WIESE: Wiese [EP]

WIESE: Wiese [EP]

„Es steht kein Pferd auf dem Flur“ sang einst ein großer Philosoph. Bei WIESE steht ein Kamel auf der Wiese, genauer ein Dromedar in einer orientalischen Steppe. Weiß ist es, gar unschuldig wie die Bezeichnung „Dream-Doom“, welche die Berliner/Leipziger Band WIESE ihrem Sound aufdrückt. Warum ich hier vom hübschen Wüstenschiff erzähle? Das steht wohl hinter dem Haus auf dem Cover, man sieht es nur auf dem Aufkleber. Schade eigentlich! Auch die Band hält sich mit der ersten EP noch etwas versteckt, eine zarte Auflage von 150 CDs gibt es wohl und halt unlimitiert Downloads über ihre Bandcamp-Seite.

Dream-Doom ohne Dromedar von WIESE

Entstanden sind die drei Songs 2017, im Februar 2018 haben sie die Jungs in einer Nacht und Nebel-Aktion in Leipzig aufgenommen. Nun denn, das mit viel Nacht und sehr viel würzigem Nebel malt schnell die passenden Bilder vor Augen. Klar, Lavalampe, bestimmt auch Räucherstäbchen, Spaß hatten die Jungs dabei ganz sicher. Obwohl hier nichts wirklich lustig ist. „Fenestral“ beginnt schleichend, verträumt, ist ja Dream-Doom. Kein schöner Traum, ab der Mitte drehen sie durch, ein Albtraum für zarte Gemüter, wohlig für Freunde des zappeligen, jazzig-vertrackten Prog-Rock. Das Video dazu lässt einen dann doch mal schmunzeln.

WIESE präsentieren verträumten bis vertrackten Prog/Psychedelic-Rock

„Shiny Beast“ beginnt ebenfalls verträumt, ein FLOYDiger Touch macht sich breit, eher aber von deren ganz frühen Scheiben. KING CRIMSON oder VAN DER GRAAF GENERATOR mögen die Jungs sicher auch. Schiefe Töne zersägen die Gitarrenmelodien. Knarzig-fuzzig wird es natürlich lauter und fordernder. Anders, ja, aber man verspürt Lust, mal wieder „Careful with That Axe, Eugine“ zu hören. „Golden String“ ist und bleibt schön. Einschmeichelnde Gitarren, Schlagzeug und Percussion kriegen Raum. Der Bass darf sich mit erst zart solierenden und dann fordernden Läufen immer breiter machen, wenn der Song dezent Fahrt aufnimmt. Wenn ich mir einen Traum aussuchen darf, dann diesen.

Kein Doom, aber die WIESE-EP macht Spaß, gern auch bei Nacht und Nebel

Doom findet man hier keinen, aber auch als Doomer schwebt man durchaus mal träumend dahin. Dafür bieten WIESE den passenden Soundtrack. Man sollte jedoch eher Fan des frühen Prog-Rock sein als ein Freak der Doomfraktion. Dass die Songs vernebelt ohne viel Schnickschnack eingespielt wurden, das hört man mit jedem Ton. Da darf der Gitarrenamp brummen und wird nicht rausgefiltert. Da darf ein Ton schmerzhaft daneben gehen und darf bleiben, weil er in den Flow des Songs passt. Perfekt ist das alles nicht, das klingt tatsächlich nach einer Nacht und Nebel-Aktion. Aber die macht Spaß, wenn man sich drauf einlässt, gern auch bei Nacht und Nebel unterm Kopfhörer. Da darf gern ein ganzes Album folgen!

Über die Bandcamp-Seite von WIESE kann man sich die EP als CD für zarte 5€ oder als Download ordern. Wer die Band live sehen möchte kann dies demnächst tun:

11.05.2019 – Zukunft Chemnitz
18.05.2019 – Chemiefabrik Dresden

Veröffentlicht: 02.01.2019

Spielzeit: 20:24

Lineup:
Till Dahlmüller – Gitarre
Dario Meyer – Gitarre
David Frank – Bass
Volkan Sayman – Drums

Label: Eigenproduktion

Mehr im Web: http://www.facebook.com/wieseband

Die Tracklist von „Wiese“:
1. Fenestral
2. Shiny Beast
3. Golden String

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.