WE CAME AS ROMANS: Tracing Back Roots

Poppig und sommertauglich – "Tracing Back Roots" startet mit gefälligem Metalcore, fällt dann aber Kopf voran in die Zuckerdose.

Einen Titel wie “Tracing Back Roots” wählt man nicht ohne Grund. Bösen Zungen liefern WE CAME AS ROMANS damit allerdings eine Steilvorlage: Wenn sich die Amerikaner schon mit Album Nummer drei auf ihre Wurzeln zurückbesinnen wollen, dann war das kreative Sammelalbum dem Anschein nach nicht allzu üppig gefüllt. Glücklicherweise sind wir weder gehässig noch vorschnell im Urteil, weshalb wir feststellen können: “Tracing Back Roots” ist wenigstens in der ersten Hälfte so schlecht nicht.

Zunächst muss jedoch der Titelsong überstanden werden, der recht konfus zwischen standardisierten Moshrhythmen sowie unbeholfenen Atmospheric-Passagen herumirrt und erst zum Ende mit dem zuckersüßen Klargesang seine Linie findet. Von dieser weichen WE CAME AS ROMANS im Folgenden auch nicht mehr ab. Allein die Gitarren bleiben heruntergestimmt und sorgen immerhin bei den beiden Gitarristen Joshua Moore und Lou Cotten für dicke Eier in der Hose.

Das Konzept zweier Sänger nutzen WE CAME AS ROMANS kaum gewinnbringend

Vor diesem Hintergrund entwickelt die Detroiter Band einen melodischen, von Alternative und Pop gleichermaßen beeinflussten Blick auf den gegenwärtigen Metalcore. In ähnlicher Weise praktizierten das zuvor bereits ARCHITECTS, ATREYU, A DAY TO REMEMBER und THE BLACKOUT ARGUMENT – ein Querschnitt der genannten Gruppen wäre tatsächlich nicht allzu weit weg von dem, was “Tracing Back Roots” in seinen 40 Minuten aus dem Hut zaubert.

Selbst wenn es wie in “Ghosts” oder “Present, Future, And Past” zwischenzeitlich aggressiv und mit Wucht zur Sache geht, schlagen WE CAME AS ROMANS immer zuverlässig die Brücke zum melodieverliebten Klargesang samt poppiger Umsetzung mit Backgroundchor bei “I Survive” sowie “Hope”. Eingängige Harmonien beherrschen das Geschehen, das Konzept zweier Sänger nutzt die Band allerdings kaum gewinnbringend, obwohl Shouter David Stephens zum ersten Mal eigenen Klargesang beisteuert.

WE CAME AS ROMANS konnten sich nicht vor der Zuckerdose beherrschen

Dafür springt uns hin und wieder das Autotune-Gespenst ins Gesicht – die Dosierung bewegt sich nicht auf CHER-Niveau, reicht aber aus, um “Never Let Me Go” zu versauen. Das wäre noch zu tolerieren, würde im letzten Drittel der CD nicht der Pop-Gaul vollends mit den Jungs durchgehen. “Tell Me Now” dümpelt noch zahnlos vor sich hin, “A Moment” aber hätte man mit etwas Bearbeitung jedem x-beliebigen Popstar Marke REBECCA BLACK auf den Leib schneidern können.

Zwar verabschieden sich WE CAME AS ROMANS im Anschluss nicht gleich mit einem “Friday”-Cover, ohne Honig und Zuckerwatte scheint es dagegen nicht zu gehen. Das ist nicht per se schlecht, in der ersten Hälfte sogar ziemlich kurzweilig und sommertauglich. Weil sich WE CAME AS ROMANS aber nicht vor der Zuckerdose beherrschen konnten, gilt für “Tracing Back Roots” dasselbe wie für jede Nascherei: So gut sie an sich schmecken mag, zuviel davon bereitet Bauchschmerzen.

Veröffentlichungstermin: 26.07.2013

Spielzeit: 40:39 Min.

Line-Up:
David Stephens – Vocals
Kyle Pavone – Vocals
Joshua Moore – Guitar
Lou Cotton – Guitar
Andy Glass – Bass
Eric Choi – Drums

Produziert von John Feldmann
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.wecameasromans.com
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/wecameasromans

WE CAME AS ROMANS “Tracing Back Roots” Tracklist

01. Tracing Back Roots (Lyric-Video bei YouTube)
02. Fade Away
03. I Survive
04. Ghosts
05. Present, Future, And Past
06. Never Let Me Go (Video bei YouTube)
07. Hope
08. Tell Me Now
09. A Moment
10. I Am Free
11. Through The Darkest Dark And Brightest Bright