen nach und nach simplere Strukturen auftauchen. Außerdem ist da noch die Gildenlöw-Mutation, die sich in Schlaghosen und Seventies-Elementen äußert. Beides scheint auf Sie nicht zuzutreffen. Früher habe ich solche Fälle immer zu meinem Kollegen Dr. I. Out geschickt. Aber der nimmt nur noch Privatpatienten. Sie müssen wohl so zurechtkommen.

WITHEM geben sich spielfreudig, gerade was die groovige Rhythmusgitarre und den Gesang angeht. Dazu kommen kurzweilige Keyboardarrangements, so dass The Point Of You frischer als ein Großteil der Konkurrenz klingt. Aber eine Progressive Metal-Scheibe mit der Attitüde einer beherzten Hardrock-Band ist immer noch eine Progressive Metal-Scheibe. Die Eingängigkeit wird von den überbordenden Arrangements überdeckt, die stimmungsvollen Lichtpunkte verschwinden so rasch, wie sie auftauchen. Die CD ist in dieser Hinsicht eine Herausforderung für die aufmerksame Hörer. Im ersten Moment meint man, eine coole Songidee ausgemacht zu haben. Dann schlägt die Atmosphäre dreimal innerhalb einer Minute um, wobei mindestens einmal gut gelaunter Heavyrock auftaucht, bei dem der variable Gesang Akzente setzt. Es erfordert ein hohes Maß an Konzentration, diese Versatzstücke in ihrer Gesamtheit wertzuschätzen. Bei den meisten Songs scheitere ich auch nach mehreren Hördurchgängen. Dabei will ich diese unbekümmerten Musiker auf ihrem Weg abseits des traumtheaterschen Mainstreams eigentlich ermutigen, ihr eigenes Ding zu machen. Für eine uneingeschränkte Kaufempfehlung fehlt jedoch der geniale Funke im Hardrock-Bereich wie auch im Prog-Metal-Bereich. Empfehlenswert ist The Point Of You somit lediglich für Leute, die sich Gute-Laune-Prog mit reichlich Abwechslung nicht nur vorstellen können, sondern auch noch toll finden.

Veröffentlichungstermin: 04.10.2013

Spielzeit: 48:23 Min.

Line-Up:
Ole Aleksander Wagenius: Gesang
Ketil Ronold: Keyboards
Øyvind Voldmo Larsen: Gitarre
Miguel Pereira: Bass
Frank Nordeng Røe: Schlagzeug

Produziert von Øyvind Voldmo Larsen
Label: Sensory
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/withemband

Tracklist:
1. Point Of View
2. Miracle
3. Phrenesis
4. Burned By Senses
5. Mr. Miruz
6. Born To Live
7. The Paramount Of Lies
8. Driven By A Blessing
9. Why Me?

Jutze
.